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Lego-Skulptur auf dem Legocampus in Billund

Eine wacklige Lego-Brücke steht am Anfang einer Reihe psychologischer Experimente. Der Ingenieur Leidy Klotz baute sie gemeinsam mit seinem dreijährigen Sohn. Einer der beiden Pfeiler war zu kurz, die Brücke deshalb instabil. Klotz griff in die Kiste, um einen passenden Stein zu suchen. Sein Sohn löste das Problem anders: Er nahm einen Stein vom längeren Pfeiler weg. Die Brücke war nun stabil, obwohl sie aus weniger Teilen bestand. Oder genauer: weil sie aus weniger Teilen bestand.

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von Schadow: Hölle

Meine Steuererklärung scheitert selten daran, dass ich keine Zeit dafür hätte. Meist scheitert sie zunächst daran, dass ich keine Lust verspüre, mich einer Aufgabe zu unterwerfen, deren unmittelbaren Nutzen ich nicht erkenne. Ähnlich geht es mir bei Behördenschreiben oder administrativen Pflichten, die von aussen an mich herangetragen werden.

Mein Verhaltensmuster ist ziemlich zuverlässig: Ich verweigere zunächst den Beginn und erledige stattdessen demonstrativ etwas anderes. Natürlich handelt es sich dabei nicht um irgendeine Ablenkung, sondern um etwas vermeintlich Wichtiges. Ich beantworte E-Mails, ordne Unterlagen oder erledige eine Aufgabe, die ebenfalls schon länger auf meiner Liste steht. So kann ich mir einreden, produktiv zu sein. Erst wenn die Frist näher rückt und der äussere Druck gross genug wird, widme ich mich der ursprünglichen Aufgabe.

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Anton Hickel: The House of Commons

Warum steigen manche Menschen in Organisationen auf – und andere nicht, obwohl sie fachlich mindestens ebenso kompetent sind? Diese Frage begegnet mir regelmässig. Im Unterricht, in Gesprächen mit Führungskräften, in Diskussionen über Karrierewege. Viele gehen implizit davon aus, dass sich Qualität langfristig durchsetzt. Wer die besseren Analysen liefert, wer klüger denkt, wer sorgfältiger arbeitet, wird früher oder später auch führen. So einfach ist es nicht.

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Paul Klee: Liegend

Kooperation gilt heute fast überall als Schlüsselkompetenz: in Teams, in Organisationen, in Bildungskontexten. Gleichzeitig bleibt oft unklar, was mit guter Zusammenarbeit eigentlich gemeint ist. Reicht es, wenn alle nett sind? Oder wenn Geben und Nehmen fair austariert sind? In meinen Leadership-Trainings und auch im Unterricht beobachte ich immer wieder dieselbe Spannung: Menschen wollen kooperativ sein, fürchten aber, ausgenutzt zu werden. Genau hier setzt die Arbeit von Adam Grant [1] an. Seine Typologie der Kooperation liefert ein überraschend nüchternes Raster, um diese Spannungen besser zu verstehen – ohne moralischen Zeigefinger, aber mit klaren Befunden.

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Liotard:  Portrait de Marie-Adélaïde de France en tenue turque

Selbstgesteuertes Lernen gilt heute als eine der Schlüsselkompetenzen schlechthin. Unsere Arbeitswelt ist geprägt von Beschleunigung und Verdichtung. Eigenverantwortung wächst. Gleichzeitig bleibt oft unklar, wie Sie Ihren Lernprozess konkret strukturieren sollen, ohne sich in Methoden, Tools oder gut gemeinten Ratschlägen zu verlieren. Das FASTER-Modell von Jim Kwik, der als Lerncoach vor allem ein breites Publikum anspricht, bietet hierfür einen einfachen, aber nicht oberflächlichen Orientierungsrahmen. Ich lese es weniger als Lernmethode im engeren Sinn, sondern als Heuristik, die hilft, Aufmerksamkeit, Handlung und Wiederholung bewusst zu organisieren.

