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    <title>Alter &amp;mdash; EpicMind</title>
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    <description>Weisheiten für das digitale Leben</description>
    <pubDate>Mon, 18 May 2026 09:55:07 +0000</pubDate>
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      <title>Alter &amp;mdash; EpicMind</title>
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      <title>Wie wir im Alter das Glück neu lernen können</title>
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      <description>&lt;![CDATA[Renoir: Bal du moulin de la Galette&#xA;&#xA;Seit 2020 lese ich regelmässig und mit wachsender Neugier die philosophisch angehauchten Kolumnen von Arthur C. Brooks im Magazin „The Atlantic“. Seine Texte tragen Überschriften wie „How to Be Happy Growing Older“ oder „The Seven Habits That Lead to Happiness in Old Age“ und sind weit mehr als populärpsychologische Ratgeber. Brooks schreibt als Sozialwissenschafter, als ehemaliger Thinktank-Präsident, als Ehemann und Vater. Vor allem aber schreibt er als jemand, der selbst erfahren hat, wie schwierig es ist, wirklich glücklich zu werden. Nun, da ich ebenfalls 50 geworden bin und die Frage nach dem #Glück in der zweiten Lebenshälfte brennender wird, habe ich eine Reihe seiner zentralen Gedanken zusammengetragen und mit der nötigen kritischen Distanz betrachtet.&#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Arthur C. Brooks, Jahrgang 1964, lehrt heute an der Harvard Kennedy School und an der Harvard Business School. Sein Forschungsgebiet umfasst Glück, Führung und Sinn. In Interviews, Büchern und Kolumnen vertritt er eine Haltung, die zwischen wissenschaftlicher Fundierung und spiritueller Lebenskunst oszilliert. Seine zentrale These lautet, dass die zweite Lebenshälfte eine zweite Chance bietet, sofern wir bereit sind, sie aktiv zu gestalten.&#xA;&#xA;Was mich an Brooks fasziniert, ist sein Ansatz. Er weiht uns nicht in eine Formel ein, sondern spricht vom Glück als einer Fähigkeit, die man einüben muss. Was mich allerdings skeptisch stimmt, ist seine oft eng auf das Individuum fokussierte Perspektive. Menschen, die krank sind, arm oder allein leben, werden in seinen Texten eher am Rande behandelt. Seine Ratschläge setzen ein Mass an Wahlfreiheit und Ressourcen voraus, das nicht allen zur Verfügung steht. Trotz dieser Einschränkungen lohnt es sich, Brooks’ zentrale Gedanken genauer zu betrachten, da sie wichtige Impulse für das Verständnis des Alterns liefern.&#xA;&#xA;Die zweite Lebenshälfte ist eine zweite Chance, aber keine Garantie&#xA;&#xA;Brooks beschreibt zwei Intelligenzkurven, die sich im Lauf eines Lebens kreuzen. Die erste, die sogenannte „fluide Intelligenz“, steht für Geschwindigkeit, Innovation und Problemlösung. Sie nimmt mit etwa 40 Jahren langsam ab. Parallel dazu steigt die „kristalline Intelligenz“ an, die Erfahrung, Urteilsvermögen und Mustererkennung umfasst. Wer diese zweite Kurve bewusst nutzt, kann im #Alter nicht nur klüger, sondern auch zufriedener werden.&#xA;&#xA;Brooks selbst hat diesen Wechsel vollzogen. Mitten in einer erfolgreichen Karriere als Thinktank-Leiter trat er zurück, um sich dem Thema Glück zu widmen. Er beschreibt diesen Schritt als angstbesetzt, aber notwendig. Der Grundgedanke dahinter ist einleuchtend. Wer im Alter am früheren Leistungsideal festhält, läuft Gefahr zu verbittern. Wer hingegen loslassen kann, gewinnt neue Freiheiten und Perspektiven. Diese Erkenntnis führt direkt zu einem weiteren zentralen Punkt in Brooks’ Denken.&#xA;&#xA;Beziehungen schlagen Status, besonders ab der Lebensmitte&#xA;&#xA;In seinen Gesprächen mit älteren Menschen stösst Brooks auf ein wiederkehrendes Motiv. Viele blicken auf ein erfolgreiches Leben zurück und fragen sich dennoch, wofür das alles gut war. Reichtum, Einfluss, Ruhm bleiben ohne tragende Beziehungen erstaunlich hohl. Deshalb plädiert Brooks für einen strategischen Perspektivenwechsel. Nicht die Karriere, sondern das Netz an sozialen Bindungen sei die tragende Infrastruktur für ein erfülltes Altern.&#xA;&#xA;Er fordert dabei einiges von seinen Lesern. Menschen sollen sich aktiv um Versöhnung bemühen, frühere Vernachlässigungen eingestehen und Verantwortung für emotionale Defizite übernehmen. Dass dies nicht allen gelingt oder möglich ist, reflektiert er allerdings kaum. Familiäre Traumata, zerbrochene Freundschaften oder schlicht fehlende soziale Kompetenzen werden in seinem optimistischen Weltbild eher ausgeblendet. Dennoch bleibt seine Botschaft überzeugend: Glück ist kein individueller Aufstieg, sondern entsteht in einem sozialen Beziehungsgeflecht. Wer dieses vernachlässigt, zahlt später einen hohen Preis.&#xA;&#xA;Vier tragende Säulen statt flüchtiger Erfolge&#xA;&#xA;Brooks fasst seine Empfehlungen in ein eingängiges Modell zusammen. Glück ruht auf vier Säulen: Glaube, Familie, Freundschaften und sinnvolle Arbeit. Dabei meint „Glaube“ nicht zwingend Religion, sondern eine Haltung der Selbstrelativierung. Wer sich selbst als das Zentrum der Welt versteht, gerät in späteren Jahren leicht in eine Sinnkrise.&#xA;&#xA;Diese vier Säulen sind keine Garantie für Glück, aber sie bilden den Rahmen, in dem sich Glückserfahrungen verdichten können. Besonders betont Brooks die richtige Reihenfolge: erst die Beziehungen, dann die Arbeit. Wer das umkehrt, lebt im ständigen Mangel. Ein Beispiel dafür wäre der erfolgreiche Manager, der seine Familie für die Karriere vernachlässigt und im Ruhestand feststellt, dass ihm die emotionalen Bindungen fehlen, die seinem Leben Sinn geben könnten.&#xA;&#xA;Glück ist eine Frage der Übung, nicht der Umstände&#xA;&#xA;Ein zentraler Gedanke durchzieht alle Texte von Brooks. Glück ist erlernbar. Zwar spielt das Temperament eine Rolle, doch entscheidend seien Gewohnheiten. Menschen, die sich regelmässig mit Sinnfragen beschäftigen, Dankbarkeit einüben und achtsam mit ihren Emotionen umgehen, sind im Alter nachweislich zufriedener.&#xA;&#xA;Dabei hebt Brooks hervor, dass auch Persönlichkeitsveränderungen möglich sind. Studien zeigen, dass sich Eigenschaften wie Extraversion, Gelassenheit oder Freundlichkeit trainieren lassen. Das Altern sei also keine Phase der Defizite, sondern ein Bereich bewusster Lebensgestaltung. Das mag fordernd klingen, ist aber eine der hoffnungsvollsten Passagen in Brooks’ Denken. Gleichzeitig zeigt sich hier erneut seine Schwäche für individualistische Lösungen, die strukturelle Probleme wie Armut, Krankheit oder soziale Isolation ausblenden.&#xA;&#xA;Altern kann die bessere Lebensphase sein – aber nur, wenn wir es zulassen&#xA;&#xA;Entgegen kultureller Klischees sieht Brooks im Alter keinen Niedergang, sondern eine Entwicklungschance. Studien belegen tatsächlich, dass Menschen mit den Jahren empathischer, weniger neurotisch und emotional stabiler werden. Selbstwertgefühl, Gelassenheit und Dankbarkeit nehmen zu. Das Altern sei nicht einfach ein Verfall, sondern eine Neuorientierung dessen, was im Leben zählt.&#xA;&#xA;Doch auch hier gilt, dass das nicht automatisch passiert. Wer Erfüllung im Alter erleben möchte, muss bereit sein, umzudenken, loszulassen und neu zu beginnen. Das kann unbequem sein und erfordert oft schmerzhafte Einsichten. Aber vielleicht ist gerade das der Sinn des Alterns: Die Welt nicht mehr erobern zu wollen, sondern sie wieder schätzen zu lernen. Allerdings bleibt Brooks auch hier die Antwort schuldig, wie Menschen mit schweren Verlusten, chronischen Krankheiten oder finanziellen Sorgen diese positive Umdeutung schaffen sollen.&#xA;&#xA;Ein Fazit mit gemischten Gefühlen&#xA;&#xA;Arthur C. Brooks ist kein Guru und keine Lichtgestalt, und das macht ihn so lesenswert. Seine Texte zeigen einen Menschen, der viel erreicht hat, an sich selbst gescheitert ist und daraus gelernt hat. Nicht alle seine Vorschläge lassen sich einfach übertragen, und nicht alles wirkt gleich überzeugend. Seine Ratschläge funktionieren am besten für Menschen mit stabilen Verhältnissen und gewissen Privilegien. Aber die grundsätzliche Richtung stimmt: Wer die zweite Lebenshälfte als Einladung versteht, neue Akzente zu setzen, wird vielleicht nicht automatisch glücklich, aber bestimmt klüger.&#xA;&#xA;Und falls das Glück dann doch mal ausbleibt? Dann hilft möglicherweise ein Spaziergang, eine gute Frage oder die Lektüre eines dieser Brooks-Texte, die ich seit 2020 so gerne lese. Man wird ja schliesslich nicht jünger – aber mit etwas Glück und den richtigen Umständen durchaus weiser. Ob das allerdings für alle reicht, die ihre zweite Lebenshälfte vor sich haben, bleibt eine offene Frage.&#xA;&#xA;---&#xA;💬 Kommentieren (nur für write.as-Accounts)&#xA;a href=&#34;https://remark.as/p/epicmind.ch/wie-wir-im-alter-das-gluck-neu-lernen-konnen&#34;Discuss.../a&#xA;&#xA;---&#xA;Bildquelle&#xA;Pierre-Auguste Renoir (1786–1856): Bal du moulin de la Galette, &#xA;Musée d&#39;Orsay, Paris, Public Domain.&#xA;&#xA;Disclaimer&#xA;Teile dieses Texts wurden mit Deepl Write (Korrektorat und Lektorat) überarbeitet. Für die Recherche in den erwähnten Werken/Quellen und in meinen Notizen wurde NotebookLM von Google verwendet.&#xA;&#xA;Topic&#xA;ProductivityPorn&#xA;&#xA;div class=&#34;signature&#34;&#xD;&#xA;    &lt;img&#xD;&#xA;        src=&#34;https://www.gisiger.biz/assets/storage/epicmind/michael-gisiger-round-2.png&#34;&#xD;&#xA;        alt=&#34;Michael Gisiger&#34;&#xD;&#xA;        class=&#34;profile-pic u-photo&#34;&#xD;&#xA;      div class=&#34;signature-content&#34;&#xD;&#xA;        h2 class=&#34;p-author p-name&#34; rel=&#34;author&#34;Michael Gisiger/h2&#xD;&#xA;&#xD;&#xA;        p class=&#34;p-note&#34;&#xD;&#xA;            Erwachsenenbildner und Coach mit 20+ Jahren Erfahrung.&#xD;&#xA;            Aus philosophischer Perspektive schreibe ich über Produktivität,&#xD;&#xA;            PKM und Coaching – fundiert und praxisnah.&#xD;&#xA;        /p&#xD;&#xA;&#xD;&#xA;p class=&#34;signature-links&#34;a href=&#34;https://www.michaelgisiger.ch/&#34; target=&#34;blank&#34;Website/a · a href=&#34;https://nerdculture.de/@gisiger&#34; target=&#34;blank&#34; rel=&#34;me&#34;Mastodon/a · a href=&#34;https://nolto.social/profile/michaelgisiger&#34; target=&#34;blank&#34;Nolto/a · a href=&#34;https://bsky.app/profile/gisiger.bsky.social&#34; target=&#34;blank&#34;Bluesky/a · a href=&#34;https://www.linkedin.com/comm/mynetwork/discovery-see-all?usecase=PEOPLEFOLLOWS&amp;amp;followMember=michaelgisiger&#34; target=&#34;blank&#34;LinkedIn/a/p&#xD;&#xA;    /div&#xD;&#xA;/div]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><img src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/2/21/Pierre-Auguste_Renoir%2C_Le_Moulin_de_la_Galette.jpg/960px-Pierre-Auguste_Renoir%2C_Le_Moulin_de_la_Galette.jpg" alt="Renoir: Bal du moulin de la Galette"/></p>

