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    <title>EpicMind</title>
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    <description>Weisheiten für das digitale Leben</description>
    <pubDate>Sun, 16 Aug 2026 20:24:32 +0000</pubDate>
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      <title>EpicMind</title>
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      <title>Die Stürme der Seele: Odysseus und die Kunst, Kurs zu halten</title>
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      <description>&lt;![CDATA[Firmin-Girard: Les sirènes&#xA;&#xA;Christopher Nolan hat Homers Odyssee ins Kino gebracht. Ein Stoff, dessen schriftliche Fassung rund 2700 Jahre alt ist, funktioniert 2026 noch immer als grosses kulturelles Ereignis. Die interessantere Frage ist allerdings eine andere. Warum beschäftigt uns eine Geschichte weiterhin, deren Welt von Göttern, Zyklopen, Sirenen und Zauberinnen bevölkert ist? Warum erscheint uns Odysseus trotz dieser gewaltigen historischen Distanz nicht völlig fremd?&#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Eine mögliche Antwort findet sich bereits bei Seneca. Der römische Philosoph und Staatsmann des 1. Jahrhunderts n. Chr. gehört zu den wichtigsten Vertretern der späteren Stoa. In seinen Epistulae morales, den philosophischen Briefen an Lucilius aus seinem Spätwerk, geht es immer wieder darum, wie sich ein Mensch gegenüber seinen Leidenschaften, Ängsten und äusseren Umständen verhalten soll 1]. Im 88. Brief greift Seneca dafür auf [Odysseus zurück:&#xA;&#xA;  „… mit uns treiben die Stürme der Seele täglich ihr verwirrendes Spiel, unsere Verworfenheit lässt uns die ganze Leidensgeschichte des Odysseus an uns selbst erfahren. Nichts bleibt uns erspart, weder die Schönheitsreize für das Auge, noch der Grimm des Feindes; von hier drohen wilde Ungeheuer, die nach Menschenblut lechzen, von dort ertönen sinnbestrickende Schmeicheltöne, berechnet auf unser Verderben; Schiffbruch und alles mögliche Unheil sucht uns in bunter Folge heim.“ (Epistulae morales, 88, 17; „Ulixes“ ersetzt durch „Odysseus“.)&#xA;&#xA;Seneca liest die Odyssee nicht als fantastische Reisegeschichte. Er verlegt die Irrfahrt ins Innere des Menschen. Die See, auf der Odysseus umhergetrieben wird, wird zur Metapher für eine Existenz, in der sich Versuchung und Bedrohung, eigene Schwächen und äussere Widerstände kaum sauber voneinander trennen lassen. Genau darin liegt wohl ein wesentlicher Grund für die erstaunliche Gegenwärtigkeit des Epos.&#xA;&#xA;Die Stürme der Seele&#xA;&#xA;Odysseus will nach dem Trojanischen Krieg nach Ithaka zurückkehren. Aus der Heimreise werden zehn Jahre. Immer wieder kommt er vom Kurs ab, durch Stürme und Götter, durch seine Gefährten und nicht zuletzt durch eigene Fehlentscheidungen. Sein Problem besteht selten darin, einen klar erkennbaren Gegner einfach überwinden zu müssen. Er bewegt sich durch wechselnde Situationen, deren Regeln er zunächst nicht kennt. Er muss beobachten, improvisieren, verhandeln, täuschen und Entscheidungen unter Unsicherheit treffen.&#xA;&#xA;Gleich im ersten Vers der Odyssee bezeichnet Homer seinen Helden als polytropos. Das vieldeutige Wort lässt sich unter anderem als „vielgewandt“, „vielerfahren“, „listenreich“ oder als ein Mann „vieler Wendungen“ verstehen. Gerade diese Mehrdeutigkeit passt zur Figur. Der Althistoriker Jonathan S. Burgess weist in seiner neueren Studie The Travels of Odysseus auf die enge Verbindung von Odysseus’ Identität und seinem langen Umherirren hin [2]. Ein aktueller Beitrag von National Geographic fasst denselben Gedanken populärer: Die Stärke dieses Helden liegt nicht allein in kriegerischer Tapferkeit, sondern in Klugheit, Anpassungsfähigkeit und Urteilskraft [3].&#xA;&#xA;So unterscheidet sich Odysseus vom dominanten Heldentyp der Ilias. Dort richtet sich der Blick stärker auf Ruhm, Ehre und aussergewöhnliche kriegerische Leistung. Die Odyssee stellt dagegen immer wieder die Frage, wie ein Mensch handlungsfähig bleibt, wenn sich die Bedingungen verändern und frühere Gewissheiten nicht mehr tragen. Odysseus ist nicht deshalb interessant, weil er stets weiss, was zu tun ist. Interessant ist seine Fähigkeit, sich in einer neuen Lage zunächst zurechtzufinden und seinen Kurs immer wieder neu zu bestimmen.&#xA;&#xA;Schönheitsreize und Schmeicheltöne&#xA;&#xA;Seneca nennt als nächste Gefahren die „Schönheitsreize für das Auge“ und die „sinnbestrickenden Schmeicheltöne“. Gerade die Odyssee zeigt, dass Versuchungen selten dadurch gefährlich werden, dass sie offensichtlich schrecklich sind. Meist erscheinen sie zunächst attraktiv. Die Lotophagen bieten Vergessen. Wer vom Lotus kostet, verliert die Sehnsucht nach der Heimat. Kalypso) bietet Odysseus Sicherheit und ein angenehmes Leben fern von Ithaka. Die Sirenen) locken nicht bloss mit Schönheit, sondern versprechen Wissen über Troja und die Welt.&#xA;&#xA;Gefährlich ist all das, weil es Odysseus sein Ziel vergessen lassen könnte. Ohne Ithaka wären viele dieser Begegnungen keine Versuchungen, sondern einfach Möglichkeiten. Gerade hier lässt sich Senecas Lesart problemlos in die Gegenwart verlängern. Man öffnet beispielsweise einen Browser, weil man für einen Text eine bestimmte Information prüfen will. Eine halbe Stunde später hat man drei interessante Artikel geöffnet, zwei neue Themen für später notiert und ein Video gesehen, das mit der ursprünglichen Aufgabe wenig zu tun hat. Nichts davon war wertlos. Gerade deshalb funktioniert die Ablenkung so gut. Nicht das offensichtlich Sinnlose bringt einen vom Kurs ab, sondern häufig das ebenfalls Interessante.&#xA;&#xA;Die Sirenenepisode geht noch einen Schritt weiter. Odysseus weiss, dass er ihrem Gesang nicht widerstehen können wird. Deshalb lässt er seinen Männern die Ohren mit Wachs verschliessen und sich selbst an den Mast binden. Er vertraut nicht darauf, im entscheidenden Augenblick genügend Willenskraft aufzubringen, sondern schränkt im Voraus die Handlungsmöglichkeiten seines späteren Ichs ein. Die vielleicht klügste List des Odysseus richtet sich hier gegen Odysseus selbst.&#xA;&#xA;Für dieses Prinzip gibt es heute einen eigenen Begriff. In Psychologie und Verhaltensökonomie spricht man von Selbstbindung oder einem commitment device. In Anlehnung an die homerische Episode ist auch vom Ulysses pact die Rede. Gemeint ist eine freiwillig eingegangene Beschränkung, die verhindern soll, dass das zukünftige Ich einen zuvor gefassten Plan unter dem Einfluss kurzfristiger Versuchungen wieder aufgibt [4]. Ein automatischer Sparauftrag funktioniert nach demselben Muster, ebenso eine technische Sperre gegen bestimmte Ablenkungen oder eine gegenüber anderen eingegangene Verpflichtung. Selbstbeherrschung besteht unter dieser Perspektive nicht darin, jederzeit stark genug zu sein. Sie kann auch darin liegen, die eigene Schwäche rechtzeitig ernst zu nehmen.&#xA;&#xA;Nicht jeder Feind kommt von aussen&#xA;&#xA;Seneca spricht anschliessend vom „Grimm des Feindes“ und von wilden Ungeheuern. In der Odyssee gibt es davon genug. Allerdings zeigt gerade die Begegnung mit Polyphem, wie schwierig es ist, äussere Bedrohung und eigene Verantwortung auseinanderzuhalten. Odysseus entkommt dem menschenfressenden Zyklopen durch eine seiner berühmtesten Listen. Er nennt sich „Niemand“, macht Polyphem betrunken und blendet ihn. Damit rettet er sich und seine verbliebenen Gefährten. Als das Schiff bereits davonsegelt, könnte die Episode beendet sein. Odysseus kann jedoch nicht widerstehen und ruft dem besiegten Gegner seinen wirklichen Namen zu. Polyphem soll wissen, wer ihn überlistet hat.&#xA;&#xA;Hier zeigt sich die ganze Widersprüchlichkeit des polytropos. Der Mann, der klug genug ist, seinen Namen abzulegen, ist kurz darauf eitel genug, ihn hinauszuschreien. Seine Intelligenz hat ihn gerettet, sein Bedürfnis nach Anerkennung bringt ihn erneut in Gefahr. Polyphem kennt nun den Namen seines Gegners und kann seinen Vater Poseidon gezielt um Rache bitten.&#xA;&#xA;Odysseus scheitert also nicht einfach an mangelnder Klugheit. Einige jener Eigenschaften, die ihn erfolgreich machen, werden unter anderen Bedingungen zu Schwächen: Ehrgeiz, Selbstbewusstsein, Neugier und der Wunsch, für die eigene Leistung Anerkennung zu erhalten. Manche Stürme brechen über uns herein, andere erzeugen wir zumindest teilweise selbst. Darin liegt ein wesentlicher Unterschied zum makellosen Helden. Odysseus’ Bedeutung besteht nicht darin, keine Fehler zu machen, sondern darin, nach seinen Fehlern weiter handlungsfähig bleiben zu müssen.&#xA;&#xA;Böcklin: Odysseus und Calypso&#xA;&#xA;Schiffbruch&#xA;&#xA;Senecas Aufzählung endet bei „Schiffbruch und allem möglichen Unheil“. Für Odysseus ist das keine Metapher. Im Verlauf seiner Reise verliert er sämtliche Gefährten. Der erfolgreiche Kriegsherr aus Troja kehrt nicht als unversehrter Sieger nach Hause zurück. Die Irrfahrt setzt ihm Grenzen. List löst nicht jedes Problem, Mut schützt nicht vor Verlust, und auch Erfahrung verhindert nicht den nächsten Fehlentscheid.&#xA;&#xA;Christopher Nolan rückt diese Seite der Figur deutlich ins Zentrum seiner Neuverfilmung. Die NZZ beschreibt seinen Odysseus als einen vom Unglück der Welt, von eigener Hybris und eigenen Fehlentscheiden gebrochenen Menschen [5]. Zu einem ähnlichen Befund kommt, auf anderem Weg, auch der Althistoriker Raimund Schulz in seiner kürzlich erschienenen Studie: Er liest Odysseus primär sozialhistorisch, als Nachkommen einer Familie von Betrügern in einer archaischen Konkurrenzgesellschaft, und sieht gerade in dessen Wandel vom selbstbewussten Hochstapler zum zweifelnden, gebrochenen Helden den Grund für seine Anschlussfähigkeit an die Gegenwart [6]. Seneca knüpft an einer anderen Stelle an: Ihn interessiert nicht die soziale Herkunft der Figur, sondern die psychische Bewegung, die sie durchläuft. Das greift einen Zug auf, der bereits die antike Figur von einfachen Heldenerzählungen unterscheidet. Odysseus’ Reise ist kein geradliniger Triumph. Er gelangt an ihr Ziel, nachdem vieles, worüber er zu verfügen glaubte, verloren gegangen ist.&#xA;&#xA;Gerade darin liegt vielleicht eine weitere Ursache seiner Langlebigkeit. In einem längeren Leben lässt sich kaum vermeiden, dass Pläne scheitern, Sicherheiten verschwinden oder Entscheidungen sich im Rückblick als falsch erweisen. Senecas Bild vom Schiffbruch ist deshalb auch ohne antikes Mittelmeer verständlich. Entscheidend ist weniger, ob solche Brüche vorkommen, sondern wie man sich nach ihnen neu orientiert.&#xA;&#xA;Ithaka&#xA;&#xA;Eine Frage bleibt allerdings: Warum fährt Odysseus überhaupt weiter? Er hätte mehrere Gelegenheiten, seine Reise zu beenden. Kalypso bietet ihm ein Leben fern von den Gefahren des Meeres. Bei den Phäaken wird er aufgenommen und geschützt, und König Alkinoos) würde ihn gerne bei sich behalten. Odysseus lehnt diese Möglichkeiten ab, weil er nach Ithaka will.&#xA;&#xA;Hier verändert sich die Bedeutung der ganzen Geschichte. Die Odyssee handelt oberflächlich vom Reisen, im Kern aber vom Heimkehren. Odysseus sucht nicht einfach einen Ort auf einer Karte. Er sucht Penelope), seinen Sohn Telemach, sein Haus und einen Platz in einer Gemeinschaft. Erst dieses Ziel erklärt rückwirkend, weshalb die Begegnungen unterwegs zu Versuchungen werden. Der Lotus ist gefährlich, weil er Ithaka vergessen lässt. Kalypsos Angebot ist gefährlich, weil es ein anderes Leben an die Stelle des gewählten setzen könnte. Die Sirenen sind gefährlich, weil sie Odysseus vom Kurs abbringen.&#xA;&#xA;Eine Irrfahrt setzt ein Ziel voraus. Das ist vielleicht die stärkste Verbindung zur Gegenwart. In einer Welt mit einer kaum überschaubaren Zahl an Möglichkeiten besteht Orientierung nicht nur darin, neue Optionen zu erkennen. Sie verlangt ebenso die Fähigkeit, auf Möglichkeiten zu verzichten. Odysseus ist polytropos, wandlungsfähig und offen für wechselnde Situationen. Seine Wandlungsfähigkeit hat jedoch eine Grenze: Trotz aller Umwege will er wieder nach Ithaka.&#xA;&#xA;Unsere eigenen Irrfahrten&#xA;&#xA;Wir leben nicht mehr in Homers Welt. Niemand erwartet hinter der nächsten Küste einen Zyklopen, Poseidon beeinflusst keine Reiseplanung, und die Sirenen sind aus unseren Seekarten verschwunden. Senecas Lesart funktioniert trotzdem. Die „Stürme der Seele“ treiben weiterhin ihr Spiel. Wir lassen uns ablenken, überschätzen uns, suchen Anerkennung, treffen Entscheidungen unter Unsicherheit und müssen mit Folgen leben, die wir nicht vorgesehen haben. Manches widerfährt uns, anderes verursachen wir selbst. Gelegentlich bemerken wir erst spät, dass wir zwar sehr beschäftigt waren, aber nicht mehr genau wissen, wohin wir eigentlich unterwegs sind.&#xA;&#xA;Dass Christopher Nolan die Geschichte 2026 erneut auf die grosse Leinwand bringt, ist aus dieser Perspektive mehr als ein weiterer Beleg für die kulturelle Haltbarkeit eines Klassikers. Jede Neuverfilmung übersetzt den Stoff zwangsläufig in ihre eigene Gegenwart. Dass diese Übersetzung überhaupt immer wieder möglich ist, hat möglicherweise genau mit jener Beobachtung zu tun, die Seneca bereits vor fast zweitausend Jahren machte: Die äusseren Formen unserer Gefahren verändern sich stärker als die menschlichen Konflikte, die sich in ihnen spiegeln.&#xA;&#xA;Vielleicht fasziniert Odysseus deshalb nach fast drei Jahrtausenden noch immer. Nicht weil er über allen Gefahren steht, sondern weil er sich verirrt, Fehler macht, Verluste erleidet und trotzdem immer wieder versucht, seinen Kurs neu zu bestimmen. Odysseus kommt nicht ohne Schiffbruch nach Ithaka. Er kommt nach Ithaka, obwohl er Schiffbruch erlitten hat.&#xA;&#xA;---&#xA;💬 Kommentieren (nur für write.as-Accounts)&#xA;a href=&#34;https://remark.as/p/epicmind.ch/die-stuerme-der-seele-odysseus-und-die-kunst-kurs-zu-halten&#34;Discuss.../a&#xA;&#xA;---&#xA;Quellen&#xA;[1] K. M. Vogt, “Seneca”, Stanford Encyclopedia of Philosophy, Stanford University, 17. Okt. 2007, überarb. 13. Feb. 2024. [Online]. Verfügbar: https://plato.stanford.edu/entries/seneca/&#xA;&#xA;[2] J. S. Burgess, The Travels of Odysseus. Oxford: Oxford University Press, 2025.&#xA;&#xA;[3] National Geographic Redaktion, „Odysseus: Warum Homers Held seiner Zeit voraus war“, National Geographic, 18. Juli 2026. [Online]. Verfügbar: https://nationalgeographic.de/geschichte-und-kultur/2026/07/was-homers-odyssee-ueber-die-griechische-kolonisation-verraet/&#xA;&#xA;[4] G. Bryan, D. Karlan und S. Nelson, “Commitment Devices”, Annual Review of Economics, Bd. 2, S. 671–698, 2010, doi: 10.1146/annurev.economics.102308.124324. [Online]. Verfügbar: https://www.annualreviews.org/doi/10.1146/annurev.economics.102308.124324&#xA;&#xA;[5] T. Sedlmaier, „The Odyssey von Christopher Nolan: Kritik zum Blockbuster“, Neue Zürcher Zeitung, 17. Juli 2026. [Online]. Verfügbar: https://www.nzz.ch/feuilleton/kino-fernsehen-streaming/so-viel-kritik-wie-christopher-nolans-the-odyssey-musste-vorab-selten-ein-blockbuster-einstecken-haben-sich-die-schlimmsten-befuerchtungen-bewahrheitet-ld.10015281&#xA;&#xA;[6] R. Schulz, Odysseus. Mythos und Wahrheit. Stuttgart: Klett-Cotta, 2026. Vgl. dazu auch M. Möller, „Warum Odysseus heute noch fasziniert“, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17. Juli 2026. [Online]. Verfügbar: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/sachbuch/warum-odysseus-heute-noch-fasziniert-200908684.html&#xA;&#xA;Bildquellen&#xA;Marie-François Firmin-Girard (1838–1921): Les sirènes, Musée des Beaux-Arts, Narbonne Public DomainUlysseetlessir%C3%A8nes-FirminGirard-Mus%C3%A9edesBeaux-ArtsdeNarbonne.jpg).&#xA;Arnold Böcklin (1827–1901): Odysseus und Calypso, Kunstmuseum, Basel Public Domain.&#xA;&#xA;Disclaimer&#xA;Teile dieses Texts wurden mit Deepl Write (Korrektorat und Lektorat) überarbeitet. Für die Recherche in den erwähnten Werken/Quellen und in meinen Notizen wurde NotebookLM von Google verwendet. Für das Erstellen der Infografik wurde ChatGPT benutzt.&#xA;&#xA;Topic&#xA;#Philosophie | #Selbstbetrachtungen&#xA;&#xA;div class=&#34;signature&#34;&#xD;&#xA;    &lt;img&#xD;&#xA;        src=&#34;https://www.gisiger.biz/assets/storage/epicmind/michael-gisiger-round-2.png&#34;&#xD;&#xA;        alt=&#34;Michael Gisiger&#34;&#xD;&#xA;        class=&#34;profile-pic u-photo&#34;&#xD;&#xA;      div class=&#34;signature-content&#34;&#xD;&#xA;        h2 class=&#34;p-author p-name&#34; rel=&#34;author&#34;Michael Gisiger/h2&#xD;&#xA;&#xD;&#xA;        p class=&#34;p-note&#34;&#xD;&#xA;            Erwachsenenbildner und Coach mit 20+ Jahren Erfahrung.&#xD;&#xA;            Aus philosophischer Perspektive schreibe ich über Produktivität,&#xD;&#xA;            PKM und Coaching – fundiert und praxisnah.&#xD;&#xA;        /p&#xD;&#xA;&#xD;&#xA;p class=&#34;signature-links&#34;a href=&#34;https://www.michaelgisiger.ch/&#34; target=&#34;blank&#34;Website/a · a href=&#34;https://nerdculture.de/@gisiger&#34; target=&#34;blank&#34; rel=&#34;me&#34;Mastodon/a · a href=&#34;https://nolto.social/profile/michaelgisiger&#34; target=&#34;blank&#34;Nolto/a · a href=&#34;https://bsky.app/profile/gisiger.bsky.social&#34; target=&#34;blank&#34;Bluesky/a · a href=&#34;https://www.linkedin.com/comm/mynetwork/discovery-see-all?usecase=PEOPLEFOLLOWS&amp;amp;followMember=michaelgisiger&#34; target=&#34;_blank&#34;LinkedIn/a/p&#xD;&#xA;    /div&#xD;&#xA;/div]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><img src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/8/8d/Marie-Fran%C3%A7ois_Firmin-Girard_-_Les_sir%C3%A8nes_02.jpg/960px-Marie-Fran%C3%A7ois_Firmin-Girard_-_Les_sir%C3%A8nes_02.jpg" alt="Firmin-Girard: Les sirènes"/></p>

<p>Christopher Nolan hat Homers <em>Odyssee</em> ins Kino gebracht. Ein Stoff, dessen schriftliche Fassung rund 2700 Jahre alt ist, funktioniert 2026 noch immer als grosses kulturelles Ereignis. Die interessantere Frage ist allerdings eine andere. Warum beschäftigt uns eine Geschichte weiterhin, deren Welt von Göttern, Zyklopen, Sirenen und Zauberinnen bevölkert ist? Warum erscheint uns Odysseus trotz dieser gewaltigen historischen Distanz nicht völlig fremd?</p>



<p>Eine mögliche Antwort findet sich bereits bei <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Seneca">Seneca</a>. Der römische Philosoph und Staatsmann des 1. Jahrhunderts n. Chr. gehört zu den wichtigsten Vertretern der späteren Stoa. In seinen <em>Epistulae morales</em>, den <a href="./besser-lernen-mit-seneca">philosophischen Briefen an Lucilius</a> aus seinem Spätwerk, geht es immer wieder darum, wie sich ein Mensch gegenüber seinen Leidenschaften, Ängsten und äusseren Umständen verhalten soll [1]. Im 88. Brief greift Seneca dafür auf <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Odysseus">Odysseus</a> zurück:</p>

<blockquote><p><strong><em>„… mit uns treiben die Stürme der Seele täglich ihr verwirrendes Spiel, unsere Verworfenheit lässt uns die ganze Leidensgeschichte des Odysseus an uns selbst erfahren. Nichts bleibt uns erspart, weder die Schönheitsreize für das Auge, noch der Grimm des Feindes; von hier drohen wilde Ungeheuer, die nach Menschenblut lechzen, von dort ertönen sinnbestrickende Schmeicheltöne, berechnet auf unser Verderben; Schiffbruch und alles mögliche Unheil sucht uns in bunter Folge heim.“</em></strong> (Epistulae morales, 88, 17; „Ulixes“ ersetzt durch „Odysseus“.)</p></blockquote>

<p>Seneca liest die <em>Odyssee</em> nicht als fantastische Reisegeschichte. Er verlegt die Irrfahrt ins Innere des Menschen. Die See, auf der Odysseus umhergetrieben wird, wird <a href="./besser-leben-mit-seneca">zur Metapher für eine Existenz</a>, in der sich Versuchung und Bedrohung, eigene Schwächen und äussere Widerstände kaum sauber voneinander trennen lassen. Genau darin liegt wohl ein wesentlicher Grund für die erstaunliche Gegenwärtigkeit des Epos.</p>

<h2 id="die-stürme-der-seele">Die Stürme der Seele</h2>

<p>Odysseus will nach dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Trojanischer_Krieg">Trojanischen Krieg</a> nach Ithaka zurückkehren. Aus der Heimreise werden zehn Jahre. Immer wieder kommt er vom Kurs ab, durch Stürme und Götter, durch seine Gefährten und nicht zuletzt durch eigene Fehlentscheidungen. Sein Problem besteht selten darin, einen klar erkennbaren Gegner einfach überwinden zu müssen. Er bewegt sich durch wechselnde Situationen, deren Regeln er zunächst nicht kennt. Er muss beobachten, improvisieren, verhandeln, täuschen und Entscheidungen unter Unsicherheit treffen.</p>

<p>Gleich im ersten Vers der <em>Odyssee</em> bezeichnet Homer seinen Helden als <em>polytropos</em>. Das vieldeutige Wort lässt sich unter anderem als „vielgewandt“, „vielerfahren“, „listenreich“ oder als ein Mann „vieler Wendungen“ verstehen. Gerade diese Mehrdeutigkeit passt zur Figur. Der Althistoriker Jonathan S. Burgess weist in seiner neueren Studie <em>The Travels of Odysseus</em> auf die enge Verbindung von Odysseus’ Identität und seinem langen Umherirren hin [2]. Ein aktueller Beitrag von <em>National Geographic</em> fasst denselben Gedanken populärer: Die Stärke dieses Helden liegt nicht allein in kriegerischer Tapferkeit, sondern in Klugheit, Anpassungsfähigkeit und Urteilskraft [3].</p>

<p>So unterscheidet sich Odysseus vom dominanten Heldentyp der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ilias"><em>Ilias</em></a>. Dort richtet sich der Blick stärker auf Ruhm, Ehre und aussergewöhnliche kriegerische Leistung. Die <em>Odyssee</em> stellt dagegen immer wieder die Frage, wie ein Mensch handlungsfähig bleibt, wenn sich die Bedingungen verändern und frühere Gewissheiten nicht mehr tragen. Odysseus ist nicht deshalb interessant, weil er stets weiss, was zu tun ist. Interessant ist seine Fähigkeit, sich in einer neuen Lage zunächst zurechtzufinden und seinen Kurs immer wieder neu zu bestimmen.</p>

<h2 id="schönheitsreize-und-schmeicheltöne">Schönheitsreize und Schmeicheltöne</h2>

<p>Seneca nennt als nächste Gefahren die „Schönheitsreize für das Auge“ und die „sinnbestrickenden Schmeicheltöne“. Gerade die <em>Odyssee</em> zeigt, dass Versuchungen selten dadurch gefährlich werden, dass sie offensichtlich schrecklich sind. Meist erscheinen sie zunächst attraktiv. Die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Lotophagen">Lotophagen</a> bieten Vergessen. Wer vom Lotus kostet, verliert die Sehnsucht nach der Heimat. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kalypso_(Mythologie)">Kalypso</a> bietet Odysseus Sicherheit und ein angenehmes Leben fern von Ithaka. Die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sirene_(Mythologie)">Sirenen</a> locken nicht bloss mit Schönheit, sondern versprechen Wissen über Troja und die Welt.</p>

