„Obwohl sich die Sicherheit vor den Menschen bis zu einem gewissen Grad durch wohlgefestigte Macht und Reichtum ergibt, so entsteht doch die reinste Sicherheit aus der Ruhe und dem Rückzug vor der Masse.“ (KD 14) [1]
Wer sich heute zurückzieht, versieht die Abwesenheit oft gleich mit einer Funktion. Eine Woche ohne Smartphone soll den Kopf freimachen, das Retreat neue Energie liefern, das Sabbatical Abstand schaffen. Danach geht es weiter. Der Rückzug wird zum Unterbruch, der die Rückkehr in dieselben Anforderungen erleichtert.
Epikurs Garten führt zu einer anderen Vorstellung. Auch sein Rückzug verfolgt einen Zweck: Sicherheit, Seelenruhe und ein gutes Leben. Dieses gute Leben beginnt jedoch bereits im Rückzug. Der Garten ist kein „Wartungsintervall“ für eine spätere Rückkehr in den Wettbewerb. Er gehört zu einer Lebensweise, die den Wert dieses Wettbewerbs selbst prüft.
„The good life is a process, not a state of being. It is a direction, not a destination.“
Carl Rogers formuliert diesen Satz in On Becoming a Person. Das gute Leben ist für ihn kein Zustand, den wir eines Tages erreichen und anschliessend besitzen. Es ist ein Prozess des Werdens, geprägt von wachsender Offenheit für die eigene Erfahrung und zunehmendem Vertrauen in die eigene Wahrnehmung [1]. Der Psychologe Stephen Joseph fasst diesen Gedanken treffend so zusammen: Entscheidend ist nicht, das Glück als späteren Zustand anzustreben, sondern die Art, wie wir uns zu unserem Leben verhalten [2].
Als Alexander der Grosse dem Diogenes einen Wunsch erfüllen wollte, verlangte dieser nur, er möge ihm aus der Sonne treten. Der Makedonenkönig soll geantwortet haben: „Wäre ich nicht Alexander, so wäre ich Diogenes.“ Was uns heute nur noch als weltfremd erscheint, war damals eine revolutionäre Glücksphilosophie – und hat mit unserem heutigen Verständnis von Zynismus nichts gemein. Die antiken Kyniker suchten nicht Misstrauen oder Härte, sondern Freiheit durch radikale Einfachheit.
Heute werde ich 50. Eine runde Zahl, die sich leise, aber deutlich bemerkbar macht – nicht nur im Pass, sondern auch in meinem inneren Koordinatensystem. Halbzeit vielleicht, wahrscheinlich auch schon mehr als das. Jedenfalls ein Anlass, innezuhalten. Und ehrlich gesagt: Ich war mir nicht sicher, was ich davon halten sollte. 50 – das klingt nach Verantwortung, nach gereiftem Urteil, vielleicht sogar nach leichter Verbitterung. Nach Jahren, in denen man die Welt ernst genommen hat. Manchmal zu ernst. Dabei entdecke ich gerade im #Alter eine neue Leichtigkeit. Nicht die sorglose, euphorische Art der Zwanziger, sondern eine leisere, stabilere Form: eine Gelassenheit, die nicht vorgibt, alles im Griff zu haben, aber auch nicht mehr alles beweisen muss. Und ich beginne zu verstehen, dass genau darin eine Form von Freiheit liegt, die ich früher übersehen habe.
Viele Menschen streben nach einem erfüllteren Leben, doch oft fühlen sie sich von den zahlreichen Anforderungen und Optionen überfordert. Zwischen der Jagd nach Erfolg, Selbstverwirklichung und #Glück bleibt oft wenig Raum für echte innere Balance und Zufriedenheit. Die Frage, wie wir ein authentisches Leben führen können, bleibt für viele unbeantwortet. Søren Kierkegaard, der dänische Philosoph des 19. Jahrhunderts, hat sich intensiv mit dieser Frage auseinandergesetzt.
Vor einiger Zeit habe ich hier im Blog „Vater der Stressforschung“ Hans Selye und seine Forschung vorgestellt. Gegen Ende des Beitrags bin ich dann kurz auf das Konzept der #Resilienz zu sprechen gekommen: Wie schaffen es bestimmte Menschen, sich durch Herausforderungen zu behaupten und daran zu wachsen, die andere als unerträglich empfinden? Dieser Frage will ich in diesem Blogbeitrag nachgehen. Was also verbirgt sich hinter dem Begriff Resilienz, wie kann man diese Fähigkeit entwickeln, und vor allem, was hat das mit Philosophie zu tun?