<p>Seit 2020 lese ich regelmässig und mit wachsender Neugier <a href="https://www.theatlantic.com/author/arthur-c-brooks/">die philosophisch angehauchten Kolumnen von Arthur C. Brooks im Magazin „The Atlantic“</a>. Seine Texte tragen Überschriften wie <a href="https://www.theatlantic.com/ideas/archive/2023/12/happiness-time-aging-mood/676964/">„How to Be Happy Growing Older“</a> oder <a href="https://www.theatlantic.com/family/archive/2022/02/happiness-age-investment/622818/">„The Seven Habits That Lead to Happiness in Old Age“</a> und sind weit mehr als populärpsychologische Ratgeber. Brooks schreibt als Sozialwissenschafter, als ehemaliger Thinktank-Präsident, als Ehemann und Vater. Vor allem aber schreibt er als jemand, der selbst erfahren hat, wie schwierig es ist, wirklich glücklich zu werden. <a href="./jenseits-der-mitte-ueber-das-aelterwerden-die-gelassenheit-und-den-luxus">Nun, da ich ebenfalls 50 geworden bin</a> und die Frage nach dem <a href="https://epicmind.ch/tag:Gl%C3%BCck" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Glück</span></a> in der zweiten Lebenshälfte brennender wird, habe ich eine Reihe seiner zentralen Gedanken zusammengetragen und mit der nötigen kritischen Distanz betrachtet.</p>