<p>Gefährlich ist all das, weil es Odysseus sein Ziel vergessen lassen könnte. Ohne Ithaka wären viele dieser Begegnungen keine Versuchungen, sondern einfach Möglichkeiten. Gerade hier lässt sich Senecas Lesart problemlos in die Gegenwart verlängern. Man öffnet beispielsweise einen Browser, weil man für einen Text eine bestimmte Information prüfen will. Eine halbe Stunde später hat man drei interessante Artikel geöffnet, zwei neue Themen für später notiert und ein Video gesehen, das mit der ursprünglichen Aufgabe wenig zu tun hat. Nichts davon war wertlos. Gerade deshalb funktioniert die Ablenkung so gut. Nicht das offensichtlich Sinnlose bringt einen vom Kurs ab, sondern häufig das ebenfalls Interessante.</p>

<p>Die Sirenenepisode geht noch einen Schritt weiter. Odysseus weiss, dass er ihrem Gesang nicht widerstehen können wird. Deshalb lässt er seinen Männern die Ohren mit Wachs verschliessen und sich selbst an den Mast binden. Er vertraut nicht darauf, im entscheidenden Augenblick genügend Willenskraft aufzubringen, sondern schränkt im Voraus die Handlungsmöglichkeiten seines späteren Ichs ein. Die vielleicht klügste List des Odysseus richtet sich hier gegen Odysseus selbst.</p>

<p>Für dieses Prinzip gibt es heute einen eigenen Begriff. In Psychologie und Verhaltensökonomie spricht man von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Selbstbindung"><strong>Selbstbindung</strong></a> oder einem <em>commitment device</em>. In Anlehnung an die homerische Episode ist auch vom <strong>Ulysses pact</strong> die Rede. Gemeint ist eine freiwillig eingegangene Beschränkung, die verhindern soll, dass das zukünftige Ich einen zuvor gefassten Plan unter dem Einfluss kurzfristiger Versuchungen wieder aufgibt [4]. Ein automatischer Sparauftrag funktioniert nach demselben Muster, ebenso eine technische Sperre gegen bestimmte Ablenkungen oder eine gegenüber anderen eingegangene Verpflichtung. Selbstbeherrschung besteht unter dieser Perspektive nicht darin, jederzeit stark genug zu sein. Sie kann auch darin liegen, die eigene Schwäche rechtzeitig ernst zu nehmen.</p>

<h2 id="nicht-jeder-feind-kommt-von-aussen">Nicht jeder Feind kommt von aussen</h2>

<p>Seneca spricht anschliessend vom „Grimm des Feindes“ und von wilden Ungeheuern. In der <em>Odyssee</em> gibt es davon genug. Allerdings zeigt gerade die Begegnung mit <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Polyphem">Polyphem</a>, wie schwierig es ist, äussere Bedrohung und eigene Verantwortung auseinanderzuhalten. Odysseus entkommt dem menschenfressenden Zyklopen durch eine seiner berühmtesten Listen. Er nennt sich „Niemand“, macht Polyphem betrunken und blendet ihn. Damit rettet er sich und seine verbliebenen Gefährten. Als das Schiff bereits davonsegelt, könnte die Episode beendet sein. Odysseus kann jedoch nicht widerstehen und ruft dem besiegten Gegner seinen wirklichen Namen zu. Polyphem soll wissen, wer ihn überlistet hat.</p>

<p>Hier zeigt sich die ganze Widersprüchlichkeit des <em>polytropos</em>. Der Mann, der klug genug ist, seinen Namen abzulegen, ist kurz darauf eitel genug, ihn hinauszuschreien. Seine Intelligenz hat ihn gerettet, sein Bedürfnis nach Anerkennung bringt ihn erneut in Gefahr. Polyphem kennt nun den Namen seines Gegners und kann seinen Vater <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Poseidon">Poseidon</a> gezielt um Rache bitten.</p>

<p>Odysseus scheitert also nicht einfach an mangelnder Klugheit. Einige jener Eigenschaften, die ihn erfolgreich machen, werden unter anderen Bedingungen zu Schwächen: Ehrgeiz, Selbstbewusstsein, Neugier und der Wunsch, für die eigene Leistung Anerkennung zu erhalten. Manche Stürme brechen über uns herein, andere erzeugen wir zumindest teilweise selbst. Darin liegt ein wesentlicher Unterschied zum makellosen Helden. Odysseus’ Bedeutung besteht nicht darin, keine Fehler zu machen, sondern darin, nach seinen Fehlern weiter handlungsfähig bleiben zu müssen.</p>

<p><img src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/2/25/Arnold_B%C3%B6cklin_008.jpg/960px-Arnold_B%C3%B6cklin_008.jpg" alt="Böcklin: Odysseus und Calypso"/></p>

<h2 id="schiffbruch">Schiffbruch</h2>

<p>Senecas Aufzählung endet bei „Schiffbruch und allem möglichen Unheil“. Für Odysseus ist das keine Metapher. Im Verlauf seiner Reise verliert er sämtliche Gefährten. Der erfolgreiche Kriegsherr aus Troja kehrt nicht als unversehrter Sieger nach Hause zurück. Die Irrfahrt setzt ihm Grenzen. List löst nicht jedes Problem, Mut schützt nicht vor Verlust, und auch Erfahrung verhindert nicht den nächsten Fehlentscheid.</p>

<p>Christopher Nolan rückt diese Seite der Figur deutlich ins Zentrum seiner Neuverfilmung. Die NZZ beschreibt seinen Odysseus als einen vom Unglück der Welt, von eigener Hybris und eigenen Fehlentscheiden gebrochenen Menschen [5]. Zu einem ähnlichen Befund kommt, auf anderem Weg, auch der Althistoriker Raimund Schulz in seiner kürzlich erschienenen Studie: Er liest Odysseus primär sozialhistorisch, als Nachkommen einer Familie von Betrügern in einer archaischen Konkurrenzgesellschaft, und sieht gerade in dessen Wandel vom selbstbewussten Hochstapler zum zweifelnden, gebrochenen Helden den Grund für seine Anschlussfähigkeit an die Gegenwart [6]. Seneca knüpft an einer anderen Stelle an: Ihn interessiert nicht die soziale Herkunft der Figur, sondern die psychische Bewegung, die sie durchläuft. Das greift einen Zug auf, der bereits die antike Figur von einfachen Heldenerzählungen unterscheidet. Odysseus’ Reise ist kein geradliniger Triumph. Er gelangt an ihr Ziel, nachdem vieles, worüber er zu verfügen glaubte, verloren gegangen ist.</p>

<p>Gerade darin liegt vielleicht eine weitere Ursache seiner Langlebigkeit. In einem längeren Leben lässt sich kaum vermeiden, dass Pläne scheitern, Sicherheiten verschwinden oder Entscheidungen sich im Rückblick als falsch erweisen. Senecas Bild vom Schiffbruch ist deshalb auch ohne antikes Mittelmeer verständlich. Entscheidend ist weniger, ob solche Brüche vorkommen, sondern wie man sich nach ihnen neu orientiert.</p>

<h2 id="ithaka">Ithaka</h2>

<p>Eine Frage bleibt allerdings: Warum fährt Odysseus überhaupt weiter? Er hätte mehrere Gelegenheiten, seine Reise zu beenden. Kalypso bietet ihm ein Leben fern von den Gefahren des Meeres. Bei den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Phaiaken">Phäaken</a> wird er aufgenommen und geschützt, und König <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Alkinoos_(Sohn_des_Nausithoos)">Alkinoos</a> würde ihn gerne bei sich behalten. Odysseus lehnt diese Möglichkeiten ab, weil er nach Ithaka will.</p>

<p>Hier verändert sich die Bedeutung der ganzen Geschichte. Die <em>Odyssee</em> handelt oberflächlich vom Reisen, im Kern aber vom Heimkehren. Odysseus sucht nicht einfach einen Ort auf einer Karte. Er sucht <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Penelope_(Mythologie)">Penelope</a>, seinen Sohn <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Telemachos">Telemach</a>, sein Haus und einen Platz in einer Gemeinschaft. Erst dieses Ziel erklärt rückwirkend, weshalb die Begegnungen unterwegs zu Versuchungen werden. Der Lotus ist gefährlich, weil er Ithaka vergessen lässt. Kalypsos Angebot ist gefährlich, weil es ein anderes Leben an die Stelle des gewählten setzen könnte. Die Sirenen sind gefährlich, weil sie Odysseus vom Kurs abbringen.</p>

<p>Eine Irrfahrt setzt ein Ziel voraus. Das ist vielleicht die stärkste Verbindung zur Gegenwart. In einer Welt mit einer kaum überschaubaren Zahl an Möglichkeiten besteht Orientierung nicht nur darin, neue Optionen zu erkennen. Sie verlangt ebenso die Fähigkeit, auf Möglichkeiten zu verzichten. Odysseus ist <em>polytropos</em>, wandlungsfähig und offen für wechselnde Situationen. Seine Wandlungsfähigkeit hat jedoch eine Grenze: Trotz aller Umwege will er wieder nach Ithaka.</p>

<h2 id="unsere-eigenen-irrfahrten">Unsere eigenen Irrfahrten</h2>

<p>Wir leben nicht mehr in Homers Welt. Niemand erwartet hinter der nächsten Küste einen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kyklop">Zyklopen</a>, Poseidon beeinflusst keine Reiseplanung, und die Sirenen sind aus unseren Seekarten verschwunden. Senecas Lesart funktioniert trotzdem. Die „Stürme der Seele“ treiben weiterhin ihr Spiel. Wir lassen uns ablenken, überschätzen uns, suchen Anerkennung, treffen Entscheidungen unter Unsicherheit und müssen mit Folgen leben, die wir nicht vorgesehen haben. Manches widerfährt uns, anderes verursachen wir selbst. Gelegentlich bemerken wir erst spät, dass wir zwar sehr beschäftigt waren, aber nicht mehr genau wissen, wohin wir eigentlich unterwegs sind.</p>

<p>Dass Christopher Nolan die Geschichte 2026 erneut auf die grosse Leinwand bringt, ist aus dieser Perspektive mehr als ein weiterer Beleg für die kulturelle Haltbarkeit eines Klassikers. Jede Neuverfilmung übersetzt den Stoff zwangsläufig in ihre eigene Gegenwart. Dass diese Übersetzung überhaupt immer wieder möglich ist, hat möglicherweise genau mit jener Beobachtung zu tun, die Seneca bereits vor fast zweitausend Jahren machte: Die äusseren Formen unserer Gefahren verändern sich stärker als die menschlichen Konflikte, die sich in ihnen spiegeln.</p>

<p>Vielleicht fasziniert Odysseus deshalb nach fast drei Jahrtausenden noch immer. Nicht weil er über allen Gefahren steht, sondern weil er sich verirrt, Fehler macht, Verluste erleidet und trotzdem immer wieder versucht, seinen Kurs neu zu bestimmen. Odysseus kommt nicht ohne Schiffbruch nach Ithaka. Er kommt nach Ithaka, obwohl er Schiffbruch erlitten hat.</p>

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<p><strong>Quellen</strong>
[1] K. M. Vogt, “Seneca”, <em>Stanford Encyclopedia of Philosophy</em>, Stanford University, 17. Okt. 2007, überarb. 13. Feb. 2024. [Online]. Verfügbar: <a href="https://plato.stanford.edu/entries/seneca/">https://plato.stanford.edu/entries/seneca/</a></p>

<p>[2] J. S. Burgess, <em>The Travels of Odysseus</em>. Oxford: Oxford University Press, 2025.</p>

<p>[3] National Geographic Redaktion, „Odysseus: Warum Homers Held seiner Zeit voraus war“, <em>National Geographic</em>, 18. Juli 2026. [Online]. Verfügbar: <a href="https://nationalgeographic.de/geschichte-und-kultur/2026/07/was-homers-odyssee-ueber-die-griechische-kolonisation-verraet/">https://nationalgeographic.de/geschichte-und-kultur/2026/07/was-homers-odyssee-ueber-die-griechische-kolonisation-verraet/</a></p>

<p>[4] G. Bryan, D. Karlan und S. Nelson, “Commitment Devices”, <em>Annual Review of Economics</em>, Bd. 2, S. 671–698, 2010, doi: 10.1146/annurev.economics.102308.124324. [Online]. Verfügbar: <a href="https://www.annualreviews.org/doi/10.1146/annurev.economics.102308.124324">https://www.annualreviews.org/doi/10.1146/annurev.economics.102308.124324</a></p>

<p>[5] T. Sedlmaier, „<em>The Odyssey</em> von Christopher Nolan: Kritik zum Blockbuster“, <em>Neue Zürcher Zeitung</em>, 17. Juli 2026. [Online]. Verfügbar: <a href="https://www.nzz.ch/feuilleton/kino-fernsehen-streaming/so-viel-kritik-wie-christopher-nolans-the-odyssey-musste-vorab-selten-ein-blockbuster-einstecken-haben-sich-die-schlimmsten-befuerchtungen-bewahrheitet-ld.10015281">https://www.nzz.ch/feuilleton/kino-fernsehen-streaming/so-viel-kritik-wie-christopher-nolans-the-odyssey-musste-vorab-selten-ein-blockbuster-einstecken-haben-sich-die-schlimmsten-befuerchtungen-bewahrheitet-ld.10015281</a></p>

<p>[6] R. Schulz, Odysseus. Mythos und Wahrheit. Stuttgart: Klett-Cotta, 2026. Vgl. dazu auch M. Möller, „Warum Odysseus heute noch fasziniert“, <em>Frankfurter Allgemeine Zeitung</em>, 17. Juli 2026. [Online]. Verfügbar: <a href="https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/sachbuch/warum-odysseus-heute-noch-fasziniert-200908684.html">https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/sachbuch/warum-odysseus-heute-noch-fasziniert-200908684.html</a></p>

<p><strong>Bildquellen</strong>
1. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Marie-Fran%C3%A7ois_Firmin-Girard">Marie-François Firmin-Girard</a> (1838–1921): <em>Les sirènes</em>, Musée des Beaux-Arts, Narbonne <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:(Narbonne)_Ulysse_et_les_sir%C3%A8nes_-_Firmin_Girard_-_Mus%C3%A9e_des_Beaux-Arts_de_Narbonne.jpg">Public Domain</a>.
2. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Arnold_B%C3%B6cklin">Arnold Böcklin</a> (1827–1901): <em>Odysseus und Calypso</em>, Kunstmuseum, Basel <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Arnold_B%C3%B6cklin_008.jpg">Public Domain</a>.</p>

<p><strong>Disclaimer</strong>
Teile dieses Texts wurden mit Deepl Write (Korrektorat und Lektorat) überarbeitet. Für die Recherche in den erwähnten Werken/Quellen und in meinen Notizen wurde NotebookLM von Google verwendet. Für das Erstellen der Infografik wurde ChatGPT benutzt.</p>

<p><strong>Topic</strong>
<a href="https://epicmind.ch/tag:Philosophie" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Philosophie</span></a> | <a href="https://epicmind.ch/tag:Selbstbetrachtungen" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Selbstbetrachtungen</span></a></p>

<div class="signature">
    <img src="https://www.gisiger.biz/assets/storage/epicmind/michael-gisiger-round-2.png" alt="Michael Gisiger" class="profile-pic u-photo">
    <div class="signature-content">
        <h2 class="p-author p-name">Michael Gisiger</h2>

        <p class="p-note">
            Erwachsenenbildner und Coach mit 20+ Jahren Erfahrung.
            Aus philosophischer Perspektive schreibe ich über Produktivität,
            PKM und Coaching – fundiert und praxisnah.
        </p>

<p class="signature-links"><a href="https://www.michaelgisiger.ch/" target="_blank">Website</a> · <a href="https://nerdculture.de/@gisiger" target="_blank">Mastodon</a> · <a href="https://nolto.social/profile/michael_gisiger" target="_blank">Nolto</a> · <a href="https://bsky.app/profile/gisiger.bsky.social" target="_blank">Bluesky</a> · <a href="https://www.linkedin.com/comm/mynetwork/discovery-see-all?usecase=PEOPLE_FOLLOWS&amp;followMember=michaelgisiger" target="_blank">LinkedIn</a></p>
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</div>
]]></content:encoded>
      <guid>https://epicmind.ch/die-stuerme-der-seele-odysseus-und-die-kunst-kurs-zu-halten</guid>
      <pubDate>Thu, 13 Aug 2026 22:11:28 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>EpicMonday 32: Drei Arten der Neugier – und warum sie wichtig sind</title>
      <link>https://epicmind.ch/epicmonday-32-drei-arten-der-neugier-und-warum-sie-wichtig-sind?pk_campaign=rss-feed</link>
      <description>&lt;![CDATA[Illustration eines antiken Philosophen in Toga, der erschöpft an einem modernen Büroarbeitsplatz vor einem Computer sitzt, umgeben von leeren Bürostühlen und urbaner Architektur.&#xA;&#xA;Freundinnen &amp; Freunde der Weisheit! Neugier ist nicht gleich Neugier. Die Forschung unterscheidet mindestens drei verschiedene Varianten. Welche das sind und wie diese unser Lernen und uns alle beeinflussen, lest ihr in der heutigen Ausgabe.&#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Laut dem Forscher Perry Zurn gibt es mindestens drei verschiedene Stile der Neugier, die unser Lernen und unsere gesellschaftliche Entwicklung beeinflussen. Diese Einteilung basiert auf einer philosophischen Analyse: 2019 untersuchte Zurn klassische Texte von Denkern wie Augustinus, Nietzsche und Derrida und identifizierte drei Modelle der Neugier. Erstens gibt es die „Geschäftigen“ (busybody), die sich für eine breite Palette von Themen interessieren und wahllos Informationen aufschnappen. Zweitens die „Jäger“ (hunter), die gezielt nach spezifischen Antworten suchen und Ablenkungen vermeiden. Drittens die „Tänzer“ (dancer), die kreativ neue Verbindungen zwischen Ideen herstellen und unkonventionelle Wege gehen. Diese Stile sind nicht strikt getrennt – viele Menschen vereinen mehrere dieser Ansätze.  &#xA;&#xA;Eine aktuelle Studie zeigt nun, dass sich diese Neugier-Stile auch im Internet widerspiegeln. „Geschäftige“ erkunden eine breite Themenpalette und vertiefen sich vor allem in kulturelle Inhalte wie Sport oder Kunst. „Jäger“ verfolgen eine gezielte Recherche, insbesondere zu wissenschaftlichen und technischen Themen. „Tänzer“ hingegen springen kreativ zwischen unterschiedlichen Wissensgebieten, verknüpfen Ideen neu und entdecken unerwartete Zusammenhänge. Die Art des Stöberns beeinflusst auch das Wohlbefinden: Während ein eng fokussiertes, zielgerichtetes Suchverhalten mit negativen Gefühlen wie Angst und Stress verbunden sein kann, sind offene, explorative Leserinnen und Leser tendenziell positiver gestimmt. &#xA;&#xA;Auf gesellschaftlicher Ebene zeigt sich, dass in Ländern mit einer breiteren, vielfältigeren Neugier auch Bildung und Gleichstellung besser ausgeprägt sind. Die Freiheit, sich in verschiedene Richtungen weiterzubilden, fördert eine gerechtere Gesellschaft – und umgekehrt schafft Gleichheit die Voraussetzungen für eine offene, vielseitige Wissenssuche. Die gute Nachricht: Neugier ist nicht festgelegt. Wir können unsere Art des Fragens und Entdeckens weiterentwickeln – und so neue Perspektiven auf die Welt gewinnen. Und welcher Stil entspricht dir? Bist du eher geschäftig, ein Jäger oder doch eher ein Tänzer?&#xA;&#xA;Denkanstoss zum Wochenbeginn&#xA;&#xA;  „Geschichte ist Ironie in Bewegung.“ – Emil Cioran (1911–1995)&#xA;&#xA;ProductivityPorn-Tipp der Woche: Delegieren lernen&#xA;&#xA;Du musst nicht alles selbst machen. Delegiere Aufgaben an andere, wenn es möglich ist, um Dich auf Deine Kernkompetenzen zu konzentrieren.&#xA;&#xA;Aus dem Archiv: Warum Geistesblitze nicht aus dem Nichts kommen&#xA;&#xA;Ich habe lange geglaubt, dass gute Ideen aus dem Nichts auftauchen. Beim Zähneputzen, auf einem Spaziergang, in der Dusche. Dieses magische „Heureka!“ – und plötzlich ist die Lösung da. Aber irgendwann merkte ich: So einfach ist es nicht. Der Geistesblitz ist nur der sichtbare Höhepunkt eines unsichtbaren Prozesses. Und je komplexer das Problem, desto weniger reicht er allein. Wer Lösungen für anspruchsvolle Fragen finden will – ob im Beruf, im Studium oder im Alltag –, muss wissen, wie dieser Denkprozess funktioniert. Dabei geholfen hat mir ein Denker, der schon vor fast hundert Jahren genau das beschrieben hat: Graham Wallas. Sein Modell der kreativen Problemlösung hat mich beeindruckt.&#xA;&#xA;weiterlesen …&#xA;&#xA;Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast, diesen Newsletter zu lesen. Ich hoffe, die Inhalte konnten Dich inspirieren und Dir wertvolle Impulse für Dein (digitales) Leben geben. Bleib neugierig und hinterfrage, was Dir begegnet!&#xA;&#xA;---&#xA;EpicMind – Weisheiten für das digitale Leben&#xA;„EpicMind“ (kurz für „Epicurean Mindset“) ist mein Blog und Newsletter, der sich den Themen Lernen, Produktivität, Selbstmanagement und Technologie widmet – alles gewürzt mit einer Prise Philosophie.&#xA;&#xA;!--emailsub--&#xA;&#xA;---&#xA;Disclaimer&#xA;Teile dieses Texts wurden mit Deepl Write (Korrektorat und Lektorat) überarbeitet. Für die Recherche in den erwähnten Werken/Quellen und in meinen Notizen wurde NotebookLM von Google verwendet. 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      <content:encoded><![CDATA[<p><img src="https://gisiger.biz/assets/storage/epicmind/epicmonday-cover.png" alt="Illustration eines antiken Philosophen in Toga, der erschöpft an einem modernen Büroarbeitsplatz vor einem Computer sitzt, umgeben von leeren Bürostühlen und urbaner Architektur."/></p>

<p>Freundinnen &amp; Freunde der Weisheit! Neugier ist nicht gleich Neugier. Die Forschung unterscheidet mindestens drei verschiedene Varianten. Welche das sind und wie diese unser Lernen und uns alle beeinflussen, lest ihr in der heutigen Ausgabe.</p>



<p>Laut dem Forscher Perry Zurn gibt es mindestens <a href="https://greatergood.berkeley.edu/article/item/the_three_styles_of_curiosity">drei verschiedene Stile der Neugier</a>, die unser Lernen und unsere gesellschaftliche Entwicklung beeinflussen. Diese Einteilung basiert auf einer philosophischen Analyse: 2019 untersuchte Zurn klassische Texte von Denkern wie Augustinus, Nietzsche und Derrida und identifizierte drei Modelle der Neugier. Erstens gibt es die <strong>„Geschäftigen“ (busybody)</strong>, die sich für eine breite Palette von Themen interessieren und wahllos Informationen aufschnappen. Zweitens die <strong>„Jäger“ (hunter)</strong>, die gezielt nach spezifischen Antworten suchen und Ablenkungen vermeiden. Drittens die <strong>„Tänzer“ (dancer)</strong>, die kreativ neue Verbindungen zwischen Ideen herstellen und unkonventionelle Wege gehen. Diese Stile sind nicht strikt getrennt – viele Menschen vereinen mehrere dieser Ansätze.</p>

<p>Eine <a href="https://www.science.org/doi/10.1126/sciadv.adn3268">aktuelle Studie zeigt</a> nun, dass sich diese Neugier-Stile auch im Internet widerspiegeln. „Geschäftige“ erkunden eine breite Themenpalette und vertiefen sich vor allem in kulturelle Inhalte wie Sport oder Kunst. „Jäger“ verfolgen eine gezielte Recherche, insbesondere zu wissenschaftlichen und technischen Themen. „Tänzer“ hingegen springen kreativ zwischen unterschiedlichen Wissensgebieten, verknüpfen Ideen neu und entdecken unerwartete Zusammenhänge. Die Art des Stöberns beeinflusst auch das Wohlbefinden: Während ein eng fokussiertes, zielgerichtetes Suchverhalten mit negativen Gefühlen wie Angst und Stress verbunden sein kann, sind offene, explorative Leserinnen und Leser tendenziell positiver gestimmt.</p>

<p>Auf gesellschaftlicher Ebene zeigt sich, dass in Ländern mit einer breiteren, vielfältigeren Neugier auch Bildung und Gleichstellung besser ausgeprägt sind. Die Freiheit, sich in verschiedene Richtungen weiterzubilden, fördert eine gerechtere Gesellschaft – und umgekehrt schafft Gleichheit die Voraussetzungen für eine offene, vielseitige Wissenssuche. Die gute Nachricht: Neugier ist nicht festgelegt. Wir können unsere Art des Fragens und Entdeckens weiterentwickeln – und so neue Perspektiven auf die Welt gewinnen. Und welcher Stil entspricht dir? Bist du eher geschäftig, ein Jäger oder doch eher ein Tänzer?</p>

<h2 id="denkanstoss-zum-wochenbeginn">Denkanstoss zum Wochenbeginn</h2>

<blockquote><p><strong><em>„Geschichte ist Ironie in Bewegung.“</em></strong> – Emil Cioran (1911–1995)</p></blockquote>

<h2 id="productivityporn-tipp-der-woche-delegieren-lernen">ProductivityPorn-Tipp der Woche: Delegieren lernen</h2>

<p>Du musst nicht alles selbst machen. Delegiere Aufgaben an andere, wenn es möglich ist, um Dich auf Deine Kernkompetenzen zu konzentrieren.</p>

<h2 id="aus-dem-archiv-warum-geistesblitze-nicht-aus-dem-nichts-kommen">Aus dem Archiv: Warum Geistesblitze nicht aus dem Nichts kommen</h2>

