EpicMonday 07: Wenn das Gehirn abschweift – und dabei lernt

Freundinnen & Freunde der Weisheit! Nicht nur Tagträume sind produktiv, auch die Gedanken schweifen lassen (sog. Mind Wandering) kann beim Lernprozess hilfreich sein. Das Gehirn arbeitet einfach auf einer anderen Ebene weiter.
Gedanken schweifen lassen – das gilt gemeinhin als Zeichen von Unaufmerksamkeit oder geistiger Abwesenheit. Doch wer während alltäglicher Routinen innerlich abschaltet, lernt unter Umständen mehr, als er oder sie bemerkt. Neue Forschungsergebnisse zeigen: Das sogenannte „Mind Wandering“, also das ziellose Abschweifen der Gedanken, kann in bestimmten Situationen unbewusstes Lernen fördern – insbesondere dann, wenn die Aufgabe einfach und wenig fordernd ist.
Eine Studie der Eötvös-Loránd-Universität in Budapest, veröffentlicht im Journal of Neuroscience, untersuchte genau diesen Effekt. Die Teilnehmenden führten eine einfache Tastaturaufgabe aus, bei der sie auf Pfeile reagierten, die auf dem Bildschirm erschienen. Ohne es zu wissen, wurden sie dabei mit wiederkehrenden Mustern konfrontiert. Interessanterweise lernten jene Personen diese Muster schneller, die angaben, ihre Gedanken hätten während der Aufgabe abgeschweift. EEG-Messungen zeigten zudem, dass in diesen Phasen vermehrt langsame Hirnwellen auftraten – ähnlich wie im leichten Schlaf.
Dieser Befund stellt gängige Annahmen infrage, wonach Abschweifen grundsätzlich leistungsmindernd sei. Stattdessen deuten die Ergebnisse darauf hin, dass unser Gehirn im Zustand verminderter Aufmerksamkeit bestimmte Informationen unbewusst verarbeiten kann – möglicherweise gerade deshalb, weil es nicht bewusst abgelenkt wird. Die Forscherinnen und Forscher vermuten, dass das Gehirn in solchen Momenten in eine Art Zwischenzustand übergeht, der es erlaubt, Muster in der Umgebung zu erkennen und abzuspeichern, ohne dass ein aktiver Lernwille nötig ist.
Wer also beim nächsten Gedankenspaziergang über die Einkaufsliste, ferne Urlaube oder Alltagssorgen abschweift, muss sich nicht zwangsläufig gedankenlos fühlen. Im Gegenteil: Auch wenn wir meinen, „nicht bei der Sache“ zu sein, arbeitet unser Gehirn oft auf einer anderen Ebene weiter – unbemerkt, aber nicht folgenlos. Mind Wandering erscheint damit nicht als Defizit, sondern als Teil eines natürlichen, möglicherweise sogar produktiven kognitiven Rhythmus.
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Disclaimer Teile dieses Texts wurden mit Deepl Write (Korrektorat und Lektorat) überarbeitet. Für die Recherche in den erwähnten Werken/Quellen und in meinen Notizen wurde NotebookLM von Google verwendet. Das Artikel-Bild wurde mit ChatGPT erstellt und anschliessend nachbearbeitet.
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