<p><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Arthur_C._Brooks">Arthur C. Brooks</a>, Jahrgang 1964, lehrt heute an der Harvard Kennedy School und an der Harvard Business School. Sein Forschungsgebiet umfasst Glück, Führung und Sinn. In Interviews, Büchern und Kolumnen vertritt er eine Haltung, die zwischen wissenschaftlicher Fundierung und spiritueller Lebenskunst oszilliert. Seine zentrale These lautet, dass die zweite Lebenshälfte eine zweite Chance bietet, sofern wir bereit sind, sie aktiv zu gestalten.</p>

<p>Was mich an Brooks fasziniert, ist sein Ansatz. Er weiht uns nicht in eine Formel ein, sondern spricht vom Glück als einer Fähigkeit, die man einüben muss. Was mich allerdings skeptisch stimmt, ist seine oft eng auf das Individuum fokussierte Perspektive. Menschen, die krank sind, arm oder allein leben, werden in seinen Texten eher am Rande behandelt. Seine Ratschläge setzen ein Mass an Wahlfreiheit und Ressourcen voraus, das nicht allen zur Verfügung steht. Trotz dieser Einschränkungen lohnt es sich, Brooks’ zentrale Gedanken genauer zu betrachten, da sie wichtige Impulse für das Verständnis des Alterns liefern.</p>

<h2 id="die-zweite-lebenshälfte-ist-eine-zweite-chance-aber-keine-garantie" id="die-zweite-lebenshälfte-ist-eine-zweite-chance-aber-keine-garantie">Die zweite Lebenshälfte ist eine zweite Chance, aber keine Garantie</h2>

<p><a href="https://www.sueddeutsche.de/projekte/artikel/gesellschaft/glueck-alter-arthur-brooks-tipps-harvard-professor-e307132/">Brooks beschreibt zwei Intelligenzkurven</a>, die sich im Lauf eines Lebens kreuzen. Die erste, die sogenannte „fluide Intelligenz“, steht für Geschwindigkeit, Innovation und Problemlösung. Sie nimmt mit etwa 40 Jahren langsam ab. Parallel dazu steigt die „kristalline Intelligenz“ an, die Erfahrung, Urteilsvermögen und Mustererkennung umfasst. <a href="https://www.tagesanzeiger.ch/psychologie-und-glueck-mitte-40-kriegen-wir-die-2-chance-914852517994">Wer diese zweite Kurve bewusst nutzt</a>, kann im <a href="https://epicmind.ch/tag:Alter" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Alter</span></a> nicht nur klüger, sondern auch zufriedener werden.</p>

<p><a href="https://www.nzz.ch/nzz-am-sonntag/report-und-debatte/arthur-c-brooks-warum-glueck-harte-arbeit-ist-ld.1889439">Brooks selbst hat diesen Wechsel vollzogen.</a> Mitten in einer erfolgreichen Karriere als Thinktank-Leiter trat er zurück, um sich dem Thema Glück zu widmen. Er beschreibt diesen Schritt als angstbesetzt, aber notwendig. Der Grundgedanke dahinter ist einleuchtend. Wer im Alter am früheren Leistungsideal festhält, läuft Gefahr zu verbittern. Wer hingegen loslassen kann, gewinnt neue Freiheiten und Perspektiven. Diese Erkenntnis führt direkt zu einem weiteren zentralen Punkt in Brooks’ Denken.</p>

<h2 id="beziehungen-schlagen-status-besonders-ab-der-lebensmitte" id="beziehungen-schlagen-status-besonders-ab-der-lebensmitte">Beziehungen schlagen Status, besonders ab der Lebensmitte</h2>

<p>In seinen Gesprächen mit älteren Menschen stösst Brooks auf ein wiederkehrendes Motiv. Viele blicken auf ein erfolgreiches Leben zurück und fragen sich dennoch, wofür das alles gut war. Reichtum, Einfluss, Ruhm bleiben ohne tragende Beziehungen erstaunlich hohl. Deshalb plädiert Brooks für einen strategischen Perspektivenwechsel. Nicht die Karriere, sondern das Netz an sozialen Bindungen sei die tragende Infrastruktur für ein erfülltes Altern.</p>

<p>Er fordert dabei einiges von seinen Lesern. Menschen sollen sich aktiv um Versöhnung bemühen, frühere Vernachlässigungen eingestehen und Verantwortung für emotionale Defizite übernehmen. Dass dies nicht allen gelingt oder möglich ist, reflektiert er allerdings kaum. Familiäre Traumata, zerbrochene Freundschaften oder schlicht fehlende soziale Kompetenzen werden in seinem optimistischen Weltbild eher ausgeblendet. Dennoch bleibt seine Botschaft überzeugend: Glück ist kein individueller Aufstieg, sondern entsteht in einem sozialen Beziehungsgeflecht. Wer dieses vernachlässigt, zahlt später einen hohen Preis.</p>