<p>Ich habe lange geglaubt, dass gute Ideen aus dem Nichts auftauchen. Beim Zähneputzen, auf einem Spaziergang, in der Dusche. Dieses magische „Heureka!“ – und plötzlich ist die Lösung da. Aber irgendwann merkte ich: So einfach ist es nicht. Der Geistesblitz ist nur der sichtbare Höhepunkt eines unsichtbaren Prozesses. Und je komplexer das Problem, desto weniger reicht er allein. Wer Lösungen für anspruchsvolle Fragen finden will – ob im Beruf, im Studium oder im Alltag –, muss wissen, wie dieser Denkprozess funktioniert. Dabei geholfen hat mir ein Denker, der schon vor fast hundert Jahren genau das beschrieben hat: Graham Wallas. Sein Modell der kreativen Problemlösung hat mich beeindruckt.</p>

<p><a href="https://epicmind.ch/warum-geistesblitze-nicht-aus-dem-nichts-kommen">weiterlesen …</a></p>

<p>Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast, diesen Newsletter zu lesen. Ich hoffe, die Inhalte konnten Dich inspirieren und Dir wertvolle Impulse für Dein (digitales) Leben geben. Bleib neugierig und hinterfrage, was Dir begegnet!</p>

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<p><a href="https://epicmind.ch/"><strong>EpicMind – Weisheiten für das digitale Leben</strong></a>
„EpicMind“ (kurz für „Epicurean Mindset“) ist mein Blog und Newsletter, der sich den Themen Lernen, Produktivität, Selbstmanagement und Technologie widmet – alles gewürzt mit einer Prise Philosophie.</p>



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<p><strong>Disclaimer</strong>
Teile dieses Texts wurden mit Deepl Write (Korrektorat und Lektorat) überarbeitet. Für die Recherche in den erwähnten Werken/Quellen und in meinen Notizen wurde NotebookLM von Google verwendet. Das Artikel-Bild wurde mit ChatGPT erstellt und anschliessend nachbearbeitet.</p>

<p><strong>Topic</strong>
<a href="https://epicmind.ch/tag:Newsletter" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Newsletter</span></a></p>

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        <h2 class="p-author p-name">Michael Gisiger</h2>

        <p class="p-note">
            Erwachsenenbildner und Coach mit 20+ Jahren Erfahrung.
            Aus philosophischer Perspektive schreibe ich über Produktivität,
            PKM und Coaching – fundiert und praxisnah.
        </p>

<p class="signature-links"><a href="https://www.michaelgisiger.ch/" target="_blank">Website</a> · <a href="https://nerdculture.de/@gisiger" target="_blank">Mastodon</a> · <a href="https://nolto.social/profile/michael_gisiger" target="_blank">Nolto</a> · <a href="https://bsky.app/profile/gisiger.bsky.social" target="_blank">Bluesky</a> · <a href="https://www.linkedin.com/comm/mynetwork/discovery-see-all?usecase=PEOPLE_FOLLOWS&amp;followMember=michaelgisiger" target="_blank">LinkedIn</a></p>
    </div>
</div>
]]></content:encoded>
      <guid>https://epicmind.ch/epicmonday-32-drei-arten-der-neugier-und-warum-sie-wichtig-sind</guid>
      <pubDate>Mon, 10 Aug 2026 07:30:32 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Von der Fach- zu einer Gestaltungskompetenz: Was berufliches Können im KI-Zeitalter braucht</title>
      <link>https://epicmind.ch/von-der-fach-zu-einer-gestaltungskompetenz-was-berufliches-koennen-im?pk_campaign=rss-feed</link>
      <description>&lt;![CDATA[Gauermann: Beim Hufschmied&#xA;&#xA;Ich habe den Sommer unter anderem dazu genutzt, verschiedene aktuelle Entwicklungen in der Berufsbildung und beruflichen Weiterbildung genauer zu verfolgen. Besonders auffällig war für mich, dass sehr unterschiedliche Initiativen auf ein ähnliches Problem reagieren: Berufliche Kompetenz lässt sich unter Bedingungen schnellen technologischen Wandels immer weniger in einzelnen Kursen oder punktuellen Qualifikationen organisieren. Europäische Initiativen, Projekte des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) und aktuelle OECD-Arbeiten weisen vielmehr in Richtung eines kontinuierlichen Systems der Kompetenzentwicklung. Künstliche Intelligenz ist dabei nicht das einzige Thema, aber ein wichtiger Beschleuniger.&#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Lernen wird Teil der Erwerbsbiografie&#xA;&#xA;Die Europäische Kommission fordert in ihren beschäftigungspolitischen Leitlinien für 2026, Erwachsenen den Zugang zu kontinuierlicher Weiterbildung zu erleichtern. Genannt werden unter anderem individuelle Lernkonten, verlässliche Bildungsangebote und die Förderung digitaler Kompetenzen, einschliesslich AI Literacy. Bereits die europäische „Union of Skills“ hatte individuelle Lernkonten und Microcredentials als Instrumente hervorgehoben, mit denen sich Kompetenzaufbau flexibler über das Erwerbsleben verteilen lässt [1].&#xA;&#xA;Für mich zeigt sich darin ein verändertes Verständnis beruflicher Qualifikation. Eine Person erwirbt nicht mehr zuerst einen Berufs- oder Studienabschluss und ergänzt diesen später gelegentlich durch weitere Kurse. Unter Bedingungen schnellen technologischen und wirtschaftlichen Wandels wird Weiterbildung vielmehr zu einem normalen Teil der beruflichen Entwicklung.&#xA;&#xA;Dafür braucht es nicht zwangsläufig längere formale Programme. Unterschiedliche Formate können sich ergänzen: arbeitsplatzbezogene Qualifizierung, kurze Kurse, Microcredentials und umfangreichere Abschlüsse. Entscheidend ist, dass erworbene Kompetenzen sichtbar und möglichst über verschiedene Lernorte hinweg anerkennbar bleiben.&#xA;&#xA;Weiterbildung beginnt „on the job“, nicht im Kurs&#xA;&#xA;Eine zweite Entwicklung wird in aktuellen Projekten des BIBB sichtbar. Im Programm „Nachhaltig im Beruf“ untersuchen 17 Transformationsprojekte unter anderem, wie Kompetenzentwicklung, künstliche Intelligenz, Qualifizierungsstrategien für kleinere und mittlere Unternehmen und neue Formen betrieblicher Weiterbildung zusammenspielen [2].&#xA;&#xA;Interessant ist für mich vor allem die Verschiebung des Ausgangspunkts. Nicht das bestehende Kursangebot steht am Anfang, sondern die Veränderung der Arbeit: Welche Tätigkeiten entstehen neu? Welche verändern sich? Welche Aufgaben können Maschinen übernehmen? Welches Erfahrungswissen bleibt notwendig? Welche Kompetenzen brauchen Beschäftigte unter diesen Bedingungen?&#xA;&#xA;Ein allgemeiner Kurs über generative #KI kann Grundlagen vermitteln. Für die Praxis ist jedoch wichtiger, wie sich etwa Kundenberatung, Projektarbeit, #Führung oder Marketing konkret verändern. Erst daraus lässt sich ableiten, was Beschäftigte neu erwerben müssen.&#xA;&#xA;Qualifizierung wird so stärker Teil der Arbeits- und Organisationsgestaltung. Kompetenzaufbau begleitet Veränderungen, statt ihnen erst nachträglich zu folgen.&#xA;&#xA;Auch das Bildungssystem muss schneller lernen&#xA;&#xA;Die OECD richtet den Blick auf das Berufsbildungssystem selbst. Ihr Bericht „Developing Vocational Education and Training with Artificial Intelligence“ untersucht anhand von Befragungen in 25 Ländern und zehn Länderfallstudien, darunter die Schweiz und Deutschland, wie Berufsbildung auf neue Kompetenzanforderungen reagieren kann [3].&#xA;&#xA;Curricula und Qualifikationsprofile verändern sich oft langsamer als Arbeit und Technologie. KI könnte dabei unterstützen, Anpassungsprozesse zu beschleunigen, etwa bei:&#xA;&#xA;Arbeitsmarktanalysen,&#xA;Kompetenz-Mapping,&#xA;Curriculum-Entwürfen,&#xA;Konsistenzprüfungen.&#xA;&#xA;Für diesen Einsatz nennt die OECD fünf Leitprinzipien [4]:&#xA;&#xA;menschliche Orientierung,&#xA;Vielfalt und Inklusion,&#xA;Verantwortlichkeit,&#xA;Transparenz,&#xA;Datenqualität und Sicherheit.&#xA;&#xA;KI soll fachliches und kollektives Urteil unterstützen, nicht ersetzen. Für mich folgt daraus eine zweite Ebene kontinuierlicher Anpassung: Nicht nur Beschäftigte müssen sich weiterentwickeln, sondern auch die #Bildung selbst.&#xA;&#xA;Vier Stufen beruflicher Kompetenz&#xA;&#xA;Aus diesen Entwicklungen habe ich für mich ein einfaches Vier-Stufen-Modell beruflicher Kompetenz abgeleitet. Es ist kein BIBB-Modell im engeren Sinn, sondern meine eigene Verdichtung und Weiterentwicklung von Ansätzen, die das BIBB für Medien-, IT- und zunehmend auch KI-Kompetenzen verwendet.&#xA;&#xA;Ein wichtiger Bezugspunkt ist das MIKA-Konzept des BIBB zur Medien- und IT-Kompetenz von Ausbildungspersonal. Seine didaktische Progression unterscheidet „Erinnern &amp; Verstehen“, „Anwenden &amp; Analysieren“ sowie „Bewerten &amp; Kreieren“ [5]. Auch neuere BIBB-Arbeiten zu KI betonen, dass Kompetenz über allgemeines Wissen hinausgeht und sachgerechte Nutzung, das Nachvollziehen von Systemausgaben sowie das Erkennen möglicher Fehler und Risiken einschliesst [6].&#xA;&#xA;Für den beruflichen Umgang mit KI übersetze ich diese Überlegungen in drei Stufen: Fachkompetenz, Anwendungskompetenz und Urteilskompetenz. Hinzu kommt eine vierte Stufe, die ich bewusst ergänze: Gestaltungskompetenz. Sie trägt dem Umstand Rechnung, dass KI nicht nur einzelne Tätigkeiten verändert, sondern zunehmend auch Arbeitsprozesse, Rollen und Verantwortlichkeiten.&#xA;&#xA;Infografik zum vierstufigen Modell, erstellt mit ChatGPT&#xA;&#xA;Die erste Stufe ist Fachkompetenz. Eine Person versteht ihre berufliche Aufgabe und könnte sie grundsätzlich selbst bearbeiten. Wer eine Aufgabe fachlich nicht versteht, kann auch maschinell erzeugte Ergebnisse kaum beurteilen. Eine Sachbearbeiterin im Personalwesen muss beispielsweise wissen, welche Informationen in ein qualifiziertes Arbeitszeugnis gehören, bevor sie dessen Entwurf einer KI überlässt.&#xA;&#xA;Darauf folgt Anwendungskompetenz. Beschäftigte können geeignete digitale und KI-gestützte Werkzeuge für ihre Aufgaben einsetzen. Unsere Sachbearbeiterin weiss nun, welches System sie verwenden kann, welche Informationen sie bereitstellen darf und wie sie einen brauchbaren Entwurf erzeugt.&#xA;&#xA;Die dritte Stufe ist Urteilskompetenz. KI-generierte Texte, Analysen oder Empfehlungen müssen fachlich, rechtlich und ethisch geprüft werden. Die Sachbearbeiterin kontrolliert deshalb, ob das Arbeitszeugnis korrekt, vollständig, diskriminierungsfrei und mit den betrieblichen Vorgaben vereinbar ist. Die entscheidende Frage lautet nicht nur: „Kann ich KI benutzen?“, sondern: „Kann ich verantworten, was dabei entsteht?“&#xA;&#xA;Die vierte Stufe ist Gestaltungskompetenz. Sie ist meine eigene Ergänzung des Modells und geht bewusst über die individuelle Nutzung und Beurteilung von KI hinaus. Unsere Sachbearbeiterin könnte nun gemeinsam mit ihrer Organisation festlegen, für welche Schritte KI eingesetzt wird, wo menschliche Kontrolle nötig bleibt, wer Verantwortung trägt und wie der neue Prozess dokumentiert wird. Aus individueller KI-Kompetenz wird damit Organisationskompetenz.&#xA;&#xA;Weiterbildung als Infrastruktur&#xA;&#xA;Damit zeichnet sich ein mögliches Zukunftsbild ab. Berufliche Weiterbildung wäre weniger eine Folge einzelner Technologiesprünge, auf die jeweils mit neuen Kursen reagiert wird. Sie würde vielmehr zu einer dauerhaften Infrastruktur, mit deren Hilfe Menschen, Unternehmen und Bildungssysteme Veränderungen bearbeiten können.&#xA;&#xA;Das wäre mehr als „lebenslanges #Lernen“ als wohlklingende Formel. Es würde bedeuten, Qualifizierung systematisch mit Arbeit zu verbinden, kleinere und grössere Bildungsbausteine kombinierbar zu machen, bestehende Kompetenzen anzuerkennen und Qualifikationsprofile regelmässiger an veränderte Tätigkeiten anzupassen.&#xA;&#xA;Künstliche Intelligenz ist dabei möglicherweise weniger das eigentliche Thema als der Beschleuniger einer Entwicklung, die bereits länger zu beobachten ist. Wenn Wissen schneller veraltet und Tätigkeiten häufiger neu zusammengesetzt werden, genügt es immer weniger, einmal einen Beruf zu lernen. Entscheidend wird die Fähigkeit, fachliches Können zu erhalten, neue Werkzeuge anzuwenden, ihre Ergebnisse zu beurteilen und schliesslich die eigene Arbeit unter veränderten Bedingungen neu zu gestalten.&#xA;&#xA;---&#xA;💬 Kommentieren (nur für write.as-Accounts)&#xA;a href=&#34;https://remark.as/p/epicmind.ch/von-der-fach-zu-einer-gestaltungskompetenz-was-berufliches-koennen-im&#34;Discuss.../a&#xA;&#xA;---&#xA;Quellen&#xA;[1] Europäische Kommission, „Proposal for a Council Decision on guidelines for the employment policies of the Member States“, COM(2026) 510, 3. Juni 2026. URL: https://data.consilium.europa.eu/doc/document/ST-10269-2026-ADD-1/en/pdf&#xA;&#xA;[2] Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), „Auftakttagung der Transformationsprojekte im Programm Nachhaltig im Beruf“, 5. August 2026. URL: https://www.bibb.de/de/191525.php&#xA;&#xA;[3] OECD, Developing Vocational Education and Training with Artificial Intelligence, OECD Reviews of Vocational Education and Training, Paris: OECD Publishing, 23. Juni 2026. URL: https://www.oecd.org/en/publications/developing-vocational-education-and-training-with-artificial-intelligencee9f76b4e-en.html&#xA;&#xA;[4] OECD, Five Principles for the Effective Use of AI in Vocational Education and Training Development, OECD Publishing, 23. Juni 2026. URL: https://www.oecd.org/en/publications/five-principles-for-the-effective-use-of-ai-in-vocational-education-and-training-developmentee8c8e8e-en.html&#xA;&#xA;[5] Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), „Medien- und IT-Kompetenz für Ausbildungspersonal (MIKA)“, Bonn. URL: https://www.bibb.de/de/186279.php&#xA;&#xA;[6] S. Straub, „Künstliche Intelligenz in der beruflichen Bildung. Rechtliche Anforderungen der KI-Verordnung“, Bundesinstitut für Berufsbildung, 2025. URL: https://www.bibb.de/dokumente/pdf/Straub2025KuenstlicheIntelligenzinderberufliche.pdf&#xA;&#xA;Bildquellen&#xA;Friedrich Gauermann (1807–1862): Beim Hufschmied, Dorotheum, Wien Public Domain.&#xA;Die Infografik zum vierstufigen Modell wurde mit GPT-5.6 Sol Mittel erstellt.&#xA;&#xA;Disclaimer&#xA;Teile dieses Texts wurden mit Deepl Write (Korrektorat und Lektorat) überarbeitet. Für die Recherche in den erwähnten Werken/Quellen und in meinen Notizen wurde NotebookLM von Google verwendet. Für das Erstellen der Infografik wurde ChatGPT benutzt.&#xA;&#xA;Topic&#xA;#Erwachsenenbildung | #Maschinenwelten&#xA;&#xA;div class=&#34;signature&#34;&#xD;&#xA;    &lt;img&#xD;&#xA;        src=&#34;https://www.gisiger.biz/assets/storage/epicmind/michael-gisiger-round-2.png&#34;&#xD;&#xA;        alt=&#34;Michael Gisiger&#34;&#xD;&#xA;        class=&#34;profile-pic u-photo&#34;&#xD;&#xA;      div class=&#34;signature-content&#34;&#xD;&#xA;        h2 class=&#34;p-author p-name&#34; rel=&#34;author&#34;Michael Gisiger/h2&#xD;&#xA;&#xD;&#xA;        p class=&#34;p-note&#34;&#xD;&#xA;            Erwachsenenbildner und Coach mit 20+ Jahren Erfahrung.&#xD;&#xA;            Aus philosophischer Perspektive schreibe ich über Produktivität,&#xD;&#xA;            PKM und Coaching – fundiert und praxisnah.&#xD;&#xA;        /p&#xD;&#xA;&#xD;&#xA;p class=&#34;signature-links&#34;a href=&#34;https://www.michaelgisiger.ch/&#34; target=&#34;blank&#34;Website/a · a href=&#34;https://nerdculture.de/@gisiger&#34; target=&#34;blank&#34; rel=&#34;me&#34;Mastodon/a · a href=&#34;https://nolto.social/profile/michaelgisiger&#34; target=&#34;blank&#34;Nolto/a · a href=&#34;https://bsky.app/profile/gisiger.bsky.social&#34; target=&#34;blank&#34;Bluesky/a · a href=&#34;https://www.linkedin.com/comm/mynetwork/discovery-see-all?usecase=PEOPLEFOLLOWS&amp;amp;followMember=michaelgisiger&#34; target=&#34;_blank&#34;LinkedIn/a/p&#xD;&#xA;    /div&#xD;&#xA;/div]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><img src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/2/20/Friedrich_Gauermann_Beim_Hufschmied.jpg/960px-Friedrich_Gauermann_Beim_Hufschmied.jpg" alt="Gauermann: Beim Hufschmied"/></p>

<p>Ich habe den Sommer unter anderem dazu genutzt, verschiedene aktuelle Entwicklungen in der Berufsbildung und beruflichen Weiterbildung genauer zu verfolgen. Besonders auffällig war für mich, dass sehr unterschiedliche Initiativen auf ein ähnliches Problem reagieren: Berufliche Kompetenz lässt sich unter Bedingungen schnellen technologischen Wandels immer weniger in einzelnen Kursen oder punktuellen Qualifikationen organisieren. Europäische Initiativen, Projekte des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) und aktuelle OECD-Arbeiten weisen vielmehr in Richtung eines kontinuierlichen Systems der Kompetenzentwicklung. Künstliche Intelligenz ist dabei nicht das einzige Thema, aber ein wichtiger Beschleuniger.</p>



<h2 id="lernen-wird-teil-der-erwerbsbiografie">Lernen wird Teil der Erwerbsbiografie</h2>

<p>Die Europäische Kommission fordert in ihren beschäftigungspolitischen Leitlinien für 2026, Erwachsenen den Zugang zu kontinuierlicher Weiterbildung zu erleichtern. Genannt werden unter anderem individuelle Lernkonten, verlässliche Bildungsangebote und die Förderung digitaler Kompetenzen, einschliesslich AI Literacy. Bereits die europäische „Union of Skills“ hatte individuelle Lernkonten und Microcredentials als Instrumente hervorgehoben, mit denen sich Kompetenzaufbau flexibler über das Erwerbsleben verteilen lässt [1].</p>

<p>Für mich zeigt sich darin ein verändertes Verständnis beruflicher Qualifikation. Eine Person erwirbt nicht mehr zuerst einen Berufs- oder Studienabschluss und ergänzt diesen später gelegentlich durch weitere Kurse. Unter Bedingungen schnellen technologischen und wirtschaftlichen Wandels wird Weiterbildung vielmehr zu einem normalen Teil der beruflichen Entwicklung.</p>

<p>Dafür braucht es nicht zwangsläufig längere formale Programme. Unterschiedliche Formate können sich ergänzen: arbeitsplatzbezogene Qualifizierung, kurze Kurse, Microcredentials und umfangreichere Abschlüsse. Entscheidend ist, dass erworbene Kompetenzen sichtbar und möglichst über verschiedene Lernorte hinweg anerkennbar bleiben.</p>

<h2 id="weiterbildung-beginnt-on-the-job-nicht-im-kurs">Weiterbildung beginnt „on the job“, nicht im Kurs</h2>

<p>Eine zweite Entwicklung wird in aktuellen Projekten des BIBB sichtbar. Im Programm „Nachhaltig im Beruf“ untersuchen 17 Transformationsprojekte unter anderem, wie Kompetenzentwicklung, künstliche Intelligenz, Qualifizierungsstrategien für kleinere und mittlere Unternehmen und neue Formen betrieblicher Weiterbildung zusammenspielen [2].</p>

<p>Interessant ist für mich vor allem die Verschiebung des Ausgangspunkts. Nicht das bestehende Kursangebot steht am Anfang, sondern die Veränderung der Arbeit: Welche Tätigkeiten entstehen neu? Welche verändern sich? Welche Aufgaben können Maschinen übernehmen? Welches Erfahrungswissen bleibt notwendig? Welche Kompetenzen brauchen Beschäftigte unter diesen Bedingungen?</p>

<p>Ein allgemeiner Kurs über generative <a href="https://epicmind.ch/tag:KI" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">KI</span></a> kann Grundlagen vermitteln. Für die Praxis ist jedoch wichtiger, wie sich etwa Kundenberatung, Projektarbeit, <a href="https://epicmind.ch/tag:F%C3%BChrung" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Führung</span></a> oder Marketing konkret verändern. Erst daraus lässt sich ableiten, was Beschäftigte neu erwerben müssen.</p>

<p>Qualifizierung wird so stärker Teil der Arbeits- und Organisationsgestaltung. Kompetenzaufbau begleitet Veränderungen, statt ihnen erst nachträglich zu folgen.</p>

<h2 id="auch-das-bildungssystem-muss-schneller-lernen">Auch das Bildungssystem muss schneller lernen</h2>

<p>Die OECD richtet den Blick auf das Berufsbildungssystem selbst. Ihr Bericht „Developing Vocational Education and Training with Artificial Intelligence“ untersucht anhand von Befragungen in 25 Ländern und zehn Länderfallstudien, darunter die Schweiz und Deutschland, wie Berufsbildung auf neue Kompetenzanforderungen reagieren kann [3].</p>

<p>Curricula und Qualifikationsprofile verändern sich oft langsamer als Arbeit und Technologie. KI könnte dabei unterstützen, Anpassungsprozesse zu beschleunigen, etwa bei:</p>
<ul><li>Arbeitsmarktanalysen,</li>
<li>Kompetenz-Mapping,</li>
<li>Curriculum-Entwürfen,</li>
<li>Konsistenzprüfungen.</li></ul>

<p>Für diesen Einsatz nennt die OECD fünf Leitprinzipien [4]:</p>
<ul><li>menschliche Orientierung,</li>
<li>Vielfalt und Inklusion,</li>
<li>Verantwortlichkeit,</li>
<li>Transparenz,</li>
<li>Datenqualität und Sicherheit.</li></ul>

<p>KI soll fachliches und kollektives Urteil unterstützen, nicht ersetzen. Für mich folgt daraus eine zweite Ebene kontinuierlicher Anpassung: Nicht nur Beschäftigte müssen sich weiterentwickeln, sondern auch die <a href="https://epicmind.ch/tag:Bildung" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Bildung</span></a> selbst.</p>

<h2 id="vier-stufen-beruflicher-kompetenz">Vier Stufen beruflicher Kompetenz</h2>

<p>Aus diesen Entwicklungen habe ich für mich ein einfaches Vier-Stufen-Modell beruflicher Kompetenz abgeleitet. Es ist kein BIBB-Modell im engeren Sinn, sondern meine eigene Verdichtung und Weiterentwicklung von Ansätzen, die das BIBB für Medien-, IT- und zunehmend auch KI-Kompetenzen verwendet.</p>

<p>Ein wichtiger Bezugspunkt ist das MIKA-Konzept des BIBB zur Medien- und IT-Kompetenz von Ausbildungspersonal. Seine didaktische Progression unterscheidet „Erinnern &amp; Verstehen“, „Anwenden &amp; Analysieren“ sowie „Bewerten &amp; Kreieren“ [5]. Auch neuere BIBB-Arbeiten zu KI betonen, dass Kompetenz über allgemeines Wissen hinausgeht und sachgerechte Nutzung, das Nachvollziehen von Systemausgaben sowie das Erkennen möglicher Fehler und Risiken einschliesst [6].</p>

<p>Für den beruflichen Umgang mit KI übersetze ich diese Überlegungen in drei Stufen: Fachkompetenz, Anwendungskompetenz und Urteilskompetenz. Hinzu kommt eine vierte Stufe, die ich bewusst ergänze: Gestaltungskompetenz. Sie trägt dem Umstand Rechnung, dass KI nicht nur einzelne Tätigkeiten verändert, sondern zunehmend auch Arbeitsprozesse, Rollen und Verantwortlichkeiten.</p>

<p><img src="https://gisiger.biz/assets/storage/infographic/4-Stufen-beruflicher-Kompetenz-KI-ChatGPT.png" alt="Infografik zum vierstufigen Modell, erstellt mit ChatGPT"/></p>

<p>Die erste Stufe ist <strong>Fachkompetenz</strong>. Eine Person versteht ihre berufliche Aufgabe und könnte sie grundsätzlich selbst bearbeiten. Wer eine Aufgabe fachlich nicht versteht, kann auch maschinell erzeugte Ergebnisse kaum beurteilen. Eine Sachbearbeiterin im Personalwesen muss beispielsweise wissen, welche Informationen in ein qualifiziertes Arbeitszeugnis gehören, bevor sie dessen Entwurf einer KI überlässt.</p>

<p>Darauf folgt <strong>Anwendungskompetenz</strong>. Beschäftigte können geeignete digitale und KI-gestützte Werkzeuge für ihre Aufgaben einsetzen. Unsere Sachbearbeiterin weiss nun, welches System sie verwenden kann, welche Informationen sie bereitstellen darf und wie sie einen brauchbaren Entwurf erzeugt.</p>

