<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0" xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/">
  <channel>
    <title>EpicMind</title>
    <link>https://epicmind.ch/</link>
    <description>Weisheiten für das digitale Leben</description>
    <pubDate>Thu, 02 Jul 2026 12:03:23 +0000</pubDate>
    <image>
      <url>https://i.snap.as/MW67raf5.png</url>
      <title>EpicMind</title>
      <link>https://epicmind.ch/</link>
    </image>
    <item>
      <title>EpicMonday 26: Produktiver in den Tag starten: Warum es sich lohnt, zuerst zu erschaffen und nicht zu konsumieren</title>
      <link>https://epicmind.ch/epicmonday-26-produktiver-in-den-tag-starten-warum-es-sich-lohnt-zuerst-zu?pk_campaign=rss-feed</link>
      <description>&lt;![CDATA[Illustration eines antiken Philosophen in Toga, der erschöpft an einem modernen Büroarbeitsplatz vor einem Computer sitzt, umgeben von leeren Bürostühlen und urbaner Architektur.&#xA;&#xA;Freundinnen &amp; Freunde der Weisheit! Wer morgens gleich zum Smartphone greift und durch soziale Feeds scrollt, startet den Tag im Reaktionsmodus. Die eigene Aufmerksamkeit richtet sich auf fremde Inhalte, fremde Prioritäten, fremde Stimmen. Die eigene Kreativität kommt dabei zu kurz.&#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Was dabei zu kurz kommt, ist das kreative Potenzial, das gerade in den frühen Stunden besonders hoch ist – und das entscheidend sein kann für ein produktives Arbeiten.&#xA;&#xA;Ein einfacher, aber wirksamer Perspektivenwechsel besteht darin, den Tag mit einem kurzen kreativen Impuls zu beginnen: schreiben, skizzieren, notieren, entwerfen. Es geht nicht um Perfektion, sondern um den Aufbau von Eigenimpulsen. Wer zuerst erschafft, bevor er konsumiert, aktiviert nicht nur seine Gestaltungsfähigkeit, sondern schützt auch die geistige Klarheit vor der Zersplitterung durch Input-Überflutung. Die ersten 15 bis 20 Minuten eines Arbeitstages reichen oft aus, um eigene Gedanken in Gang zu bringen – bevor die Welt anklopft.&#xA;&#xA;Der Nutzen dieser Gewohnheit liegt in ihrer mehrfachen Wirkung: Sie schafft frühe Erfolgserlebnisse, erhält die Konzentration für anspruchsvolle Aufgaben und stärkt die Selbstbestimmung im Umgang mit der eigenen Zeit. Das bedeutet nicht, sich komplett von Nachrichten und Netzwerken abzuschotten – sondern die Reihenfolge bewusst zu gestalten. Wer zuerst erschafft, steuert den eigenen Arbeitstag aus einer Position der Klarheit und Kontrolle.&#xA;&#xA;Produktivität entsteht nicht durch permanente Verfügbarkeit oder maximale Effizienz. Sie beginnt mit der Fähigkeit, den eigenen Denkraum gegen zu frühe Überreizung zu verteidigen. Wer sich morgens ein kurzes Zeitfenster reserviert, in dem ausschliesslich eigene Ideen zählen, schafft die Voraussetzung für echten Fokus – und vielleicht auch für das, was später Resonanz erzeugt.&#xA;&#xA;Denkanstoss zum Wochenbeginn&#xA;&#xA;  „Intelligente Fehler zu machen, ist eine grosse Kunst.“ – Federico Fellini (1920–1993)&#xA;&#xA;ProductivityPorn-Tipp der Woche: Dinge aufschreiben&#xA;&#xA;Unser Gehirn kann sich nicht alles merken. Schreibe Gedanken, Ideen oder Aufgaben sofort auf, damit Du sie nicht vergisst und Dein Kopf frei für Wichtiges bleibt.&#xA;&#xA;Aus dem Archiv: Alleine, aber nicht einsam&#xA;&#xA;Ich stehe kurz vor meinem fünfzigsten Geburtstag. Eine Zahl, die nüchtern betrachtet nichts anderes bedeutet, als ein weiteres volles Lebensjahrzehnt. Und doch lädt sie zum Innehalten ein. Dabei drängt sich mir eine Beobachtung auf, die ich lange mit einem gewissen Unbehagen betrachtet habe: Ich bin heute öfter alleine als früher. Nicht immer, nicht ausschliesslich – aber doch merklich häufiger. Und noch vor einigen Jahren hätte ich das für ein Warnsignal gehalten. Einsamkeit, so heisst es, sei die neue Volkskrankheit. Rückzug wird rasch mit Mangel gleichgesetzt. Doch je länger ich darüber nachdenke, desto weniger überzeugt mich diese Gleichung.&#xA;&#xA;weiterlesen …&#xA;&#xA;Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast, diesen Newsletter zu lesen. Ich hoffe, die Inhalte konnten Dich inspirieren und Dir wertvolle Impulse für Dein (digitales) Leben geben. Bleib neugierig und hinterfrage, was Dir begegnet!&#xA;&#xA;---&#xA;EpicMind – Weisheiten für das digitale Leben&#xA;„EpicMind“ (kurz für „Epicurean Mindset“) ist mein Blog und Newsletter, der sich den Themen Lernen, Produktivität, Selbstmanagement und Technologie widmet – alles gewürzt mit einer Prise Philosophie.&#xA;&#xA;!--emailsub--&#xA;&#xA;---&#xA;Disclaimer&#xA;Teile dieses Texts wurden mit Deepl Write (Korrektorat und Lektorat) überarbeitet. Für die Recherche in den erwähnten Werken/Quellen und in meinen Notizen wurde NotebookLM von Google verwendet. Das Artikel-Bild wurde mit ChatGPT erstellt und anschliessend nachbearbeitet.&#xA;&#xA;Topic&#xA;Newsletter&#xA;&#xA;div class=&#34;signature&#34;&#xD;&#xA;    &lt;img&#xD;&#xA;        src=&#34;https://www.gisiger.biz/assets/storage/epicmind/michael-gisiger-round-2.png&#34;&#xD;&#xA;        alt=&#34;Michael Gisiger&#34;&#xD;&#xA;        class=&#34;profile-pic u-photo&#34;&#xD;&#xA;      div class=&#34;signature-content&#34;&#xD;&#xA;        h2 class=&#34;p-author p-name&#34; rel=&#34;author&#34;Michael Gisiger/h2&#xD;&#xA;&#xD;&#xA;        p class=&#34;p-note&#34;&#xD;&#xA;            Erwachsenenbildner und Coach mit 20+ Jahren Erfahrung.&#xD;&#xA;            Aus philosophischer Perspektive schreibe ich über Produktivität,&#xD;&#xA;            PKM und Coaching – fundiert und praxisnah.&#xD;&#xA;        /p&#xD;&#xA;&#xD;&#xA;p class=&#34;signature-links&#34;a href=&#34;https://www.michaelgisiger.ch/&#34; target=&#34;blank&#34;Website/a · a href=&#34;https://nerdculture.de/@gisiger&#34; target=&#34;blank&#34; rel=&#34;me&#34;Mastodon/a · a href=&#34;https://nolto.social/profile/michaelgisiger&#34; target=&#34;blank&#34;Nolto/a · a href=&#34;https://bsky.app/profile/gisiger.bsky.social&#34; target=&#34;blank&#34;Bluesky/a · a href=&#34;https://www.linkedin.com/comm/mynetwork/discovery-see-all?usecase=PEOPLEFOLLOWS&amp;amp;followMember=michaelgisiger&#34; target=&#34;_blank&#34;LinkedIn/a/p&#xD;&#xA;    /div&#xD;&#xA;/div]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><img src="https://gisiger.biz/assets/storage/epicmind/epicmonday-cover.png" alt="Illustration eines antiken Philosophen in Toga, der erschöpft an einem modernen Büroarbeitsplatz vor einem Computer sitzt, umgeben von leeren Bürostühlen und urbaner Architektur."/></p>

<p>Freundinnen &amp; Freunde der Weisheit! Wer morgens gleich zum Smartphone greift und durch soziale Feeds scrollt, startet den Tag im Reaktionsmodus. Die eigene Aufmerksamkeit richtet sich auf fremde Inhalte, fremde Prioritäten, fremde Stimmen. Die eigene Kreativität kommt dabei zu kurz.</p>



<p>Was dabei zu kurz kommt, ist <a href="https://doi.org/10.1027/1614-0001/A000163">das kreative Potenzial, das gerade in den frühen Stunden besonders hoch ist</a> – und das entscheidend sein kann für ein produktives Arbeiten.</p>

<p>Ein einfacher, aber wirksamer Perspektivenwechsel besteht darin, <a href="https://doi.org/10.1080/17439760.2016.1257049">den Tag mit einem kurzen kreativen Impuls zu beginnen</a>: schreiben, skizzieren, notieren, entwerfen. Es geht nicht um Perfektion, sondern um den Aufbau von Eigenimpulsen. Wer zuerst erschafft, bevor er konsumiert, aktiviert nicht nur seine Gestaltungsfähigkeit, sondern schützt auch die geistige Klarheit vor der Zersplitterung durch Input-Überflutung. Die <a href="https://doi.org/10.1109/HICSS.2014.398">ersten 15 bis 20 Minuten eines Arbeitstages reichen oft aus</a>, um eigene Gedanken in Gang zu bringen – bevor die Welt anklopft.</p>

<p>Der Nutzen dieser Gewohnheit liegt in ihrer mehrfachen Wirkung: Sie schafft frühe Erfolgserlebnisse, erhält die Konzentration für anspruchsvolle Aufgaben und stärkt die Selbstbestimmung im Umgang mit der eigenen Zeit. Das bedeutet nicht, sich komplett von Nachrichten und Netzwerken abzuschotten – sondern die Reihenfolge bewusst zu gestalten. Wer zuerst erschafft, steuert den eigenen Arbeitstag aus einer Position der Klarheit und Kontrolle.</p>

<p>Produktivität entsteht nicht durch permanente Verfügbarkeit oder maximale Effizienz. Sie beginnt mit der Fähigkeit, den eigenen Denkraum gegen zu frühe Überreizung zu verteidigen. Wer sich morgens ein kurzes Zeitfenster reserviert, in dem ausschliesslich eigene Ideen zählen, schafft die Voraussetzung für echten Fokus – und vielleicht auch für das, was später Resonanz erzeugt.</p>

<h2 id="denkanstoss-zum-wochenbeginn" id="denkanstoss-zum-wochenbeginn">Denkanstoss zum Wochenbeginn</h2>

<blockquote><p><strong><em>„Intelligente Fehler zu machen, ist eine grosse Kunst.“</em></strong> – Federico Fellini (1920–1993)</p></blockquote>

<h2 id="productivityporn-tipp-der-woche-dinge-aufschreiben" id="productivityporn-tipp-der-woche-dinge-aufschreiben">ProductivityPorn-Tipp der Woche: Dinge aufschreiben</h2>

<p>Unser Gehirn kann sich nicht alles merken. Schreibe Gedanken, Ideen oder Aufgaben sofort auf, damit Du sie nicht vergisst und Dein Kopf frei für Wichtiges bleibt.</p>

<h2 id="aus-dem-archiv-alleine-aber-nicht-einsam" id="aus-dem-archiv-alleine-aber-nicht-einsam">Aus dem Archiv: Alleine, aber nicht einsam</h2>

<p>Ich stehe kurz vor meinem fünfzigsten Geburtstag. Eine Zahl, die nüchtern betrachtet nichts anderes bedeutet, als ein weiteres volles Lebensjahrzehnt. Und doch lädt sie zum Innehalten ein. Dabei drängt sich mir eine Beobachtung auf, die ich lange mit einem gewissen Unbehagen betrachtet habe: Ich bin heute öfter alleine als früher. Nicht immer, nicht ausschliesslich – aber doch merklich häufiger. Und noch vor einigen Jahren hätte ich das für ein Warnsignal gehalten. Einsamkeit, so heisst es, sei die neue Volkskrankheit. Rückzug wird rasch mit Mangel gleichgesetzt. Doch je länger ich darüber nachdenke, desto weniger überzeugt mich diese Gleichung.</p>

<p><a href="https://epicmind.ch/alleine-aber-nicht-einsam">weiterlesen …</a></p>

<p>Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast, diesen Newsletter zu lesen. Ich hoffe, die Inhalte konnten Dich inspirieren und Dir wertvolle Impulse für Dein (digitales) Leben geben. Bleib neugierig und hinterfrage, was Dir begegnet!</p>