<h2 id="vier-tragende-säulen-statt-flüchtiger-erfolge" id="vier-tragende-säulen-statt-flüchtiger-erfolge">Vier tragende Säulen statt flüchtiger Erfolge</h2>

<p>Brooks fasst seine Empfehlungen in ein eingängiges Modell zusammen. <a href="https://www.focus.de/wissen/mensch/arthur-brooks-harvard-forscher-verraet-die-4-saeulen-des-gluecks-und-wie-sie-uns-gelingen_id_230472106.html">Glück ruht auf vier Säulen</a>: Glaube, Familie, Freundschaften und sinnvolle Arbeit. Dabei meint „Glaube“ nicht zwingend Religion, sondern eine Haltung der Selbstrelativierung. Wer sich selbst als das Zentrum der Welt versteht, gerät in späteren Jahren leicht in eine Sinnkrise.</p>

<p>Diese vier Säulen sind keine Garantie für Glück, aber sie bilden den Rahmen, in dem sich Glückserfahrungen verdichten können. Besonders betont Brooks die richtige Reihenfolge: erst die Beziehungen, dann die Arbeit. Wer das umkehrt, lebt im ständigen Mangel. Ein Beispiel dafür wäre der erfolgreiche Manager, der seine Familie für die Karriere vernachlässigt und im Ruhestand feststellt, dass ihm die emotionalen Bindungen fehlen, die seinem Leben Sinn geben könnten.</p>

<h2 id="glück-ist-eine-frage-der-übung-nicht-der-umstände" id="glück-ist-eine-frage-der-übung-nicht-der-umstände">Glück ist eine Frage der Übung, nicht der Umstände</h2>

<p>Ein zentraler Gedanke durchzieht alle Texte von Brooks. <a href="https://www.theatlantic.com/ideas/archive/2023/12/happiness-time-aging-mood/676964/">Glück ist erlernbar.</a> Zwar spielt das Temperament eine Rolle, doch entscheidend seien Gewohnheiten. Menschen, die sich regelmässig mit Sinnfragen beschäftigen, Dankbarkeit einüben und achtsam mit ihren Emotionen umgehen, <a href="https://doi.org/10.1016/j.socscimed.2024.117662">sind im Alter nachweislich zufriedener</a>.</p>

<p>Dabei hebt Brooks hervor, dass auch Persönlichkeitsveränderungen möglich sind. <a href="https://doi.org/10.1037/bul0000088">Studien zeigen</a>, dass sich Eigenschaften wie Extraversion, Gelassenheit oder Freundlichkeit trainieren lassen. Das Altern sei also keine Phase der Defizite, sondern ein Bereich bewusster Lebensgestaltung. Das mag fordernd klingen, ist aber eine der hoffnungsvollsten Passagen in Brooks’ Denken. Gleichzeitig zeigt sich hier erneut seine Schwäche für individualistische Lösungen, die strukturelle Probleme wie Armut, Krankheit oder soziale Isolation ausblenden.</p>

<h2 id="altern-kann-die-bessere-lebensphase-sein-aber-nur-wenn-wir-es-zulassen" id="altern-kann-die-bessere-lebensphase-sein-aber-nur-wenn-wir-es-zulassen">Altern kann die bessere Lebensphase sein – aber nur, wenn wir es zulassen</h2>

<p>Entgegen kultureller Klischees sieht Brooks im Alter keinen Niedergang, sondern eine Entwicklungschance. Studien belegen tatsächlich, dass Menschen mit den Jahren <a href="https://doi.org/10.1037/pag0000469">empathischer</a>, <a href="https://doi.org/10.1017/S1041610220003051">weniger neurotisch</a> und <a href="https://doi.org/10.31234/osf.io/a3ku2">emotional stabiler</a> werden. Selbstwertgefühl, Gelassenheit und Dankbarkeit nehmen zu. Das Altern sei nicht einfach ein Verfall, sondern eine Neuorientierung dessen, was im Leben zählt.</p>

<p>Doch auch hier gilt, dass das nicht automatisch passiert. Wer Erfüllung im Alter erleben möchte, muss bereit sein, umzudenken, loszulassen und neu zu beginnen. Das kann unbequem sein und erfordert oft schmerzhafte Einsichten. Aber vielleicht ist gerade das der Sinn des Alterns: Die Welt nicht mehr erobern zu wollen, sondern sie wieder schätzen zu lernen. Allerdings bleibt Brooks auch hier die Antwort schuldig, wie Menschen mit schweren Verlusten, chronischen Krankheiten oder finanziellen Sorgen diese positive Umdeutung schaffen sollen.</p>

<h2 id="ein-fazit-mit-gemischten-gefühlen" id="ein-fazit-mit-gemischten-gefühlen">Ein Fazit mit gemischten Gefühlen</h2>

<p>Arthur C. Brooks ist kein Guru und keine Lichtgestalt, und das macht ihn so lesenswert. Seine Texte zeigen einen Menschen, der viel erreicht hat, an sich selbst gescheitert ist und daraus gelernt hat. Nicht alle seine Vorschläge lassen sich einfach übertragen, und nicht alles wirkt gleich überzeugend. Seine Ratschläge funktionieren am besten für Menschen mit stabilen Verhältnissen und gewissen Privilegien. Aber die grundsätzliche Richtung stimmt: Wer die zweite Lebenshälfte als Einladung versteht, neue Akzente zu setzen, wird vielleicht nicht automatisch glücklich, aber bestimmt klüger.</p>

<p>Und falls das Glück dann doch mal ausbleibt? Dann hilft möglicherweise ein Spaziergang, eine gute Frage oder die Lektüre eines dieser Brooks-Texte, die ich seit 2020 so gerne lese. Man wird ja schliesslich nicht jünger – aber mit etwas Glück und den richtigen Umständen durchaus weiser. Ob das allerdings für alle reicht, die ihre zweite Lebenshälfte vor sich haben, bleibt eine offene Frage.</p>

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<h4 id="kommentieren-nur-für-write-as-accounts" id="kommentieren-nur-für-write-as-accounts">💬 Kommentieren (nur für write.as-Accounts)</h4>

<p><a href="https://remark.as/p/epicmind.ch/wie-wir-im-alter-das-gluck-neu-lernen-konnen">Discuss...</a></p>

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<p><strong>Bildquelle</strong>
<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pierre-Auguste_Renoir">Pierre-Auguste Renoir</a> (1786–1856): <em>Bal du moulin de la Galette</em>,
Musée d&#39;Orsay, Paris, <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Pierre-Auguste_Renoir,_Le_Moulin_de_la_Galette.jpg">Public Domain</a>.</p>