<p>Die dritte Stufe ist <strong>Urteilskompetenz</strong>. KI-generierte Texte, Analysen oder Empfehlungen müssen fachlich, rechtlich und ethisch geprüft werden. Die Sachbearbeiterin kontrolliert deshalb, ob das Arbeitszeugnis korrekt, vollständig, diskriminierungsfrei und mit den betrieblichen Vorgaben vereinbar ist. Die entscheidende Frage lautet nicht nur: „Kann ich KI benutzen?“, sondern: „Kann ich verantworten, was dabei entsteht?“</p>

<p>Die vierte Stufe ist <strong>Gestaltungskompetenz</strong>. Sie ist meine eigene Ergänzung des Modells und geht bewusst über die individuelle Nutzung und Beurteilung von KI hinaus. Unsere Sachbearbeiterin könnte nun gemeinsam mit ihrer Organisation festlegen, für welche Schritte KI eingesetzt wird, wo menschliche Kontrolle nötig bleibt, wer Verantwortung trägt und wie der neue Prozess dokumentiert wird. Aus individueller KI-Kompetenz wird damit Organisationskompetenz.</p>

<h2 id="weiterbildung-als-infrastruktur">Weiterbildung als Infrastruktur</h2>

<p>Damit zeichnet sich ein mögliches Zukunftsbild ab. Berufliche Weiterbildung wäre weniger eine Folge einzelner Technologiesprünge, auf die jeweils mit neuen Kursen reagiert wird. Sie würde vielmehr zu einer dauerhaften Infrastruktur, mit deren Hilfe Menschen, Unternehmen und Bildungssysteme Veränderungen bearbeiten können.</p>

<p>Das wäre mehr als „lebenslanges <a href="https://epicmind.ch/tag:Lernen" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Lernen</span></a>“ als wohlklingende Formel. Es würde bedeuten, Qualifizierung systematisch mit Arbeit zu verbinden, kleinere und grössere Bildungsbausteine kombinierbar zu machen, bestehende Kompetenzen anzuerkennen und Qualifikationsprofile regelmässiger an veränderte Tätigkeiten anzupassen.</p>

<p>Künstliche Intelligenz ist dabei möglicherweise weniger das eigentliche Thema als der Beschleuniger einer Entwicklung, die bereits länger zu beobachten ist. Wenn Wissen schneller veraltet und Tätigkeiten häufiger neu zusammengesetzt werden, genügt es immer weniger, einmal einen Beruf zu lernen. Entscheidend wird die Fähigkeit, <strong>fachliches Können zu erhalten, neue Werkzeuge anzuwenden, ihre Ergebnisse zu beurteilen und schliesslich die eigene Arbeit unter veränderten Bedingungen neu zu gestalten.</strong></p>

<hr/>

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<p><a href="https://remark.as/p/epicmind.ch/von-der-fach-zu-einer-gestaltungskompetenz-was-berufliches-koennen-im">Discuss...</a></p>

<hr/>

<p><strong>Quellen</strong>
[1] Europäische Kommission, „Proposal for a Council Decision on guidelines for the employment policies of the Member States“, COM(2026) 510, 3. Juni 2026. URL: <a href="https://data.consilium.europa.eu/doc/document/ST-10269-2026-ADD-1/en/pdf">https://data.consilium.europa.eu/doc/document/ST-10269-2026-ADD-1/en/pdf</a></p>

<p>[2] Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), „Auftakttagung der Transformationsprojekte im Programm Nachhaltig im Beruf“, 5. August 2026. URL: <a href="https://www.bibb.de/de/191525.php">https://www.bibb.de/de/191525.php</a></p>

<p>[3] OECD, <em>Developing Vocational Education and Training with Artificial Intelligence</em>, OECD Reviews of Vocational Education and Training, Paris: OECD Publishing, 23. Juni 2026. URL: <a href="https://www.oecd.org/en/publications/developing-vocational-education-and-training-with-artificial-intelligence_e9f76b4e-en.html">https://www.oecd.org/en/publications/developing-vocational-education-and-training-with-artificial-intelligence_e9f76b4e-en.html</a></p>

<p>[4] OECD, <em>Five Principles for the Effective Use of AI in Vocational Education and Training Development</em>, OECD Publishing, 23. Juni 2026. URL: <a href="https://www.oecd.org/en/publications/five-principles-for-the-effective-use-of-ai-in-vocational-education-and-training-development_ee8c8e8e-en.html">https://www.oecd.org/en/publications/five-principles-for-the-effective-use-of-ai-in-vocational-education-and-training-development_ee8c8e8e-en.html</a></p>

<p>[5] Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), „Medien- und IT-Kompetenz für Ausbildungspersonal (MIKA)“, Bonn. URL: <a href="https://www.bibb.de/de/186279.php">https://www.bibb.de/de/186279.php</a></p>

<p>[6] S. Straub, „Künstliche Intelligenz in der beruflichen Bildung. Rechtliche Anforderungen der KI-Verordnung“, Bundesinstitut für Berufsbildung, 2025. URL: <a href="https://www.bibb.de/dokumente/pdf/Straub_2025_Kuenstliche_Intelligenz_in_der_berufliche.pdf">https://www.bibb.de/dokumente/pdf/Straub_2025_Kuenstliche_Intelligenz_in_der_berufliche.pdf</a></p>

<p><strong>Bildquellen</strong>
– <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Gauermann">Friedrich Gauermann</a> (1807–1862): <em>Beim Hufschmied</em>, Dorotheum, Wien <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Friedrich_Gauermann_Beim_Hufschmied.jpg">Public Domain</a>.
– Die Infografik zum vierstufigen Modell wurde mit GPT-5.6 Sol Mittel erstellt.</p>

<p><strong>Disclaimer</strong>
Teile dieses Texts wurden mit Deepl Write (Korrektorat und Lektorat) überarbeitet. Für die Recherche in den erwähnten Werken/Quellen und in meinen Notizen wurde NotebookLM von Google verwendet. Für das Erstellen der Infografik wurde ChatGPT benutzt.</p>

<p><strong>Topic</strong>
<a href="https://epicmind.ch/tag:Erwachsenenbildung" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Erwachsenenbildung</span></a> | <a href="https://epicmind.ch/tag:Maschinenwelten" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Maschinenwelten</span></a></p>

<div class="signature">
    <img src="https://www.gisiger.biz/assets/storage/epicmind/michael-gisiger-round-2.png" alt="Michael Gisiger" class="profile-pic u-photo">
    <div class="signature-content">
        <h2 class="p-author p-name">Michael Gisiger</h2>

        <p class="p-note">
            Erwachsenenbildner und Coach mit 20+ Jahren Erfahrung.
            Aus philosophischer Perspektive schreibe ich über Produktivität,
            PKM und Coaching – fundiert und praxisnah.
        </p>

<p class="signature-links"><a href="https://www.michaelgisiger.ch/" target="_blank">Website</a> · <a href="https://nerdculture.de/@gisiger" target="_blank">Mastodon</a> · <a href="https://nolto.social/profile/michael_gisiger" target="_blank">Nolto</a> · <a href="https://bsky.app/profile/gisiger.bsky.social" target="_blank">Bluesky</a> · <a href="https://www.linkedin.com/comm/mynetwork/discovery-see-all?usecase=PEOPLE_FOLLOWS&amp;followMember=michaelgisiger" target="_blank">LinkedIn</a></p>
    </div>
</div>
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      <guid>https://epicmind.ch/von-der-fach-zu-einer-gestaltungskompetenz-was-berufliches-koennen-im</guid>
      <pubDate>Sun, 09 Aug 2026 09:01:52 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>EpicMonday 31: Warum wir mehr Ablehnung riskieren sollten</title>
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      <description>&lt;![CDATA[Illustration eines antiken Philosophen in Toga, der erschöpft an einem modernen Büroarbeitsplatz vor einem Computer sitzt, umgeben von leeren Bürostühlen und urbaner Architektur.&#xA;&#xA;Freundinnen &amp; Freunde der Weisheit! Die Angst vor Zurückweisung hält viele Menschen davon ab, ihre Ziele zu verfolgen. Doch eine neue Herangehensweise zeigt: Wer bewusst nach Ablehnung sucht, kann nicht nur Resilienz aufbauen, sondern auch überraschend oft ein „Ja“ erhalten.&#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Die Journalistin Jillian Anthony testete dies mit ihrem Projekt „November of NO“, in dem sie gezielt Ablehnungserfahrungen sammelte – sei es bei Jobbewerbungen, journalistischen Pitches oder anderen Herausforderungen. Statt sich vor dem Nein zu fürchten, machte sie es zum Ziel. Das Ergebnis: Sie erhielt zwar einige Absagen, aber auch neue berufliche Chancen.  &#xA;&#xA;Psychologische Forschung zeigt, dass eine hohe Angst vor Zurückweisung mit geringem Selbstwertgefühl, Vermeidungsverhalten und erhöhtem Risiko für Angststörungen verbunden sein kann. Doch wer Ablehnung als normalen Bestandteil des Lebens betrachtet, gewinnt nicht nur mehr Selbstvertrauen, sondern erhöht langfristig seine Erfolgschancen. Experten empfehlen, konkrete „Ablehnungsziele“ zu setzen, zum Beispiel eine bestimmte Anzahl von Bewerbungen oder Anfragen pro Woche. Durch diese Methode kann sich die Wahrnehmung von Ablehnung verändern – von einer persönlichen Niederlage hin zu einem notwendigen Schritt auf dem Weg zum Erfolg.  &#xA;&#xA;Wichtiger noch: Je öfter wir uns bewusst Ablehnung aussetzen, desto leichter fällt es uns, mit ihr umzugehen. Statt Absagen als endgültige Rückschläge zu sehen, können wir sie als Chancen zur Neuausrichtung betrachten. Letztlich entsteht Selbstbewusstsein nicht durch das Vermeiden von Ablehnung, sondern durch das Lernen aus ihr. Wer sich traut, mehr Risiken einzugehen, wird langfristig nicht nur widerstandsfähiger, sondern auch erfolgreicher.&#xA;&#xA;Denkanstoss zum Wochenbeginn&#xA;&#xA;  „Nichts fürchtet der Mensch mehr als die Berührung durch Unbekanntes.“ – Elias Canetti (1905–1994)&#xA;&#xA;ProductivityPorn-Tipp der Woche: Die Umgebung optimieren (Ergonomie beachten)&#xA;&#xA;Ein unbequemer Arbeitsplatz kann Deine Konzentration und Gesundheit beeinträchtigen. Investiere in einen ergonomischen Stuhl, einen höhenverstellbaren Schreibtisch oder andere Hilfsmittel.&#xA;&#xA;Aus dem Archiv: Spielend lernen – was LEGO im Unterricht bewirken kann&#xA;&#xA;Kaum eine Kindheit kommt ohne sie aus: bunte LEGO-Steine, aus denen sich ganze Welten erschaffen lassen. Dass diese Bausteine aber nicht nur in Kinderzimmern Wirkung entfalten, zeigt eine neue Studie der University of Surrey: Bereits sechs Wochen LEGO-gestützter Unterricht führten bei Sechs- bis Siebenjährigen zu signifikanten Verbesserungen in räumlicher Vorstellungskraft und Mathematikleistung.&#xA;&#xA;weiterlesen …&#xA;&#xA;Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast, diesen Newsletter zu lesen. Ich hoffe, die Inhalte konnten Dich inspirieren und Dir wertvolle Impulse für Dein (digitales) Leben geben. Bleib neugierig und hinterfrage, was Dir begegnet!&#xA;&#xA;---&#xA;EpicMind – Weisheiten für das digitale Leben&#xA;„EpicMind“ (kurz für „Epicurean Mindset“) ist mein Blog und Newsletter, der sich den Themen Lernen, Produktivität, Selbstmanagement und Technologie widmet – alles gewürzt mit einer Prise Philosophie.&#xA;&#xA;!--emailsub--&#xA;&#xA;---&#xA;Disclaimer&#xA;Teile dieses Texts wurden mit Deepl Write (Korrektorat und Lektorat) überarbeitet. Für die Recherche in den erwähnten Werken/Quellen und in meinen Notizen wurde NotebookLM von Google verwendet. Das Artikel-Bild wurde mit ChatGPT erstellt und anschliessend nachbearbeitet.&#xA;&#xA;Topic&#xA;Newsletter&#xA;&#xA;div class=&#34;signature&#34;&#xD;&#xA;    &lt;img&#xD;&#xA;        src=&#34;https://www.gisiger.biz/assets/storage/epicmind/michael-gisiger-round-2.png&#34;&#xD;&#xA;        alt=&#34;Michael Gisiger&#34;&#xD;&#xA;        class=&#34;profile-pic u-photo&#34;&#xD;&#xA;      div class=&#34;signature-content&#34;&#xD;&#xA;        h2 class=&#34;p-author p-name&#34; rel=&#34;author&#34;Michael Gisiger/h2&#xD;&#xA;&#xD;&#xA;        p class=&#34;p-note&#34;&#xD;&#xA;            Erwachsenenbildner und Coach mit 20+ Jahren Erfahrung.&#xD;&#xA;            Aus philosophischer Perspektive schreibe ich über Produktivität,&#xD;&#xA;            PKM und Coaching – fundiert und praxisnah.&#xD;&#xA;        /p&#xD;&#xA;&#xD;&#xA;p class=&#34;signature-links&#34;a href=&#34;https://www.michaelgisiger.ch/&#34; target=&#34;blank&#34;Website/a · a href=&#34;https://nerdculture.de/@gisiger&#34; target=&#34;blank&#34; rel=&#34;me&#34;Mastodon/a · a href=&#34;https://nolto.social/profile/michaelgisiger&#34; target=&#34;blank&#34;Nolto/a · a href=&#34;https://bsky.app/profile/gisiger.bsky.social&#34; target=&#34;blank&#34;Bluesky/a · a href=&#34;https://www.linkedin.com/comm/mynetwork/discovery-see-all?usecase=PEOPLEFOLLOWS&amp;amp;followMember=michaelgisiger&#34; target=&#34;_blank&#34;LinkedIn/a/p&#xD;&#xA;    /div&#xD;&#xA;/div]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><img src="https://gisiger.biz/assets/storage/epicmind/epicmonday-cover.png" alt="Illustration eines antiken Philosophen in Toga, der erschöpft an einem modernen Büroarbeitsplatz vor einem Computer sitzt, umgeben von leeren Bürostühlen und urbaner Architektur."/></p>

<p>Freundinnen &amp; Freunde der Weisheit! Die Angst vor Zurückweisung hält viele Menschen davon ab, ihre Ziele zu verfolgen. Doch eine neue Herangehensweise zeigt: Wer bewusst nach Ablehnung sucht, kann nicht nur Resilienz aufbauen, sondern auch überraschend oft ein „Ja“ erhalten.</p>



<p>Die <a href="https://www.vox.com/life/400820/you-should-be-setting-rejection-goals">Journalistin Jillian Anthony testete dies mit ihrem Projekt „November of NO“</a>, in dem sie gezielt Ablehnungserfahrungen sammelte – sei es bei Jobbewerbungen, journalistischen Pitches oder anderen Herausforderungen. Statt sich vor dem Nein zu fürchten, machte sie es zum Ziel. Das Ergebnis: Sie erhielt zwar einige Absagen, aber auch neue berufliche Chancen.</p>

<p><a href="https://www.psychologytoday.com/us/blog/from-trial-to-triumph/202403/how-to-turn-rejection-sensitivity-into-positive-growth">Psychologische Forschung zeigt</a>, dass eine hohe Angst vor Zurückweisung mit geringem Selbstwertgefühl, Vermeidungsverhalten und erhöhtem Risiko für Angststörungen verbunden sein kann. Doch wer Ablehnung als normalen Bestandteil des Lebens betrachtet, gewinnt nicht nur mehr Selbstvertrauen, sondern erhöht langfristig seine Erfolgschancen. Experten empfehlen, konkrete „Ablehnungsziele“ zu setzen, zum Beispiel eine bestimmte Anzahl von Bewerbungen oder Anfragen pro Woche. Durch diese Methode kann sich die Wahrnehmung von Ablehnung verändern – von einer persönlichen Niederlage hin zu einem notwendigen Schritt auf dem Weg zum Erfolg.</p>

<p>Wichtiger noch: Je öfter wir uns bewusst Ablehnung aussetzen, desto leichter fällt es uns, mit ihr umzugehen. Statt Absagen als endgültige Rückschläge zu sehen, können wir sie als Chancen zur Neuausrichtung betrachten. Letztlich entsteht Selbstbewusstsein nicht durch das Vermeiden von Ablehnung, sondern durch das Lernen aus ihr. Wer sich traut, mehr Risiken einzugehen, wird langfristig nicht nur widerstandsfähiger, sondern auch erfolgreicher.</p>

<h2 id="denkanstoss-zum-wochenbeginn">Denkanstoss zum Wochenbeginn</h2>

<blockquote><p><strong><em>„Nichts fürchtet der Mensch mehr als die Berührung durch Unbekanntes.“</em></strong> – Elias Canetti (1905–1994)</p></blockquote>

<h2 id="productivityporn-tipp-der-woche-die-umgebung-optimieren-ergonomie-beachten">ProductivityPorn-Tipp der Woche: Die Umgebung optimieren (Ergonomie beachten)</h2>

<p>Ein unbequemer Arbeitsplatz kann Deine Konzentration und Gesundheit beeinträchtigen. Investiere in einen ergonomischen Stuhl, einen höhenverstellbaren Schreibtisch oder andere Hilfsmittel.</p>

<h2 id="aus-dem-archiv-spielend-lernen-was-lego-im-unterricht-bewirken-kann">Aus dem Archiv: Spielend lernen – was LEGO im Unterricht bewirken kann</h2>

<p>Kaum eine Kindheit kommt ohne sie aus: bunte LEGO-Steine, aus denen sich ganze Welten erschaffen lassen. Dass diese Bausteine aber nicht nur in Kinderzimmern Wirkung entfalten, zeigt eine neue Studie der University of Surrey: Bereits sechs Wochen LEGO-gestützter Unterricht führten bei Sechs- bis Siebenjährigen zu signifikanten Verbesserungen in räumlicher Vorstellungskraft und Mathematikleistung.</p>

<p><a href="https://epicmind.ch/spielend-lernen-was-lego-im-unterricht-bewirken-kann">weiterlesen …</a></p>

<p>Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast, diesen Newsletter zu lesen. Ich hoffe, die Inhalte konnten Dich inspirieren und Dir wertvolle Impulse für Dein (digitales) Leben geben. Bleib neugierig und hinterfrage, was Dir begegnet!</p>

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<p><a href="https://epicmind.ch/"><strong>EpicMind – Weisheiten für das digitale Leben</strong></a>
„EpicMind“ (kurz für „Epicurean Mindset“) ist mein Blog und Newsletter, der sich den Themen Lernen, Produktivität, Selbstmanagement und Technologie widmet – alles gewürzt mit einer Prise Philosophie.</p>



<hr/>

<p><strong>Disclaimer</strong>
Teile dieses Texts wurden mit Deepl Write (Korrektorat und Lektorat) überarbeitet. Für die Recherche in den erwähnten Werken/Quellen und in meinen Notizen wurde NotebookLM von Google verwendet. Das Artikel-Bild wurde mit ChatGPT erstellt und anschliessend nachbearbeitet.</p>

<p><strong>Topic</strong>
<a href="https://epicmind.ch/tag:Newsletter" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Newsletter</span></a></p>

<div class="signature">
    <img src="https://www.gisiger.biz/assets/storage/epicmind/michael-gisiger-round-2.png" alt="Michael Gisiger" class="profile-pic u-photo">
    <div class="signature-content">
        <h2 class="p-author p-name">Michael Gisiger</h2>

        <p class="p-note">
            Erwachsenenbildner und Coach mit 20+ Jahren Erfahrung.
            Aus philosophischer Perspektive schreibe ich über Produktivität,
            PKM und Coaching – fundiert und praxisnah.
        </p>

<p class="signature-links"><a href="https://www.michaelgisiger.ch/" target="_blank">Website</a> · <a href="https://nerdculture.de/@gisiger" target="_blank">Mastodon</a> · <a href="https://nolto.social/profile/michael_gisiger" target="_blank">Nolto</a> · <a href="https://bsky.app/profile/gisiger.bsky.social" target="_blank">Bluesky</a> · <a href="https://www.linkedin.com/comm/mynetwork/discovery-see-all?usecase=PEOPLE_FOLLOWS&amp;followMember=michaelgisiger" target="_blank">LinkedIn</a></p>
    </div>
</div>
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      <guid>https://epicmind.ch/epicmonday-31-warum-wir-mehr-ablehnung-riskieren-sollten</guid>
      <pubDate>Mon, 03 Aug 2026 06:30:18 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>EpicMonday 30: Neue Energie für den Geist: Wie Hobbys die mentale Gesundheit stärken</title>
      <link>https://epicmind.ch/epicmonday-30-neue-energie-fuer-den-geist-wie-hobbys-die-mentale-gesundheit?pk_campaign=rss-feed</link>
      <description>&lt;![CDATA[Illustration eines antiken Philosophen in Toga, der erschöpft an einem modernen Büroarbeitsplatz vor einem Computer sitzt, umgeben von leeren Bürostühlen und urbaner Architektur.&#xA;&#xA;Freundinnen &amp; Freunde der Weisheit! Ein neues Hobby zu beginnen oder ein altes wieder aufleben zu lassen, ist eine einfache und wirkungsvolle Möglichkeit, die mentale Gesundheit zu stärken. In einem oft hektischen und anspruchsvollen Alltag bieten Hobbys eine willkommene Auszeit, um zur Ruhe zu kommen und neue Kraft zu schöpfen. Die positiven Effekte auf das psychische Wohlbefinden sind wissenschaftlich belegt und gehen weit über blosses Vergnügen hinaus.&#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Hobbys helfen dabei, Stress abzubauen und das allgemeine Wohlbefinden zu steigern. Sie senken den Cortisolspiegel, der für Stressreaktionen verantwortlich ist, und können so helfen, die Herzfrequenz und den Blutdruck zu regulieren. Gleichzeitig fördern sie die Neuroplastizität des Gehirns, indem sie neue synaptische Verbindungen schaffen und die geistige Flexibilität erhöhen. Dadurch fällt es leichter, negative Gedanken zu verarbeiten und den Fokus auf positive Erfahrungen zu richten. Auch das Selbstvertrauen wächst, wenn man Fortschritte bei einem Hobby macht und ein Gefühl der Erfüllung erlebt.  &#xA;&#xA;Lesen, Kunst und Musik sind besonders wirkungsvolle Hobbys zur Förderung der mentalen Gesundheit. Beim Lesen kann man dem Alltag entfliehen und in neue Welten eintauchen, was entspannend wirkt und dabei hilft, negative Gedanken zu unterbrechen. Künstlerische Tätigkeiten wie Malen, Zeichnen oder Musizieren bieten eine Möglichkeit, Emotionen auszudrücken und innere Spannungen abzubauen – dabei spielt es keine Rolle, ob die Ergebnisse perfekt sind. Journaling unterstützt die mentale Gesundheit ebenfalls auf vielseitige Weise. Durch regelmässiges Schreiben lassen sich Gedanken und Emotionen ordnen, wodurch ein tieferes Verständnis für die eigenen Gefühle entsteht. Bereits wenige Minuten tägliches Schreiben können helfen, Ängste zu lindern und das emotionale Gleichgewicht zu verbessern.  &#xA;&#xA;Sich bewusst Zeit für ein Hobby zu nehmen, ist ein wirksamer Weg, die mentale Gesundheit zu stärken und im Alltag mehr innere Ruhe und Ausgeglichenheit zu finden.&#xA;&#xA;Denkanstoss zum Wochenbeginn&#xA;&#xA;  „Homo fit, non nascitur. (Man wird nicht als Mensch geboren, sondern man wird es erst.)“ – Erasmus von Rotterdam (1466/1467/1469–1536)&#xA;&#xA;ProductivityPorn-Tipp der Woche: Kontrolle über Dein E-Mail-Postfach behalten&#xA;&#xA;Lass Dich nicht von Deinem Posteingang steuern. Setze feste Zeiten für das Bearbeiten von E-Mails, verwende Filter und sortiere unwichtige Nachrichten direkt aus.&#xA;&#xA;Aus dem Archiv: Über das Älterwerden, die Gelassenheit und den Luxus, weniger zu wollen&#xA;&#xA;Ich wurde 50. Eine runde Zahl, die sich leise, aber deutlich bemerkbar macht – nicht nur im Pass, sondern auch in meinem inneren Koordinatensystem. Halbzeit vielleicht, wahrscheinlich auch schon mehr als das. Jedenfalls ein Anlass, innezuhalten. Und ehrlich gesagt: Ich war mir nicht sicher, was ich davon halten sollte. 50 – das klingt nach Verantwortung, nach gereiftem Urteil, vielleicht sogar nach leichter Verbitterung. Nach Jahren, in denen man die Welt ernst genommen hat. Manchmal zu ernst. Dabei entdecke ich gerade im #Alter eine neue Leichtigkeit.&#xA;&#xA;weiterlesen …&#xA;&#xA;Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast, diesen Newsletter zu lesen. Ich hoffe, die Inhalte konnten Dich inspirieren und Dir wertvolle Impulse für Dein (digitales) Leben geben. Bleib neugierig und hinterfrage, was Dir begegnet!&#xA;&#xA;---&#xA;EpicMind – Weisheiten für das digitale Leben&#xA;„EpicMind“ (kurz für „Epicurean Mindset“) ist mein Blog und Newsletter, der sich den Themen Lernen, Produktivität, Selbstmanagement und Technologie widmet – alles gewürzt mit einer Prise Philosophie.&#xA;&#xA;!--emailsub--&#xA;&#xA;---&#xA;Disclaimer&#xA;Teile dieses Texts wurden mit Deepl Write (Korrektorat und Lektorat) überarbeitet. Für die Recherche in den erwähnten Werken/Quellen und in meinen Notizen wurde NotebookLM von Google verwendet. Das Artikel-Bild wurde mit ChatGPT erstellt und anschliessend nachbearbeitet.&#xA;&#xA;Topic&#xA;Newsletter&#xA;&#xA;div class=&#34;signature&#34;&#xD;&#xA;    &lt;img&#xD;&#xA;        src=&#34;https://www.gisiger.biz/assets/storage/epicmind/michael-gisiger-round-2.png&#34;&#xD;&#xA;        alt=&#34;Michael Gisiger&#34;&#xD;&#xA;        class=&#34;profile-pic u-photo&#34;&#xD;&#xA;      div class=&#34;signature-content&#34;&#xD;&#xA;        h2 class=&#34;p-author p-name&#34; rel=&#34;author&#34;Michael Gisiger/h2&#xD;&#xA;&#xD;&#xA;        p class=&#34;p-note&#34;&#xD;&#xA;            Erwachsenenbildner und Coach mit 20+ Jahren Erfahrung.&#xD;&#xA;            Aus philosophischer Perspektive schreibe ich über Produktivität,&#xD;&#xA;            PKM und Coaching – fundiert und praxisnah.&#xD;&#xA;        /p&#xD;&#xA;&#xD;&#xA;p class=&#34;signature-links&#34;a href=&#34;https://www.michaelgisiger.ch/&#34; target=&#34;blank&#34;Website/a · a href=&#34;https://nerdculture.de/@gisiger&#34; target=&#34;blank&#34; rel=&#34;me&#34;Mastodon/a · a href=&#34;https://nolto.social/profile/michaelgisiger&#34; target=&#34;blank&#34;Nolto/a · a href=&#34;https://bsky.app/profile/gisiger.bsky.social&#34; target=&#34;blank&#34;Bluesky/a · a href=&#34;https://www.linkedin.com/comm/mynetwork/discovery-see-all?usecase=PEOPLEFOLLOWS&amp;amp;followMember=michaelgisiger&#34; target=&#34;blank&#34;LinkedIn/a/p&#xD;&#xA;    /div&#xD;&#xA;/div]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><img src="https://gisiger.biz/assets/storage/epicmind/epicmonday-cover.png" alt="Illustration eines antiken Philosophen in Toga, der erschöpft an einem modernen Büroarbeitsplatz vor einem Computer sitzt, umgeben von leeren Bürostühlen und urbaner Architektur."/></p>