<hr/>

<p><a href="https://epicmind.ch/"><strong>EpicMind – Weisheiten für das digitale Leben</strong></a>
„EpicMind“ (kurz für „Epicurean Mindset“) ist mein Blog und Newsletter, der sich den Themen Lernen, Produktivität, Selbstmanagement und Technologie widmet – alles gewürzt mit einer Prise Philosophie.</p>



<hr/>

<p><strong>Disclaimer</strong>
Teile dieses Texts wurden mit Deepl Write (Korrektorat und Lektorat) überarbeitet. Für die Recherche in den erwähnten Werken/Quellen und in meinen Notizen wurde NotebookLM von Google verwendet. Das Artikel-Bild wurde mit ChatGPT erstellt und anschliessend nachbearbeitet.</p>

<p><strong>Topic</strong>
<a href="https://epicmind.ch/tag:Newsletter" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Newsletter</span></a></p>

<div class="signature">
    <img src="https://www.gisiger.biz/assets/storage/epicmind/michael-gisiger-round-2.png" alt="Michael Gisiger" class="profile-pic u-photo">
    <div class="signature-content">
        <h2 class="p-author p-name">Michael Gisiger</h2>

        <p class="p-note">
            Erwachsenenbildner und Coach mit 20+ Jahren Erfahrung.
            Aus philosophischer Perspektive schreibe ich über Produktivität,
            PKM und Coaching – fundiert und praxisnah.
        </p>

<p class="signature-links"><a href="https://www.michaelgisiger.ch/" target="_blank">Website</a> · <a href="https://nerdculture.de/@gisiger" target="_blank">Mastodon</a> · <a href="https://nolto.social/profile/michael_gisiger" target="_blank">Nolto</a> · <a href="https://bsky.app/profile/gisiger.bsky.social" target="_blank">Bluesky</a> · <a href="https://www.linkedin.com/comm/mynetwork/discovery-see-all?usecase=PEOPLE_FOLLOWS&amp;followMember=michaelgisiger" target="_blank">LinkedIn</a></p>
    </div>
</div>
]]></content:encoded>
      <guid>https://epicmind.ch/epicmonday-26-produktiver-in-den-tag-starten-warum-es-sich-lohnt-zuerst-zu</guid>
      <pubDate>Mon, 29 Jun 2026 06:30:57 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Denken mit Stift und Papier</title>
      <link>https://epicmind.ch/denken-mit-stift-und-papier?pk_campaign=rss-feed</link>
      <description>&lt;![CDATA[Browne: A Girl Writing; The Pet Goldfinch&#xA;&#xA;Vor einigen Jahren begann ich wieder, regelmässig von Hand zu schreiben. Nicht aus Nostalgie, nicht aus Skepsis gegenüber digitalen Werkzeugen. Mein Alltag spielt sich weitgehend am Bildschirm ab, und ich möchte das nicht ändern. Doch immer dann, wenn ich etwas wirklich verstehen, durchdenken oder entscheiden möchte, greife ich zum Notizbuch.&#xA;&#xA;Diese Gewohnheit entstand zunächst aus einem praktischen Impuls. Mit der Zeit stellte ich fest, dass sie etwas verändert: Gedanken werden klarer. Zusammenhänge treten deutlicher hervor. Schwierige Entscheidungen wirken weniger überwältigend. Lange hielt ich das für eine persönliche Eigenheit. Heute spricht einiges dafür, dass dahinter mehr steckt.&#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Wir schreiben heute wahrscheinlich mehr als jede Generation vor uns – Nachrichten, E-Mails, Kommentare, Suchanfragen. Gleichzeitig schreiben wir immer seltener von Hand. Schreiben ist für viele zum reinen Übertragungsmedium geworden. Dabei gerät leicht in Vergessenheit, dass es ursprünglich noch eine andere Funktion hatte: Gedanken zu entwickeln.&#xA;&#xA;Schreiben als Denkform&#xA;&#xA;Wer schreibt, hält Gedanken nicht einfach fest. Häufig entstehen sie erst während des Schreibens.&#xA;&#xA;Jeder kennt die Erfahrung: Eine Idee wirkt im Kopf überzeugend. Erst wenn man versucht, sie aufzuschreiben, werden Unklarheiten sichtbar. Argumente müssen geordnet, Begriffe präzisiert, Zusammenhänge hergestellt werden. Schreiben zwingt zu Entscheidungen. Gerade deshalb eignet es sich so gut zum Denken.&#xA;&#xA;In der Schreibforschung gilt diese Erkenntnis seit Langem als weitgehend unbestritten: Schreiben ist nicht nur Kommunikation, sondern ein kognitiver Prozess. Während wir schreiben, strukturieren wir Wissen, entdecken Widersprüche, entwickeln neue Perspektiven. Das Blatt Papier wird gewissermassen zum Gesprächspartner.&#xA;&#xA;Philosophen wussten das schon lange. Seneca schrieb Briefe, die zugleich Selbstgespräche waren. Marcus Aurelius führte Aufzeichnungen, die nicht für andere bestimmt waren, sondern für ihn selbst – ein Denken in Schrift. Das Notizbuch war kein Archiv, sondern ein Werkzeug.&#xA;&#xA;Die Stärke der Langsamkeit&#xA;&#xA;Von Hand zu schreiben ist langsamer. Genau darin liegt einer ihrer grössten Vorteile. Die geringere Schreibgeschwindigkeit zwingt dazu auszuwählen. Gedanken werden verdichtet statt bloss übertragen. Informationen werden verarbeitet, bevor sie notiert werden.&#xA;&#xA;Neurowissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Handschrift komplexe Netzwerke im Gehirn aktiviert: Erinnerungen werden abgerufen, sprachlich formuliert und gleichzeitig durch feinmotorische Bewegungen begleitet. Vor einigen Tagen habe ich hier über eine Studie berichtet, die Unterschiede zwischen dem Lesen auf Papier und auf Tablets untersuchte. Dort ging es vor allem um räumliche Orientierung und Integrationsprozesse beim Lesen 1]. Auch beim Schreiben spricht deshalb einiges dafür, dass physische Medien Denkprozesse anders unterstützen als digitale Werkzeuge – wenn auch vermutlich aus teilweise anderen Gründen. Hinzu kommt ein weiterer Effekt: Die Verlangsamung der Handschrift zwingt dazu, Gedanken stärker zu verdichten. [Wer verstehen statt lediglich dokumentieren möchte, kann gerade davon profitieren.&#xA;&#xA;Gedanken ordnen, Gefühle verstehen&#xA;&#xA;Besonders interessant – und in der öffentlichen Diskussion bisher wenig beachtet – ist ein anderer Aspekt: Schreiben hilft nicht nur dabei, Wissen zu strukturieren, sondern auch Emotionen.&#xA;&#xA;Bereits in den 1980er-Jahren entwickelte der Psychologe James Pennebaker das Konzept des expressiven Schreibens. Menschen schrieben über belastende Erfahrungen – nicht um literarische Texte zu verfassen, sondern um Erlebtes zu verarbeiten. Zahlreiche Untersuchungen zeigen, dass dieses Schreiben helfen kann, belastende Gedanken einzuordnen und ihre psychische Wirkung zu verringern [2].&#xA;&#xA;Der Mechanismus ist erstaunlich einleuchtend: Solange Gedanken im Kopf kreisen, bleiben sie diffus. Sobald sie in Worte gefasst werden, erhalten sie eine Form. Das Problem verschwindet dadurch nicht. Aber es wird greifbarer.&#xA;&#xA;Emily Rónay Johnston von der University of California, Merced verweist auf neuere neurowissenschaftliche Arbeiten, die darauf hindeuten, dass bereits das bewusste Benennen von Gefühlen Hirnregionen aktiviert, die an Planung und Selbststeuerung beteiligt sind, während die Amygdala, zuständig für Bedrohungs- und Angstreaktionen, ruhiger werden kann [3]. Wer Gefühle aufschreibt, reagiert weniger impulsiv und gewinnt Abstand zur Situation. Vielleicht erklärt das, weshalb viele Menschen intuitiv zu Papier greifen, wenn sie sich über etwas ärgern. Ein nie abgeschickter Brief, einige Seiten im Tagebuch: Sie lösen das Problem nicht. Aber sie schaffen Ordnung im eigenen Denken.&#xA;&#xA;Papier als Denkraum&#xA;&#xA;Hier liegt die eigentliche Stärke des Papiers. Ein Bildschirm eignet sich hervorragend zum Speichern, Suchen und Organisieren. Papier lädt zum Erkunden ein: Pfeile entstehen zwischen Gedanken. Begriffe werden eingerahmt. Skizzen verbinden sich mit Stichworten. Ganze Seiten werden zu Landkarten des Denkens. Nicht selten entdecke ich Zusammenhänge erst, weil sie räumlich vor mir liegen.&#xA;&#xA;Diese räumliche Freiheit lässt sich zwar digital nachbilden; aber sie fühlt sich anders an. Papier fordert keine Benachrichtigungen, kennt keine geöffneten Tabs und bietet keine Suchfunktion. Gerade dadurch zwingt es dazu, beim Gedanken zu bleiben.&#xA;&#xA;Papier für das Denken, digital für das Verwalten&#xA;&#xA;All das ist kein Plädoyer für analoges Arbeiten. Für Recherche, Archivierung und Zusammenarbeit sind digitale Werkzeuge den meisten Papierlösungen deutlich überlegen – und ich möchte darauf nicht verzichten.&#xA;&#xA;Der Fehler liegt nicht darin, dass wir digital arbeiten. Er liegt darin, dass wir fast alles digital erledigen. Nicht jede Tätigkeit stellt dieselben Anforderungen. Wer Informationen verwalten möchte, ist mit dem Computer gut beraten. Wer nachdenken, planen oder schwierige Entscheidungen vorbereiten will, ist es oft mit Papier.&#xA;&#xA;Seneca und Marcus Aurelius schrieben nicht, weil Papier Wissen konserviert. Sie schrieben, weil Schreiben ihnen half, zu denken. Das Schreiben war Teil des Denkens. Und es ist das bis heute.&#xA;&#xA;Ein Notizbuch ersetzt weder Fachliteratur noch digitale Werkzeuge. Aber es erfüllt eine Aufgabe, die diese nur begrenzt übernehmen können: Es schafft einen Raum, in dem Gedanken langsam genug werden, um Gestalt anzunehmen.&#xA;&#xA;Papier ist langsam. Gerade deshalb eignet es sich für jene Tätigkeiten, bei denen Geschwindigkeit nicht das Ziel ist. Wer schreibt, hält Gedanken nicht bloss fest. Er entwickelt sie. Und manchmal ordnet er dabei nicht nur seine Ideen, sondern auch sich selbst. Papier eignet sich zum Denken. Der Computer zum Verwalten des Gedachten.&#xA;&#xA;---&#xA;💬 Kommentieren (nur für write.as-Accounts)&#xA;a href=&#34;https://remark.as/p/epicmind.ch/denken-mit-stift-und-papier&#34;Discuss.../a&#xA;&#xA;---&#xA;Fussnoten&#xA;[1] K. Umejima, Y. Sunada und K. L. Sakai, „Manga reading on paper vs. digital devices: Prospective effects on core and supportive integration processes in the brain“, PLOS ONE, 3. Juni 2026. [Online]. Verfügbar: https://doi.org/10.1371/journal.pone.0349778.&#xA;&#xA;[2] J. W. Pennebaker und J. F. Beall, „Confronting a traumatic event: Toward an understanding of inhibition and disease“, Journal of Abnormal Psychology, vol. 95, no. 3, pp. 274–281, 1986. https://psycnet.apa.org/doi/10.1037/0021-843X.95.3.274.&#xA;&#xA;[3] E. R. Johnston, „Writing builds resilience by changing your brain, helping you face everyday challenges“, The Conversation, 2026. [Online]. online: https://theconversation.com/writing-builds-resilience-by-changing-your-brain-helping-you-face-everyday-challenges-265188.&#xA;&#xA;Bildquelle&#xA;Henriette Browne (1829–1901): A Girl Writing; The Pet Goldfinch, Victoria and Albert Museum, London, Public Domain.&#xA;&#xA;Disclaimer&#xA;Teile dieses Texts wurden mit Deepl Write (Korrektorat und Lektorat) überarbeitet. Für die Recherche in den erwähnten Werken/Quellen und in meinen Notizen wurde NotebookLM von Google verwendet.&#xA;&#xA;Topic&#xA;#Erwachsenenbildung | #ProductivityPorn&#xA;&#xA;div class=&#34;signature&#34;&#xD;&#xA;    &lt;img&#xD;&#xA;        src=&#34;https://www.gisiger.biz/assets/storage/epicmind/michael-gisiger-round-2.png&#34;&#xD;&#xA;        alt=&#34;Michael Gisiger&#34;&#xD;&#xA;        class=&#34;profile-pic u-photo&#34;&#xD;&#xA;      div class=&#34;signature-content&#34;&#xD;&#xA;        h2 class=&#34;p-author p-name&#34; rel=&#34;author&#34;Michael Gisiger/h2&#xD;&#xA;&#xD;&#xA;        p class=&#34;p-note&#34;&#xD;&#xA;            Erwachsenenbildner und Coach mit 20+ Jahren Erfahrung.&#xD;&#xA;            Aus philosophischer Perspektive schreibe ich über Produktivität,&#xD;&#xA;            PKM und Coaching – fundiert und praxisnah.&#xD;&#xA;        /p&#xD;&#xA;&#xD;&#xA;p class=&#34;signature-links&#34;a href=&#34;https://www.michaelgisiger.ch/&#34; target=&#34;blank&#34;Website/a · a href=&#34;https://nerdculture.de/@gisiger&#34; target=&#34;blank&#34; rel=&#34;me&#34;Mastodon/a · a href=&#34;https://nolto.social/profile/michaelgisiger&#34; target=&#34;blank&#34;Nolto/a · a href=&#34;https://bsky.app/profile/gisiger.bsky.social&#34; target=&#34;blank&#34;Bluesky/a · a href=&#34;https://www.linkedin.com/comm/mynetwork/discovery-see-all?usecase=PEOPLEFOLLOWS&amp;amp;followMember=michaelgisiger&#34; target=&#34;_blank&#34;LinkedIn/a/p&#xD;&#xA;    /div&#xD;&#xA;/div]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><img src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/f/f0/Browne%2C_Henriette_-_A_Girl_Writing%3B_The_Pet_Goldfinch_-_Google_Art_Project.jpg/1280px-Browne%2C_Henriette_-_A_Girl_Writing%3B_The_Pet_Goldfinch_-_Google_Art_Project.jpg" alt="Browne: A Girl Writing; The Pet Goldfinch"/></p>