<p><strong>Disclaimer</strong>
Teile dieses Texts wurden mit Deepl Write (Korrektorat und Lektorat) überarbeitet. Für die Recherche in den erwähnten Werken/Quellen und in meinen Notizen wurde NotebookLM von Google verwendet.</p>

<p><strong>Topic</strong>
<a href="https://epicmind.ch/tag:ProductivityPorn" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">ProductivityPorn</span></a></p>

<div class="signature">
    <img src="https://www.gisiger.biz/assets/storage/epicmind/michael-gisiger-round-2.png" alt="Michael Gisiger" class="profile-pic u-photo">
    <div class="signature-content">
        <h2 class="p-author p-name">Michael Gisiger</h2>

        <p class="p-note">
            Erwachsenenbildner und Coach mit 20+ Jahren Erfahrung.
            Aus philosophischer Perspektive schreibe ich über Produktivität,
            PKM und Coaching – fundiert und praxisnah.
        </p>

<p class="signature-links"><a href="https://www.michaelgisiger.ch/" target="_blank">Website</a> · <a href="https://nerdculture.de/@gisiger" target="_blank">Mastodon</a> · <a href="https://nolto.social/profile/michael_gisiger" target="_blank">Nolto</a> · <a href="https://bsky.app/profile/gisiger.bsky.social" target="_blank">Bluesky</a> · <a href="https://www.linkedin.com/comm/mynetwork/discovery-see-all?usecase=PEOPLE_FOLLOWS&amp;followMember=michaelgisiger" target="_blank">LinkedIn</a></p>
    </div>
</div>
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      <guid>https://epicmind.ch/wie-wir-im-alter-das-gluck-neu-lernen-konnen</guid>
      <pubDate>Fri, 25 Jul 2025 11:24:14 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Jenseits der Mitte: Über das Älterwerden, die Gelassenheit und den Luxus, weniger zu wollen</title>
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      <description>&lt;![CDATA[Danielson-Gambogi: Tyttö ja kissat kesäisessä maisemassa&#xA;&#xA;Heute werde ich 50. Eine runde Zahl, die sich leise, aber deutlich bemerkbar macht – nicht nur im Pass, sondern auch in meinem inneren Koordinatensystem. Halbzeit vielleicht, wahrscheinlich auch schon mehr als das. Jedenfalls ein Anlass, innezuhalten. Und ehrlich gesagt: Ich war mir nicht sicher, was ich davon halten sollte. 50 – das klingt nach Verantwortung, nach gereiftem Urteil, vielleicht sogar nach leichter Verbitterung. Nach Jahren, in denen man die Welt ernst genommen hat. Manchmal zu ernst. Dabei entdecke ich gerade im #Alter eine neue Leichtigkeit. Nicht die sorglose, euphorische Art der Zwanziger, sondern eine leisere, stabilere Form: eine Gelassenheit, die nicht vorgibt, alles im Griff zu haben, aber auch nicht mehr alles beweisen muss. Und ich beginne zu verstehen, dass genau darin eine Form von Freiheit liegt, die ich früher übersehen habe.&#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Vom Eigensinn der Zeit&#xA;&#xA;Es heisst, die Jugend habe alle Zeit der Welt. Die Wahrheit ist wohl: Sie hat sie nicht – aber sie merkt es noch nicht. Das Bewusstsein der Endlichkeit tritt mit den Jahren leiser, aber bestimmter ins Leben. Was früher abstrakt war, wird konkret. Die eigenen Eltern altern sichtbar, die ersten Freunde haben ernsthafte Diagnosen oder nehmen sich Auszeiten nicht mehr aus Abenteuerlust, sondern aus Notwendigkeit. Und doch: Ich fürchte mich weniger davor als früher. Vielleicht, weil ich – im Gegensatz zu früher – nicht mehr alles kontrollieren will. Wie Oliver Burkeman in seinem Buch 4000 Wochen sinngemäss schreibt, beginnt mit dem Älterwerden oft ein Abschied vom Drang, alles kontrollieren zu wollen – ein Drang, der besonders in der Jugend ausgeprägt ist. Älterwerden heisst auch, die Unverfügbarkeit des Lebens anzuerkennen. Und damit anzufangen, sich darin einzurichten. Nicht als Rückzug, sondern als Hinwendung zur Wirklichkeit.&#xA;&#xA;„Der Tod geht uns nichts an.“&#xA;&#xA;Epikur schrieb in seinem Brief an Menoikeus: „Gewöhne dich an den Gedanken, dass der Tod uns nichts angeht. Denn alles Gute und Schlimme beruht auf der Wahrnehmung. Der Tod aber ist der Verlust der Wahrnehmung.“ Das klingt radikal – und ist es auch. Aber je länger ich darüber nachdenke, desto mehr empfinde ich diesen Gedanken nicht als Zumutung, sondern als Erleichterung. Älterwerden bringt eine merkwürdige Art von Ruhe mit sich. Weil nicht mehr alles möglich ist. Und gerade dadurch wird manches klarer. Nicht mehr alles ausprobieren zu müssen, bedeutet auch, sich begrenzen zu dürfen. Nein sagen zu können. Sagen zu können: Das reicht. Genug. Paradoxerweise macht der Gedanke, nicht unsterblich zu sein, das Leben nicht kleiner. Er macht es dichter.&#xA;&#xA;Der Luxus, weniger zu wollen&#xA;&#xA;Ich erinnere mich an eine Szene vor ein paar Jahren: Ich sass an einem freien Tag in einem Café, las ein gutes Buch, trank einen hervorragenden Espresso, und hatte keine Termine. Kein Produktivitätsziel, kein Schrittzähler, keine Ambitionen. Einfach da. Ich hätte damals nicht sagen können, was das war – heute weiss ich: Es war Fülle. Eine epikureische Fülle. Freundschaft, einfaches, aber wohltuendes Essen, ein Dach über dem Kopf, Zeit für Philosophie – Epikur erkannte darin die Basis des guten Lebens. Der Rest? Entbehrlich. Und manchmal sogar hinderlich. &#xA;&#xA;Was ich früher als Mittel zum #Glück betrachtete – etwa beruflichen Erfolg – erscheint mir heute eher als Nebenprodukt einer gelungenen Lebensführung. Nicht mehr das Ziel, sondern ein möglicher Begleiter. Diese Form des Genügens hat nichts mit Verzichtsromantik zu tun. Sie ist ein bewusster Entscheid: gegen das ständige Streben, für das bewusste Leben. Immer öfter merke ich, dass es mich nicht glücklicher macht, mehr zu haben. Aber es beruhigt mich, weniger zu brauchen.