<p>Freundinnen &amp; Freunde der Weisheit! Ein neues Hobby zu beginnen oder ein altes wieder aufleben zu lassen, ist eine einfache und wirkungsvolle Möglichkeit, die mentale Gesundheit zu stärken. In einem oft hektischen und anspruchsvollen Alltag bieten Hobbys eine willkommene Auszeit, um zur Ruhe zu kommen und neue Kraft zu schöpfen. Die positiven Effekte auf das psychische Wohlbefinden sind wissenschaftlich belegt und gehen weit über blosses Vergnügen hinaus.</p>



<p>Hobbys helfen dabei, Stress abzubauen und das allgemeine Wohlbefinden zu steigern. Sie <a href="https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/07421656.2016.1166832">senken den Cortisolspiegel</a>, der für Stressreaktionen verantwortlich ist, und können so helfen, <a href="https://www.webmd.com/balance/health-benefits-of-hobbies">die Herzfrequenz und den Blutdruck zu regulieren</a>. Gleichzeitig <a href="https://samhin.org/hobbies-neural-connections-and-resilience/">fördern sie die Neuroplastizität des Gehirns</a>, indem sie neue synaptische Verbindungen schaffen und die geistige Flexibilität erhöhen. Dadurch fällt es leichter, negative Gedanken zu verarbeiten und <a href="https://www.karger.com/Article/FullText/503571">den Fokus auf positive Erfahrungen zu richten</a>. Auch <a href="https://hbr.org/2021/10/can-hobbies-actually-make-you-a-better-person">das Selbstvertrauen wächst</a>, wenn man Fortschritte bei einem Hobby macht und ein Gefühl der Erfüllung erlebt.</p>

<p>Lesen, Kunst und Musik sind besonders wirkungsvolle Hobbys zur Förderung der mentalen Gesundheit. Beim Lesen kann man dem Alltag entfliehen und in neue Welten eintauchen, was <a href="https://www.takingcharge.csh.umn.edu/reading-stress-relief">entspannend wirkt</a> und dabei hilft, negative Gedanken zu unterbrechen. Künstlerische Tätigkeiten wie Malen, Zeichnen oder Musizieren bieten eine Möglichkeit, Emotionen auszudrücken und <a href="https://www.researchgate.net/profile/Paul-Seyi-Gbangbayau/publication/362678055_The_Therapeutic_Benefits_of_Artistic_Painting_to_Human_Health/links/62f7bdf6c6f6732999c97ce3/The-Therapeutic-Benefits-of-Artistic-Painting-to-Human-Health.pdf">innere Spannungen abzubauen</a> – dabei spielt es keine Rolle, ob die Ergebnisse perfekt sind. <a href="https://www.cnet.com/health/mental/5-benefits-of-journaling-for-mental-health-and-how-to-start/">Journaling unterstützt die mentale Gesundheit ebenfalls</a> auf vielseitige Weise. Durch regelmässiges Schreiben lassen sich Gedanken und Emotionen ordnen, wodurch ein tieferes Verständnis für die eigenen Gefühle entsteht. Bereits wenige Minuten tägliches Schreiben können helfen, Ängste zu lindern und das emotionale Gleichgewicht zu verbessern.</p>

<p>Sich bewusst Zeit für ein Hobby zu nehmen, ist ein wirksamer Weg, die mentale Gesundheit zu stärken und im Alltag mehr innere Ruhe und Ausgeglichenheit zu finden.</p>

<h2 id="denkanstoss-zum-wochenbeginn">Denkanstoss zum Wochenbeginn</h2>

<blockquote><p><strong><em>„Homo fit, non nascitur. (Man wird nicht als Mensch geboren, sondern man wird es erst.)“</em></strong> – Erasmus von Rotterdam (1466/1467/1469–1536)</p></blockquote>

<h2 id="productivityporn-tipp-der-woche-kontrolle-über-dein-e-mail-postfach-behalten">ProductivityPorn-Tipp der Woche: Kontrolle über Dein E-Mail-Postfach behalten</h2>

<p>Lass Dich nicht von Deinem Posteingang steuern. Setze feste Zeiten für das Bearbeiten von E-Mails, verwende Filter und sortiere unwichtige Nachrichten direkt aus.</p>

<h2 id="aus-dem-archiv-über-das-älterwerden-die-gelassenheit-und-den-luxus-weniger-zu-wollen">Aus dem Archiv: Über das Älterwerden, die Gelassenheit und den Luxus, weniger zu wollen</h2>

<p>Ich wurde 50. Eine runde Zahl, die sich leise, aber deutlich bemerkbar macht – nicht nur im Pass, sondern auch in meinem inneren Koordinatensystem. Halbzeit vielleicht, wahrscheinlich auch schon mehr als das. Jedenfalls ein Anlass, innezuhalten. Und ehrlich gesagt: Ich war mir nicht sicher, was ich davon halten sollte. 50 – das klingt nach Verantwortung, nach gereiftem Urteil, vielleicht sogar nach leichter Verbitterung. Nach Jahren, in denen man die Welt ernst genommen hat. Manchmal zu ernst. Dabei entdecke ich gerade im <a href="https://epicmind.ch/tag:Alter" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Alter</span></a> eine neue Leichtigkeit.</p>

<p><a href="https://epicmind.ch/jenseits-der-mitte-uber-das-alterwerden-die-gelassenheit-und-den-luxus">weiterlesen …</a></p>

<p>Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast, diesen Newsletter zu lesen. Ich hoffe, die Inhalte konnten Dich inspirieren und Dir wertvolle Impulse für Dein (digitales) Leben geben. Bleib neugierig und hinterfrage, was Dir begegnet!</p>

<hr/>

<p><a href="https://epicmind.ch/"><strong>EpicMind – Weisheiten für das digitale Leben</strong></a>
„EpicMind“ (kurz für „Epicurean Mindset“) ist mein Blog und Newsletter, der sich den Themen Lernen, Produktivität, Selbstmanagement und Technologie widmet – alles gewürzt mit einer Prise Philosophie.</p>



<hr/>

<p><strong>Disclaimer</strong>
Teile dieses Texts wurden mit Deepl Write (Korrektorat und Lektorat) überarbeitet. Für die Recherche in den erwähnten Werken/Quellen und in meinen Notizen wurde NotebookLM von Google verwendet. Das Artikel-Bild wurde mit ChatGPT erstellt und anschliessend nachbearbeitet.</p>

<p><strong>Topic</strong>
<a href="https://epicmind.ch/tag:Newsletter" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Newsletter</span></a></p>

<div class="signature">
    <img src="https://www.gisiger.biz/assets/storage/epicmind/michael-gisiger-round-2.png" alt="Michael Gisiger" class="profile-pic u-photo">
    <div class="signature-content">
        <h2 class="p-author p-name">Michael Gisiger</h2>

        <p class="p-note">
            Erwachsenenbildner und Coach mit 20+ Jahren Erfahrung.
            Aus philosophischer Perspektive schreibe ich über Produktivität,
            PKM und Coaching – fundiert und praxisnah.
        </p>

<p class="signature-links"><a href="https://www.michaelgisiger.ch/" target="_blank">Website</a> · <a href="https://nerdculture.de/@gisiger" target="_blank">Mastodon</a> · <a href="https://nolto.social/profile/michael_gisiger" target="_blank">Nolto</a> · <a href="https://bsky.app/profile/gisiger.bsky.social" target="_blank">Bluesky</a> · <a href="https://www.linkedin.com/comm/mynetwork/discovery-see-all?usecase=PEOPLE_FOLLOWS&amp;followMember=michaelgisiger" target="_blank">LinkedIn</a></p>
    </div>
</div>
]]></content:encoded>
      <guid>https://epicmind.ch/epicmonday-30-neue-energie-fuer-den-geist-wie-hobbys-die-mentale-gesundheit</guid>
      <pubDate>Mon, 27 Jul 2026 06:30:59 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Warum wir lieber ergänzen als weglassen</title>
      <link>https://epicmind.ch/warum-wir-lieber-ergaenzen-als-weglassen?pk_campaign=rss-feed</link>
      <description>&lt;![CDATA[Lego-Skulptur auf dem Legocampus in Billund&#xA;&#xA;Eine wacklige Lego-Brücke steht am Anfang einer Reihe psychologischer Experimente. Der Ingenieur Leidy Klotz baute sie gemeinsam mit seinem dreijährigen Sohn. Einer der beiden Pfeiler war zu kurz, die Brücke deshalb instabil. Klotz griff in die Kiste, um einen passenden Stein zu suchen. Sein Sohn löste das Problem anders: Er nahm einen Stein vom längeren Pfeiler weg. Die Brücke war nun stabil, obwohl sie aus weniger Teilen bestand. Oder genauer: weil sie aus weniger Teilen bestand.&#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Die Geschichte interessiert mich auch deshalb, weil ich selbst mit LEGO® SERIOUS PLAY® arbeite. Beim Bauen liegt es nahe, nach einem weiteren Stein zu greifen. Jede Ergänzung ist sichtbar. Das Entfernen eines Steins wirkt dagegen zunächst wie ein Rückschritt, kann ein Modell jedoch ebenso grundlegend verändern.&#xA;&#xA;Klotz untersuchte gemeinsam mit Forschenden aus Psychologie und Sozialwissenschaften, ob dahinter ein allgemeines Denkmuster steckt. Die Ergebnisse zeigen: Wenn wir etwas verbessern wollen, denken wir häufiger ans Hinzufügen als ans Weglassen. Diese Neigung wird als Additive Bias bezeichnet.&#xA;&#xA;Mehr kommt uns schneller in den Sinn&#xA;&#xA;In einem Experiment sollten Versuchspersonen eine Lego-Konstruktion stabilisieren. Eine Plattform ruhte auf einem einzelnen Pfeiler. Viele Teilnehmende ergänzten weitere Stützen, obwohl das Entfernen eines vorhandenen Steins die einfachere Lösung gewesen wäre. Als jeder zusätzlich eingesetzte Stein Geld kostete, entschieden sich mehr Personen fürs Wegnehmen. Das Muster blieb nicht auf Lego beschränkt. Auch bei geometrischen Figuren, Texten und einem bereits überladenen Ausflugsprogramm ergänzten die Teilnehmenden eher Elemente, als vorhandene zu entfernen. Unter zusätzlicher geistiger Belastung verstärkte sich diese Neigung [1].&#xA;&#xA;Wir lehnen das Weglassen also nicht unbedingt ab. Häufig kommt es uns schlicht nicht in den Sinn. Additive Ideen sind schneller verfügbar. Wenn die erste Idee einigermassen funktioniert, suchen wir nicht weiter. Wurden Versuchspersonen ausdrücklich darauf hingewiesen, dass sie auch etwas entfernen könnten, fanden sie häufiger vereinfachende Lösungen [2].&#xA;&#xA;In populären Darstellungen wird der Additive Bias gelegentlich damit erklärt, dass unser Gehirn das Weglassen nicht möge oder evolutionär auf das Sammeln ausgerichtet sei. Solche Erklärungen sind plausibel, gehen aber über die Experimente hinaus. Belegt ist vor allem eine Schieflage bei der Suche nach Lösungen: Addition wird spontan berücksichtigt, Subtraktion erfordert eher einen zweiten, bewussten Denkschritt.&#xA;&#xA;Scheinproduktivität durch noch mehr Organisation&#xA;&#xA;Vielleicht kennst du das: Die Aufgaben häufen sich und du verlierst den Überblick. Als Lösung bietet sich eine neue App an. Du ergänzt deine Aufgabenliste um Kategorien, entwickelst eine genauere Morgenroutine oder baust ein weiteres Planungsinstrument in deinen Alltag ein. Ich kenne diesen Reflex aus meiner eigenen Arbeitsorganisation. Wenn Unterricht, Lehrgangsverantwortung, Selbständigkeit und Weiterbildung gleichzeitig Aufmerksamkeit verlangen, suche ich rasch nach einer besseren Methode oder einem zusätzlichen Werkzeug. Das vermittelt zunächst das beruhigende Gefühl, die Komplexität wieder unter Kontrolle zu haben.&#xA;&#xA;Jede Ergänzung kann für sich vernünftig sein. Zusammen ergeben die Hilfsmittel jedoch leicht ein Arbeitssystem, das selbst Arbeit verursacht. Aufgaben müssen nicht nur erledigt, sondern auch erfasst, sortiert, synchronisiert und überprüft werden. Die Suche nach höherer Produktivität erzeugt neue Verpflichtungen [3]. Die unbequemere Frage lautet nicht, wie ich alles noch genauer organisiere. Sie lautet, welche Aufgabe, Information oder Verpflichtung wegfallen kann. Eine neue App lässt sich einrichten und als sichtbare Verbesserung verbuchen. Eine gestrichene Verpflichtung hinterlässt dagegen keine erkennbare Leistung.&#xA;&#xA;Warum Organisationen das Hinzufügen belohnen&#xA;&#xA;In Organisationen geht es nicht nur um individuelle Denkgewohnheiten. Hinzu kommen Strukturen, die additive Lösungen begünstigen. Wenn ein Problem auftritt, wird eine Arbeitsgruppe eingesetzt. Ein Fehler führt zu einem weiteren Kontrollschritt. Für eine neue Aufgabe entsteht eine zusätzliche Rolle.&#xA;&#xA;Das kann im Einzelfall sinnvoll sein. Dennoch prüfen Organisationen das Hinzufügen meist gründlicher als das Abschaffen. Wer ein Projekt startet, eine Regel erlässt oder einen Prozess erweitert, kann Aktivität nachweisen. Wer verhindert, dass unnötige Arbeit entsteht, hinterlässt weniger sichtbare Spuren.&#xA;&#xA;Eine neue Regel besitzt zudem einen klar benennbaren Zweck. Ihre Folgekosten verteilen sich dagegen auf viele Menschen und über einen längeren Zeitraum. So entstehen Prozesse mit immer mehr Schritten. Jede Ergänzung hatte irgendwann einen Grund. Selten wird jedoch geprüft, ob dieser noch besteht. Die Süddeutsche Zeitung beschreibt den Additive Bias deshalb nicht bloss als individuelles Denkmuster, sondern verbindet ihn mit Bürokratie, Konsum und politischen Interessen [4].&#xA;&#xA;Allerdings wäre es zu einfach, organisatorische Komplexität allein psychologisch zu erklären. Haftungsfragen, politische Kompromisse, wirtschaftliche Interessen und Machtverhältnisse tragen ebenfalls dazu bei. Der Additive Bias ist keine Gesamterklärung. Er zeigt aber, weshalb ein Vorschlag für etwas Neues häufig bessere Ausgangsbedingungen hat als die Forderung, etwas Bestehendes abzuschaffen.&#xA;&#xA;Was würden wir heute nicht mehr hinzufügen?&#xA;&#xA;Aus dem Additive Bias folgt nicht, dass weniger grundsätzlich besser wäre. Manche Brücken benötigen tatsächlich einen zusätzlichen Pfeiler. Eine Organisation kann unter fehlenden Regeln leiden, und ein neues Werkzeug kann eine Aufgabe erleichtern.&#xA;&#xA;Entscheidend ist, Addition und Subtraktion mit derselben Ernsthaftigkeit zu prüfen. Die spannendere Frage lautet deshalb nicht, was wir als Nächstes ergänzen könnten, sondern: Wann haben wir zuletzt versucht, ein Problem zu lösen, indem wir etwas weggelassen haben?&#xA;&#xA;---&#xA;💬 Kommentieren (nur für write.as-Accounts)&#xA;a href=&#34;https://remark.as/p/epicmind.ch/warum-wir-lieber-ergaenzen-als-weglassen&#34;Discuss.../a&#xA;&#xA;---&#xA;Quellen&#xA;[1] https://www.boost.co.nz/blog/2021/06/new-cognitive-bias-and-agile-simplicity/&#xA;[2] https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/additive-bias-warum-uns-das-weglassen-bei-loesungen-schwerfaellt&#xA;[3] https://anthonysanni.com/productivity-shorts-been-thinking/problem-solving-additive-bias&#xA;[4] https://www.sueddeutsche.de/projekte/artikel/gesellschaft/karsten-wildberger-gabriel-yoran-verkrempelung-kapitalismus-additive-bias-e547325/&#xA;&#xA;Bildquelle&#xA;Lego-Skulptur auf dem Legocampus in Billund, fotografiert 2015 von WileyFoxes, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons.&#xA;&#xA;Disclaimer&#xA;Teile dieses Texts wurden mit Deepl Write (Korrektorat und Lektorat) überarbeitet. Für die Recherche in den erwähnten Werken/Quellen und in meinen Notizen wurde NotebookLM von Google verwendet.&#xA;&#xA;Topic&#xA;#Coaching | #ProductivityPorn&#xA;&#xA;div class=&#34;signature&#34;&#xD;&#xA;    &lt;img&#xD;&#xA;        src=&#34;https://www.gisiger.biz/assets/storage/epicmind/michael-gisiger-round-2.png&#34;&#xD;&#xA;        alt=&#34;Michael Gisiger&#34;&#xD;&#xA;        class=&#34;profile-pic u-photo&#34;&#xD;&#xA;      div class=&#34;signature-content&#34;&#xD;&#xA;        h2 class=&#34;p-author p-name&#34; rel=&#34;author&#34;Michael Gisiger/h2&#xD;&#xA;&#xD;&#xA;        p class=&#34;p-note&#34;&#xD;&#xA;            Erwachsenenbildner und Coach mit 20+ Jahren Erfahrung.&#xD;&#xA;            Aus philosophischer Perspektive schreibe ich über Produktivität,&#xD;&#xA;            PKM und Coaching – fundiert und praxisnah.&#xD;&#xA;        /p&#xD;&#xA;&#xD;&#xA;p class=&#34;signature-links&#34;a href=&#34;https://www.michaelgisiger.ch/&#34; target=&#34;blank&#34;Website/a · a href=&#34;https://nerdculture.de/@gisiger&#34; target=&#34;blank&#34; rel=&#34;me&#34;Mastodon/a · a href=&#34;https://nolto.social/profile/michaelgisiger&#34; target=&#34;blank&#34;Nolto/a · a href=&#34;https://bsky.app/profile/gisiger.bsky.social&#34; target=&#34;blank&#34;Bluesky/a · a href=&#34;https://www.linkedin.com/comm/mynetwork/discovery-see-all?usecase=PEOPLEFOLLOWS&amp;amp;followMember=michaelgisiger&#34; target=&#34;blank&#34;LinkedIn/a/p&#xD;&#xA;    /div&#xD;&#xA;/div]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><img src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/8/80/Bricks_-_panoramio_%284%29.jpg/960px-Bricks_-_panoramio_%284%29.jpg" alt="Lego-Skulptur auf dem Legocampus in Billund"/></p>

<p>Eine wacklige Lego-Brücke steht am Anfang einer Reihe psychologischer Experimente. Der Ingenieur Leidy Klotz baute sie gemeinsam mit seinem dreijährigen Sohn. Einer der beiden Pfeiler war zu kurz, die Brücke deshalb instabil. Klotz griff in die Kiste, um einen passenden Stein zu suchen. Sein Sohn löste das Problem anders: Er nahm einen Stein vom längeren Pfeiler weg. Die Brücke war nun stabil, obwohl sie aus weniger Teilen bestand. Oder genauer: weil sie aus weniger Teilen bestand.</p>



<p>Die Geschichte interessiert mich auch deshalb, weil ich selbst mit <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Lego_Serious_Play">LEGO® SERIOUS PLAY®</a> arbeite. Beim Bauen liegt es nahe, nach einem weiteren Stein zu greifen. Jede Ergänzung ist sichtbar. Das Entfernen eines Steins wirkt dagegen zunächst wie ein Rückschritt, kann ein Modell jedoch ebenso grundlegend verändern.</p>

<p>Klotz untersuchte gemeinsam mit Forschenden aus Psychologie und Sozialwissenschaften, ob dahinter ein allgemeines Denkmuster steckt. Die Ergebnisse zeigen: Wenn wir etwas verbessern wollen, denken wir häufiger ans Hinzufügen als ans Weglassen. Diese Neigung wird als <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Additive_bias"><em>Additive Bias</em></a> bezeichnet.</p>

<h2 id="mehr-kommt-uns-schneller-in-den-sinn">Mehr kommt uns schneller in den Sinn</h2>

<p>In einem Experiment sollten Versuchspersonen eine Lego-Konstruktion stabilisieren. Eine Plattform ruhte auf einem einzelnen Pfeiler. Viele Teilnehmende ergänzten weitere Stützen, obwohl das Entfernen eines vorhandenen Steins die einfachere Lösung gewesen wäre. Als jeder zusätzlich eingesetzte Stein Geld kostete, entschieden sich mehr Personen fürs Wegnehmen. Das Muster blieb nicht auf Lego beschränkt. Auch bei geometrischen Figuren, Texten und einem bereits überladenen Ausflugsprogramm ergänzten die Teilnehmenden eher Elemente, als vorhandene zu entfernen. Unter zusätzlicher geistiger Belastung verstärkte sich diese Neigung [1].</p>

<p>Wir lehnen das Weglassen also nicht unbedingt ab. Häufig kommt es uns schlicht nicht in den Sinn. Additive Ideen sind schneller verfügbar. Wenn die erste Idee einigermassen funktioniert, suchen wir nicht weiter. Wurden Versuchspersonen ausdrücklich darauf hingewiesen, dass sie auch etwas entfernen könnten, fanden sie häufiger vereinfachende Lösungen [2].</p>

<p>In populären Darstellungen wird der Additive Bias gelegentlich damit erklärt, dass unser Gehirn das Weglassen nicht möge oder evolutionär auf das Sammeln ausgerichtet sei. Solche Erklärungen sind plausibel, gehen aber über die Experimente hinaus. Belegt ist vor allem eine Schieflage bei der Suche nach Lösungen: Addition wird spontan berücksichtigt, Subtraktion erfordert eher einen zweiten, bewussten Denkschritt.</p>

<h2 id="scheinproduktivität-durch-noch-mehr-organisation">Scheinproduktivität durch noch mehr Organisation</h2>

<p>Vielleicht kennst du das: Die Aufgaben häufen sich und du verlierst den Überblick. Als Lösung bietet sich eine neue App an. Du ergänzt deine Aufgabenliste um Kategorien, entwickelst eine genauere Morgenroutine oder baust ein weiteres Planungsinstrument in deinen Alltag ein. <a href="./warum-wir-aufschieben-neun-typen-der-prokrastination">Ich kenne diesen Reflex</a> aus meiner eigenen Arbeitsorganisation. Wenn Unterricht, Lehrgangsverantwortung, Selbständigkeit und Weiterbildung gleichzeitig Aufmerksamkeit verlangen, suche ich rasch nach einer besseren Methode oder einem zusätzlichen Werkzeug. Das vermittelt zunächst das beruhigende Gefühl, <a href="./die-dringlichkeitsfalle-uberwinden-und-mehr-zeit-fur-das-wesentliche-finden">die Komplexität wieder unter Kontrolle zu haben</a>.</p>

<p>Jede Ergänzung kann für sich vernünftig sein. Zusammen ergeben die Hilfsmittel jedoch leicht ein Arbeitssystem, das selbst Arbeit verursacht. Aufgaben müssen nicht nur erledigt, sondern auch erfasst, sortiert, synchronisiert und überprüft werden. Die Suche nach höherer Produktivität erzeugt neue Verpflichtungen [3]. Die unbequemere Frage lautet nicht, wie ich alles noch genauer organisiere. Sie lautet, welche Aufgabe, Information oder Verpflichtung wegfallen kann. Eine neue App lässt sich einrichten und als sichtbare Verbesserung verbuchen. Eine gestrichene Verpflichtung hinterlässt dagegen keine erkennbare Leistung.</p>

<h2 id="warum-organisationen-das-hinzufügen-belohnen">Warum Organisationen das Hinzufügen belohnen</h2>

<p>In Organisationen geht es nicht nur um individuelle Denkgewohnheiten. Hinzu kommen Strukturen, die additive Lösungen begünstigen. Wenn ein Problem auftritt, wird eine Arbeitsgruppe eingesetzt. Ein Fehler führt zu einem weiteren Kontrollschritt. Für eine neue Aufgabe entsteht eine zusätzliche Rolle.</p>

<p>Das kann im Einzelfall sinnvoll sein. Dennoch prüfen Organisationen das Hinzufügen meist gründlicher als das Abschaffen. Wer ein Projekt startet, eine Regel erlässt oder einen Prozess erweitert, kann Aktivität nachweisen. Wer verhindert, dass unnötige Arbeit entsteht, hinterlässt weniger sichtbare Spuren.</p>