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Anker: Schreibender Knabe mit Schwesterchen II

Wöchentliche, regelmässige Reviews haben einen seltsamen Ruf. Viele wissen, dass sie sinnvoll wären, nur bleiben sie oft abstrakt: zu offen, zu zeitaufwendig oder zu nahe an der Selbstkritik. Man blättert durch Kalender und To-do-Listen, macht sich ein paar Notizen – und schliesst das Ganze ohne klare Konsequenz wieder ab. Genau an diesem Punkt wird Struktur entscheidend. Eine der schlichtesten und zugleich brauchbarsten Formen dafür ist die Methode Plus–Minus–Next.

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Caillebotte:  Paar beim Spaziergang

Es ist ein vertrautes Gefühl: Du starrst auf den Bildschirm, der Cursor blinkt vorwurfsvoll, die Gedanken kreisen, ohne anzukommen. Nicht Ablenkung ist das Problem, sondern eine seltsame innere Blockade. Instinktiv stehst du auf, gehst ein paar Schritte, und plötzlich ordnet sich etwas. Die Lösung war die ganze Zeit da, nur nicht erreichbar im Sitzen. Was wie eine persönliche Marotte wirkt, verweist auf einen grundlegenden Irrtum unserer Arbeitskultur: Wir behandeln den Geist wie einen Muskel, den man durch blosse Anstrengung stärken kann. Länger sitzen, härter fokussieren, schneller reagieren. Doch genau diese Gleichung geht nicht auf.

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Kirchner: Bogenschützen

Ziele begegnen uns überall: im Sport, in der Schule, im Beruf. Wir setzen sie uns selbst oder bekommen sie von anderen vorgegeben. Doch obwohl Zielsetzung als Erfolgsrezept gilt, wirken nicht alle Ziele gleich. Manche motivieren, andere frustrieren. Manche fördern Leistung, andere behindern sie sogar. Normalerweise bin ich zurückhaltend, wenn Befunde aus anderen Disziplinen auf #Bildung oder Beruf übertragen werden. Die Kontexte unterscheiden sich zu stark: in Struktur, Zielrichtung und Dynamik. Doch die sportpsychologischen Erkenntnisse aus dem systematischen Review von Williamson et al. (2024) [1] lassen sich schwer ignorieren. Zu deutlich zeigen sie, wie unterschiedlich Ziele wirken können und werfen wichtige Fragen für andere Lebensbereiche auf.

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Degeorge: Death of Archimedes

Ich habe lange geglaubt, dass gute Ideen aus dem Nichts auftauchen. Beim Zähneputzen, auf einem Spaziergang, in der Dusche. Dieses magische „Heureka!“ – und plötzlich ist die Lösung da. Aber irgendwann merkte ich: So einfach ist es nicht. Der Geistesblitz ist nur der sichtbare Höhepunkt eines unsichtbaren Prozesses. Und je komplexer das Problem, desto weniger reicht er allein. Wer Lösungen für anspruchsvolle Fragen finden will – ob im Beruf, im Studium oder im Alltag –, muss wissen, wie dieser Denkprozess funktioniert. Dabei geholfen hat mir ein Denker, der schon vor fast hundert Jahren genau das beschrieben hat: Graham Wallas. Sein Modell der kreativen Problemlösung hat mich beeindruckt – und vielleicht geht es dir nach der Lektüre ähnlich.

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Lego-Skulptur auf dem Legocampus in Billund

Kaum eine Kindheit kommt ohne sie aus: bunte LEGO-Steine, aus denen sich ganze Welten erschaffen lassen. Dass diese Bausteine aber nicht nur in Kinderzimmern Wirkung entfalten, zeigt eine neue Studie der University of Surrey: Bereits sechs Wochen LEGO-gestützter Unterricht führten bei Sechs- bis Siebenjährigen zu signifikanten Verbesserungen in räumlicher Vorstellungskraft und Mathematikleistung.

Das hat mich hellhörig gemacht. Denn als zertifizierter LEGO® SERIOUS PLAY® Facilitator und Erwachsenenbildner setze ich LEGO seit einigen Jahren punktuell auch in Workshops und im Unterricht ein – mit durchwegs positiven Erfahrungen. Was die Forschung jetzt im Primarschulalter aufzeigt, hat durchaus auch Relevanz für die höhere Berufsbildung und Weiterbildung. Dieser Beitrag geht der Frage nach, welche Rolle LEGO in der Erwachsenenbildung und Hochschuldidaktik spielen kann – und weshalb spielerisches Lernen auch für Erwachsene ein ernstzunehmender Weg des Verstehens ist.

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