&#xA;&#xA;Wenn ich dem Älterwerden eine Haltung zuordnen müsste, dann wäre es diese: das Üben im Loslassen. Nicht als Flucht, sondern als Form der Gestaltung. „Nicht die Dinge selbst beunruhigen die Menschen, sondern ihre Urteile über die Dinge“, schrieb Epiktet in seinem Handbüchlein der Moral. Und genau das lerne ich neu: nicht jedes Urteil reflexhaft zu übernehmen, nicht jede Erwartung zu erfüllen, nicht jeden Impuls zur Reaktion werden zu lassen.&#xA;&#xA;Gelassenheit heisst für mich heute nicht Gleichgültigkeit. Sondern Aufmerksamkeit ohne Verstrickung. Präsenz ohne Drama. Ich darf mich aufregen – aber ich muss es nicht. Ich darf mich kümmern – aber ich muss nicht alles retten. Diese Form der inneren Unterscheidung ist eine tägliche Übung. Und wie jede Übung bleibt sie unvollkommen. Aber sie verändert etwas: Sie schafft Räume. Zwischen Reiz und Reaktion. Zwischen Anspruch und Antwort. Zwischen dem, was von aussen auf mich einwirkt – und dem, was ich daraus mache.&#xA;&#xA;Widerstandskraft ist Wandlungsfähigkeit&#xA;&#xA;Ich habe gelernt, #Resilienz nicht als Härte zu verstehen, sondern als Wandlungsfähigkeit. Was mich trägt, sind nicht eiserne Prinzipien oder starre Pläne, sondern die Fähigkeit, mich zu bewegen. Mich zu befragen. Mich zu verändern. Und auch: mich zu akzeptieren. Früher habe ich berufliche Rückschläge als persönliches Versagen empfunden und mich wochenlang damit gequält. Heute kann ich in einer gescheiterten Projektidee auch eine Befreiung sehen – die Chance, einen Weg nicht weitergehen zu müssen, der ohnehin nicht der richtige war. Nicht weil ich gleichgültiger geworden wäre, sondern weil ich gelernt habe, zwischen dem Ereignis selbst und meiner Deutung davon zu unterscheiden.&#xA;&#xA;Mit 50 habe ich viele Illusionen verloren. Das ist gut so. Manche davon waren hinderlich – etwa die, alles müsse sinnvoll, effizient oder erfolgreich sein. Ich setze heute eher auf das, was im Stillen trägt, als auf das, was laut beeindruckt. Auf das Gespräch. Auf das Zuhören. Auf den Spaziergang ohne Ziel. Vielleicht besteht der Ertrag dieses Alters nicht in Weisheit im emphatischen Sinn, sondern in einer freundlicheren Beziehung zum Unvollkommenen – auch zum eigenen.&#xA;&#xA;Ein anderer Blick&#xA;&#xA;Ich habe nicht vor, das Altern zu verklären. Natürlich gibt es auch Schatten: körperliche Veränderungen, Abschiede, Verletzlichkeit. Aber ich schaue heute anders hin. Mit mehr Zärtlichkeit. Mit mehr Geduld. Und mit weniger Angst. Wahrscheinlich bin ich nicht klüger geworden. Aber ich bin leiser geworden. Und das reicht vielleicht schon.&#xA;&#xA;Was ich mir für die kommenden Jahre wünsche? Weniger Lautstärke. Mehr Tiefe. Gespräche mit Menschen, die nicht nur recht haben wollen. Tage ohne Plan. Und die Freiheit, immer wieder neu zu entscheiden, was mir wichtig ist – ohne ständig erklären zu müssen, warum. Älterwerden ist kein Defizit. Es ist eine Einladung. Nicht an das alte Ich, sich zu verteidigen. Sondern an das neue, sich zu zeigen. Ich will sie annehmen.&#xA;&#xA;---&#xA;💬 Kommentieren (nur für write.as-Accounts)&#xA;a href=&#34;https://remark.as/p/epicmind.ch/jenseits-der-mitte-uber-das-alterwerden-die-gelassenheit-und-den-luxus&#34;Discuss.../a&#xA;&#xA;---&#xA;Bildquelle&#xA;Elin Danielson-Gambogi (1861–1919): Flicka och katter i somrigt landskap, UPM-Kymmenen Kulttuurisäätiö, Helsinki, Public Domain.jpg).&#xA;&#xA;Disclaimer&#xA;Teile dieses Texts wurden mit Deepl Write (Korrektorat und Lektorat) überarbeitet. Für die Recherche in den erwähnten Werken/Quellen und in meinen Notizen wurde NotebookLM von Google verwendet.&#xA;&#xA;Topic&#xA;#Selbstbetrachtungen | #Philosophie&#xA;&#xA;div class=&#34;signature&#34;&#xD;&#xA;    &lt;img&#xD;&#xA;        src=&#34;https://www.gisiger.biz/assets/storage/epicmind/michael-gisiger-round-2.png&#34;&#xD;&#xA;        alt=&#34;Michael Gisiger&#34;&#xD;&#xA;        class=&#34;profile-pic u-photo&#34;&#xD;&#xA;      div class=&#34;signature-content&#34;&#xD;&#xA;        h2 class=&#34;p-author p-name&#34; rel=&#34;author&#34;Michael Gisiger/h2&#xD;&#xA;&#xD;&#xA;        p class=&#34;p-note&#34;&#xD;&#xA;            Erwachsenenbildner und Coach mit 20+ Jahren Erfahrung.&#xD;&#xA;            Aus philosophischer Perspektive schreibe ich über Produktivität,&#xD;&#xA;            PKM und Coaching – fundiert und praxisnah.&#xD;&#xA;        /p&#xD;&#xA;&#xD;&#xA;p class=&#34;signature-links&#34;a href=&#34;https://www.michaelgisiger.ch/&#34; target=&#34;blank&#34;Website/a · a href=&#34;https://nerdculture.de/@gisiger&#34; target=&#34;blank&#34; rel=&#34;me&#34;Mastodon/a · a href=&#34;https://nolto.social/profile/michaelgisiger&#34; target=&#34;blank&#34;Nolto/a · a href=&#34;https://bsky.app/profile/gisiger.bsky.social&#34; target=&#34;blank&#34;Bluesky/a · a href=&#34;https://www.linkedin.com/comm/mynetwork/discovery-see-all?usecase=PEOPLEFOLLOWS&amp;amp;followMember=michaelgisiger&#34; target=&#34;blank&#34;LinkedIn/a/p&#xD;&#xA;    /div&#xD;&#xA;/div]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><img src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/d/df/Elin_Danielson-Gambogi_-_Girl_with_cats_in_a_summer_landscape_%281892%29.jpg/965px-Elin_Danielson-Gambogi_-_Girl_with_cats_in_a_summer_landscape_%281892%29.jpg" alt="Danielson-Gambogi: Tyttö ja kissat kesäisessä maisemassa"/></p>