<p>Eine neue Regel besitzt zudem einen klar benennbaren Zweck. Ihre Folgekosten verteilen sich dagegen auf viele Menschen und über einen längeren Zeitraum. <a href="./das-parkinsonsche-gesetz-warum-sich-arbeit-immer-ausdehnt">So entstehen Prozesse mit immer mehr Schritten.</a> Jede Ergänzung hatte irgendwann einen Grund. Selten wird jedoch geprüft, ob dieser noch besteht. Die <em>Süddeutsche Zeitung</em> beschreibt den Additive Bias deshalb nicht bloss als individuelles Denkmuster, sondern verbindet ihn mit Bürokratie, Konsum und politischen Interessen [4].</p>

<p>Allerdings wäre es zu einfach, organisatorische Komplexität allein psychologisch zu erklären. Haftungsfragen, politische Kompromisse, wirtschaftliche Interessen und Machtverhältnisse tragen ebenfalls dazu bei. Der Additive Bias ist keine Gesamterklärung. Er zeigt aber, weshalb ein Vorschlag für etwas Neues häufig bessere Ausgangsbedingungen hat als die Forderung, etwas Bestehendes abzuschaffen.</p>

<h2 id="was-würden-wir-heute-nicht-mehr-hinzufügen">Was würden wir heute nicht mehr hinzufügen?</h2>

<p>Aus dem Additive Bias folgt nicht, dass weniger grundsätzlich besser wäre. Manche Brücken benötigen tatsächlich einen zusätzlichen Pfeiler. Eine Organisation kann unter fehlenden Regeln leiden, und ein neues Werkzeug kann eine Aufgabe erleichtern.</p>

<p>Entscheidend ist, Addition und Subtraktion mit derselben Ernsthaftigkeit zu prüfen. Die spannendere Frage lautet deshalb nicht, was wir als Nächstes ergänzen könnten, sondern: Wann haben wir zuletzt versucht, ein Problem zu lösen, indem wir etwas weggelassen haben?</p>

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<h4 id="kommentieren-nur-für-write-as-accounts">💬 Kommentieren (nur für write.as-Accounts)</h4>

<p><a href="https://remark.as/p/epicmind.ch/warum-wir-lieber-ergaenzen-als-weglassen">Discuss...</a></p>

<hr/>

<p><strong>Quellen</strong>
[1] <a href="https://www.boost.co.nz/blog/2021/06/new-cognitive-bias-and-agile-simplicity/">https://www.boost.co.nz/blog/2021/06/new-cognitive-bias-and-agile-simplicity/</a>
[2] <a href="https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/additive-bias-warum-uns-das-weglassen-bei-loesungen-schwerfaellt">https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/additive-bias-warum-uns-das-weglassen-bei-loesungen-schwerfaellt</a>
[3] <a href="https://anthonysanni.com/productivity-shorts-been-thinking/problem-solving-additive-bias">https://anthonysanni.com/productivity-shorts-been-thinking/problem-solving-additive-bias</a>
[4] <a href="https://www.sueddeutsche.de/projekte/artikel/gesellschaft/karsten-wildberger-gabriel-yoran-verkrempelung-kapitalismus-additive-bias-e547325/">https://www.sueddeutsche.de/projekte/artikel/gesellschaft/karsten-wildberger-gabriel-yoran-verkrempelung-kapitalismus-additive-bias-e547325/</a></p>

<p><strong>Bildquelle</strong>
<em>Lego-Skulptur auf dem Legocampus in Billund</em>, fotografiert 2015 von <a href="https://web.archive.org/web/20161031075430/http://www.panoramio.com/user/8828080?with_photo_id=124655604">WileyFoxes</a>, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en">CC BY-SA 3.0</a>, via Wikimedia Commons.</p>

<p><strong>Disclaimer</strong>
Teile dieses Texts wurden mit Deepl Write (Korrektorat und Lektorat) überarbeitet. Für die Recherche in den erwähnten Werken/Quellen und in meinen Notizen wurde NotebookLM von Google verwendet.</p>

<p><strong>Topic</strong>
<a href="https://epicmind.ch/tag:Coaching" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Coaching</span></a> | <a href="https://epicmind.ch/tag:ProductivityPorn" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">ProductivityPorn</span></a></p>

<div class="signature">
    <img src="https://www.gisiger.biz/assets/storage/epicmind/michael-gisiger-round-2.png" alt="Michael Gisiger" class="profile-pic u-photo">
    <div class="signature-content">
        <h2 class="p-author p-name">Michael Gisiger</h2>

        <p class="p-note">
            Erwachsenenbildner und Coach mit 20+ Jahren Erfahrung.
            Aus philosophischer Perspektive schreibe ich über Produktivität,
            PKM und Coaching – fundiert und praxisnah.
        </p>

<p class="signature-links"><a href="https://www.michaelgisiger.ch/" target="_blank">Website</a> · <a href="https://nerdculture.de/@gisiger" target="_blank">Mastodon</a> · <a href="https://nolto.social/profile/michael_gisiger" target="_blank">Nolto</a> · <a href="https://bsky.app/profile/gisiger.bsky.social" target="_blank">Bluesky</a> · <a href="https://www.linkedin.com/comm/mynetwork/discovery-see-all?usecase=PEOPLE_FOLLOWS&amp;followMember=michaelgisiger" target="_blank">LinkedIn</a></p>
    </div>
</div>
]]></content:encoded>
      <guid>https://epicmind.ch/warum-wir-lieber-ergaenzen-als-weglassen</guid>
      <pubDate>Fri, 24 Jul 2026 07:44:26 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>EpicMonday 29: Warum eigene Entscheidungen oft glücklicher machen</title>
      <link>https://epicmind.ch/epicmonday-29-warum-eigene-entscheidungen-oft-gluecklicher-machen?pk_campaign=rss-feed</link>
      <description>&lt;![CDATA[Illustration eines antiken Philosophen in Toga, der erschöpft an einem modernen Büroarbeitsplatz vor einem Computer sitzt, umgeben von leeren Bürostühlen und urbaner Architektur.&#xA;&#xA;Freundinnen &amp; Freunde der Weisheit! Entscheidungen zu treffen ist nicht immer einfach. Oft stellt sich im Nachhinein heraus, dass wir uns geirrt haben. Solche eigenen Fehlentscheidungen nehmen wir jedoch weniger schlimm wahr als solche, die wir aufgrund schlechter Ratschläge von aussen treffen. Wie können wir also „besser” entscheiden?&#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Eine Studie der Cornell University zeigt, dass Menschen sich tendenziell schlechter fühlen, wenn sie aufgrund von Ratschlägen falsche Entscheidungen treffen, als wenn sie auf eigene Faust eine schlechte Wahl treffen. Die Forscher wollten herausfinden, ob Menschen mehr Reue empfinden, wenn sie falsche Entscheidungen aufgrund externer Ratschläge treffen, oder ob sie sich bei eigenen Fehlentscheidungen eher mit Pech abfinden. Das Ergebnis: Wer auf seinen eigenen Instinkt hört, fühlt sich langfristig besser – selbst wenn die Entscheidung nicht zum gewünschten Ergebnis führt.&#xA;&#xA;Die Studie ergab, dass Menschen, die nach einem schlechten Rat eine ungünstige Entscheidung trafen, häufiger Reue empfanden, während diejenigen, die ohne äusseren Einfluss falsch entschieden, dies eher auf Zufall oder Pech zurückführten. Die Forscher betonen, dass es wichtig sei, den eigenen Überzeugungen zu folgen und Ratschläge kritisch zu hinterfragen. Viele Menschen nehmen an, dass ein Rat von aussen die Verantwortung mindert – tatsächlich fühlen sie sich aber schlechter, wenn sie sich gegen ihr eigenes Bauchgefühl entscheiden.&#xA;&#xA;Die Autoren empfehlen eine dreiteilige Strategie für bessere Entscheidungen: Erstens sollte man die eigene Kompetenz einschätzen und überlegen, ob man in einem bestimmten Bereich über fundiertes Wissen verfügt. Zweitens ist es entscheidend, zu prüfen, ob der Rat von einer kompetenten und gut informierten Person stammt, die die eigene Situation richtig versteht. Drittens sollte man den Wert der Entscheidung selbst hinterfragen – wenn es um Kleinigkeiten geht, lohnt sich ein intensives Abwägen oft nicht. Letztlich stärkt es die eigene Zufriedenheit, die Verantwortung für Entscheidungen selbst zu übernehmen und dabei auf die eigene Intuition zu vertrauen.&#xA;&#xA;Denkanstoss zum Wochenbeginn&#xA;&#xA;  „Wer nur redet, bringt sich um das grosse Vergnügen, zu schweigen.“ – W. Somersett Maugham (1874–1965)&#xA;&#xA;ProductivityPorn-Tipp der Woche: Produktives Prokrastinieren&#xA;&#xA;Wenn Du schon prokrastinierst, dann sinnvoll! Nutze diese Zeit für kleinere, weniger anspruchsvolle Aufgaben, anstatt ziellos durch Social Media zu scrollen.&#xA;&#xA;Aus dem Archiv: Die radikale Tugend der Gelassenheit&#xA;&#xA;Kaum ist das Handy entsperrt, prasseln sie auf uns ein: Nachrichten, Meinungen, Bilder, Konflikte. Was als kurzer Blick auf die Uhr begann, endet oft in einem rastlosen Zappen durch Krisen, Konflikte und Konsum. Zwischen Schlagzeilen, Mitteilungen und algorithmisch kuratierten Ablenkungen verliere ich leicht das Gefühl für das, was mir wirklich wichtig ist. Der Tag beginnt im Reizmodus – und nicht selten bleibt er dort. In solchen Momenten spüre ich, wie weit ich von dem entfernt bin, was ich eigentlich suche: einen ruhigen, klaren Blick – kurz: Gelassenheit. Doch was heisst das eigentlich? Und wie kann man sie finden, ohne sich in Gleichgültigkeit zu verlieren?&#xA;&#xA;weiterlesen …&#xA;&#xA;Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast, diesen Newsletter zu lesen. Ich hoffe, die Inhalte konnten Dich inspirieren und Dir wertvolle Impulse für Dein (digitales) Leben geben. Bleib neugierig und hinterfrage, was Dir begegnet!&#xA;&#xA;---&#xA;EpicMind – Weisheiten für das digitale Leben&#xA;„EpicMind“ (kurz für „Epicurean Mindset“) ist mein Blog und Newsletter, der sich den Themen Lernen, Produktivität, Selbstmanagement und Technologie widmet – alles gewürzt mit einer Prise Philosophie.&#xA;&#xA;!--emailsub--&#xA;&#xA;---&#xA;Disclaimer&#xA;Teile dieses Texts wurden mit Deepl Write (Korrektorat und Lektorat) überarbeitet. Für die Recherche in den erwähnten Werken/Quellen und in meinen Notizen wurde NotebookLM von Google verwendet. Das Artikel-Bild wurde mit ChatGPT erstellt und anschliessend nachbearbeitet.&#xA;&#xA;Topic&#xA;Newsletter&#xA;&#xA;div class=&#34;signature&#34;&#xD;&#xA;    &lt;img&#xD;&#xA;        src=&#34;https://www.gisiger.biz/assets/storage/epicmind/michael-gisiger-round-2.png&#34;&#xD;&#xA;        alt=&#34;Michael Gisiger&#34;&#xD;&#xA;        class=&#34;profile-pic u-photo&#34;&#xD;&#xA;      div class=&#34;signature-content&#34;&#xD;&#xA;        h2 class=&#34;p-author p-name&#34; rel=&#34;author&#34;Michael Gisiger/h2&#xD;&#xA;&#xD;&#xA;        p class=&#34;p-note&#34;&#xD;&#xA;            Erwachsenenbildner und Coach mit 20+ Jahren Erfahrung.&#xD;&#xA;            Aus philosophischer Perspektive schreibe ich über Produktivität,&#xD;&#xA;            PKM und Coaching – fundiert und praxisnah.&#xD;&#xA;        /p&#xD;&#xA;&#xD;&#xA;p class=&#34;signature-links&#34;a href=&#34;https://www.michaelgisiger.ch/&#34; target=&#34;blank&#34;Website/a · a href=&#34;https://nerdculture.de/@gisiger&#34; target=&#34;blank&#34; rel=&#34;me&#34;Mastodon/a · a href=&#34;https://nolto.social/profile/michaelgisiger&#34; target=&#34;blank&#34;Nolto/a · a href=&#34;https://bsky.app/profile/gisiger.bsky.social&#34; target=&#34;blank&#34;Bluesky/a · a href=&#34;https://www.linkedin.com/comm/mynetwork/discovery-see-all?usecase=PEOPLEFOLLOWS&amp;amp;followMember=michaelgisiger&#34; target=&#34;_blank&#34;LinkedIn/a/p&#xD;&#xA;    /div&#xD;&#xA;/div]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><img src="https://gisiger.biz/assets/storage/epicmind/epicmonday-cover.png" alt="Illustration eines antiken Philosophen in Toga, der erschöpft an einem modernen Büroarbeitsplatz vor einem Computer sitzt, umgeben von leeren Bürostühlen und urbaner Architektur."/></p>

<p>Freundinnen &amp; Freunde der Weisheit! Entscheidungen zu treffen ist nicht immer einfach. Oft stellt sich im Nachhinein heraus, dass wir uns geirrt haben. Solche eigenen Fehlentscheidungen nehmen wir jedoch weniger schlimm wahr als solche, die wir aufgrund schlechter Ratschläge von aussen treffen. Wie können wir also „besser” entscheiden?</p>



<p>Eine <a href="https://journals.sagepub.com/doi/10.1177/01461672251319380">Studie der Cornell University zeigt</a>, dass Menschen sich tendenziell schlechter fühlen, wenn sie aufgrund von Ratschlägen falsche Entscheidungen treffen, als wenn sie auf eigene Faust eine schlechte Wahl treffen. Die Forscher wollten herausfinden, ob Menschen mehr Reue empfinden, wenn sie falsche Entscheidungen aufgrund externer Ratschläge treffen, oder ob sie sich bei eigenen Fehlentscheidungen eher mit Pech abfinden. Das Ergebnis: Wer auf seinen eigenen Instinkt hört, fühlt sich langfristig besser – selbst wenn die Entscheidung nicht zum gewünschten Ergebnis führt.</p>

<p>Die Studie ergab, dass Menschen, die nach einem schlechten Rat eine ungünstige Entscheidung trafen, häufiger Reue empfanden, während diejenigen, die ohne äusseren Einfluss falsch entschieden, dies eher auf Zufall oder Pech zurückführten. Die Forscher betonen, dass es wichtig sei, den eigenen Überzeugungen zu folgen und Ratschläge kritisch zu hinterfragen. Viele Menschen nehmen an, dass ein Rat von aussen die Verantwortung mindert – tatsächlich fühlen sie sich aber schlechter, wenn sie sich gegen ihr eigenes Bauchgefühl entscheiden.</p>

<p>Die Autoren empfehlen eine dreiteilige Strategie für bessere Entscheidungen: Erstens sollte man <strong>die eigene Kompetenz einschätzen</strong> und überlegen, ob man in einem bestimmten Bereich über fundiertes Wissen verfügt. Zweitens ist es entscheidend, zu <strong>prüfen, ob der Rat von einer kompetenten und gut informierten Person stammt</strong>, die die eigene Situation richtig versteht. Drittens sollte man <strong>den Wert der Entscheidung selbst hinterfragen</strong> – wenn es um Kleinigkeiten geht, lohnt sich ein intensives Abwägen oft nicht. Letztlich stärkt es die eigene Zufriedenheit, die Verantwortung für Entscheidungen selbst zu übernehmen und dabei auf die eigene Intuition zu vertrauen.</p>

<h2 id="denkanstoss-zum-wochenbeginn">Denkanstoss zum Wochenbeginn</h2>

<blockquote><p><strong><em>„Wer nur redet, bringt sich um das grosse Vergnügen, zu schweigen.“</em></strong> – W. Somersett Maugham (1874–1965)</p></blockquote>

<h2 id="productivityporn-tipp-der-woche-produktives-prokrastinieren">ProductivityPorn-Tipp der Woche: Produktives Prokrastinieren</h2>

<p>Wenn Du schon prokrastinierst, dann sinnvoll! Nutze diese Zeit für kleinere, weniger anspruchsvolle Aufgaben, anstatt ziellos durch Social Media zu scrollen.</p>

<h2 id="aus-dem-archiv-die-radikale-tugend-der-gelassenheit">Aus dem Archiv: Die radikale Tugend der Gelassenheit</h2>

<p>Kaum ist das Handy entsperrt, prasseln sie auf uns ein: Nachrichten, Meinungen, Bilder, Konflikte. Was als kurzer Blick auf die Uhr begann, endet oft in einem rastlosen Zappen durch Krisen, Konflikte und Konsum. Zwischen Schlagzeilen, Mitteilungen und algorithmisch kuratierten Ablenkungen verliere ich leicht das Gefühl für das, was mir wirklich wichtig ist. Der Tag beginnt im Reizmodus – und nicht selten bleibt er dort. In solchen Momenten spüre ich, wie weit ich von dem entfernt bin, was ich eigentlich suche: einen ruhigen, klaren Blick – kurz: Gelassenheit. Doch was heisst das eigentlich? Und wie kann man sie finden, ohne sich in Gleichgültigkeit zu verlieren?</p>

<p><a href="https://epicmind.ch/epicmind/die-radikale-tugend-der-gelassenheit">weiterlesen …</a></p>

<p>Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast, diesen Newsletter zu lesen. Ich hoffe, die Inhalte konnten Dich inspirieren und Dir wertvolle Impulse für Dein (digitales) Leben geben. Bleib neugierig und hinterfrage, was Dir begegnet!</p>

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<p><a href="https://epicmind.ch/"><strong>EpicMind – Weisheiten für das digitale Leben</strong></a>
„EpicMind“ (kurz für „Epicurean Mindset“) ist mein Blog und Newsletter, der sich den Themen Lernen, Produktivität, Selbstmanagement und Technologie widmet – alles gewürzt mit einer Prise Philosophie.</p>



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<p><strong>Disclaimer</strong>
Teile dieses Texts wurden mit Deepl Write (Korrektorat und Lektorat) überarbeitet. Für die Recherche in den erwähnten Werken/Quellen und in meinen Notizen wurde NotebookLM von Google verwendet. Das Artikel-Bild wurde mit ChatGPT erstellt und anschliessend nachbearbeitet.</p>

<p><strong>Topic</strong>
<a href="https://epicmind.ch/tag:Newsletter" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Newsletter</span></a></p>

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    <img src="https://www.gisiger.biz/assets/storage/epicmind/michael-gisiger-round-2.png" alt="Michael Gisiger" class="profile-pic u-photo">
    <div class="signature-content">
        <h2 class="p-author p-name">Michael Gisiger</h2>

        <p class="p-note">
            Erwachsenenbildner und Coach mit 20+ Jahren Erfahrung.
            Aus philosophischer Perspektive schreibe ich über Produktivität,
            PKM und Coaching – fundiert und praxisnah.
        </p>

