EpicMind

Weisheiten für das digitale Leben

Marks: Loslassen

Der Morgen begann unspektakulär. Ich sass am Küchentisch, der Kaffee war noch heiss, und vor mir lag eine To-do-Liste, die mich schon länger begleitet als mir lieb ist. Einige Aufgaben habe ich in den letzten Monaten wieder und wieder übertragen. Nicht, weil sie so wichtig wären, sondern weil ich nicht bereit war, sie zu streichen. Beim Blick auf ein bestimmtes Ziel – meinen digitalen Foto-Order sortieren und ausmisten – spürte ich dieses leise Ziehen im Bauch, das sich einstellt, wenn man zwar weiss, dass etwas nicht stimmt, es aber noch nicht laut aussprechen will.

In diesem Moment stellte sich ein nüchterner Gedanke ein: Vielleicht ist das Problem nicht mangelnde Disziplin. Vielleicht liegt es daran, dass ich an etwas festhalte, das sich längst überlebt hat. Dieser kleine Moment am Küchentisch wurde der Ausgangspunkt für die Frage, warum das Aufgeben von Zielen oft gesünder und vernünftiger ist, als wir es uns eingestehen wollen.

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Della Vecchia: Creation of a Homunculus

Die Diskussion um künstliche Intelligenz kreist meist um Effizienzgewinne, Automatisierung und neue Arbeitsformen oder gar den Verlust derselben. Weniger sichtbar, aber mindestens ebenso bedeutsam, ist eine zweite Ebene: die Frage, wie KI unser Denken beeinflusst. In den vergangenen Monaten habe ich mich mit diesem Thema befasst und entsprechende Beiträge und Studien gelesen. Zusammen ergeben sie ein Bild, das mich nachdenklich stimmt. KI nimmt uns nicht nur Arbeit ab – sie verschiebt auch, was wir als geistige Eigenleistung betrachten. Ich möchte in diesem Beitrag darlegen, was wir darüber wissen, warum das sog. Cognitive Offloading im Kontext von KI so stark zunimmt und wie wir aktiv gegensteuern können. Nicht, weil KI per se problematisch ist, sondern weil unser Umgang mit ihr entscheidet, ob sie unser Denken ergänzt oder ersetzt.

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Anonymes Portrait eines Philosophen, Italien, 17. Jahrhundert

Du kennst das vielleicht: Nach einem intensiven Kurstag gehst Du mit einem guten Gefühl nach Hause. Die Inhalte waren spannend, die Übungen sinnvoll, die Gruppe engagiert. Doch eine Woche später, beim Wiederholen der Unterlagen, ist vieles verschwunden. Du erkennst Schlagworte, aber der Zusammenhang ist weg. Und schon stellt sich die leise Frage: Wieso bleibt so wenig hängen, obwohl ich mich doch wirklich konzentriert habe? Dieses Erlebnis ist ganz normal. Unser Gehirn vergisst schnell – nicht, weil es schlecht arbeitet, sondern weil es effizient ist. Es sortiert aus, was im Moment nicht überlebenswichtig scheint. Doch das bedeutet nicht, dass Lernen zum Kampf gegen das Vergessen werden muss. Es gibt einfache Wege, das Gedächtnis zu unterstützen: Wege, die keine besondere Begabung und keinen grossen Aufwand verlangen. Fünf davon möchte ich Dir zeigen. Sie lassen sich sofort anwenden, besonders gut beim #Lernen in der beruflichen Weiterbildung.

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Charles Paul Landon: Le Temps brise les armes de l'Amour

Es gibt Tage, da fühle ich mich wie ein Gefangener meines Kalenders. Erinnerungen blinken auf, Meetings reihen sich aneinander, und selbst die Mittagspause fällt zugunsten eines „Lunch Meetings“ aus. In solchen Momenten frage ich mich: Ist das wirklich Zeit – oder bloss ein Abspulen von Takteinheiten? Und dann gibt es die seltenen Augenblicke, in denen alles stillzustehen scheint: ein unerwartet tiefes Gespräch oder das plötzliche Aufblitzen einer Idee. Diese Erfahrung führt mitten hinein in einen alten Gegensatz, den die Griechen schon kannten: Chronos und Kairos.