<p>Heute werde ich 50. Eine runde Zahl, die sich leise, aber deutlich bemerkbar macht – nicht nur im Pass, sondern auch in meinem inneren Koordinatensystem. Halbzeit vielleicht, wahrscheinlich auch schon mehr als das. Jedenfalls ein Anlass, innezuhalten. Und ehrlich gesagt: Ich war mir nicht sicher, was ich davon halten sollte. 50 – das klingt nach Verantwortung, nach gereiftem Urteil, vielleicht sogar nach leichter Verbitterung. Nach Jahren, in denen man die Welt ernst genommen hat. Manchmal zu ernst. Dabei entdecke ich gerade im <a href="https://epicmind.ch/tag:Alter" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Alter</span></a> eine neue Leichtigkeit. Nicht die sorglose, euphorische Art der Zwanziger, sondern eine leisere, stabilere Form: eine Gelassenheit, die nicht vorgibt, alles im Griff zu haben, aber auch nicht mehr alles beweisen muss. Und ich beginne zu verstehen, dass genau darin eine Form von Freiheit liegt, die ich früher übersehen habe.</p>



<h2 id="vom-eigensinn-der-zeit" id="vom-eigensinn-der-zeit">Vom Eigensinn der Zeit</h2>

<p>Es heisst, die Jugend habe alle Zeit der Welt. Die Wahrheit ist wohl: Sie hat sie nicht – aber sie merkt es noch nicht. Das Bewusstsein der Endlichkeit tritt mit den Jahren leiser, aber bestimmter ins Leben. Was früher abstrakt war, wird konkret. Die eigenen Eltern altern sichtbar, die ersten Freunde haben ernsthafte Diagnosen oder nehmen sich <a href="./alleine-aber-nicht-einsam">Auszeiten nicht mehr aus Abenteuerlust, sondern aus Notwendigkeit.</a> Und doch: Ich fürchte mich weniger davor als früher. Vielleicht, weil ich – im Gegensatz zu früher – nicht mehr alles kontrollieren will. Wie Oliver Burkeman in seinem Buch <em>4000 Wochen</em> sinngemäss schreibt, beginnt mit dem Älterwerden oft ein Abschied vom Drang, alles kontrollieren zu wollen – ein Drang, der besonders in der Jugend ausgeprägt ist. Älterwerden heisst auch, die Unverfügbarkeit des Lebens anzuerkennen. Und damit anzufangen, sich darin einzurichten. Nicht als Rückzug, sondern als Hinwendung zur Wirklichkeit.</p>

<h2 id="der-tod-geht-uns-nichts-an" id="der-tod-geht-uns-nichts-an">„Der Tod geht uns nichts an.“</h2>

<p><a href="https://epicmind.ch/tag:Epikur" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Epikur</span></a> schrieb in seinem <em>Brief an Menoikeus</em>: „Gewöhne dich an den Gedanken, dass der Tod uns nichts angeht. Denn alles Gute und Schlimme beruht auf der Wahrnehmung. Der Tod aber ist der Verlust der Wahrnehmung.“ Das klingt radikal – und ist es auch. Aber je länger ich darüber nachdenke, desto mehr empfinde ich diesen Gedanken nicht als Zumutung, sondern als Erleichterung. Älterwerden bringt eine merkwürdige Art von Ruhe mit sich. Weil nicht mehr alles möglich ist. Und gerade dadurch wird manches klarer. Nicht mehr alles ausprobieren zu müssen, bedeutet auch, sich begrenzen zu dürfen. Nein sagen zu können. Sagen zu können: Das reicht. Genug. Paradoxerweise macht der Gedanke, nicht unsterblich zu sein, das Leben nicht kleiner. Er macht es dichter.</p>

<h2 id="der-luxus-weniger-zu-wollen" id="der-luxus-weniger-zu-wollen">Der Luxus, weniger zu wollen</h2>

<p>Ich erinnere mich an eine Szene vor ein paar Jahren: Ich sass an einem freien Tag in einem Café, las ein gutes Buch, trank einen hervorragenden Espresso, und hatte keine Termine. Kein Produktivitätsziel, kein Schrittzähler, keine Ambitionen. Einfach da. Ich hätte damals nicht sagen können, was das war – heute weiss ich: Es war Fülle. Eine epikureische Fülle. Freundschaft, einfaches, aber wohltuendes Essen, ein Dach über dem Kopf, Zeit für Philosophie – Epikur erkannte darin die Basis des guten Lebens. Der Rest? Entbehrlich. Und manchmal sogar hinderlich.</p>

<p>Was ich früher als Mittel zum <a href="https://epicmind.ch/tag:Gl%C3%BCck" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Glück</span></a> betrachtete – etwa beruflichen Erfolg – erscheint mir heute eher als Nebenprodukt einer gelungenen Lebensführung. Nicht mehr das Ziel, sondern ein möglicher Begleiter. Diese Form des Genügens hat nichts mit Verzichtsromantik zu tun. Sie ist ein bewusster Entscheid: gegen das ständige Streben, für das bewusste Leben. Immer öfter merke ich, dass es mich nicht glücklicher macht, mehr zu haben. Aber es beruhigt mich, weniger zu brauchen.</p>

<p>Wenn ich dem Älterwerden eine Haltung zuordnen müsste, dann wäre es diese: das Üben im Loslassen. Nicht als Flucht, sondern als Form der Gestaltung. „Nicht die Dinge selbst beunruhigen die Menschen, sondern ihre Urteile über die Dinge“, schrieb Epiktet in seinem <em>Handbüchlein der Moral</em>. Und genau das lerne ich neu: nicht jedes Urteil reflexhaft zu übernehmen, nicht jede Erwartung zu erfüllen, nicht jeden Impuls zur Reaktion werden zu lassen.</p>