<p class="signature-links"><a href="https://www.michaelgisiger.ch/" target="_blank">Website</a> · <a href="https://nerdculture.de/@gisiger" target="_blank">Mastodon</a> · <a href="https://nolto.social/profile/michael_gisiger" target="_blank">Nolto</a> · <a href="https://bsky.app/profile/gisiger.bsky.social" target="_blank">Bluesky</a> · <a href="https://www.linkedin.com/comm/mynetwork/discovery-see-all?usecase=PEOPLE_FOLLOWS&amp;followMember=michaelgisiger" target="_blank">LinkedIn</a></p>
    </div>
</div>
]]></content:encoded>
      <guid>https://epicmind.ch/epicmonday-29-warum-eigene-entscheidungen-oft-gluecklicher-machen</guid>
      <pubDate>Mon, 20 Jul 2026 06:30:39 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Warum wir aufschieben: Neun Typen der Prokrastination</title>
      <link>https://epicmind.ch/warum-wir-aufschieben-neun-typen-der-prokrastination?pk_campaign=rss-feed</link>
      <description>&lt;![CDATA[von Schadow: Hölle&#xA;&#xA;Meine Steuererklärung scheitert selten daran, dass ich keine Zeit dafür hätte. Meist scheitert sie zunächst daran, dass ich keine Lust verspüre, mich einer Aufgabe zu unterwerfen, deren unmittelbaren Nutzen ich nicht erkenne. Ähnlich geht es mir bei Behördenschreiben oder administrativen Pflichten, die von aussen an mich herangetragen werden.&#xA;&#xA;Mein Verhaltensmuster ist ziemlich zuverlässig: Ich verweigere zunächst den Beginn und erledige stattdessen demonstrativ etwas anderes. Natürlich handelt es sich dabei nicht um irgendeine Ablenkung, sondern um etwas vermeintlich Wichtiges. Ich beantworte E-Mails, ordne Unterlagen oder erledige eine Aufgabe, die ebenfalls schon länger auf meiner Liste steht. So kann ich mir einreden, produktiv zu sein. Erst wenn die Frist näher rückt und der äussere Druck gross genug wird, widme ich mich der ursprünglichen Aufgabe.&#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Lange hätte ich dieses Verhalten als mangelnde Disziplin bezeichnet. In der Typologie des Sozialwissenschaftlers Itamar Shatz [1] finde ich jedoch eine passendere Erklärung: Ich erkenne mich im „Rebellen“ wieder. Dieser schiebt Aufgaben nicht einfach aus Bequemlichkeit auf. Er wehrt sich gegen Fremdbestimmung und versucht, sich durch das Aufschieben ein Stück Autonomie zurückzuholen.&#xA;&#xA;Der Rebell ist allerdings nur einer von neun Prokrastinationstypen, die Shatz unterscheidet. Dahinter steht eine wichtige Erkenntnis: Es gibt nicht den Prokrastinierer. Menschen schieben aus unterschiedlichen Gründen auf und benötigen entsprechend unterschiedliche Gegenstrategien.&#xA;&#xA;Kein Mangel an Willenskraft&#xA;&#xA;In meinem ersten Beitrag zum Thema habe ich #Prokrastination als freiwilliges Verzögern einer Aufgabe trotz absehbarer negativer Konsequenzen beschrieben. Entscheidend ist die Abgrenzung zum bewussten Aufschieben. Wer eine Aufgabe verschiebt, weil noch Informationen fehlen oder weil ein späterer Zeitpunkt tatsächlich günstiger ist, prokrastiniert nicht. Von Prokrastination sprechen wir, wenn wir wissen, dass uns die Verzögerung schadet, und trotzdem nicht handeln.&#xA;&#xA;Häufig wird dieses Verhalten auf schlechte Planung, fehlende Motivation oder zu wenig Willenskraft zurückgeführt. Shatz hält das für eine Verwechslung von Ursache und Symptom. Hinter dem Aufschieben können Angst, Erschöpfung, Perfektionismus, geringe Erfolgserwartungen, Ablenkbarkeit oder ein Konflikt mit äusseren Erwartungen stehen. Derselbe Mensch kann je nach Aufgabe aus ganz unterschiedlichen Gründen prokrastinieren [2].&#xA;&#xA;Das erklärt auch, weshalb allgemeine Produktivitätstipps so unzuverlässig funktionieren. Eine strengere Deadline kann einem leicht ablenkbaren Menschen helfen. Bei jemandem, der sich gegen äussere Kontrolle wehrt, verstärkt sie möglicherweise den Widerstand. Erholung ist für einen erschöpften Menschen notwendig. Für jemanden, der vor allem das unmittelbar Angenehme sucht, kann sie hingegen zur nächsten Ausweichhandlung werden.&#xA;&#xA;In meinem zweiten Beitrag habe ich mit Skinners Gesetz einen Ansatz vorgestellt, der die Freude am Handeln erhöht oder die Kosten des Nichtstuns vergrössert. Auch solche Anreize können nützlich sein. Sie greifen aber zu kurz, wenn die eigentliche Ursache nicht erkannt wird.&#xA;&#xA;Neun Typen der Prokrastination&#xA;&#xA;Shatz unterscheidet neun typische Muster. Sie sind nicht als wissenschaftliche Diagnosen oder unveränderliche Persönlichkeitstypen zu verstehen. Vielmehr bieten sie ein Raster, um genauer zu beobachten, was hinter dem eigenen Aufschieben steckt.&#xA;&#xA;| Typ                  | Typisches Muster                                        | Mögliche Ursache                                                    | Passender Umgang                                                                                    |&#xA;| -------------------- | ------------------------------------------------------- | ------------------------------------------------------------------- | --------------------------------------------------------------------------------------------------- |&#xA;| Besorgter        | Beginnt nicht, weil etwas schiefgehen könnte            | Angst vor negativen Konsequenzen oder Bewertung von aussen                             | Befürchtung konkret benennen, ihre Wahrscheinlichkeit prüfen und mit einem kleinen Schritt beginnen |&#xA;| Erschöpfter      | Fühlt sich zu müde oder ausgelaugt für die Aufgabe      | Überlastung oder Stress                 | Erholung priorisieren, Anforderungen überprüfen und unrealistische Ziele reduzieren                 |&#xA;| Perfektionist    | Beginnt spät oder wird nie fertig                       | Überhöhter eigener Anspruch, das Ergebnis genügt nie ganz       | Vorab festlegen, was «gut genug» bedeutet, und eine unfertige erste Version zulassen                |&#xA;| Pessimist        | Erwartet, ohnehin keinen Erfolg zu haben                | Geringe Selbstwirksamkeit und starke Selbstkritik                   | Annahmen überprüfen und sich so beraten, wie man einen Freund beraten würde                         |&#xA;| Träumer          | Denkt gerne über Ziele nach, setzt sie aber kaum um     | Die Vorstellung der Zukunft ist attraktiver als die konkrete Arbeit | Wünsche in beobachtbare Handlungen, Termine und nächste Schritte übersetzen                         |&#xA;| Zickzack-Typ     | Springt laufend zwischen Aufgaben und Reizen            | Ablenkbarkeit, fehlende Prioritäten oder eine reizreiche Umgebung   | Ein Ziel schriftlich festhalten, Ablenkungen entfernen und die Aufgabe in Schritte zerlegen         |&#xA;| Rebell           | Widersetzt sich vor allem fremden Vorgaben              | Bedürfnis nach Autonomie und Kontrolle                              | Eigenen Nutzen klären und innerhalb der Aufgabe echte Wahlmöglichkeiten schaffen                    |&#xA;| Adrenalin-Sucher | Arbeitet erst kurz vor Ablauf der Frist                 | Aktivierung und Spannung durch Zeitdruck                            | Zwischenfristen setzen und die Kosten des hektischen Endspurts ehrlich bilanzieren                  |&#xA;| Hedonist         | Entscheidet sich für das, was sich jetzt besser anfühlt | Unmittelbare Belohnungen wiegen stärker als spätere Vorteile        | Versuchungen erschweren und die Aufgabe mit einer zeitnahen kleinen Belohnung verbinden             |&#xA;&#xA;Die Übersicht macht deutlich, dass eine identische Handlung sehr verschiedene Hintergründe haben kann. Zwei Personen reichen ihre Unterlagen erst am letzten Tag ein. Die eine fürchtet, einen Fehler zu machen, und kontrolliert jedes Detail mehrfach. Die andere empfindet die Aufgabe als fremdbestimmt und beginnt aus Widerstand nicht. Eine gemeinsame Deadline bedeutet noch keine gemeinsame Ursache.&#xA;&#xA;Wie sich eine Ursache bei mir konkret zeigt: der Rebell und die Illusion der Kontrolle&#xA;&#xA;Beim Rebellen erfüllt die Prokrastination eine besondere Funktion. Das Aufschieben vermittelt kurzfristig das Gefühl, sich einer Anordnung nicht vollständig zu unterwerfen. Ich entscheide schliesslich selbst, wann ich die Steuererklärung ausfülle. Indem ich zuerst andere Aufgaben erledige, stelle ich symbolisch meine eigene Prioritätenordnung wieder her. Das Problem liegt im Ergebnis. Was sich zunächst wie Selbstbestimmung anfühlt, führt zu immer stärkerer Fremdbestimmung. Die Frist rückt näher, der Handlungsspielraum schrumpft, und am Ende diktiert der Zeitdruck, wann und unter welchen Bedingungen ich arbeiten muss. Der Rebell verschafft sich durch das Aufschieben kurzfristig ein Gefühl von Kontrolle und verliert dadurch langfristig umso mehr davon.&#xA;&#xA;Mehr Druck ist deshalb nicht unbedingt die beste Antwort. Hilfreicher ist es, den eigenen Nutzen der Aufgabe zu klären. Eine Steuererklärung bleibt eine Pflicht. Ich kann sie aber als Voraussetzung betrachten, um finanzielle Angelegenheiten abzuschliessen, Unsicherheit zu beseitigen und anschliessend wieder über meine Zeit zu verfügen. Ebenso kann ich mir innerhalb der Aufgabe Wahlmöglichkeiten schaffen: Wann erledige ich sie? In welcher Reihenfolge gehe ich vor? Welche Unterlagen bereite ich zuerst vor? Hole ich Unterstützung oder arbeite ich allein? Die Aufgabe wird dadurch nicht angenehmer. Sie erscheint aber weniger als reiner Gehorsamsakt.&#xA;&#xA;Erst die Ursache, dann die Methode&#xA;&#xA;Die neun Typen erklären, weshalb es keine universelle Methode gegen Prokrastination gibt. &#34;Fang einfach an&#34; kann dem Besorgten helfen, sofern der erste Schritt klein genug ist. Einem tatsächlich erschöpften Menschen vermittelt derselbe Rat möglicherweise nur, er müsse seine Grenzen ignorieren. Eine öffentliche Verpflichtung kann für den Zickzack-Typ eine sinnvolle Struktur schaffen. Beim Rebellen kann sie zusätzlichen Widerstand auslösen.&#xA;&#xA;Vor der Wahl einer Methode steht deshalb eine genauere Diagnose des eigenen Verhaltens. Dabei helfen drei Fragen:&#xA;&#xA;Was vermeide ich bei dieser Aufgabe konkret?&#xA;Welches Gefühl verschwindet kurzfristig, wenn ich sie aufschiebe?&#xA;Welche Veränderung würde genau diese Hürde verkleinern?&#xA;&#xA;Manchmal lautet die Antwort Angst vor einem schlechten Ergebnis. Manchmal fehlt ein klarer erster Schritt. Vielleicht ist die Aufgabe tatsächlich unnötig, schlecht definiert oder unter den gegenwärtigen Bedingungen kaum zu bewältigen. Nicht jede Abneigung ist ein psychologisches Problem, das mit besserem #Selbstmanagement gelöst werden muss.&#xA;&#xA;Nützliche Orientierung statt festes Etikett&#xA;&#xA;Die Typologie von Shatz vereinfacht natürlich komplexes Verhalten. Menschen lassen sich kaum dauerhaft einer einzigen Kategorie zuordnen. Bei administrativen Pflichten kann ich als Rebell reagieren, beim Schreiben eines wichtigen Textes dagegen perfektionistische Züge zeigen. Erschöpfung kann Ablenkbarkeit verstärken, während Pessimismus und Angst häufig gemeinsam auftreten.&#xA;&#xA;Der Wert der Typologie liegt daher nicht darin, sich selbst ein neues Etikett zu geben. Sie stellt bessere Fragen bereit. Statt mich pauschal als undiszipliniert zu beurteilen, kann ich untersuchen, welche Funktion das Aufschieben in einer konkreten Situation erfüllt. Das ist weniger moralisch, aber anspruchsvoller: Eine unpassende Gegenstrategie lässt sich leicht anwenden. Die tatsächliche Ursache zu erkennen, verlangt ehrliche Selbstbeobachtung.&#xA;&#xA;Meine Steuererklärung wird durch diese Erkenntnis weder interessanter noch schneller erledigbar. Ich muss sie weiterhin ausfüllen. Ich kann jedoch darauf verzichten, mich zunächst wegen mangelnder Willenskraft zu verurteilen und anschliessend noch mehr Druck aufzubauen. Sinnvoller ist es, meinen Widerstand als Hinweis zu verstehen und die Aufgabe so weit wie möglich wieder zu meiner eigenen zu machen.&#xA;&#xA;Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: wie diszipliniere ich mich besser? Sie lautet: warum schiebe ich genau diese Aufgabe auf?&#xA;&#xA;---&#xA;💬 Kommentieren (nur für write.as-Accounts)&#xA;a href=&#34;https://remark.as/p/epicmind.ch/warum-wir-aufschieben-neun-typen-der-prokrastination&#34;Discuss.../a&#xA;&#xA;---&#xA;Fussnoten&#xA;[1] R. Blakely, «Zigzagger, dreamer or rebel: what kind of procrastinator are you?», The Times, 10. Juli 2026. [Online]. Verfügbar: https://www.thetimes.com/uk/science/article/what-kind-of-procrastinator-are-you-cmqhd7zfq&#xA;[2] I. Shatz, «Why People Procrastinate: The Psychology and Causes of Procrastination», Solving Procrastination. [Online]. Verfügbar: https://solvingprocrastination.com/why-people-procrastinate/&#xA;&#xA;Bildquelle&#xA;Friedrich Wilhelm von Schadow und Schüler (1788–1862): Hölle (rechter Teil des Triptychons Fegfeuer - Paradies - Hölle), Museum Kunstpalast, Düsseldorf Public Domain,FriedrichWilhelmvonSchadowundSch%C3%BCler,1848%E2%80%931852,%C3%96llaufLeinwand.jpg).&#xA;&#xA;Disclaimer&#xA;Teile dieses Texts wurden mit Deepl Write (Korrektorat und Lektorat) überarbeitet. Für die Recherche in den erwähnten Werken/Quellen und in meinen Notizen wurde NotebookLM von Google verwendet.&#xA;&#xA;Topic&#xA;#Coaching | #ProductivityPorn&#xA;&#xA;div class=&#34;signature&#34;&#xD;&#xA;    &lt;img&#xD;&#xA;        src=&#34;https://www.gisiger.biz/assets/storage/epicmind/michael-gisiger-round-2.png&#34;&#xD;&#xA;        alt=&#34;Michael Gisiger&#34;&#xD;&#xA;        class=&#34;profile-pic u-photo&#34;&#xD;&#xA;      div class=&#34;signature-content&#34;&#xD;&#xA;        h2 class=&#34;p-author p-name&#34; rel=&#34;author&#34;Michael Gisiger/h2&#xD;&#xA;&#xD;&#xA;        p class=&#34;p-note&#34;&#xD;&#xA;            Erwachsenenbildner und Coach mit 20+ Jahren Erfahrung.&#xD;&#xA;            Aus philosophischer Perspektive schreibe ich über Produktivität,&#xD;&#xA;            PKM und Coaching – fundiert und praxisnah.&#xD;&#xA;        /p&#xD;&#xA;&#xD;&#xA;p class=&#34;signature-links&#34;a href=&#34;https://www.michaelgisiger.ch/&#34; target=&#34;blank&#34;Website/a · a href=&#34;https://nerdculture.de/@gisiger&#34; target=&#34;blank&#34; rel=&#34;me&#34;Mastodon/a · a href=&#34;https://nolto.social/profile/michaelgisiger&#34; target=&#34;blank&#34;Nolto/a · a href=&#34;https://bsky.app/profile/gisiger.bsky.social&#34; target=&#34;blank&#34;Bluesky/a · a href=&#34;https://www.linkedin.com/comm/mynetwork/discovery-see-all?usecase=PEOPLEFOLLOWS&amp;amp;followMember=michaelgisiger&#34; target=&#34;blank&#34;LinkedIn/a/p&#xD;&#xA;    /div&#xD;&#xA;/div]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><img src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/b/be/H%C3%B6lle_%28rechter_Teil_des_Triptychons_Fegfeuer_-_Paradies_-_H%C3%B6lle%29%2C_Friedrich_Wilhelm_von_Schadow_und_Sch%C3%BCler%2C_1848%E2%80%931852%2C_%C3%96ll_auf_Leinwand.jpg/960px-H%C3%B6lle_%28rechter_Teil_des_Triptychons_Fegfeuer_-_Paradies_-_H%C3%B6lle%29%2C_Friedrich_Wilhelm_von_Schadow_und_Sch%C3%BCler%2C_1848%E2%80%931852%2C_%C3%96ll_auf_Leinwand.jpg" alt="von Schadow: Hölle"/></p>

<p>Meine Steuererklärung scheitert selten daran, dass ich keine Zeit dafür hätte. Meist scheitert sie zunächst daran, dass ich keine Lust verspüre, mich einer Aufgabe zu unterwerfen, deren unmittelbaren Nutzen ich nicht erkenne. Ähnlich geht es mir bei Behördenschreiben oder administrativen Pflichten, die von aussen an mich herangetragen werden.</p>

<p>Mein Verhaltensmuster ist ziemlich zuverlässig: Ich verweigere zunächst den Beginn und erledige stattdessen demonstrativ etwas anderes. Natürlich handelt es sich dabei nicht um irgendeine Ablenkung, sondern um etwas vermeintlich Wichtiges. Ich beantworte E-Mails, ordne Unterlagen oder erledige eine Aufgabe, die ebenfalls schon länger auf meiner Liste steht. So kann ich mir einreden, produktiv zu sein. Erst wenn die Frist näher rückt und der äussere Druck gross genug wird, widme ich mich der ursprünglichen Aufgabe.</p>



<p>Lange hätte ich dieses Verhalten als mangelnde Disziplin bezeichnet. In der Typologie des Sozialwissenschaftlers Itamar Shatz [1] finde ich jedoch eine passendere Erklärung: Ich erkenne mich im „Rebellen“ wieder. Dieser schiebt Aufgaben nicht einfach aus Bequemlichkeit auf. Er wehrt sich gegen Fremdbestimmung und versucht, sich durch das Aufschieben ein Stück Autonomie zurückzuholen.</p>

<p>Der Rebell ist allerdings nur einer von neun Prokrastinationstypen, die Shatz unterscheidet. Dahinter steht eine wichtige Erkenntnis: Es gibt nicht den Prokrastinierer. Menschen schieben aus unterschiedlichen Gründen auf und benötigen entsprechend unterschiedliche Gegenstrategien.</p>

<h2 id="kein-mangel-an-willenskraft">Kein Mangel an Willenskraft</h2>

<p>In meinem ersten Beitrag zum Thema habe ich <a href="https://epicmind.ch/tag:Prokrastination" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Prokrastination</span></a> <a href="https://epicmind.ch/was-ist-prokrastination-und-wie-gehe-ich-damit-sinnvoll-um">als freiwilliges Verzögern einer Aufgabe trotz absehbarer negativer Konsequenzen</a> beschrieben. Entscheidend ist die Abgrenzung zum bewussten Aufschieben. Wer eine Aufgabe verschiebt, weil noch Informationen fehlen oder weil ein späterer Zeitpunkt tatsächlich günstiger ist, prokrastiniert nicht. Von Prokrastination sprechen wir, wenn wir wissen, dass uns die Verzögerung schadet, und trotzdem nicht handeln.</p>

<p>Häufig wird dieses Verhalten auf schlechte Planung, fehlende Motivation oder zu wenig Willenskraft zurückgeführt. Shatz hält das für eine Verwechslung von Ursache und Symptom. Hinter dem Aufschieben können Angst, Erschöpfung, Perfektionismus, geringe Erfolgserwartungen, Ablenkbarkeit oder ein Konflikt mit äusseren Erwartungen stehen. Derselbe Mensch kann je nach Aufgabe aus ganz unterschiedlichen Gründen prokrastinieren [2].</p>

<p>Das erklärt auch, weshalb allgemeine Produktivitätstipps so unzuverlässig funktionieren. Eine strengere Deadline kann einem leicht ablenkbaren Menschen helfen. Bei jemandem, der sich gegen äussere Kontrolle wehrt, verstärkt sie möglicherweise den Widerstand. Erholung ist für einen erschöpften Menschen notwendig. Für jemanden, der vor allem das unmittelbar Angenehme sucht, kann sie hingegen zur nächsten Ausweichhandlung werden.</p>

<p>In meinem zweiten Beitrag habe ich mit <a href="https://epicmind.ch/prokrastination-uberwinden-mit-skinners-gesetz">Skinners Gesetz einen Ansatz vorgestellt, der die Freude am Handeln erhöht oder die Kosten des Nichtstuns vergrössert</a>. Auch solche Anreize können nützlich sein. Sie greifen aber zu kurz, wenn die eigentliche Ursache nicht erkannt wird.</p>

<h2 id="neun-typen-der-prokrastination">Neun Typen der Prokrastination</h2>

<p>Shatz unterscheidet neun typische Muster. Sie sind nicht als wissenschaftliche Diagnosen oder unveränderliche Persönlichkeitstypen zu verstehen. Vielmehr bieten sie ein Raster, um genauer zu beobachten, was hinter dem eigenen Aufschieben steckt.</p>

<table>
<thead>
<tr>
<th>Typ</th>
<th>Typisches Muster</th>
<th>Mögliche Ursache</th>
<th>Passender Umgang</th>
</tr>
</thead>

<tbody>
<tr>
<td><strong>Besorgter</strong></td>
<td>Beginnt nicht, weil etwas schiefgehen könnte</td>
<td>Angst vor negativen Konsequenzen oder Bewertung von aussen</td>
<td>Befürchtung konkret benennen, ihre Wahrscheinlichkeit prüfen und mit einem kleinen Schritt beginnen</td>
</tr>

<tr>
<td><strong>Erschöpfter</strong></td>
<td>Fühlt sich zu müde oder ausgelaugt für die Aufgabe</td>
<td>Überlastung oder Stress</td>
<td>Erholung priorisieren, Anforderungen überprüfen und unrealistische Ziele reduzieren</td>
</tr>

<tr>
<td><strong>Perfektionist</strong></td>
<td>Beginnt spät oder wird nie fertig</td>
<td>Überhöhter eigener Anspruch, das Ergebnis genügt nie ganz</td>
<td>Vorab festlegen, was «gut genug» bedeutet, und eine unfertige erste Version zulassen</td>
</tr>

<tr>
<td><strong>Pessimist</strong></td>
<td>Erwartet, ohnehin keinen Erfolg zu haben</td>
<td>Geringe Selbstwirksamkeit und starke Selbstkritik</td>
<td>Annahmen überprüfen und sich so beraten, wie man einen Freund beraten würde</td>
</tr>

<tr>
<td><strong>Träumer</strong></td>
<td>Denkt gerne über Ziele nach, setzt sie aber kaum um</td>
<td>Die Vorstellung der Zukunft ist attraktiver als die konkrete Arbeit</td>
<td>Wünsche in beobachtbare Handlungen, Termine und nächste Schritte übersetzen</td>
</tr>

<tr>
<td><strong>Zickzack-Typ</strong></td>
<td>Springt laufend zwischen Aufgaben und Reizen</td>
<td>Ablenkbarkeit, fehlende Prioritäten oder eine reizreiche Umgebung</td>
<td>Ein Ziel schriftlich festhalten, Ablenkungen entfernen und die Aufgabe in Schritte zerlegen</td>
</tr>

<tr>
<td><strong>Rebell</strong></td>
<td>Widersetzt sich vor allem fremden Vorgaben</td>
<td>Bedürfnis nach Autonomie und Kontrolle</td>
<td>Eigenen Nutzen klären und innerhalb der Aufgabe echte Wahlmöglichkeiten schaffen</td>
</tr>

<tr>
<td><strong>Adrenalin-Sucher</strong></td>
<td>Arbeitet erst kurz vor Ablauf der Frist</td>
<td>Aktivierung und Spannung durch Zeitdruck</td>
<td>Zwischenfristen setzen und die Kosten des hektischen Endspurts ehrlich bilanzieren</td>
</tr>

<tr>
<td><strong>Hedonist</strong></td>
<td>Entscheidet sich für das, was sich jetzt besser anfühlt</td>
<td>Unmittelbare Belohnungen wiegen stärker als spätere Vorteile</td>
<td>Versuchungen erschweren und die Aufgabe mit einer zeitnahen kleinen Belohnung verbinden</td>
</tr>
</tbody>
</table>

<p>Die Übersicht macht deutlich, dass eine identische Handlung sehr verschiedene Hintergründe haben kann. Zwei Personen reichen ihre Unterlagen erst am letzten Tag ein. Die eine fürchtet, einen Fehler zu machen, und kontrolliert jedes Detail mehrfach. Die andere empfindet die Aufgabe als fremdbestimmt und beginnt aus Widerstand nicht. Eine gemeinsame Deadline bedeutet noch keine gemeinsame Ursache.</p>

<h2 id="wie-sich-eine-ursache-bei-mir-konkret-zeigt-der-rebell-und-die-illusion-der-kontrolle">Wie sich eine Ursache bei mir konkret zeigt: der Rebell und die Illusion der Kontrolle</h2>

<p>Beim Rebellen erfüllt die Prokrastination eine besondere Funktion. Das Aufschieben vermittelt kurzfristig das Gefühl, sich einer Anordnung nicht vollständig zu unterwerfen. Ich entscheide schliesslich selbst, wann ich die Steuererklärung ausfülle. Indem ich zuerst andere Aufgaben erledige, stelle ich symbolisch meine eigene Prioritätenordnung wieder her. Das Problem liegt im Ergebnis. Was sich zunächst wie Selbstbestimmung anfühlt, führt zu immer stärkerer Fremdbestimmung. Die Frist rückt näher, der Handlungsspielraum schrumpft, und am Ende diktiert der Zeitdruck, wann und unter welchen Bedingungen ich arbeiten muss. Der Rebell verschafft sich durch das Aufschieben kurzfristig ein Gefühl von Kontrolle und verliert dadurch langfristig umso mehr davon.</p>

<p>Mehr Druck ist deshalb nicht unbedingt die beste Antwort. Hilfreicher ist es, den eigenen Nutzen der Aufgabe zu klären. Eine Steuererklärung bleibt eine Pflicht. Ich kann sie aber als Voraussetzung betrachten, um finanzielle Angelegenheiten abzuschliessen, Unsicherheit zu beseitigen und anschliessend wieder über meine Zeit zu verfügen. Ebenso kann ich mir innerhalb der Aufgabe Wahlmöglichkeiten schaffen: Wann erledige ich sie? In welcher Reihenfolge gehe ich vor? Welche Unterlagen bereite ich zuerst vor? Hole ich Unterstützung oder arbeite ich allein? Die Aufgabe wird dadurch nicht angenehmer. Sie erscheint aber weniger als reiner Gehorsamsakt.</p>

<h2 id="erst-die-ursache-dann-die-methode">Erst die Ursache, dann die Methode</h2>

<p>Die neun Typen erklären, weshalb es keine universelle Methode gegen Prokrastination gibt. “Fang einfach an” kann dem Besorgten helfen, sofern der erste Schritt klein genug ist. Einem tatsächlich erschöpften Menschen vermittelt derselbe Rat möglicherweise nur, er müsse seine Grenzen ignorieren. Eine öffentliche Verpflichtung kann für den Zickzack-Typ eine sinnvolle Struktur schaffen. Beim Rebellen kann sie zusätzlichen Widerstand auslösen.</p>

<p>Vor der Wahl einer Methode steht deshalb eine genauere Diagnose des eigenen Verhaltens. Dabei helfen drei Fragen:</p>
<ol><li>Was vermeide ich bei dieser Aufgabe konkret?</li>
<li>Welches Gefühl verschwindet kurzfristig, wenn ich sie aufschiebe?</li>
<li>Welche Veränderung würde genau diese Hürde verkleinern?</li></ol>

<p>Manchmal lautet die Antwort Angst vor einem schlechten Ergebnis. Manchmal fehlt ein klarer erster Schritt. Vielleicht ist die Aufgabe tatsächlich unnötig, schlecht definiert oder unter den gegenwärtigen Bedingungen kaum zu bewältigen. Nicht jede Abneigung ist ein psychologisches Problem, das mit besserem <a href="https://epicmind.ch/tag:Selbstmanagement" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Selbstmanagement</span></a> gelöst werden muss.</p>

<h2 id="nützliche-orientierung-statt-festes-etikett">Nützliche Orientierung statt festes Etikett</h2>

<p>Die Typologie von Shatz vereinfacht natürlich komplexes Verhalten. Menschen lassen sich kaum dauerhaft einer einzigen Kategorie zuordnen. Bei administrativen Pflichten kann ich als Rebell reagieren, beim Schreiben eines wichtigen Textes dagegen perfektionistische Züge zeigen. Erschöpfung kann Ablenkbarkeit verstärken, während Pessimismus und Angst häufig gemeinsam auftreten.</p>

<p>Der Wert der Typologie liegt daher nicht darin, sich selbst ein neues Etikett zu geben. Sie stellt bessere Fragen bereit. Statt mich pauschal als undiszipliniert zu beurteilen, kann ich untersuchen, welche Funktion das Aufschieben in einer konkreten Situation erfüllt. Das ist weniger moralisch, aber anspruchsvoller: Eine unpassende Gegenstrategie lässt sich leicht anwenden. Die tatsächliche Ursache zu erkennen, verlangt ehrliche Selbstbeobachtung.</p>

<p>Meine Steuererklärung wird durch diese Erkenntnis weder interessanter noch schneller erledigbar. Ich muss sie weiterhin ausfüllen. Ich kann jedoch darauf verzichten, mich zunächst wegen mangelnder Willenskraft zu verurteilen und anschliessend noch mehr Druck aufzubauen. Sinnvoller ist es, meinen Widerstand als Hinweis zu verstehen und die Aufgabe so weit wie möglich wieder zu meiner eigenen zu machen.</p>

<p>Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: wie diszipliniere ich mich besser? Sie lautet: warum schiebe ich genau diese Aufgabe auf?</p>

<hr/>

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<p><a href="https://remark.as/p/epicmind.ch/warum-wir-aufschieben-neun-typen-der-prokrastination">Discuss...</a></p>

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<p><strong>Fussnoten</strong>
[1] R. Blakely, «Zigzagger, dreamer or rebel: what kind of procrastinator are you?», <em>The Times</em>, 10. Juli 2026. [Online]. Verfügbar: <a href="https://www.thetimes.com/uk/science/article/what-kind-of-procrastinator-are-you-cmqhd7zfq">https://www.thetimes.com/uk/science/article/what-kind-of-procrastinator-are-you-cmqhd7zfq</a>
[2] I. Shatz, «Why People Procrastinate: The Psychology and Causes of Procrastination», <em>Solving Procrastination</em>. [Online]. Verfügbar: <a href="https://solvingprocrastination.com/why-people-procrastinate/">https://solvingprocrastination.com/why-people-procrastinate/</a></p>

<p><strong>Bildquelle</strong>
<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_von_Schadow">Friedrich Wilhelm von Schadow</a> und Schüler (1788–1862): <em>Hölle</em> (rechter Teil des Triptychons Fegfeuer – Paradies – Hölle), Museum Kunstpalast, Düsseldorf <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:H%C3%B6lle_(rechter_Teil_des_Triptychons_Fegfeuer_-_Paradies_-_H%C3%B6lle),_Friedrich_Wilhelm_von_Schadow_und_Sch%C3%BCler,_1848%E2%80%931852,_%C3%96ll_auf_Leinwand.jpg">Public Domain</a>.</p>

<p><strong>Disclaimer</strong>
Teile dieses Texts wurden mit Deepl Write (Korrektorat und Lektorat) überarbeitet. Für die Recherche in den erwähnten Werken/Quellen und in meinen Notizen wurde NotebookLM von Google verwendet.</p>

<p><strong>Topic</strong>
<a href="https://epicmind.ch/tag:Coaching" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Coaching</span></a> | <a href="https://epicmind.ch/tag:ProductivityPorn" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">ProductivityPorn</span></a></p>

<div class="signature">
    <img src="https://www.gisiger.biz/assets/storage/epicmind/michael-gisiger-round-2.png" alt="Michael Gisiger" class="profile-pic u-photo">
    <div class="signature-content">
        <h2 class="p-author p-name">Michael Gisiger</h2>

        <p class="p-note">
            Erwachsenenbildner und Coach mit 20+ Jahren Erfahrung.
            Aus philosophischer Perspektive schreibe ich über Produktivität,
            PKM und Coaching – fundiert und praxisnah.
        </p>