<p>Vor einigen Jahren begann ich wieder, regelmässig von Hand zu schreiben. Nicht aus Nostalgie, nicht aus Skepsis gegenüber digitalen Werkzeugen. Mein Alltag spielt sich weitgehend am Bildschirm ab, und ich möchte das nicht ändern. Doch immer dann, wenn ich etwas wirklich verstehen, durchdenken oder entscheiden möchte, greife ich zum Notizbuch.</p>

<p>Diese Gewohnheit entstand zunächst aus einem praktischen Impuls. Mit der Zeit stellte ich fest, dass sie etwas verändert: Gedanken werden klarer. Zusammenhänge treten deutlicher hervor. Schwierige Entscheidungen wirken weniger überwältigend. Lange hielt ich das für eine persönliche Eigenheit. Heute spricht einiges dafür, dass dahinter mehr steckt.</p>



<p>Wir schreiben heute wahrscheinlich mehr als jede Generation vor uns – Nachrichten, E-Mails, Kommentare, Suchanfragen. Gleichzeitig schreiben wir immer seltener von Hand. Schreiben ist für viele zum reinen Übertragungsmedium geworden. Dabei gerät leicht in Vergessenheit, dass es ursprünglich noch eine andere Funktion hatte: Gedanken zu entwickeln.</p>

<h2 id="schreiben-als-denkform" id="schreiben-als-denkform">Schreiben als Denkform</h2>

<p>Wer schreibt, hält Gedanken nicht einfach fest. Häufig entstehen sie erst während des Schreibens.</p>

<p>Jeder kennt die Erfahrung: Eine Idee wirkt im Kopf überzeugend. Erst wenn man versucht, sie aufzuschreiben, werden Unklarheiten sichtbar. Argumente müssen geordnet, Begriffe präzisiert, Zusammenhänge hergestellt werden. Schreiben zwingt zu Entscheidungen. Gerade deshalb eignet es sich so gut zum Denken.</p>

<p><a href="./handschrift-und-digitalisierung-was-die-forschung-wirklich-zeigt">In der Schreibforschung</a> gilt diese Erkenntnis seit Langem als weitgehend unbestritten: Schreiben ist nicht nur Kommunikation, sondern ein kognitiver Prozess. Während wir schreiben, strukturieren wir Wissen, entdecken Widersprüche, entwickeln neue Perspektiven. Das Blatt Papier wird gewissermassen zum Gesprächspartner.</p>

<p><a href="./pierre-hadot-philosophie-als-uebung">Philosophen wussten das schon lange.</a> Seneca schrieb Briefe, die zugleich Selbstgespräche waren. Marcus Aurelius führte Aufzeichnungen, die nicht für andere bestimmt waren, sondern für ihn selbst – ein Denken in Schrift. Das Notizbuch war kein Archiv, sondern ein Werkzeug.</p>

<h2 id="die-stärke-der-langsamkeit" id="die-stärke-der-langsamkeit">Die Stärke der Langsamkeit</h2>

<p>Von Hand zu schreiben ist langsamer. Genau darin liegt einer ihrer grössten Vorteile. Die geringere Schreibgeschwindigkeit zwingt dazu auszuwählen. Gedanken werden verdichtet statt bloss übertragen. Informationen werden verarbeitet, bevor sie notiert werden.</p>

<p>Neurowissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Handschrift komplexe Netzwerke im Gehirn aktiviert: Erinnerungen werden abgerufen, sprachlich formuliert und gleichzeitig durch feinmotorische Bewegungen begleitet. Vor einigen Tagen <a href="./lesen-ueber-welche-bildschirme-sprechen-wir-eigentlich">habe ich hier</a> über eine Studie berichtet, die Unterschiede zwischen dem Lesen auf Papier und auf Tablets untersuchte. Dort ging es vor allem um räumliche Orientierung und Integrationsprozesse beim Lesen [1]. Auch beim Schreiben spricht deshalb einiges dafür, dass physische Medien Denkprozesse anders unterstützen als digitale Werkzeuge – wenn auch vermutlich aus teilweise anderen Gründen. Hinzu kommt ein weiterer Effekt: Die Verlangsamung der Handschrift zwingt dazu, Gedanken stärker zu verdichten. <a href="./vom-wert-der-langsamkeit-in-der-textproduktion">Wer verstehen statt lediglich dokumentieren möchte, kann gerade davon profitieren.</a></p>

<h2 id="gedanken-ordnen-gefühle-verstehen" id="gedanken-ordnen-gefühle-verstehen">Gedanken ordnen, Gefühle verstehen</h2>

<p>Besonders interessant – und in der öffentlichen Diskussion bisher wenig beachtet – ist ein anderer Aspekt: Schreiben hilft nicht nur dabei, Wissen zu strukturieren, sondern auch Emotionen.</p>

<p>Bereits in den 1980er-Jahren entwickelte der Psychologe <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/James_Pennebaker">James Pennebaker</a> das Konzept des <a href="https://www.psychologie-heute.de/gesundheit/artikel-detailansicht/42109-uebungsplatz-expressives-schreiben.html">expressiven Schreibens</a>. Menschen schrieben über belastende Erfahrungen – nicht um literarische Texte zu verfassen, sondern um Erlebtes zu verarbeiten. Zahlreiche Untersuchungen zeigen, dass dieses Schreiben helfen kann, belastende Gedanken einzuordnen und ihre psychische Wirkung zu verringern [2].</p>

<p>Der Mechanismus ist erstaunlich einleuchtend: Solange Gedanken im Kopf kreisen, bleiben sie diffus. Sobald sie in Worte gefasst werden, erhalten sie eine Form. Das Problem verschwindet dadurch nicht. Aber es wird greifbarer.</p>

<p><a href="https://writingstudies.ucmerced.edu/content/emily-r%C3%B3nay-johnston">Emily Rónay Johnston</a> von der University of California, Merced verweist auf neuere neurowissenschaftliche Arbeiten, die darauf hindeuten, dass bereits das bewusste Benennen von Gefühlen Hirnregionen aktiviert, die an Planung und Selbststeuerung beteiligt sind, während die Amygdala, zuständig für Bedrohungs- und Angstreaktionen, ruhiger werden kann [3]. Wer Gefühle aufschreibt, reagiert weniger impulsiv und gewinnt Abstand zur Situation. Vielleicht erklärt das, weshalb viele Menschen intuitiv zu Papier greifen, wenn sie sich über etwas ärgern. Ein nie abgeschickter Brief, einige Seiten im Tagebuch: Sie lösen das Problem nicht. Aber sie schaffen Ordnung im eigenen Denken.</p>

<h2 id="papier-als-denkraum" id="papier-als-denkraum">Papier als Denkraum</h2>

<p>Hier liegt die eigentliche Stärke des Papiers. Ein Bildschirm eignet sich hervorragend zum Speichern, Suchen und Organisieren. Papier lädt zum Erkunden ein: Pfeile entstehen zwischen Gedanken. Begriffe werden eingerahmt. Skizzen verbinden sich mit Stichworten. Ganze Seiten werden zu Landkarten des Denkens. Nicht selten entdecke ich Zusammenhänge erst, weil sie räumlich vor mir liegen.</p>

<p>Diese räumliche Freiheit lässt sich zwar digital nachbilden; aber sie fühlt sich anders an. Papier fordert keine Benachrichtigungen, kennt keine geöffneten Tabs und bietet keine Suchfunktion. Gerade dadurch zwingt es dazu, beim Gedanken zu bleiben.</p>

<h2 id="papier-für-das-denken-digital-für-das-verwalten" id="papier-für-das-denken-digital-für-das-verwalten">Papier für das Denken, digital für das Verwalten</h2>

<p>All das ist kein Plädoyer für analoges Arbeiten. Für Recherche, Archivierung und Zusammenarbeit sind digitale Werkzeuge den meisten Papierlösungen deutlich überlegen – und ich möchte darauf nicht verzichten.</p>

<p>Der Fehler liegt nicht darin, dass wir digital arbeiten. Er liegt darin, dass wir fast alles digital erledigen. Nicht jede Tätigkeit stellt dieselben Anforderungen. Wer Informationen verwalten möchte, ist mit dem Computer gut beraten. Wer nachdenken, planen oder schwierige Entscheidungen vorbereiten will, ist es oft mit Papier.</p>

<p>Seneca und Marcus Aurelius schrieben nicht, weil Papier Wissen konserviert. Sie schrieben, weil Schreiben ihnen half, zu denken. Das Schreiben war Teil des Denkens. Und es ist das bis heute.</p>

<p>Ein Notizbuch ersetzt weder Fachliteratur noch digitale Werkzeuge. Aber es erfüllt eine Aufgabe, die diese nur begrenzt übernehmen können: <a href="./mein-experiment-mit-einem-lehrjournal-30-day-challenge-2025">Es schafft einen Raum, in dem Gedanken langsam genug werden, um Gestalt anzunehmen</a>.</p>

<p>Papier ist langsam. Gerade deshalb eignet es sich für jene Tätigkeiten, bei denen Geschwindigkeit nicht das Ziel ist. Wer schreibt, hält Gedanken nicht bloss fest. Er entwickelt sie. Und manchmal ordnet er dabei nicht nur seine Ideen, sondern auch sich selbst. Papier eignet sich zum Denken. Der Computer zum Verwalten des Gedachten.</p>

<hr/>

<h4 id="kommentieren-nur-für-write-as-accounts" id="kommentieren-nur-für-write-as-accounts">💬 Kommentieren (nur für write.as-Accounts)</h4>

<p><a href="https://remark.as/p/epicmind.ch/denken-mit-stift-und-papier">Discuss...</a></p>

<hr/>

<p><strong>Fussnoten</strong>
[1] K. Umejima, Y. Sunada und K. L. Sakai, „Manga reading on paper vs. digital devices: Prospective effects on core and supportive integration processes in the brain“, PLOS ONE, 3. Juni 2026. [Online]. Verfügbar: <a href="https://doi.org/10.1371/journal.pone.0349778">https://doi.org/10.1371/journal.pone.0349778</a>.</p>

<p>[2] J. W. Pennebaker und J. F. Beall, „Confronting a traumatic event: Toward an understanding of inhibition and disease“, Journal of Abnormal Psychology, vol. 95, no. 3, pp. 274–281, 1986. <a href="https://psycnet.apa.org/doi/10.1037/0021-843X.95.3.274">https://psycnet.apa.org/doi/10.1037/0021-843X.95.3.274</a>.</p>

