In den letzten Wochen vor Weihnachten habe ich mich auf eine kleine Challenge eingelassen: 30 Tage lang wollte ich nach jedem Unterricht ein handschriftliches Lehrjournal führen. Kein grosses Projekt, einfach ein Notizbuch und der feste Vorsatz, nach der Lektion zehn bis fünfzehn Minuten zu schreiben. Am Anfang war ich skeptisch, ob sich dieser zusätzliche Aufwand lohnen würde. Heute weiss ich: Es war eine der produktivsten Routinen, die ich mir als Dozent angewöhnt habe.
Wie oft hast du dir vorgenommen, etwas zu üben, bis es sitzt – und warst frustriert, weil sich kaum Fortschritte zeigten? In der Lehre erlebe ich oft, wie stark sich die Vorstellung hält, man müsse eine Aufgabe einfach immer wieder wiederholen, bis sie sitzt. Viele Lernende vertrauen darauf, dass reine Routine den entscheidenden Unterschied macht. Umso grösser ist die Irritation, wenn die Fortschritte trotzdem ausbleiben. Eine 2016 veröffentlichte Studie eines Forschungsteams der Johns-Hopkins-Universität stellt dieses verbreitete Bild des sturen Wiederholens ebenfalls infrage. Sie zeigt, wie das Gehirn auf feinste Veränderungen im Übungsablauf reagiert und weshalb genau diese Abweichungen den Lernfortschritt beschleunigen können.
Du kennst das vielleicht: Nach einem intensiven Kurstag gehst Du mit einem guten Gefühl nach Hause. Die Inhalte waren spannend, die Übungen sinnvoll, die Gruppe engagiert. Doch eine Woche später, beim Wiederholen der Unterlagen, ist vieles verschwunden. Du erkennst Schlagworte, aber der Zusammenhang ist weg. Und schon stellt sich die leise Frage: Wieso bleibt so wenig hängen, obwohl ich mich doch wirklich konzentriert habe? Dieses Erlebnis ist ganz normal. Unser Gehirn vergisst schnell – nicht, weil es schlecht arbeitet, sondern weil es effizient ist. Es sortiert aus, was im Moment nicht überlebenswichtig scheint. Doch das bedeutet nicht, dass Lernen zum Kampf gegen das Vergessen werden muss. Es gibt einfache Wege, das Gedächtnis zu unterstützen: Wege, die keine besondere Begabung und keinen grossen Aufwand verlangen. Fünf davon möchte ich Dir zeigen. Sie lassen sich sofort anwenden, besonders gut beim #Lernen in der beruflichen Weiterbildung.
Manchmal genügt ein einziger Satz, um alles wieder zu vergessen: „Dies ist nicht prüfungsrelevant.“ Was vorher konzentriert gelesen oder sogar verstanden wurde, ist plötzlich wie weggeblasen. Wissen, das keine Anwendung findet, verflüchtigt sich erstaunlich schnell. Umgekehrt ist es gar nicht so schwer, neue Informationen länger im Gedächtnis zu behalten, sofern Du weisst, wie. Drei kurze Schritte reichen oft aus. Alle basieren auf neurowissenschaftlichen Studien und lassen sich in weniger als fünf Minuten umsetzen. Ergänzt Du sie noch mit einem guten Schlaf, so wird daraus ein erstaunlich wirksames #Lernen.
Ziele begegnen uns überall: im Sport, in der Schule, im Beruf. Wir setzen sie uns selbst oder bekommen sie von anderen vorgegeben. Doch obwohl Zielsetzung als Erfolgsrezept gilt, wirken nicht alle Ziele gleich. Manche motivieren, andere frustrieren. Manche fördern Leistung, andere behindern sie sogar. Normalerweise bin ich zurückhaltend, wenn Befunde aus anderen Disziplinen auf #Bildung oder Beruf übertragen werden. Die Kontexte unterscheiden sich zu stark: in Struktur, Zielrichtung und Dynamik. Doch die sportpsychologischen Erkenntnisse aus dem systematischen Review von Williamson et al. (2024) [1] lassen sich schwer ignorieren. Zu deutlich zeigen sie, wie unterschiedlich Ziele wirken können und werfen wichtige Fragen für andere Lebensbereiche auf.