<p class="signature-links"><a href="https://www.michaelgisiger.ch/" target="_blank">Website</a> · <a href="https://nerdculture.de/@gisiger" target="_blank">Mastodon</a> · <a href="https://nolto.social/profile/michael_gisiger" target="_blank">Nolto</a> · <a href="https://bsky.app/profile/gisiger.bsky.social" target="_blank">Bluesky</a> · <a href="https://www.linkedin.com/comm/mynetwork/discovery-see-all?usecase=PEOPLE_FOLLOWS&amp;followMember=michaelgisiger" target="_blank">LinkedIn</a></p>
    </div>
</div>
]]></content:encoded>
      <guid>https://epicmind.ch/warum-wir-aufschieben-neun-typen-der-prokrastination</guid>
      <pubDate>Sat, 18 Jul 2026 07:09:30 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>EpicMonday 28: Spartanische Tugenden heute – fünf Gewohnheiten für mehr mentale Resilienz</title>
      <link>https://epicmind.ch/epicmonday-28-spartanische-tugenden-heute-fuenf-gewohnheiten-fuer-mehr-mentale?pk_campaign=rss-feed</link>
      <description>&lt;![CDATA[Illustration eines antiken Philosophen in Toga, der erschöpft an einem modernen Büroarbeitsplatz vor einem Computer sitzt, umgeben von leeren Bürostühlen und urbaner Architektur.&#xA;&#xA;Freundinnen &amp; Freunde der Weisheit! Vor rund 2&#39;500 Jahren prägte der Stadtstaat Sparta ein Ideal von Disziplin, Standhaftigkeit und innerer Stärke. Die Erziehung junger Männer im sogenannten Agoge-System zielte darauf, physisch wie mental unerschütterlich zu werden. Viele der Prinzipien, die damals im militärischen Kontext galten, lassen sich heute auf persönliche Entwicklung und psychische Widerstandskraft übertragen. Wer mentale Resilienz aufbauen will, kann von diesen überlieferten Gewohnheiten profitieren.&#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Spartaner lebten im Hier und Jetzt – ein Fokus, der auch heute hilft, Ängste und Grübeleien zu reduzieren. Sie passten sich ständig verändernden Bedingungen an, statt sich gegen Wandel zu wehren. Disziplinierte Körperertüchtigung und bewusste Konfrontation mit Unbequemem gehörten zu ihrem Alltag – ähnlich wie der heutige psychologische Ansatz des Growth Mindset, der Herausforderungen als Chance begreift. Scheitern betrachteten die Spartaner nicht als Niederlage, sondern als Lektion fürs Leben. Und schliesslich war Selbstdisziplin für sie der Weg zur inneren Freiheit: Wer sich selbst beherrscht, bleibt handlungsfähig, auch unter Druck.&#xA;&#xA;Diese fünf Gewohnheiten – im Moment leben, Veränderung annehmen, Wachstum durch das Verlassen der Komfortzone, Lernen aus Fehlern und Selbstkontrolle – sind nicht nur historisch bemerkenswert, sondern hochaktuell. Sie bieten ein praktikables Gerüst für mentale Stärke im Alltag. Resilienz bedeutet nicht, niemals zu wanken – sondern vorbereitet zu sein, wenn es darauf ankommt. Die Lehren Spartas erinnern daran, dass innere Stärke nicht angeboren, sondern erlernbar ist.&#xA;&#xA;Denkanstoss zum Wochenbeginn&#xA;&#xA;  „Krise ist ein produktiver Zustand. Man muss ihm nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen.“ – Max Frisch (1911–1991)&#xA;&#xA;ProductivityPorn-Tipp der Woche: Strukturierte Tagesplanung&#xA;&#xA;Lege Dir einen festen Tagesablauf zurecht. Wenn Du weisst, was wann zu tun ist, vermeidest Du Stress und bist fokussierter.&#xA;&#xA;Aus dem Archiv: Überzeugend argumentieren mit Aristoteles&#xA;&#xA;In einem meiner Führungsseminare stellte jüngst eine Teilnehmerin die Frage: „Warum überzeugen manche Argumente sofort, andere nie?“ Eine einfache, aber tiefgründige Frage – und sie brachte eine lebhafte Diskussion in Gang. Wie gelingt es, andere nicht nur zu informieren, sondern tatsächlich zu überzeugen? Was macht eine Aussage wirkungsvoll? Diese Fragen beschäftigen nicht nur angehende Führungskräfte, sondern sind zentral für jede Form von Kommunikation – ob mündlich oder schriftlich.&#xA;&#xA;weiterlesen …&#xA;&#xA;Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast, diesen Newsletter zu lesen. Ich hoffe, die Inhalte konnten Dich inspirieren und Dir wertvolle Impulse für Dein (digitales) Leben geben. Bleib neugierig und hinterfrage, was Dir begegnet!&#xA;&#xA;---&#xA;EpicMind – Weisheiten für das digitale Leben&#xA;„EpicMind“ (kurz für „Epicurean Mindset“) ist mein Blog und Newsletter, der sich den Themen Lernen, Produktivität, Selbstmanagement und Technologie widmet – alles gewürzt mit einer Prise Philosophie.&#xA;&#xA;!--emailsub--&#xA;&#xA;---&#xA;Disclaimer&#xA;Teile dieses Texts wurden mit Deepl Write (Korrektorat und Lektorat) überarbeitet. Für die Recherche in den erwähnten Werken/Quellen und in meinen Notizen wurde NotebookLM von Google verwendet. Das Artikel-Bild wurde mit ChatGPT erstellt und anschliessend nachbearbeitet.&#xA;&#xA;Topic&#xA;Newsletter&#xA;&#xA;div class=&#34;signature&#34;&#xD;&#xA;    &lt;img&#xD;&#xA;        src=&#34;https://www.gisiger.biz/assets/storage/epicmind/michael-gisiger-round-2.png&#34;&#xD;&#xA;        alt=&#34;Michael Gisiger&#34;&#xD;&#xA;        class=&#34;profile-pic u-photo&#34;&#xD;&#xA;      div class=&#34;signature-content&#34;&#xD;&#xA;        h2 class=&#34;p-author p-name&#34; rel=&#34;author&#34;Michael Gisiger/h2&#xD;&#xA;&#xD;&#xA;        p class=&#34;p-note&#34;&#xD;&#xA;            Erwachsenenbildner und Coach mit 20+ Jahren Erfahrung.&#xD;&#xA;            Aus philosophischer Perspektive schreibe ich über Produktivität,&#xD;&#xA;            PKM und Coaching – fundiert und praxisnah.&#xD;&#xA;        /p&#xD;&#xA;&#xD;&#xA;p class=&#34;signature-links&#34;a href=&#34;https://www.michaelgisiger.ch/&#34; target=&#34;blank&#34;Website/a · a href=&#34;https://nerdculture.de/@gisiger&#34; target=&#34;blank&#34; rel=&#34;me&#34;Mastodon/a · a href=&#34;https://nolto.social/profile/michaelgisiger&#34; target=&#34;blank&#34;Nolto/a · a href=&#34;https://bsky.app/profile/gisiger.bsky.social&#34; target=&#34;blank&#34;Bluesky/a · a href=&#34;https://www.linkedin.com/comm/mynetwork/discovery-see-all?usecase=PEOPLEFOLLOWS&amp;amp;followMember=michaelgisiger&#34; target=&#34;_blank&#34;LinkedIn/a/p&#xD;&#xA;    /div&#xD;&#xA;/div]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><img src="https://gisiger.biz/assets/storage/epicmind/epicmonday-cover.png" alt="Illustration eines antiken Philosophen in Toga, der erschöpft an einem modernen Büroarbeitsplatz vor einem Computer sitzt, umgeben von leeren Bürostühlen und urbaner Architektur."/></p>

<p>Freundinnen &amp; Freunde der Weisheit! Vor rund 2&#39;500 Jahren prägte der Stadtstaat Sparta ein Ideal von Disziplin, Standhaftigkeit und innerer Stärke. Die Erziehung junger Männer im sogenannten <em>Agoge</em>-System zielte darauf, physisch wie mental unerschütterlich zu werden. Viele der Prinzipien, die damals im militärischen Kontext galten, lassen sich heute auf persönliche Entwicklung und psychische Widerstandskraft übertragen. Wer mentale Resilienz aufbauen will, kann von diesen überlieferten Gewohnheiten profitieren.</p>



<p>Spartaner lebten im Hier und Jetzt – ein Fokus, der <a href="https://doi.org/10.1016/j.cpr.2014.11.003">auch heute hilft, Ängste und Grübeleien zu reduzieren</a>. Sie <a href="https://doi.org/10.1016/j.cpr.2010.03.001">passten sich ständig verändernden Bedingungen an</a>, statt sich gegen Wandel zu wehren. Disziplinierte Körperertüchtigung und <a href="https://doi.org/10.1080/00461520.2012.722805">bewusste Konfrontation mit Unbequemem</a> gehörten zu ihrem Alltag – ähnlich wie der heutige psychologische Ansatz des <em>Growth Mindset</em>, der Herausforderungen als Chance begreift. Scheitern betrachteten die Spartaner nicht als Niederlage, sondern <a href="https://doi.org/10.1080/10615806.2013.809421">als Lektion fürs Leben</a>. Und schliesslich war Selbstdisziplin für sie der Weg zur inneren Freiheit: Wer <a href="https://doi.org/10.1111/j.0022-3506.2004.00263.x">sich selbst beherrscht, bleibt handlungsfähig</a>, auch unter Druck.</p>

<p>Diese fünf Gewohnheiten – <strong>im Moment leben, Veränderung annehmen, Wachstum durch das Verlassen der Komfortzone, Lernen aus Fehlern und Selbstkontrolle</strong> – sind nicht nur historisch bemerkenswert, sondern hochaktuell. Sie bieten ein praktikables Gerüst für mentale Stärke im Alltag. Resilienz bedeutet nicht, niemals zu wanken – sondern vorbereitet zu sein, wenn es darauf ankommt. Die Lehren Spartas erinnern daran, dass innere Stärke nicht angeboren, sondern erlernbar ist.</p>

<h2 id="denkanstoss-zum-wochenbeginn">Denkanstoss zum Wochenbeginn</h2>

<blockquote><p><strong><em>„Krise ist ein produktiver Zustand. Man muss ihm nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen.“</em></strong> – Max Frisch (1911–1991)</p></blockquote>

<h2 id="productivityporn-tipp-der-woche-strukturierte-tagesplanung">ProductivityPorn-Tipp der Woche: Strukturierte Tagesplanung</h2>

<p>Lege Dir einen festen Tagesablauf zurecht. Wenn Du weisst, was wann zu tun ist, vermeidest Du Stress und bist fokussierter.</p>

<h2 id="aus-dem-archiv-überzeugend-argumentieren-mit-aristoteles">Aus dem Archiv: Überzeugend argumentieren mit Aristoteles</h2>

<p>In einem meiner Führungsseminare stellte jüngst eine Teilnehmerin die Frage: „Warum überzeugen manche Argumente sofort, andere nie?“ Eine einfache, aber tiefgründige Frage – und sie brachte eine lebhafte Diskussion in Gang. Wie gelingt es, andere nicht nur zu informieren, sondern tatsächlich zu überzeugen? Was macht eine Aussage wirkungsvoll? Diese Fragen beschäftigen nicht nur angehende Führungskräfte, sondern sind zentral für jede Form von Kommunikation – ob mündlich oder schriftlich.</p>

<p><a href="https://epicmind.ch/uberzeugend-argumentieren-mit-aristoteles">weiterlesen …</a></p>

<p>Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast, diesen Newsletter zu lesen. Ich hoffe, die Inhalte konnten Dich inspirieren und Dir wertvolle Impulse für Dein (digitales) Leben geben. Bleib neugierig und hinterfrage, was Dir begegnet!</p>

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<p><a href="https://epicmind.ch/"><strong>EpicMind – Weisheiten für das digitale Leben</strong></a>
„EpicMind“ (kurz für „Epicurean Mindset“) ist mein Blog und Newsletter, der sich den Themen Lernen, Produktivität, Selbstmanagement und Technologie widmet – alles gewürzt mit einer Prise Philosophie.</p>



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<p><strong>Disclaimer</strong>
Teile dieses Texts wurden mit Deepl Write (Korrektorat und Lektorat) überarbeitet. Für die Recherche in den erwähnten Werken/Quellen und in meinen Notizen wurde NotebookLM von Google verwendet. Das Artikel-Bild wurde mit ChatGPT erstellt und anschliessend nachbearbeitet.</p>

<p><strong>Topic</strong>
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<div class="signature">
    <img src="https://www.gisiger.biz/assets/storage/epicmind/michael-gisiger-round-2.png" alt="Michael Gisiger" class="profile-pic u-photo">
    <div class="signature-content">
        <h2 class="p-author p-name">Michael Gisiger</h2>

        <p class="p-note">
            Erwachsenenbildner und Coach mit 20+ Jahren Erfahrung.
            Aus philosophischer Perspektive schreibe ich über Produktivität,
            PKM und Coaching – fundiert und praxisnah.
        </p>

<p class="signature-links"><a href="https://www.michaelgisiger.ch/" target="_blank">Website</a> · <a href="https://nerdculture.de/@gisiger" target="_blank">Mastodon</a> · <a href="https://nolto.social/profile/michael_gisiger" target="_blank">Nolto</a> · <a href="https://bsky.app/profile/gisiger.bsky.social" target="_blank">Bluesky</a> · <a href="https://www.linkedin.com/comm/mynetwork/discovery-see-all?usecase=PEOPLE_FOLLOWS&amp;followMember=michaelgisiger" target="_blank">LinkedIn</a></p>
    </div>
</div>
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      <pubDate>Mon, 13 Jul 2026 06:30:12 +0000</pubDate>
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      <title>Die unterschätzten Stunden des Tages</title>
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      <description>&lt;![CDATA[Caputo: The ballet&#xA;&#xA;„Ich hatte diese Woche überhaupt keine Zeit.“ Es ist einer jener Sätze, die ich fast täglich höre oder selbst sage. Manchmal stimmt er. Oft fühlt er sich zumindest wahr an. Was aber, wenn genau dieses Gefühl täuscht? Vielleicht ist unser grösstes Problem gar nicht die fehlende Zeit – sondern wie wir sie wahrnehmen.&#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Die Autorin Laura Vanderkam behauptet etwas Überraschendes: Die meisten Menschen haben mehr frei verfügbare Zeit, als sie glauben. Nicht weil sie weniger arbeiten, sondern weil sie ihre Zeit falsch einschätzen.&#xA;&#xA;Ein einfaches Experiment zeigt das. Wenn du während einer Woche in groben 30-Minuten-Schritten notierst, womit du deine Zeit tatsächlich verbringst, erlebst du oft eine Überraschung. Die Arbeitszeit fällt meist geringer aus, als du dachtest. Gleichzeitig tauchen Stunden auf, die scheinbar „verschwunden“ waren: hier eine Stunde am Smartphone, dort eine Stunde vor dem Fernseher, dazwischen einige Zeitfenster, die dir kaum bewusst waren. Sobald du diese Stunden schwarz auf weiss vor dir siehst, verändert sich etwas. Die Zeit wirkt plötzlich weniger knapp.&#xA;&#xA;Denn genau darum geht es: nicht um Effizienz, sondern um Wahrnehmung. Wer seine Zeit sichtbar macht, nimmt sie plötzlich anders wahr. Zwischen Arbeit, Schlaf und Verpflichtungen steckt oft mehr Spielraum, als das eigene Gefühl vermuten lässt.&#xA;&#xA;Genau das lässt sich gerade jetzt beobachten, mitten im Sommer. Die Tage sind lang, die Sonne geht spät unter. Nach einem heissen Arbeitstag werden die Abendstunden oft zur schönsten Zeit des Tages. Statt die Nachmittagshitze auszusitzen, lockt der Abend nach draussen: ein Buch im Garten, in der Aare schwimmen gehen, ein Apéro und gute Gespräche mit Freunden. Trotzdem behandeln viele diese Stunden wie blossen Leerlauf zwischen Feierabend und Schlafengehen.&#xA;&#xA;Vielleicht verschenken wir gerade hier die wertvollste Zeit des Tages. Eine bewusst gewählte Stunde genügt. Dann fühlt sich ein Abend nicht mehr wie ein Rest des Arbeitstags an, sondern wie ein eigener Teil des Lebens. Der Unterschied liegt weniger in der Aktivität als im Entscheid, diese Zeit bewusst zu gestalten.&#xA;&#xA;Seneca hat das schon vor beinahe zweitausend Jahren so gesehen: Das Leben sei nicht zu kurz – wir machten es oft dazu, weil wir unsere Zeit vergeuden. Seine Kritik galt allerdings nicht der Musse oder Erholung, sondern der Unachtsamkeit und Zerstreuung. Seine Botschaft ist aktueller denn je. &#xA;&#xA;Zeitmanagement beginnt nicht mit Apps, Kalendern oder ausgefeilten Produktivitätssystemen. Es beginnt mit einer einfachen Frage: Womit verbringst du deine 168 Stunden in dieser Woche – und entspricht das dem Leben, das du eigentlich führen möchtest?&#xA;&#xA;Mehr Zeit können wir nicht schaffen. Aber vielleicht sollten wir gerade jetzt, solange die Sommerabende noch lang und hell sind, die schönsten Stunden des Tages nicht achtlos verstreichen lassen.&#xA;&#xA;---&#xA;Reaktionen&#xA;&#xA;Armin Hanisch (Mastodon) hat in einem Blogbeitrag direkt Bezug genommen auf diese meine Gedanken. Danke dafür!&#xA;&#xA;---&#xA;💬 Kommentieren (nur für write.as-Accounts)&#xA;a href=&#34;https://remark.as/p/epicmind.ch/die-unterschaetzten-stunden-des-tages&#34;Discuss.../a&#xA;&#xA;---&#xA;Bildquelle&#xA;Ulisse Caputo (1872–1948): Il balletto, Privatbesitz, Public Domain,byUlisseCaputo.jpg).&#xA;&#xA;Disclaimer&#xA;Teile dieses Texts wurden mit Deepl Write (Korrektorat und Lektorat) überarbeitet. Für die Recherche in den erwähnten Werken/Quellen und in meinen Notizen wurde NotebookLM von Google verwendet.&#xA;&#xA;Topic&#xA;#Selbstbetrachtungen | #ProductivityPorn&#xA;&#xA;div class=&#34;signature&#34;&#xD;&#xA;    &lt;img&#xD;&#xA;        src=&#34;https://www.gisiger.biz/assets/storage/epicmind/michael-gisiger-round-2.png&#34;&#xD;&#xA;        alt=&#34;Michael Gisiger&#34;&#xD;&#xA;        class=&#34;profile-pic u-photo&#34;&#xD;&#xA;      div class=&#34;signature-content&#34;&#xD;&#xA;        h2 class=&#34;p-author p-name&#34; rel=&#34;author&#34;Michael Gisiger/h2&#xD;&#xA;&#xD;&#xA;        p class=&#34;p-note&#34;&#xD;&#xA;            Erwachsenenbildner und Coach mit 20+ Jahren Erfahrung.&#xD;&#xA;            Aus philosophischer Perspektive schreibe ich über Produktivität,&#xD;&#xA;            PKM und Coaching – fundiert und praxisnah.&#xD;&#xA;        /p&#xD;&#xA;&#xD;&#xA;p class=&#34;signature-links&#34;a href=&#34;https://www.michaelgisiger.ch/&#34; target=&#34;blank&#34;Website/a · a href=&#34;https://nerdculture.de/@gisiger&#34; target=&#34;blank&#34; rel=&#34;me&#34;Mastodon/a · a href=&#34;https://nolto.social/profile/michaelgisiger&#34; target=&#34;blank&#34;Nolto/a · a href=&#34;https://bsky.app/profile/gisiger.bsky.social&#34; target=&#34;blank&#34;Bluesky/a · a href=&#34;https://www.linkedin.com/comm/mynetwork/discovery-see-all?usecase=PEOPLEFOLLOWS&amp;amp;followMember=michaelgisiger&#34; target=&#34;_blank&#34;LinkedIn/a/p&#xD;&#xA;    /div&#xD;&#xA;/div]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><img src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/8/8a/The_ballet_%281911%29%2C_by_Ulisse_Caputo.jpg/960px-The_ballet_%281911%29%2C_by_Ulisse_Caputo.jpg" alt="Caputo: The ballet"/></p>

<p>„Ich hatte diese Woche überhaupt keine Zeit.“ Es ist einer jener Sätze, die ich fast täglich höre oder selbst sage. Manchmal stimmt er. Oft fühlt er sich zumindest wahr an. Was aber, wenn genau dieses Gefühl täuscht? Vielleicht ist unser grösstes Problem gar nicht die fehlende Zeit – sondern wie wir sie wahrnehmen.</p>



<p><a href="https://www.vox.com/future-perfect/488838/time-management-calendar-busy-productivity">Die Autorin Laura Vanderkam behauptet etwas Überraschendes</a>: Die meisten Menschen haben mehr frei verfügbare Zeit, als sie glauben. Nicht weil sie weniger arbeiten, sondern weil sie ihre Zeit falsch einschätzen.</p>

<p>Ein einfaches Experiment zeigt das. Wenn du während einer Woche in groben 30-Minuten-Schritten notierst, womit du deine Zeit tatsächlich verbringst, erlebst du oft eine Überraschung. Die Arbeitszeit fällt meist geringer aus, als du dachtest. Gleichzeitig tauchen Stunden auf, die scheinbar „verschwunden“ waren: hier eine Stunde am Smartphone, dort eine Stunde vor dem Fernseher, dazwischen einige Zeitfenster, die dir kaum bewusst waren. Sobald du diese Stunden schwarz auf weiss vor dir siehst, verändert sich etwas. Die Zeit wirkt plötzlich weniger knapp.</p>

<p>Denn genau darum geht es: nicht um Effizienz, sondern um Wahrnehmung. Wer seine Zeit sichtbar macht, nimmt sie plötzlich anders wahr. Zwischen Arbeit, Schlaf und Verpflichtungen steckt oft mehr Spielraum, als das eigene Gefühl vermuten lässt.</p>

<p>Genau das lässt sich gerade jetzt beobachten, mitten im Sommer. Die Tage sind lang, die Sonne geht spät unter. Nach einem heissen Arbeitstag werden die Abendstunden oft zur schönsten Zeit des Tages. Statt die Nachmittagshitze auszusitzen, lockt der Abend nach draussen: ein Buch im Garten, in der Aare schwimmen gehen, ein Apéro und gute Gespräche mit Freunden. Trotzdem behandeln viele diese Stunden wie blossen Leerlauf zwischen Feierabend und Schlafengehen.</p>

<p>Vielleicht verschenken wir gerade hier die wertvollste Zeit des Tages. Eine bewusst gewählte Stunde genügt. Dann fühlt sich ein Abend nicht mehr wie ein Rest des Arbeitstags an, sondern wie ein eigener Teil des Lebens. Der Unterschied liegt weniger in der Aktivität als im Entscheid, diese Zeit bewusst zu gestalten.</p>

<p><a href="./besser-leben-mit-seneca">Seneca hat das schon vor beinahe zweitausend Jahren so gesehen</a>: Das Leben sei nicht zu kurz – wir machten es oft dazu, weil wir unsere Zeit vergeuden. Seine Kritik galt allerdings nicht der Musse oder Erholung, sondern der Unachtsamkeit und Zerstreuung. Seine Botschaft ist aktueller denn je.</p>

<p>Zeitmanagement beginnt nicht mit Apps, Kalendern oder ausgefeilten Produktivitätssystemen. Es beginnt mit einer einfachen Frage: Womit verbringst du deine 168 Stunden in dieser Woche – und entspricht das dem Leben, das du eigentlich führen möchtest?</p>

<p>Mehr Zeit können wir nicht schaffen. Aber vielleicht sollten wir gerade jetzt, solange die Sommerabende noch lang und hell sind, die schönsten Stunden des Tages nicht achtlos verstreichen lassen.</p>

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<h4 id="reaktionen">Reaktionen</h4>

<p>Armin Hanisch (<a href="https://bildung.social/@Linkshaender">Mastodon</a>) hat <a href="https://www.arminhanisch.de/2026/07/blog-sommer/">in einem Blogbeitrag</a> direkt Bezug genommen auf diese meine Gedanken. Danke dafür!</p>

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<h4 id="kommentieren-nur-für-write-as-accounts">💬 Kommentieren (nur für write.as-Accounts)</h4>

<p><a href="https://remark.as/p/epicmind.ch/die-unterschaetzten-stunden-des-tages">Discuss...</a></p>

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<p><strong>Bildquelle</strong>
<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ulisse_Caputo">Ulisse Caputo</a> (1872–1948): <em>Il balletto</em>, Privatbesitz, <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:The_ballet_(1911),_by_Ulisse_Caputo.jpg">Public Domain</a>.</p>

<p><strong>Disclaimer</strong>
Teile dieses Texts wurden mit Deepl Write (Korrektorat und Lektorat) überarbeitet. Für die Recherche in den erwähnten Werken/Quellen und in meinen Notizen wurde NotebookLM von Google verwendet.</p>

<p><strong>Topic</strong>
<a href="https://epicmind.ch/tag:Selbstbetrachtungen" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Selbstbetrachtungen</span></a> | <a href="https://epicmind.ch/tag:ProductivityPorn" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">ProductivityPorn</span></a></p>

<div class="signature">
    <img src="https://www.gisiger.biz/assets/storage/epicmind/michael-gisiger-round-2.png" alt="Michael Gisiger" class="profile-pic u-photo">
    <div class="signature-content">
        <h2 class="p-author p-name">Michael Gisiger</h2>

        <p class="p-note">
            Erwachsenenbildner und Coach mit 20+ Jahren Erfahrung.
            Aus philosophischer Perspektive schreibe ich über Produktivität,
            PKM und Coaching – fundiert und praxisnah.
        </p>

<p class="signature-links"><a href="https://www.michaelgisiger.ch/" target="_blank">Website</a> · <a href="https://nerdculture.de/@gisiger" target="_blank">Mastodon</a> · <a href="https://nolto.social/profile/michael_gisiger" target="_blank">Nolto</a> · <a href="https://bsky.app/profile/gisiger.bsky.social" target="_blank">Bluesky</a> · <a href="https://www.linkedin.com/comm/mynetwork/discovery-see-all?usecase=PEOPLE_FOLLOWS&amp;followMember=michaelgisiger" target="_blank">LinkedIn</a></p>
    </div>
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      <guid>https://epicmind.ch/die-unterschaetzten-stunden-des-tages</guid>
      <pubDate>Fri, 10 Jul 2026 11:43:21 +0000</pubDate>
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