<p>[3] E. R. Johnston, „Writing builds resilience by changing your brain, helping you face everyday challenges“, The Conversation, 2026. [Online]. online: <a href="https://theconversation.com/writing-builds-resilience-by-changing-your-brain-helping-you-face-everyday-challenges-265188">https://theconversation.com/writing-builds-resilience-by-changing-your-brain-helping-you-face-everyday-challenges-265188</a>.</p>

<p><strong>Bildquelle</strong>
<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Henriette_Browne">Henriette Browne</a> (1829–1901): <em>A Girl Writing; The Pet Goldfinch</em>, Victoria and Albert Museum, London, <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Browne,_Henriette_-_A_Girl_Writing;_The_Pet_Goldfinch_-_Google_Art_Project.jpg">Public Domain</a>.</p>

<p><strong>Disclaimer</strong>
Teile dieses Texts wurden mit Deepl Write (Korrektorat und Lektorat) überarbeitet. Für die Recherche in den erwähnten Werken/Quellen und in meinen Notizen wurde NotebookLM von Google verwendet.</p>

<p><strong>Topic</strong>
<a href="https://epicmind.ch/tag:Erwachsenenbildung" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Erwachsenenbildung</span></a> | <a href="https://epicmind.ch/tag:ProductivityPorn" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">ProductivityPorn</span></a></p>

<div class="signature">
    <img src="https://www.gisiger.biz/assets/storage/epicmind/michael-gisiger-round-2.png" alt="Michael Gisiger" class="profile-pic u-photo">
    <div class="signature-content">
        <h2 class="p-author p-name">Michael Gisiger</h2>

        <p class="p-note">
            Erwachsenenbildner und Coach mit 20+ Jahren Erfahrung.
            Aus philosophischer Perspektive schreibe ich über Produktivität,
            PKM und Coaching – fundiert und praxisnah.
        </p>

<p class="signature-links"><a href="https://www.michaelgisiger.ch/" target="_blank">Website</a> · <a href="https://nerdculture.de/@gisiger" target="_blank">Mastodon</a> · <a href="https://nolto.social/profile/michael_gisiger" target="_blank">Nolto</a> · <a href="https://bsky.app/profile/gisiger.bsky.social" target="_blank">Bluesky</a> · <a href="https://www.linkedin.com/comm/mynetwork/discovery-see-all?usecase=PEOPLE_FOLLOWS&amp;followMember=michaelgisiger" target="_blank">LinkedIn</a></p>
    </div>
</div>
]]></content:encoded>
      <guid>https://epicmind.ch/denken-mit-stift-und-papier</guid>
      <pubDate>Fri, 26 Jun 2026 09:06:42 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>EpicMonday 25: Bin ich so, wie ich bin – oder so, wie ich sein will?</title>
      <link>https://epicmind.ch/epicmonday-25-bin-ich-so-wie-ich-bin-oder-so-wie-ich-sein-will?pk_campaign=rss-feed</link>
      <description>&lt;![CDATA[Illustration eines antiken Philosophen in Toga, der erschöpft an einem modernen Büroarbeitsplatz vor einem Computer sitzt, umgeben von leeren Bürostühlen und urbaner Architektur.&#xA;&#xA;Freundinnen &amp; Freunde der Weisheit! Diese Woche etwas verspätet, die Hitze fordert ihren Tribut. Diese Woche befassen wir uns mit unserer Persönlichkeit und wie stark wir sie formen können.&#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Viele Menschen wünschen sich, gelassener, gewissenhafter oder kontaktfreudiger zu sein. Die psychologische Forschung zeigt: Unsere Persönlichkeit ist formbar – aber nur bis zu einem gewissen Grad. Zwar bestimmen genetische Anlagen zu einem grossen Teil, wie wir ticken. Doch auch unser Umfeld, unsere Erfahrungen und bewusste Entscheidungen prägen mit, wer wir sind – und wer wir werden können.&#xA;&#xA;Psychologinnen und Psychologen unterscheiden dabei fünf zentrale Persönlichkeitsmerkmale: emotionale Stabilität, Extraversion, Offenheit, Gewissenhaftigkeit und soziale Verträglichkeit. Diese „Big Five“) sind keine festen Kategorien, sondern Kontinua – man kann also durchaus an einer Eigenschaft arbeiten, ohne sich grundlegend zu verändern. Studien belegen, dass gezielte Übungen wie Tagespläne, kleine Mutproben oder sogenannte Wenn-Dann-Pläne (z. B. „Wenn ich auf der Party allein bin, spreche ich jemanden an“) dabei helfen können, gewünschte Eigenschaften zu stärken. Voraussetzung ist jedoch: Die Veränderung muss aus einem inneren Antrieb heraus erfolgen – nicht aus gesellschaftlichem Druck.&#xA;&#xA;Besonders gut lassen sich Eigenschaften wie Extraversion oder Gewissenhaftigkeit beeinflussen. Andere wie Offenheit oder Verträglichkeit sind tiefer verankert – oft durch kulturelle oder familiäre Prägungen – und lassen sich nur schwer und meist nur mit Unterstützung verändern. Entscheidend ist dabei weniger der Wunsch nach einem Idealbild als vielmehr die Frage: Was tut mir gut? In welchen Situationen möchte ich mich anders verhalten – und warum?&#xA;&#xA;Letztlich geht es nicht darum, sich neu zu erfinden, sondern sich besser kennenzulernen. Persönlichkeit verändert sich nicht über Nacht, sondern schrittweise – ähnlich wie ein Muskel, der durch Training wächst. Und sie verändert sich nachhaltiger, wenn Entwicklung und Selbstakzeptanz Hand in Hand gehen. Wer sich unter permanentem Optimierungsdruck verbiegt, läuft Gefahr, sich selbst zu verlieren. Veränderung braucht deshalb mehr als Methoden – sie braucht Mass und Sinn.&#xA;&#xA;Denkanstoss zum Wochenbeginn&#xA;&#xA;  „Alle Unruhe im Menschen entspringt aus der Phantasie.“ – Franz Grillparzer (1791–1872)&#xA;&#xA;ProductivityPorn-Tipp der Woche: Klare Strukturen für Meetings&#xA;&#xA;Meetings sind oft Zeitfresser. Setze klare Agenden, halte sie so kurz wie möglich und stelle sicher, dass am Ende jeder weiss, was zu tun ist.&#xA;&#xA;Aus dem Archiv: Vier Worte und ein Notizbuch – für einen besseren Schlaf&#xA;&#xA;Wer kennt das nicht: Es ist drei Uhr morgens, draussen ist alles still – nur im eigenen Kopf herrscht Hochbetrieb. Gedanken kreisen, Aufgabenlisten wachsen, verpasste Chancen und ungeklärte Fragen drängen sich auf. An Schlaf ist kaum noch zu denken. Solche Nächte sind keine Seltenheit – sie gehören für viele Menschen zum Alltag. Doch muss man diesem inneren Film wirklich tatenlos zusehen?&#xA;&#xA;weiterlesen …&#xA;&#xA;Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast, diesen Newsletter zu lesen. Ich hoffe, die Inhalte konnten Dich inspirieren und Dir wertvolle Impulse für Dein (digitales) Leben geben. Bleib neugierig und hinterfrage, was Dir begegnet!&#xA;&#xA;---&#xA;EpicMind – Weisheiten für das digitale Leben&#xA;„EpicMind“ (kurz für „Epicurean Mindset“) ist mein Blog und Newsletter, der sich den Themen Lernen, Produktivität, Selbstmanagement und Technologie widmet – alles gewürzt mit einer Prise Philosophie.&#xA;&#xA;!--emailsub--&#xA;&#xA;---&#xA;Disclaimer&#xA;Teile dieses Texts wurden mit Deepl Write (Korrektorat und Lektorat) überarbeitet. Für die Recherche in den erwähnten Werken/Quellen und in meinen Notizen wurde NotebookLM von Google verwendet. Das Artikel-Bild wurde mit ChatGPT erstellt und anschliessend nachbearbeitet.&#xA;&#xA;Topic&#xA;Newsletter&#xA;&#xA;div class=&#34;signature&#34;&#xD;&#xA;    &lt;img&#xD;&#xA;        src=&#34;https://www.gisiger.biz/assets/storage/epicmind/michael-gisiger-round-2.png&#34;&#xD;&#xA;        alt=&#34;Michael Gisiger&#34;&#xD;&#xA;        class=&#34;profile-pic u-photo&#34;&#xD;&#xA;      div class=&#34;signature-content&#34;&#xD;&#xA;        h2 class=&#34;p-author p-name&#34; rel=&#34;author&#34;Michael Gisiger/h2&#xD;&#xA;&#xD;&#xA;        p class=&#34;p-note&#34;&#xD;&#xA;            Erwachsenenbildner und Coach mit 20+ Jahren Erfahrung.&#xD;&#xA;            Aus philosophischer Perspektive schreibe ich über Produktivität,&#xD;&#xA;            PKM und Coaching – fundiert und praxisnah.&#xD;&#xA;        /p&#xD;&#xA;&#xD;&#xA;p class=&#34;signature-links&#34;a href=&#34;https://www.michaelgisiger.ch/&#34; target=&#34;blank&#34;Website/a · a href=&#34;https://nerdculture.de/@gisiger&#34; target=&#34;blank&#34; rel=&#34;me&#34;Mastodon/a · a href=&#34;https://nolto.social/profile/michaelgisiger&#34; target=&#34;blank&#34;Nolto/a · a href=&#34;https://bsky.app/profile/gisiger.bsky.social&#34; target=&#34;blank&#34;Bluesky/a · a href=&#34;https://www.linkedin.com/comm/mynetwork/discovery-see-all?usecase=PEOPLEFOLLOWS&amp;amp;followMember=michaelgisiger&#34; target=&#34;_blank&#34;LinkedIn/a/p&#xD;&#xA;    /div&#xD;&#xA;/div]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><img src="https://gisiger.biz/assets/storage/epicmind/epicmonday-cover.png" alt="Illustration eines antiken Philosophen in Toga, der erschöpft an einem modernen Büroarbeitsplatz vor einem Computer sitzt, umgeben von leeren Bürostühlen und urbaner Architektur."/></p>

<p>Freundinnen &amp; Freunde der Weisheit! Diese Woche etwas verspätet, die Hitze fordert ihren Tribut. Diese Woche befassen wir uns mit unserer Persönlichkeit und wie stark wir sie formen können.</p>



<p><a href="https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34881959/">Viele Menschen wünschen sich</a>, gelassener, gewissenhafter oder kontaktfreudiger zu sein. Die psychologische Forschung zeigt: <a href="https://pure.johnshopkins.edu/en/publications/personality-stability-and-its-implications-for-clinical-psycholog">Unsere Persönlichkeit ist formbar – aber nur bis zu einem gewissen Grad.</a> Zwar bestimmen genetische Anlagen zu einem grossen Teil, wie wir ticken. Doch auch unser Umfeld, unsere Erfahrungen und bewusste Entscheidungen prägen mit, wer wir sind – und wer wir werden können.</p>

<p>Psychologinnen und Psychologen unterscheiden dabei fünf zentrale Persönlichkeitsmerkmale: emotionale Stabilität, Extraversion, Offenheit, Gewissenhaftigkeit und soziale Verträglichkeit. Diese <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Big_Five_(Psychologie)">„Big Five“</a> sind keine festen Kategorien, sondern Kontinua – man kann also durchaus an einer Eigenschaft arbeiten, ohne sich grundlegend zu verändern. <a href="https://www.nathanwhudson.com/vita/pdf/Hudson,%202021b.pdf">Studien belegen</a>, dass gezielte Übungen wie Tagespläne, kleine Mutproben oder sogenannte Wenn-Dann-Pläne (z. B. „Wenn ich auf der Party allein bin, spreche ich jemanden an“) dabei helfen können, gewünschte Eigenschaften zu stärken. Voraussetzung ist jedoch: Die Veränderung muss aus einem inneren Antrieb heraus erfolgen – nicht aus gesellschaftlichem Druck.</p>

<p>Besonders gut lassen sich Eigenschaften wie <a href="https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25822032/">Extraversion oder Gewissenhaftigkeit beeinflussen</a>. Andere wie Offenheit oder Verträglichkeit sind tiefer verankert – oft durch kulturelle oder familiäre Prägungen – und lassen sich nur schwer und meist nur mit Unterstützung verändern. Entscheidend ist dabei weniger der Wunsch nach einem Idealbild als vielmehr die Frage: Was tut mir gut? In welchen Situationen möchte ich mich anders verhalten – und warum?</p>