Kaum eine Kindheit kommt ohne sie aus: bunte LEGO-Steine, aus denen sich ganze Welten erschaffen lassen. Dass diese Bausteine aber nicht nur in Kinderzimmern Wirkung entfalten, zeigt eine neue Studie der University of Surrey: Bereits sechs Wochen LEGO-gestützter Unterricht führten bei Sechs- bis Siebenjährigen zu signifikanten Verbesserungen in räumlicher Vorstellungskraft und Mathematikleistung.
Das hat mich hellhörig gemacht. Denn als zertifizierter LEGO® SERIOUS PLAY® Facilitator und Erwachsenenbildner setze ich LEGO seit einigen Jahren punktuell auch in Workshops und im Unterricht ein – mit durchwegs positiven Erfahrungen. Was die Forschung jetzt im Primarschulalter aufzeigt, hat durchaus auch Relevanz für die höhere Berufsbildung und Weiterbildung. Dieser Beitrag geht der Frage nach, welche Rolle LEGO in der Erwachsenenbildung und Hochschuldidaktik spielen kann – und weshalb spielerisches Lernen auch für Erwachsene ein ernstzunehmender Weg des Verstehens ist.
Viele von uns haben das #Lernen auf eine Weise verinnerlicht, die auf Wiederholung, Auswendiglernen und kurzfristige Leistung abzielt. Wir bereiten uns auf Prüfungen vor, bestehen sie – und vergessen danach vieles wieder. Das Erkennen von Inhalten wird oft mit Verstehen verwechselt, das Reproduzieren mit Wissen. Doch was bedeutet es wirklich, „etwas zu wissen“? Diese Frage beschäftigt michseit Langem – und besonders eindrücklich beantwortet sie ein römischer Philosoph, der vor rund 2'000 Jahren lebte: Seneca. In seinem 33. Brief an Lucilius formuliert er eine Kritik am oberflächlichen Lernen, die heute aktueller denn je ist.
Die Frage, ob KI Schülerinnen und Schüler dümmer macht, wirkt auf den ersten Blick reisserisch. Und doch ist sie berechtigt – zumindest, wenn man sich ernsthaft mit den Veränderungen auseinandersetzt, die KI-gestützte Tools wie ChatGPT im schulischen Alltag auslösen. In einem Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung geht Lisa Becker diesem Thema differenziert nach. Sie beobachtet eine grosse Bandbreite im Umgang mit KI an Schulen: Von Lehrpersonen, die KI gezielt einsetzen, um Lernprozesse zu fördern, bis hin zu jenen, die deren Existenz weitgehend ignorieren.
In meiner Tätigkeit als Dozent spreche ich häufig mit meinen Studierenden darüber, wie sie richtig lernen können. Dabei vermittle ich wissenschaftlich fundierte Methoden, die das #Lernen effizienter und nachhaltiger machen. Eine der zentralen Empfehlungen, die ich regelmässig betone, betrifft den Schlaf: Wer ausreichend schläft, kann das Gelernte besser verarbeiten und behalten. Doch aktuelle Forschungsergebnisse aus Japan zeigen nun, dass Schlaf noch weit mehr bewirkt: Er bereitet das Gehirn aktiv auf zukünftiges Lernen vor.
Seit über 100 Jahren wird regelmässig behauptet, neue Technologien würden die #Bildung revolutionieren. Ob Radio, Film und Fernsehen, Taschenrechner, Computer oder E-Learning – jede dieser Innovationen wurde als fundamentaler Umbruch angekündigt. Doch in der Praxis blieben die grossen Umwälzungen aus. Der Unterricht in vielen Klassenzimmern sieht auch heute noch überraschend ähnlich aus wie vor Jahrzehnten. Der Grund dafür ist weniger technischer als vielmehr kognitionspsychologischer Natur: Bildung ist ein sozialer und mental anspruchsvoller Prozess, der sich nicht durch technischen Fortschritt allein verbessern lässt.