<p><a href="./die-radikale-tugend-der-gelassenheit">Gelassenheit heisst für mich heute nicht Gleichgültigkeit. Sondern Aufmerksamkeit ohne Verstrickung.</a> Präsenz ohne Drama. Ich darf mich aufregen – aber ich muss es nicht. Ich darf mich kümmern – aber ich muss nicht alles retten. Diese Form der inneren Unterscheidung ist eine tägliche Übung. Und wie jede Übung bleibt sie unvollkommen. Aber sie verändert etwas: Sie schafft Räume. Zwischen Reiz und Reaktion. Zwischen Anspruch und Antwort. Zwischen dem, was von aussen auf mich einwirkt – und dem, was ich daraus mache.</p>

<h2 id="widerstandskraft-ist-wandlungsfähigkeit" id="widerstandskraft-ist-wandlungsfähigkeit">Widerstandskraft ist Wandlungsfähigkeit</h2>

<p>Ich habe gelernt, <a href="https://epicmind.ch/tag:Resilienz" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Resilienz</span></a> <a href="./ein-etwas-anderer-blick-auf-resilienz-philosophische-lebenspraxis">nicht als Härte zu verstehen, sondern als Wandlungsfähigkeit</a>. Was mich trägt, sind nicht eiserne Prinzipien oder starre Pläne, sondern die Fähigkeit, mich zu bewegen. Mich zu befragen. Mich zu verändern. Und auch: mich zu akzeptieren. Früher habe ich berufliche Rückschläge als persönliches Versagen empfunden und mich wochenlang damit gequält. Heute kann ich in einer gescheiterten Projektidee auch eine Befreiung sehen – die Chance, einen Weg nicht weitergehen zu müssen, der ohnehin nicht der richtige war. Nicht weil ich gleichgültiger geworden wäre, sondern weil ich gelernt habe, zwischen dem Ereignis selbst und meiner Deutung davon zu unterscheiden.</p>

<p><a href="./kierkegaard-als-wegweiser-zu-einem-erfullten-leben">Mit 50 habe ich viele Illusionen verloren. Das ist gut so.</a> Manche davon waren hinderlich – etwa die, alles müsse sinnvoll, effizient oder erfolgreich sein. Ich setze heute eher auf das, was im Stillen trägt, als auf das, was laut beeindruckt. Auf das Gespräch. Auf das Zuhören. Auf den Spaziergang ohne Ziel. Vielleicht besteht der Ertrag dieses Alters nicht in Weisheit im emphatischen Sinn, sondern in einer freundlicheren Beziehung zum Unvollkommenen – auch zum eigenen.</p>

<h2 id="ein-anderer-blick" id="ein-anderer-blick">Ein anderer Blick</h2>

<p>Ich habe nicht vor, das Altern zu verklären. Natürlich gibt es auch Schatten: körperliche Veränderungen, Abschiede, Verletzlichkeit. Aber ich schaue heute anders hin. Mit mehr Zärtlichkeit. Mit mehr Geduld. Und mit weniger Angst. Wahrscheinlich bin ich nicht klüger geworden. Aber ich bin leiser geworden. Und das reicht vielleicht schon.</p>

<p>Was ich mir für die kommenden Jahre wünsche? Weniger Lautstärke. Mehr Tiefe. Gespräche mit Menschen, die nicht nur recht haben wollen. <a href="./gedanken-zu-ostern-rhythmus-statt-effizienzdruck">Tage ohne Plan. Und die Freiheit, immer wieder neu zu entscheiden, was mir wichtig ist</a> – ohne ständig erklären zu müssen, warum. Älterwerden ist kein Defizit. Es ist eine Einladung. Nicht an das alte Ich, sich zu verteidigen. Sondern an das neue, sich zu zeigen. Ich will sie annehmen.</p>

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<h4 id="kommentieren-nur-für-write-as-accounts" id="kommentieren-nur-für-write-as-accounts">💬 Kommentieren (nur für write.as-Accounts)</h4>

<p><a href="https://remark.as/p/epicmind.ch/jenseits-der-mitte-uber-das-alterwerden-die-gelassenheit-und-den-luxus">Discuss...</a></p>

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<p><strong>Bildquelle</strong>
<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Elin_Danielson-Gambogi">Elin Danielson-Gambogi</a> (1861–1919): <em>Flicka och katter i somrigt landskap</em>, UPM-Kymmenen Kulttuurisäätiö, Helsinki, <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Elin_Danielson-Gambogi_-_Girl_with_cats_in_a_summer_landscape_(1892).jpg">Public Domain</a>.</p>

<p><strong>Disclaimer</strong>
Teile dieses Texts wurden mit Deepl Write (Korrektorat und Lektorat) überarbeitet. Für die Recherche in den erwähnten Werken/Quellen und in meinen Notizen wurde NotebookLM von Google verwendet.</p>

<p><strong>Topic</strong>
<a href="https://epicmind.ch/tag:Selbstbetrachtungen" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Selbstbetrachtungen</span></a> | <a href="https://epicmind.ch/tag:Philosophie" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Philosophie</span></a></p>

<div class="signature">
    <img src="https://www.gisiger.biz/assets/storage/epicmind/michael-gisiger-round-2.png" alt="Michael Gisiger" class="profile-pic u-photo">
    <div class="signature-content">
        <h2 class="p-author p-name">Michael Gisiger</h2>

        <p class="p-note">
            Erwachsenenbildner und Coach mit 20+ Jahren Erfahrung.
            Aus philosophischer Perspektive schreibe ich über Produktivität,
            PKM und Coaching – fundiert und praxisnah.
        </p>

<p class="signature-links"><a href="https://www.michaelgisiger.ch/" target="_blank">Website</a> · <a href="https://nerdculture.de/@gisiger" target="_blank">Mastodon</a> · <a href="https://nolto.social/profile/michael_gisiger" target="_blank">Nolto</a> · <a href="https://bsky.app/profile/gisiger.bsky.social" target="_blank">Bluesky</a> · <a href="https://www.linkedin.com/comm/mynetwork/discovery-see-all?usecase=PEOPLE_FOLLOWS&amp;followMember=michaelgisiger" target="_blank">LinkedIn</a></p>
    </div>
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      <pubDate>Fri, 04 Jul 2025 06:01:12 +0000</pubDate>
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