<p>Letztlich geht es nicht darum, sich neu zu erfinden, sondern sich besser kennenzulernen. Persönlichkeit verändert sich nicht über Nacht, sondern schrittweise – ähnlich wie ein Muskel, der durch Training wächst. Und sie verändert sich nachhaltiger, wenn Entwicklung und Selbstakzeptanz Hand in Hand gehen. Wer sich unter permanentem Optimierungsdruck verbiegt, läuft Gefahr, sich selbst zu verlieren. Veränderung braucht deshalb mehr als Methoden – sie braucht Mass und Sinn.</p>

<h2 id="denkanstoss-zum-wochenbeginn" id="denkanstoss-zum-wochenbeginn">Denkanstoss zum Wochenbeginn</h2>

<blockquote><p><strong><em>„Alle Unruhe im Menschen entspringt aus der Phantasie.“</em></strong> – Franz Grillparzer (1791–1872)</p></blockquote>

<h2 id="productivityporn-tipp-der-woche-klare-strukturen-für-meetings" id="productivityporn-tipp-der-woche-klare-strukturen-für-meetings">ProductivityPorn-Tipp der Woche: Klare Strukturen für Meetings</h2>

<p>Meetings sind oft Zeitfresser. Setze klare Agenden, halte sie so kurz wie möglich und stelle sicher, dass am Ende jeder weiss, was zu tun ist.</p>

<h2 id="aus-dem-archiv-vier-worte-und-ein-notizbuch-für-einen-besseren-schlaf" id="aus-dem-archiv-vier-worte-und-ein-notizbuch-für-einen-besseren-schlaf">Aus dem Archiv: Vier Worte und ein Notizbuch – für einen besseren Schlaf</h2>

<p>Wer kennt das nicht: Es ist drei Uhr morgens, draussen ist alles still – nur im eigenen Kopf herrscht Hochbetrieb. Gedanken kreisen, Aufgabenlisten wachsen, verpasste Chancen und ungeklärte Fragen drängen sich auf. An Schlaf ist kaum noch zu denken. Solche Nächte sind keine Seltenheit – sie gehören für viele Menschen zum Alltag. Doch muss man diesem inneren Film wirklich tatenlos zusehen?</p>

<p><a href="https://epicmind.ch/vier-worte-und-ein-notizbuch-fur-einen-besseren-schlaf">weiterlesen …</a></p>

<p>Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast, diesen Newsletter zu lesen. Ich hoffe, die Inhalte konnten Dich inspirieren und Dir wertvolle Impulse für Dein (digitales) Leben geben. Bleib neugierig und hinterfrage, was Dir begegnet!</p>

<hr/>

<p><a href="https://epicmind.ch/"><strong>EpicMind – Weisheiten für das digitale Leben</strong></a>
„EpicMind“ (kurz für „Epicurean Mindset“) ist mein Blog und Newsletter, der sich den Themen Lernen, Produktivität, Selbstmanagement und Technologie widmet – alles gewürzt mit einer Prise Philosophie.</p>



<hr/>

<p><strong>Disclaimer</strong>
Teile dieses Texts wurden mit Deepl Write (Korrektorat und Lektorat) überarbeitet. Für die Recherche in den erwähnten Werken/Quellen und in meinen Notizen wurde NotebookLM von Google verwendet. Das Artikel-Bild wurde mit ChatGPT erstellt und anschliessend nachbearbeitet.</p>

<p><strong>Topic</strong>
<a href="https://epicmind.ch/tag:Newsletter" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Newsletter</span></a></p>

<div class="signature">
    <img src="https://www.gisiger.biz/assets/storage/epicmind/michael-gisiger-round-2.png" alt="Michael Gisiger" class="profile-pic u-photo">
    <div class="signature-content">
        <h2 class="p-author p-name">Michael Gisiger</h2>

        <p class="p-note">
            Erwachsenenbildner und Coach mit 20+ Jahren Erfahrung.
            Aus philosophischer Perspektive schreibe ich über Produktivität,
            PKM und Coaching – fundiert und praxisnah.
        </p>

<p class="signature-links"><a href="https://www.michaelgisiger.ch/" target="_blank">Website</a> · <a href="https://nerdculture.de/@gisiger" target="_blank">Mastodon</a> · <a href="https://nolto.social/profile/michael_gisiger" target="_blank">Nolto</a> · <a href="https://bsky.app/profile/gisiger.bsky.social" target="_blank">Bluesky</a> · <a href="https://www.linkedin.com/comm/mynetwork/discovery-see-all?usecase=PEOPLE_FOLLOWS&amp;followMember=michaelgisiger" target="_blank">LinkedIn</a></p>
    </div>
</div>
]]></content:encoded>
      <guid>https://epicmind.ch/epicmonday-25-bin-ich-so-wie-ich-bin-oder-so-wie-ich-sein-will</guid>
      <pubDate>Mon, 22 Jun 2026 07:30:52 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Lesen: Über welche Bildschirme sprechen wir eigentlich?</title>
      <link>https://epicmind.ch/lesen-ueber-welche-bildschirme-sprechen-wir-eigentlich?pk_campaign=rss-feed</link>
      <description>&lt;![CDATA[Watrous: Just a Couple of Girls&#xA;&#xA;Wer regelmässig wissenschaftliche Erkenntnisse über Lesen, #Lernen und ähnliche Themen konsultiert, begegnet einem vertrauten Muster. Irgendwo erscheint eine neue Studie. Wenige Tage später folgen die populärwissenschaftlichen Schlagzeilen: Papier sei dem Bildschirm überlegen, Bücher förderten das Verständnis, digitale Medien erschwerten die Konzentration. Die Studien unterscheiden sich, die Botschaft bleibt konstant.&#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Auch vor wenigen Tagen machte eine solche Untersuchung die Runde. Sie kommt zu einem ähnlichen Schluss wie viele ihrer Vorgänger: Wer auf Papier liest, verarbeitet komplexe Inhalte offenbar effizienter als jemand, der denselben Text auf einem digitalen Gerät liest. Doch während ich die Berichte darüber las, blieb ich an einer anderen Frage hängen. Nicht daran, ob Papier Vorteile hat. Sondern daran, was genau eigentlich mit „Bildschirm“ gemeint ist. Denn je länger ich mich mit dem Thema beschäftige, desto mehr habe ich den Eindruck, dass wir über digitales Lesen oft in viel zu groben Kategorien sprechen.&#xA;&#xA;Was die Studie zeigt – und was nicht&#xA;&#xA;Die Studie Manga reading on paper vs. digital devices [1] liess Studierende einen Manga entweder in gedruckter Form oder auf einem Tablet lesen und untersuchte anschliessend ihre Hirnaktivität mittels funktioneller Magnetresonanztomografie.&#xA;&#xA;Die Ergebnisse sind durchaus bemerkenswert: Die Teilnehmenden verstanden die Geschichte unabhängig vom Medium ähnlich gut. Bei komplexeren Fragen jedoch benötigten die Tablet-Leser mehr Zeit, um die richtigen Antworten zu finden. Gleichzeitig zeigten ihre Gehirne stärkere Aktivität in jenen Bereichen, die für Sprachverarbeitung, räumliche Orientierung und die Verknüpfung von Informationen zuständig sind. Die Forscher schliessen daraus, dass Papier dem Gehirn zusätzliche Orientierungspunkte liefert. Man erinnert sich nicht nur an den Inhalt eines Textes, sondern auch daran, wo dieser stand: links oder rechts, vorne oder hinten im Buch, oben oder unten auf einer Seite. Das Gehirn erstellt gewissermassen eine räumliche Landkarte des Gelesenen, die später beim Erinnern und Verknüpfen von Informationen hilft.&#xA;&#xA;Bevor man diese Befunde jedoch verallgemeinert, lohnt sich ein zweiter Blick auf den Untersuchungsgegenstand. Manga ist eine ausgesprochen spezifische Textsorte: visuell verdichtet, stark bildbasiert, mit einer eigenen Leserichtung und Erzählweise. Ob sich dieselben Effekte bei einem Roman, einem Fachbuch oder einem Zeitungsartikel in gleicher Form zeigen würden, bleibt offen. Die Studie liefert einen interessanten Baustein zum Verständnis des Lesens, aber keinen Beweis für eine generelle Überlegenheit des Papiers.&#xA;&#xA;Das Problem mit dem Sammelbegriff „Bildschirm“&#xA;&#xA;Noch grundsätzlicher stört mich allerdings etwas anderes. In der Berichterstattung wird aus „Tablet schlechter als Papier“ regelmässig „Bildschirme schlechter als Papier“. Das erscheint mir problematisch.&#xA;&#xA;Ein Tablet verfügt über einen selbstleuchtenden Bildschirm, zeigt Farben, unterstützt Apps, Benachrichtigungen und Animationen. Es ist ein Multifunktionsgerät, auf dem Lesen nur eine Tätigkeit unter vielen ist. Ein E-Reader dagegen ähnelt einem Buch deutlich stärker. Seine E-Ink-Anzeige reflektiert Licht wie Papier, statt es auszustrahlen. Die Geräte sind meist monochrom, ablenkungsarm und werden fast ausschliesslich zum Lesen genutzt. Wer nach einer Stunde auf einem Tablet ermüdet, macht auf einem E-Reader nicht zwingend dieselbe Erfahrung.&#xA;&#xA;Beide Geräte besitzen zwar einen Bildschirm, doch damit enden die Gemeinsamkeiten. Sie in denselben Topf zu werfen, ist ungefähr so erhellend wie die Aussage, Fahrräder und Motorräder seien dasselbe, weil beide zwei Räder haben.&#xA;&#xA;Hinzu kommt, dass die möglichen Ursachen für Unterschiede beim Lesen auf verschiedenen Ebenen liegen können. Eine Rolle spielen die Bildschirmtechnologie, die Helligkeit, das Ablenkungspotenzial, die Art der Navigation durch den Text, die Haptik des Geräts oder die räumliche Orientierung innerhalb eines Dokuments. Wer all diese Faktoren unter dem Begriff „Bildschirmlesen“ zusammenfasst, kann am Ende kaum noch sagen, welcher davon tatsächlich wirksam ist.&#xA;&#xA;Was wirklich für Papier spricht – und was offen bleibt&#xA;&#xA;Interessanterweise geht es in der Studie gar nicht um Augenbelastung oder Bildschirmhelligkeit. Das zentrale Argument der Autoren ist räumlicher Natur. Ein physisches Buch verändert sich während des Lesens. Die gelesenen Seiten werden mehr, die ungelesenen weniger. Bestimmte Passagen erhalten eine physische Position innerhalb des Objekts. Man weiss oft noch, dass eine wichtige Stelle ungefähr im ersten Drittel des Buches auf einer linken Seite stand, ohne sich bewusst daran erinnern zu wollen.&#xA;&#xA;Diese Orientierungshilfen fehlen beim Tablet weitgehend. Sie fehlen allerdings auch beim E-Reader. Wer die Erklärung der Forscher für überzeugend hält, müsste deshalb konsequenterweise davon ausgehen, dass auch E-Reader zumindest einen Teil dieses Nachteils ebenfalls zeigen. Die Frage ist lediglich, wie stark dieser Effekt tatsächlich ausfällt und ob andere Vorteile von E-Ink-Geräten ihn teilweise kompensieren.&#xA;&#xA;Genau hier wird die Forschungslage erstaunlich dünn. Viele ältere Studien entstanden zu einer Zeit, als E-Reader noch kaum verbreitet waren. Untersucht wurden meist Computerbildschirme oder Tablets. Die Ergebnisse wurden später häufig auf digitales Lesen insgesamt übertragen. Ob diese Verallgemeinerung gerechtfertigt ist, wurde jedoch selten systematisch überprüft – zumindest so weit ich als Laie die Literatur überblicke. Der direkte Vergleich zwischen Papier und modernen E-Readern bleibt damit weitgehend ein Forschungsdesiderat.&#xA;&#xA;Was wir eigentlich fragen sollten&#xA;&#xA;Die neue Studie liefert interessante Hinweise darauf, wie unser Gehirn Geschichten verarbeitet. Sie stützt die Annahme, dass physische Bücher dem Denken räumliche Ankerpunkte geben, die bei komplexen Inhalten helfen können. Das allein macht die Arbeit lesenswert.&#xA;&#xA;Was sie jedoch nicht zeigt, ist die Überlegenheit von Papier gegenüber jeder Form digitalen Lesens. Dafür untersucht sie die digitale Seite der Gleichung zu wenig differenziert.&#xA;&#xA;Vielleicht sollten wir deshalb aufhören, Bildschirmlesen so zu behandeln, als wäre das eine einheitliche Tätigkeit. Zwischen Smartphone, Tablet, Computerbildschirm und E-Reader liegen erhebliche Unterschiede – technisch, ergonomisch und möglicherweise auch kognitiv. Die eigentliche Frage lautet daher nicht: Papier oder digital? Sondern: Welche Eigenschaften eines Mediums unterstützen konzentriertes Denken – und welche erschweren es?&#xA;&#xA;Das erscheint mir nicht nur die interessantere Frage. Es ist vermutlich auch die wissenschaftlich präzisere. Ähnliches gilt übrigens auch für die Forschung zum Thema handschriftliches Schreiben auf Papier vs. auf „Bildschirmen“.&#xA;&#xA;---&#xA;💬 Kommentieren (nur für write.as-Accounts)&#xA;a href=&#34;https://remark.as/p/epicmind.ch/lesen-ueber-welche-bildschirme-sprechen-wir-eigentlich&#34;Discuss.../a&#xA;&#xA;---&#xA;Fussnoten&#xA;[1] K. Umejima, Y. Sunada und K. L. Sakai, „Manga reading on paper vs. digital devices: Prospective effects on core and supportive integration processes in the brain“, PLOS ONE, 3. Juni 2026. [Online]. Verfügbar: https://doi.org/10.1371/journal.pone.0349778.&#xA;&#xA;Bildquelle&#xA;Harry Wilson Watrous (1857–1940): Just a Couple of Girls, Brooklyn Museum, New York, Public Domain.&#xA;&#xA;Disclaimer&#xA;Teile dieses Texts wurden mit Deepl Write (Korrektorat und Lektorat) überarbeitet. Für die Recherche in den erwähnten Werken/Quellen und in meinen Notizen wurde NotebookLM von Google verwendet.&#xA;&#xA;Topic&#xA;#Erwachsenenbildung | #ProductivityPorn&#xA;&#xA;div class=&#34;signature&#34;&#xD;&#xA;    &lt;img&#xD;&#xA;        src=&#34;https://www.gisiger.biz/assets/storage/epicmind/michael-gisiger-round-2.png&#34;&#xD;&#xA;        alt=&#34;Michael Gisiger&#34;&#xD;&#xA;        class=&#34;profile-pic u-photo&#34;&#xD;&#xA;      div class=&#34;signature-content&#34;&#xD;&#xA;        h2 class=&#34;p-author p-name&#34; rel=&#34;author&#34;Michael Gisiger/h2&#xD;&#xA;&#xD;&#xA;        p class=&#34;p-note&#34;&#xD;&#xA;            Erwachsenenbildner und Coach mit 20+ Jahren Erfahrung.&#xD;&#xA;            Aus philosophischer Perspektive schreibe ich über Produktivität,&#xD;&#xA;            PKM und Coaching – fundiert und praxisnah.&#xD;&#xA;        /p&#xD;&#xA;&#xD;&#xA;p class=&#34;signature-links&#34;a href=&#34;https://www.michaelgisiger.ch/&#34; target=&#34;blank&#34;Website/a · a href=&#34;https://nerdculture.de/@gisiger&#34; target=&#34;blank&#34; rel=&#34;me&#34;Mastodon/a · a href=&#34;https://nolto.social/profile/michaelgisiger&#34; target=&#34;blank&#34;Nolto/a · a href=&#34;https://bsky.app/profile/gisiger.bsky.social&#34; target=&#34;blank&#34;Bluesky/a · a href=&#34;https://www.linkedin.com/comm/mynetwork/discovery-see-all?usecase=PEOPLEFOLLOWS&amp;amp;followMember=michaelgisiger&#34; target=&#34;blank&#34;LinkedIn/a/p&#xD;&#xA;    /div&#xD;&#xA;/div]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><img src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/1/17/Harry_Wilson_Watrous_Just_a_Couple_of_Girls_1915.jpg/960px-Harry_Wilson_Watrous_Just_a_Couple_of_Girls_1915.jpg" alt="Watrous: Just a Couple of Girls"/></p>

