Vor einigen Jahren begann ich wieder, regelmässig von Hand zu schreiben. Nicht aus Nostalgie, nicht aus Skepsis gegenüber digitalen Werkzeugen. Mein Alltag spielt sich weitgehend am Bildschirm ab, und ich möchte das nicht ändern. Doch immer dann, wenn ich etwas wirklich verstehen, durchdenken oder entscheiden möchte, greife ich zum Notizbuch.
Diese Gewohnheit entstand zunächst aus einem praktischen Impuls. Mit der Zeit stellte ich fest, dass sie etwas verändert: Gedanken werden klarer. Zusammenhänge treten deutlicher hervor. Schwierige Entscheidungen wirken weniger überwältigend. Lange hielt ich das für eine persönliche Eigenheit. Heute spricht einiges dafür, dass dahinter mehr steckt.
Wer regelmässig wissenschaftliche Erkenntnisse über Lesen, #Lernen und ähnliche Themen konsultiert, begegnet einem vertrauten Muster. Irgendwo erscheint eine neue Studie. Wenige Tage später folgen die populärwissenschaftlichen Schlagzeilen: Papier sei dem Bildschirm überlegen, Bücher förderten das Verständnis, digitale Medien erschwerten die Konzentration. Die Studien unterscheiden sich, die Botschaft bleibt konstant.
Wer schon einmal versucht hat, eine längere Liste, Fachbegriffe oder eine Präsentation auswendig zu lernen, kennt das Problem: Einzelne Informationen verschwinden schnell wieder aus dem Gedächtnis. Besonders schwierig wird es, wenn die Inhalte wenig miteinander zu tun haben. Genau hier setzt die sogenannte Loci-Methode an – eine jahrtausendealte Lerntechnik, die bis heute verwendet wird.
Wenn ich heute Menschen zuhöre – im Zug, im Büro, beim Abendessen oder auch einfach online –, dann höre ich erstaunlich oft dieselben Untertöne: Erschöpfung, Gereiztheit, Vergleichsdruck, diffuse Unruhe. Viele leben in materiellem Wohlstand und wirken gleichzeitig innerlich erschöpft. Man optimiert Schlaf, Ernährung, Produktivität und Freizeitgestaltung, und dennoch bleibt häufig das Gefühl zurück, dass irgendetwas nicht stimmt. Und doch: Noch nie hatten wir so viele Möglichkeiten, unser Leben angenehm zu gestalten, und gleichzeitig so grosse Mühe, Ruhe zu finden.
Ich kenne kaum jemanden, der keine To-do-Liste führt. Manche arbeiten mit Apps, andere mit Notizbüchern, Haftzetteln oder ausgeklügelten Produktivitätssystemen. Trotzdem bleibt am Ende vieler Tage ein ähnliches Gefühl zurück: Man war beschäftigt, hat zahlreiche kleine Dinge erledigt – und dennoch scheint das Wesentliche liegen geblieben zu sein. Genau diese Erfahrung hat mich dazu gebracht, mich intensiver mit einer Methode auseinanderzusetzen, die bei agilen Methoden oft angewendet wird: Time Boxing.
In der heutigen digital vernetzten Welt ist das Smartphone für viele von uns ein ständiger Begleiter. Doch wie wirkt sich die blosse Anwesenheit dieses Geräts auf unsere kognitive Leistungsfähigkeit aus? Diese Frage wurde erstmals durch die sogenannte Brain-Drain-Hypothese aufgeworfen, die besagt, dass bereits die Anwesenheit eines Smartphones unsere geistigen Kapazitäten beeinträchtigen kann. In diesem Beitrag möchte ich mir die ursprüngliche Studie anschauen und sie mit den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen konfrontieren, die die Validität dieser Annahme infrage stellen.
Letzte Woche, beim Abendessen mit Freunden, rutschten wir in eine Diskussion über die aktuelle Situation im Iran. Innerhalb von Minuten sprachen wir aneinander vorbei – nicht weil die Argumente fehlten, sondern weil niemand wirklich zuhörte. Jeder wartete nur darauf, den nächsten Punkt zu setzen. Das Gespräch wirkte wie eine schlecht geschnittene Talkshow: viel Bewegung, wenig Erkenntnis. Genau an diesem Punkt setzen Daniel Dennetts vier Debattierregeln [1] ein – weniger als Technik, mehr als philosophische Zumutung an das eigene Denken.
Wöchentliche, regelmässige Reviews haben einen seltsamen Ruf. Viele wissen, dass sie sinnvoll wären, nur bleiben sie oft abstrakt: zu offen, zu zeitaufwendig oder zu nahe an der Selbstkritik. Man blättert durch Kalender und To-do-Listen, macht sich ein paar Notizen – und schliesst das Ganze ohne klare Konsequenz wieder ab. Genau an diesem Punkt wird Struktur entscheidend. Eine der schlichtesten und zugleich brauchbarsten Formen dafür ist die Methode Plus–Minus–Next.
Der Morgen begann unspektakulär. Ich sass am Küchentisch, der Kaffee war noch heiss, und vor mir lag eine To-do-Liste, die mich schon länger begleitet als mir lieb ist. Einige Aufgaben habe ich in den letzten Monaten wieder und wieder übertragen. Nicht, weil sie so wichtig wären, sondern weil ich nicht bereit war, sie zu streichen. Beim Blick auf ein bestimmtes Ziel – meinen digitalen Foto-Order sortieren und ausmisten – spürte ich dieses leise Ziehen im Bauch, das sich einstellt, wenn man zwar weiss, dass etwas nicht stimmt, es aber noch nicht laut aussprechen will.
In diesem Moment stellte sich ein nüchterner Gedanke ein: Vielleicht ist das Problem nicht mangelnde Disziplin. Vielleicht liegt es daran, dass ich an etwas festhalte, das sich längst überlebt hat. Dieser kleine Moment am Küchentisch wurde der Ausgangspunkt für die Frage, warum das Aufgeben von Zielen oft gesünder und vernünftiger ist, als wir es uns eingestehen wollen.
Die Diskussion um künstliche Intelligenz kreist meist um Effizienzgewinne, Automatisierung und neue Arbeitsformen oder gar den Verlust derselben. Weniger sichtbar, aber mindestens ebenso bedeutsam, ist eine zweite Ebene: die Frage, wie KI unser Denken beeinflusst. In den vergangenen Monaten habe ich mich mit diesem Thema befasst und entsprechende Beiträge und Studien gelesen. Zusammen ergeben sie ein Bild, das mich nachdenklich stimmt. KI nimmt uns nicht nur Arbeit ab – sie verschiebt auch, was wir als geistige Eigenleistung betrachten. Ich möchte in diesem Beitrag darlegen, was wir darüber wissen, warum das sog. Cognitive Offloading im Kontext von KI so stark zunimmt und wie wir aktiv gegensteuern können. Nicht, weil KI per se problematisch ist, sondern weil unser Umgang mit ihr entscheidet, ob sie unser Denken ergänzt oder ersetzt.