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Bol: Five officers of the Gouda city militia

Der preisgekrönte Dokumentarfilm Echte Schweizer, der derzeit in der 3sat-Mediathek verfügbar ist, hat mich erneut daran erinnert, wie prägend der Militärdienst sein kann. Regisseur Samir Popadić, selbst Schweizer Offizier mit serbischen Wurzeln, erzählt von erlebtem Zusammenhalt und davon, wie der Militärdienst Integration ermöglicht – über Herkunft und Sprache hinweg. Für ihn wurde die Armee nach dem frühen Tod seiner Eltern sogar zur Ersatzfamilie. Diese doppelte Perspektive als Filmemacher und Offizier macht deutlich: Militär bedeutet nicht nur Verteidigung, sondern stiftet auch gesellschaftlichen Zusammenhalt. Auch ich habe als Offizier erlebt, wie militärische Erfahrung Führungskräfte formt und ihnen hilft, Teams im Zivilen zu führen.

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Kotschenreiter: Gemeinderatsversammlung im Wirtshaus

Neulich in einem meiner Leadership-Kurse im Thema mündliche Kommunikation entspann sich eine unerwartet lebhafte Diskussion. Eigentlich ging es um das Thema Auftritt und Wirkung. Doch ein Teilnehmer meldete sich zu Wort und meinte mit hörbarer Frustration: „Ganz ehrlich, ich habe das Gefühl, die Hälfte meiner Zeit geht für Meetings drauf, die kaum etwas bringen.“ Sofort nickten mehrere andere, und schon bald tauschten wir Beispiele aus: endlose Online-Sitzungen ohne klare Agenda, spontane Ad-hoc-Meetings im Büro, bei denen am Schluss niemand wusste, was nun eigentlich entschieden wurde.

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Ricci: Diogene e Alessandro Magno

Als Alexander der Grosse dem Diogenes einen Wunsch erfüllen wollte, verlangte dieser nur, er möge ihm aus der Sonne treten. Der Makedonenkönig soll geantwortet haben: „Wäre ich nicht Alexander, so wäre ich Diogenes.“ Was uns heute nur noch als weltfremd erscheint, war damals eine revolutionäre Glücksphilosophie – und hat mit unserem heutigen Verständnis von Zynismus nichts gemein. Die antiken Kyniker suchten nicht Misstrauen oder Härte, sondern Freiheit durch radikale Einfachheit.

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Foto von AbsolutVision auf Unsplash

Manchmal geschieht es mitten in einem spannenden Buch oder während eines inspirierenden Vortrags: Ein Gedanke fasziniert, doch kaum habe ich ihn erfasst, scheint er schon wieder zu entgleiten. Dieses paradox wirkende Phänomen ist nicht neu, aber es hat inzwischen einen Namen. Der Philosoph und Autor Jonny Thomson schlug dafür den Begriff lethomanthia vor – das Vergessen im Moment des Lernens. Ich erkenne mich darin wieder: Oft wünsche ich mir, die Fülle von Eindrücken und Informationen so ordnen zu können, dass sie mir auch später noch zugänglich bleibt. Genau an diesem Punkt setzt die sogenannte Nexus-Methode an.

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Caravaggio: Die Falschspieler

Sam Altman, Bill Gates und Richard Branson haben die digitale Welt geformt wie kaum andere. Doch wenn es um ihre wichtigsten Entscheidungen geht, greifen sie ausgerechnet zu Stift und Papier. Das ist kein nostalgischer Tick, sondern kalkulierte Notwendigkeit. Handschrift ist für sie ein Werkzeug des Denkens, das Klarheit erzwingt und Ideen verankert. Dabei liegt hier eine bemerkenswerte Ironie verborgen: Die „Tech-Gurus“ zerstören genau jene Kulturtechnik, auf die sie selbst angewiesen sind. Während sie ihre Gedanken von Hand entwickeln, schaffen ihre Produkte eine Welt, in der kommende Generationen diese Erfahrung nie mehr machen werden.

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Petiet: Liseuse endormie

Manchmal genügt ein einziger Satz, um alles wieder zu vergessen: „Dies ist nicht prüfungsrelevant.“ Was vorher konzentriert gelesen oder sogar verstanden wurde, ist plötzlich wie weggeblasen. Wissen, das keine Anwendung findet, verflüchtigt sich erstaunlich schnell. Umgekehrt ist es gar nicht so schwer, neue Informationen länger im Gedächtnis zu behalten, sofern Du weisst, wie. Drei kurze Schritte reichen oft aus. Alle basieren auf neurowissenschaftlichen Studien und lassen sich in weniger als fünf Minuten umsetzen. Ergänzt Du sie noch mit einem guten Schlaf, so wird daraus ein erstaunlich wirksames #Lernen.

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