<p>Wer regelmässig wissenschaftliche Erkenntnisse über Lesen, <a href="https://epicmind.ch/tag:Lernen" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Lernen</span></a> und ähnliche Themen konsultiert, begegnet einem vertrauten Muster. Irgendwo erscheint eine neue Studie. Wenige Tage später folgen die populärwissenschaftlichen Schlagzeilen: Papier sei dem Bildschirm überlegen, Bücher förderten das Verständnis, digitale Medien erschwerten die Konzentration. Die Studien unterscheiden sich, die Botschaft bleibt konstant.</p>



<p>Auch vor wenigen Tagen <a href="https://graziamagazine.com/us/articles/why-this-old-school-reading-habit-quietly-upgrades-your-brain-neuroscientists-just-confirmed/">machte eine solche Untersuchung die Runde</a>. Sie kommt zu einem ähnlichen Schluss wie viele ihrer Vorgänger: Wer auf Papier liest, verarbeitet komplexe Inhalte offenbar effizienter als jemand, der denselben Text auf einem digitalen Gerät liest. Doch während ich die Berichte darüber las, blieb ich an einer anderen Frage hängen. Nicht daran, ob Papier Vorteile hat. Sondern daran, was genau eigentlich mit „Bildschirm“ gemeint ist. Denn je länger ich mich mit dem Thema beschäftige, desto mehr habe ich den Eindruck, dass wir über <a href="./warum-lesen-dein-leben-verandern-kann">digitales Lesen</a> oft in viel zu groben Kategorien sprechen.</p>

<h2 id="was-die-studie-zeigt-und-was-nicht" id="was-die-studie-zeigt-und-was-nicht">Was die Studie zeigt – und was nicht</h2>

<p>Die Studie <em>Manga reading on paper vs. digital devices</em> [1] liess Studierende einen Manga entweder in gedruckter Form oder auf einem Tablet lesen und untersuchte anschliessend ihre Hirnaktivität mittels funktioneller Magnetresonanztomografie.</p>

<p>Die Ergebnisse sind durchaus bemerkenswert: Die Teilnehmenden verstanden die Geschichte unabhängig vom Medium ähnlich gut. Bei komplexeren Fragen jedoch benötigten die Tablet-Leser mehr Zeit, um die richtigen Antworten zu finden. Gleichzeitig zeigten ihre Gehirne stärkere Aktivität in jenen Bereichen, die für Sprachverarbeitung, räumliche Orientierung und die Verknüpfung von Informationen zuständig sind. Die Forscher schliessen daraus, dass Papier dem Gehirn zusätzliche Orientierungspunkte liefert. Man erinnert sich nicht nur an den Inhalt eines Textes, sondern auch daran, wo dieser stand: links oder rechts, vorne oder hinten im Buch, oben oder unten auf einer Seite. Das Gehirn erstellt gewissermassen eine räumliche Landkarte des Gelesenen, die später beim Erinnern und Verknüpfen von Informationen hilft.</p>

<p>Bevor man diese Befunde jedoch verallgemeinert, lohnt sich ein zweiter Blick auf den Untersuchungsgegenstand. Manga ist eine ausgesprochen spezifische Textsorte: visuell verdichtet, stark bildbasiert, mit einer eigenen Leserichtung und Erzählweise. Ob sich dieselben Effekte bei einem Roman, einem Fachbuch oder einem Zeitungsartikel in gleicher Form zeigen würden, bleibt offen. Die Studie liefert einen interessanten Baustein zum Verständnis des Lesens, aber keinen Beweis für eine generelle Überlegenheit des Papiers.</p>

<h2 id="das-problem-mit-dem-sammelbegriff-bildschirm" id="das-problem-mit-dem-sammelbegriff-bildschirm">Das Problem mit dem Sammelbegriff „Bildschirm“</h2>

<p>Noch grundsätzlicher stört mich allerdings etwas anderes. In der Berichterstattung wird aus „Tablet schlechter als Papier“ regelmässig „Bildschirme schlechter als Papier“. Das erscheint mir problematisch.</p>

<p>Ein Tablet verfügt über einen selbstleuchtenden Bildschirm, zeigt Farben, unterstützt Apps, Benachrichtigungen und Animationen. Es ist ein Multifunktionsgerät, auf dem Lesen nur eine Tätigkeit unter vielen ist. Ein E-Reader dagegen ähnelt einem Buch deutlich stärker. Seine E-Ink-Anzeige reflektiert Licht wie Papier, statt es auszustrahlen. Die Geräte sind meist monochrom, ablenkungsarm und werden fast ausschliesslich zum Lesen genutzt. Wer nach einer Stunde auf einem Tablet ermüdet, macht auf einem E-Reader nicht zwingend dieselbe Erfahrung.</p>

<p>Beide Geräte besitzen zwar einen Bildschirm, doch damit enden die Gemeinsamkeiten. Sie in denselben Topf zu werfen, ist ungefähr so erhellend wie die Aussage, Fahrräder und Motorräder seien dasselbe, weil beide zwei Räder haben.</p>

<p>Hinzu kommt, dass die möglichen Ursachen für Unterschiede beim Lesen auf verschiedenen Ebenen liegen können. Eine Rolle spielen die Bildschirmtechnologie, die Helligkeit, das Ablenkungspotenzial, die Art der Navigation durch den Text, die Haptik des Geräts oder die räumliche Orientierung innerhalb eines Dokuments. Wer all diese Faktoren unter dem Begriff „Bildschirmlesen“ zusammenfasst, kann am Ende kaum noch sagen, welcher davon tatsächlich wirksam ist.</p>

<h2 id="was-wirklich-für-papier-spricht-und-was-offen-bleibt" id="was-wirklich-für-papier-spricht-und-was-offen-bleibt">Was wirklich für Papier spricht – und was offen bleibt</h2>

<p>Interessanterweise geht es in der Studie gar nicht um Augenbelastung oder Bildschirmhelligkeit. Das zentrale Argument der Autoren ist räumlicher Natur. Ein physisches Buch verändert sich während des Lesens. Die gelesenen Seiten werden mehr, die ungelesenen weniger. Bestimmte Passagen erhalten eine physische Position innerhalb des Objekts. Man weiss oft noch, dass eine wichtige Stelle ungefähr im ersten Drittel des Buches auf einer linken Seite stand, ohne sich bewusst daran erinnern zu wollen.</p>

<p>Diese Orientierungshilfen fehlen beim Tablet weitgehend. Sie fehlen allerdings auch beim E-Reader. Wer die Erklärung der Forscher für überzeugend hält, müsste deshalb konsequenterweise davon ausgehen, dass auch E-Reader zumindest einen Teil dieses Nachteils ebenfalls zeigen. Die Frage ist lediglich, wie stark dieser Effekt tatsächlich ausfällt und ob andere Vorteile von E-Ink-Geräten ihn teilweise kompensieren.</p>

<p>Genau hier wird die Forschungslage erstaunlich dünn. Viele ältere Studien entstanden zu einer Zeit, als E-Reader noch kaum verbreitet waren. Untersucht wurden meist Computerbildschirme oder Tablets. Die Ergebnisse wurden später häufig auf digitales Lesen insgesamt übertragen. Ob diese Verallgemeinerung gerechtfertigt ist, wurde jedoch selten systematisch überprüft – zumindest so weit ich als Laie die Literatur überblicke. Der direkte Vergleich zwischen Papier und modernen E-Readern bleibt damit weitgehend ein Forschungsdesiderat.</p>

<h2 id="was-wir-eigentlich-fragen-sollten" id="was-wir-eigentlich-fragen-sollten">Was wir eigentlich fragen sollten</h2>

<p>Die neue Studie liefert interessante Hinweise darauf, wie unser Gehirn Geschichten verarbeitet. Sie stützt die Annahme, dass physische Bücher dem Denken räumliche Ankerpunkte geben, die bei komplexen Inhalten helfen können. Das allein macht die Arbeit lesenswert.</p>

<p>Was sie jedoch nicht zeigt, ist die Überlegenheit von Papier gegenüber jeder Form digitalen Lesens. Dafür untersucht sie die digitale Seite der Gleichung zu wenig differenziert.</p>

<p>Vielleicht sollten wir deshalb aufhören, Bildschirmlesen so zu behandeln, als wäre das eine einheitliche Tätigkeit. Zwischen Smartphone, Tablet, Computerbildschirm und E-Reader liegen erhebliche Unterschiede – technisch, ergonomisch und möglicherweise auch kognitiv. Die eigentliche Frage lautet daher nicht: Papier oder digital? Sondern: <a href="./die-verlorenen-werkzeuge-des-lernens">Welche Eigenschaften eines Mediums unterstützen konzentriertes Denken</a> – und welche erschweren es?</p>

<p>Das erscheint mir nicht nur die interessantere Frage. Es ist vermutlich auch die wissenschaftlich präzisere. Ähnliches gilt übrigens auch für die Forschung zum Thema <a href="https://text.tchncs.de/gisiger/papier-und-digital-effizient-verbinden-3-und-was-ist-mit-stift-auf-display">handschriftliches Schreiben auf Papier vs. auf „Bildschirmen“</a>.</p>

<hr/>

<h4 id="kommentieren-nur-für-write-as-accounts" id="kommentieren-nur-für-write-as-accounts">💬 Kommentieren (nur für write.as-Accounts)</h4>

<p><a href="https://remark.as/p/epicmind.ch/lesen-ueber-welche-bildschirme-sprechen-wir-eigentlich">Discuss...</a></p>

<hr/>

<p><strong>Fussnoten</strong>
[1] K. Umejima, Y. Sunada und K. L. Sakai, „Manga reading on paper vs. digital devices: Prospective effects on core and supportive integration processes in the brain“, PLOS ONE, 3. Juni 2026. [Online]. Verfügbar: <a href="https://doi.org/10.1371/journal.pone.0349778">https://doi.org/10.1371/journal.pone.0349778</a>.</p>

<p><strong>Bildquelle</strong>
<a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Harry_Watrous">Harry Wilson Watrous</a> (1857–1940): <em>Just a Couple of Girls</em>, Brooklyn Museum, New York, <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Harry_Wilson_Watrous_Just_a_Couple_of_Girls_1915.jpg">Public Domain</a>.</p>

<p><strong>Disclaimer</strong>
Teile dieses Texts wurden mit Deepl Write (Korrektorat und Lektorat) überarbeitet. Für die Recherche in den erwähnten Werken/Quellen und in meinen Notizen wurde NotebookLM von Google verwendet.</p>

<p><strong>Topic</strong>
<a href="https://epicmind.ch/tag:Erwachsenenbildung" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Erwachsenenbildung</span></a> | <a href="https://epicmind.ch/tag:ProductivityPorn" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">ProductivityPorn</span></a></p>

<div class="signature">
    <img src="https://www.gisiger.biz/assets/storage/epicmind/michael-gisiger-round-2.png" alt="Michael Gisiger" class="profile-pic u-photo">
    <div class="signature-content">
        <h2 class="p-author p-name">Michael Gisiger</h2>

        <p class="p-note">
            Erwachsenenbildner und Coach mit 20+ Jahren Erfahrung.
            Aus philosophischer Perspektive schreibe ich über Produktivität,
            PKM und Coaching – fundiert und praxisnah.
        </p>

<p class="signature-links"><a href="https://www.michaelgisiger.ch/" target="_blank">Website</a> · <a href="https://nerdculture.de/@gisiger" target="_blank">Mastodon</a> · <a href="https://nolto.social/profile/michael_gisiger" target="_blank">Nolto</a> · <a href="https://bsky.app/profile/gisiger.bsky.social" target="_blank">Bluesky</a> · <a href="https://www.linkedin.com/comm/mynetwork/discovery-see-all?usecase=PEOPLE_FOLLOWS&amp;followMember=michaelgisiger" target="_blank">LinkedIn</a></p>
    </div>
</div>
]]></content:encoded>
      <guid>https://epicmind.ch/lesen-ueber-welche-bildschirme-sprechen-wir-eigentlich</guid>
      <pubDate>Thu, 18 Jun 2026 12:54:54 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>EpicMonday 24: Lernen in Pausen – wie 10 Minuten Ruhe Dein Gedächtnis stärkt</title>
      <link>https://epicmind.ch/epicmonday-24-lernen-in-pausen-wie-10-minuten-ruhe-dein-gedaechtnis-staerkt?pk_campaign=rss-feed</link>
      <description>&lt;![CDATA[Illustration eines antiken Philosophen in Toga, der erschöpft an einem modernen Büroarbeitsplatz vor einem Computer sitzt, umgeben von leeren Bürostühlen und urbaner Architektur.&#xA;&#xA;Freundinnen &amp; Freunde der Weisheit! Wer effektiver lernen will, sollte nicht nur wiederholen, sondern gezielt Pausen einbauen – so das zentrale Ergebnis mehrerer neurowissenschaftlicher Studien.&#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Statt jede Minute mit Wiederholung zu füllen, empfiehlt sich die sogenannte 10-Minuten-Regel: Nach einer Lerneinheit folgt eine bewusste Ruhephase von etwa zehn Minuten. In dieser Zeit soll das Gehirn das eben Gelernte verarbeiten – ohne Ablenkung, ohne neue Reize.&#xA;&#xA;Diese kurzen Pausen – in der Forschung als offline waking rest bezeichnet – fördern die Konsolidierung von Gedächtnisinhalten. Laut einer Studie in Nature Reviews Psychology kann eine zehnminütige Phase ruhiger Inaktivität die Erinnerungsleistung deutlich steigern, teils vergleichbar mit den positiven Effekten einer Nacht Schlaf. Voraussetzung ist, dass diese Zeit wirklich reizarm gestaltet wird: keine Bildschirme, keine Musik, kein Gespräch. Ideal ist ein kurzer Moment mit geschlossenen Augen, ein Blick ins Leere oder ein Spaziergang. Alternativ kann auch moderate Bewegung wie zehn Minuten Sport helfen – Studien zeigen, dass dies das Arbeitsgedächtnis und höhere kognitive Funktionen unterstützt.&#xA;&#xA;Die 10-Minuten-Regel ist damit mehr als eine Pausenempfehlung – sie ist ein wirkungsvolles Lernprinzip. Wer nach einer intensiven Lernphase bewusst innehält, gibt dem Gehirn die Gelegenheit, neue Informationen zu stabilisieren und besser abrufbar zu machen. Ob für Präsentationen, Prüfungen oder komplexe Gespräche: Erst üben, dann ruhen – so lässt sich die eigene Lernzeit effizienter und nachhaltiger gestalten.&#xA;&#xA;Denkanstoss zum Wochenbeginn&#xA;&#xA;  „Mit Höflichkeit kann man sich die Menschen viel besser vom Leib halten als mit Grobheit.“ – Carl Sandburg (1878–1967)&#xA;&#xA;ProductivityPorn-Tipp der Woche: Regelmässige lange Pausen einlegen&#xA;&#xA;Neben kurzen Pausen sind auch längere Erholungszeiten wichtig. Nimm Dir eine echte Mittagspause oder gehe spazieren, um Deinen Kopf freizubekommen.&#xA;&#xA;Aus dem Archiv: Schlaf – Die unterschätzte Ressource für besseres Lernen&#xA;&#xA;In meiner Tätigkeit als Dozent spreche ich häufig mit meinen Studierenden darüber, wie sie richtig lernen können. Dabei vermittle ich wissenschaftlich fundierte Methoden, die das Lernen effizienter und nachhaltiger machen. Eine der zentralen Empfehlungen, die ich regelmässig betone, betrifft den Schlaf: Wer ausreichend schläft, kann das Gelernte besser verarbeiten und behalten. Doch aktuelle Forschungsergebnisse aus Japan zeigen nun, dass Schlaf noch weit mehr bewirkt: Er bereitet das Gehirn aktiv auf zukünftiges Lernen vor.&#xA;&#xA;weiterlesen …&#xA;&#xA;Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast, diesen Newsletter zu lesen. Ich hoffe, die Inhalte konnten Dich inspirieren und Dir wertvolle Impulse für Dein (digitales) Leben geben. Bleib neugierig und hinterfrage, was Dir begegnet!&#xA;&#xA;---&#xA;EpicMind – Weisheiten für das digitale Leben&#xA;„EpicMind“ (kurz für „Epicurean Mindset“) ist mein Blog und Newsletter, der sich den Themen Lernen, Produktivität, Selbstmanagement und Technologie widmet – alles gewürzt mit einer Prise Philosophie.&#xA;&#xA;!--emailsub--&#xA;&#xA;---&#xA;Disclaimer&#xA;Teile dieses Texts wurden mit Deepl Write (Korrektorat und Lektorat) überarbeitet. Für die Recherche in den erwähnten Werken/Quellen und in meinen Notizen wurde NotebookLM von Google verwendet. Das Artikel-Bild wurde mit ChatGPT erstellt und anschliessend nachbearbeitet.&#xA;&#xA;Topic&#xA;Newsletter&#xA;&#xA;div class=&#34;signature&#34;&#xD;&#xA;    &lt;img&#xD;&#xA;        src=&#34;https://www.gisiger.biz/assets/storage/epicmind/michael-gisiger-round-2.png&#34;&#xD;&#xA;        alt=&#34;Michael Gisiger&#34;&#xD;&#xA;        class=&#34;profile-pic u-photo&#34;&#xD;&#xA;      div class=&#34;signature-content&#34;&#xD;&#xA;        h2 class=&#34;p-author p-name&#34; rel=&#34;author&#34;Michael Gisiger/h2&#xD;&#xA;&#xD;&#xA;        p class=&#34;p-note&#34;&#xD;&#xA;            Erwachsenenbildner und Coach mit 20+ Jahren Erfahrung.&#xD;&#xA;            Aus philosophischer Perspektive schreibe ich über Produktivität,&#xD;&#xA;            PKM und Coaching – fundiert und praxisnah.&#xD;&#xA;        /p&#xD;&#xA;&#xD;&#xA;p class=&#34;signature-links&#34;a href=&#34;https://www.michaelgisiger.ch/&#34; target=&#34;blank&#34;Website/a · a href=&#34;https://nerdculture.de/@gisiger&#34; target=&#34;blank&#34; rel=&#34;me&#34;Mastodon/a · a href=&#34;https://nolto.social/profile/michaelgisiger&#34; target=&#34;blank&#34;Nolto/a · a href=&#34;https://bsky.app/profile/gisiger.bsky.social&#34; target=&#34;blank&#34;Bluesky/a · a href=&#34;https://www.linkedin.com/comm/mynetwork/discovery-see-all?usecase=PEOPLEFOLLOWS&amp;amp;followMember=michaelgisiger&#34; target=&#34;_blank&#34;LinkedIn/a/p&#xD;&#xA;    /div&#xD;&#xA;/div]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><img src="https://gisiger.biz/assets/storage/epicmind/epicmonday-cover.png" alt="Illustration eines antiken Philosophen in Toga, der erschöpft an einem modernen Büroarbeitsplatz vor einem Computer sitzt, umgeben von leeren Bürostühlen und urbaner Architektur."/></p>

<p>Freundinnen &amp; Freunde der Weisheit! Wer effektiver lernen will, sollte nicht nur wiederholen, sondern gezielt Pausen einbauen – so das zentrale Ergebnis mehrerer neurowissenschaftlicher Studien.</p>



<p>Statt jede Minute mit Wiederholung zu füllen, empfiehlt sich die sogenannte <strong>10-Minuten-Regel</strong>: Nach einer Lerneinheit folgt <a href="https://www.nature.com/articles/s44159-022-00072-w">eine bewusste Ruhephase von etwa zehn Minuten</a>. In dieser Zeit soll das Gehirn das eben Gelernte verarbeiten – ohne Ablenkung, ohne neue Reize.</p>

<p>Diese kurzen Pausen – in der Forschung als <em>offline waking rest</em> bezeichnet – fördern die Konsolidierung von Gedächtnisinhalten. Laut einer <a href="https://www.nature.com/articles/s44159-022-00072-w">Studie in <em>Nature Reviews Psychology</em></a> kann eine zehnminütige Phase ruhiger Inaktivität die Erinnerungsleistung deutlich steigern, teils vergleichbar mit den positiven Effekten einer Nacht Schlaf. Voraussetzung ist, dass diese Zeit wirklich reizarm gestaltet wird: keine Bildschirme, keine Musik, kein Gespräch. Ideal ist ein kurzer Moment mit geschlossenen Augen, ein Blick ins Leere oder ein Spaziergang. Alternativ kann auch moderate Bewegung wie zehn Minuten Sport helfen – <a href="https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S146902922300122X">Studien zeigen</a>, dass dies das <a href="https://jech.bmj.com/content/77/3/189">Arbeitsgedächtnis und höhere kognitive Funktionen</a> unterstützt.</p>

<p>Die 10-Minuten-Regel ist damit mehr als eine Pausenempfehlung – sie ist ein wirkungsvolles Lernprinzip. Wer nach einer intensiven Lernphase bewusst innehält, gibt dem Gehirn die Gelegenheit, neue Informationen zu stabilisieren und besser abrufbar zu machen. Ob für Präsentationen, Prüfungen oder komplexe Gespräche: Erst üben, dann ruhen – so lässt sich die eigene Lernzeit effizienter und nachhaltiger gestalten.</p>

<h2 id="denkanstoss-zum-wochenbeginn" id="denkanstoss-zum-wochenbeginn">Denkanstoss zum Wochenbeginn</h2>

<blockquote><p><strong><em>„Mit Höflichkeit kann man sich die Menschen viel besser vom Leib halten als mit Grobheit.“</em></strong> – Carl Sandburg (1878–1967)</p></blockquote>

<h2 id="productivityporn-tipp-der-woche-regelmässige-lange-pausen-einlegen" id="productivityporn-tipp-der-woche-regelmässige-lange-pausen-einlegen">ProductivityPorn-Tipp der Woche: Regelmässige lange Pausen einlegen</h2>

<p>Neben kurzen Pausen sind auch längere Erholungszeiten wichtig. Nimm Dir eine echte Mittagspause oder gehe spazieren, um Deinen Kopf freizubekommen.</p>

<h2 id="aus-dem-archiv-schlaf-die-unterschätzte-ressource-für-besseres-lernen" id="aus-dem-archiv-schlaf-die-unterschätzte-ressource-für-besseres-lernen">Aus dem Archiv: Schlaf – Die unterschätzte Ressource für besseres Lernen</h2>

<p>In meiner Tätigkeit als Dozent spreche ich häufig mit meinen Studierenden darüber, wie sie richtig lernen können. Dabei vermittle ich wissenschaftlich fundierte Methoden, die das Lernen effizienter und nachhaltiger machen. Eine der zentralen Empfehlungen, die ich regelmässig betone, betrifft den Schlaf: Wer ausreichend schläft, kann das Gelernte besser verarbeiten und behalten. Doch aktuelle Forschungsergebnisse aus Japan zeigen nun, dass Schlaf noch weit mehr bewirkt: Er bereitet das Gehirn aktiv auf zukünftiges Lernen vor.</p>

<p><a href="https://epicmind.ch/schlaf-die-unterschatzte-ressource-fur-besseres-lernen">weiterlesen …</a></p>

<p>Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast, diesen Newsletter zu lesen. Ich hoffe, die Inhalte konnten Dich inspirieren und Dir wertvolle Impulse für Dein (digitales) Leben geben. Bleib neugierig und hinterfrage, was Dir begegnet!</p>

<hr/>

<p><a href="https://epicmind.ch/"><strong>EpicMind – Weisheiten für das digitale Leben</strong></a>
„EpicMind“ (kurz für „Epicurean Mindset“) ist mein Blog und Newsletter, der sich den Themen Lernen, Produktivität, Selbstmanagement und Technologie widmet – alles gewürzt mit einer Prise Philosophie.</p>



<hr/>

<p><strong>Disclaimer</strong>
Teile dieses Texts wurden mit Deepl Write (Korrektorat und Lektorat) überarbeitet. Für die Recherche in den erwähnten Werken/Quellen und in meinen Notizen wurde NotebookLM von Google verwendet. Das Artikel-Bild wurde mit ChatGPT erstellt und anschliessend nachbearbeitet.</p>

<p><strong>Topic</strong>
<a href="https://epicmind.ch/tag:Newsletter" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Newsletter</span></a></p>

<div class="signature">
    <img src="https://www.gisiger.biz/assets/storage/epicmind/michael-gisiger-round-2.png" alt="Michael Gisiger" class="profile-pic u-photo">
    <div class="signature-content">
        <h2 class="p-author p-name">Michael Gisiger</h2>

        <p class="p-note">
            Erwachsenenbildner und Coach mit 20+ Jahren Erfahrung.
            Aus philosophischer Perspektive schreibe ich über Produktivität,
            PKM und Coaching – fundiert und praxisnah.
        </p>

<p class="signature-links"><a href="https://www.michaelgisiger.ch/" target="_blank">Website</a> · <a href="https://nerdculture.de/@gisiger" target="_blank">Mastodon</a> · <a href="https://nolto.social/profile/michael_gisiger" target="_blank">Nolto</a> · <a href="https://bsky.app/profile/gisiger.bsky.social" target="_blank">Bluesky</a> · <a href="https://www.linkedin.com/comm/mynetwork/discovery-see-all?usecase=PEOPLE_FOLLOWS&amp;followMember=michaelgisiger" target="_blank">LinkedIn</a></p>
    </div>
</div>
]]></content:encoded>
      <guid>https://epicmind.ch/epicmonday-24-lernen-in-pausen-wie-10-minuten-ruhe-dein-gedaechtnis-staerkt</guid>
      <pubDate>Mon, 15 Jun 2026 06:30:37 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Lernen hält nicht jung – aber es verändert, wie wir altern</title>
      <link>https://epicmind.ch/lernen-haelt-nicht-jung-aber-es-veraendert-wie-wir-altern?pk_campaign=rss-feed</link>
      <description>&lt;![CDATA[Batoni: Die büßende Magdalena&#xA;&#xA;Mit zwanzig lernte ich, um voranzukommen. Mit dreissig lernte ich, um beruflich relevant zu bleiben. Mit fünfzig stelle ich mir eine andere Frage: Hat Lernen vielleicht weniger mit Karriere zu tun als mit der Art, wie wir altern? Diese Frage drängte sich mir bei der Lektüre verschiedener Texte zur Altersforschung auf. Überraschend war dabei nicht die Erkenntnis, dass ältere Menschen noch lernen können. Das dürfte heute kaum jemanden erstaunen. Überraschend war vielmehr die Vermutung, dass der Zusammenhang möglicherweise umgekehrt verläuft: Vielleicht lernen wir nicht weiter, weil wir geistig fit geblieben sind. Vielleicht bleiben wir geistig fit, weil wir weiterlernen.&#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Lange Zeit betrachtete die Wissenschaft das Altern vor allem als Geschichte des Verlusts. Die körperliche Leistungsfähigkeit nimmt ab, die Reaktionsgeschwindigkeit sinkt, das Gedächtnis wird weniger zuverlässig. Auch das Gehirn schien diesem Muster zu folgen. Wer älter wurde, so die verbreitete Annahme, musste sich mit einem schrittweisen geistigen Rückzug abfinden.&#xA;&#xA;Heute zeichnet sich ein differenzierteres Bild ab. Zwar nehmen bestimmte Fähigkeiten tatsächlich ab. Gleichzeitig bleiben Wissen, Erfahrung, Sprachvermögen und Urteilskraft oft erstaunlich lange erhalten. Der ältere Mensch mag langsamer sein als der jüngere, aber nicht zwingend weniger klug. Häufig verfügt er über einen grösseren Vorrat an Erfahrungen und Zusammenhängen, auf die er zurückgreifen kann.&#xA;&#xA;Noch wichtiger ist eine andere Erkenntnis: Das Gehirn ist kein starres Organ, das nach der Jugend fertig entwickelt ist. Es bleibt lebenslang veränderbar – Neurowissenschaftler sprechen von Neuroplastizität. Was mich daran fasziniert, ist weniger der Fachbegriff als das Bild dahinter. Das Gehirn legt nicht einfach Wissen auf Vorrat an. Es baut ein dichtes Netz von Verbindungen. Fällt ein Weg aus, stehen andere zur Verfügung.&#xA;&#xA;Daraus ergibt sich das Konzept der kognitiven Reserve. Menschen altern kognitiv sehr unterschiedlich, und eine Erklärung lautet, dass manche im Laufe ihres Lebens eine Art innere Widerstandsfähigkeit aufgebaut haben – durch Lesen, #Lernen, Schreiben, Gespräche, Musik, soziale Beziehungen, geistige Herausforderungen. Nicht als bewusste Vorsorge, sondern als Haltung: neugierig geblieben zu sein.&#xA;&#xA;Diese Sichtweise verändert den Blick auf das Lernen grundlegend. Lernen dient nicht nur dazu, Wissen zu erwerben oder beruflich Schritt zu halten. Es ist zugleich eine Investition in die eigene geistige Beweglichkeit.&#xA;&#xA;Vielleicht liegt hier sogar ein tieferer Irrtum unserer Bildungskultur. Wir betrachten Lernen oft als Vorbereitung auf das Leben. Schule bereitet auf den Beruf vor, Weiterbildung auf die nächste Karrierestufe. Lernen erscheint als Mittel zum Zweck.&#xA;&#xA;Was aber, wenn Lernen nicht die Vorbereitung auf das Leben ist, sondern ein Teil des guten Lebens selbst?&#xA;&#xA;In der japanischen Zen-Tradition spricht man von Shoshin, dem „Geist des Anfängers“. Gemeint ist die Fähigkeit, einer Sache so zu begegnen, als sähe man sie zum ersten Mal. Der Anfänger verfügt über wenig Wissen, aber über viele Möglichkeiten. Der Experte besitzt viel Wissen, läuft jedoch Gefahr, sich in Gewohnheiten und Gewissheiten einzurichten.&#xA;&#xA;Je älter ich werde, desto häufiger beobachte ich diesen Mechanismus auch bei mir selbst. Die Versuchung ist real: sich auf das zurückzuziehen, was man bereits weiss. Es fühlt sich nicht nach Rückzug an – es fühlt sich nach Kompetenz an. Aber es ist nicht dasselbe.&#xA;&#xA;Vielleicht liegt darin die grösste Herausforderung des Alterns: nicht die nachlassende Fähigkeit zu lernen, sondern der schleichende Verlust der Bereitschaft dazu. Seneca, der stoische Philosoph, hätte das wohl verstanden. Für die Stoiker war #Bildung keine Lebensphase, sondern eine Haltung. Man lernte nicht, um irgendwann fertig zu sein, sondern um aufmerksam, urteilsfähig und wach zu bleiben. Das klingt nach einem alten Gedanken – und ist vielleicht deshalb so beständig, weil er stimmt.&#xA;&#xA;Was mich geistig wach hält, sind meistens nicht die grossen Projekte. Es sind die kleinen Momente, in denen man wieder Anfänger wird. Ein Buch, das die eigene Sicht auf die Welt verschiebt. Ein Gedanke, den man so noch nie gedacht hat. Eine Frage, auf die man keine fertige Antwort besitzt.&#xA;&#xA;Die moderne Forschung bestätigt genau diese Haltung. Wer geistig beweglich bleiben möchte, sollte sich nicht nur mit Vertrautem umgeben. Das Gehirn reagiert besonders stark auf Neuheit, Herausforderung und Anpassung. Eine Fremdsprache lernen. Ein Instrument beginnen. Reisen. Schreiben. Neue Menschen kennenlernen. Die einzelnen Tätigkeiten sind austauschbar. Entscheidend ist etwas anderes: die Bereitschaft, wieder Anfänger zu werden.&#xA;&#xA;Freilich wäre es ein Fehler, Lernen zum Wundermittel zu erklären. Das Gehirn arbeitet nicht isoliert. Bewegung, Schlaf, Ernährung, soziale Beziehungen – all das spielt ebenso hinein. Ein gesundes #Alter ist kein Soloprojekt.&#xA;&#xA;Aber darüber, wie wir geistig altern, haben wir mehr Einfluss, als lange angenommen wurde. Das Gegenteil des geistigen Alterns ist nicht Jugendlichkeit. Es ist Neugier. Wer aufhört zu lernen, wird nicht alt. Er beginnt lediglich, sich zu wiederholen.&#xA;&#xA;---&#xA;💬 Kommentieren (nur für write.as-Accounts)&#xA;a href=&#34;https://remark.as/p/epicmind.ch/lernen-haelt-nicht-jung-aber-es-veraendert-wie-wir-altern&#34;Discuss.../a&#xA;&#xA;---&#xA;Bildquelle&#xA;Pompeo Batoni (1708–1787): Die büßende Magdalena (Kopie aus dem 19. Jahrhundert, das Original wurde im Zweiten Weltkrieg in Dresden vernichtet), Dorotheum, Wien, Public DomainafterBatoniMagdalena.jpg).&#xA;&#xA;Disclaimer&#xA;Teile dieses Texts wurden mit Deepl Write (Korrektorat und Lektorat) überarbeitet. Für die Recherche in den erwähnten Werken/Quellen und in meinen Notizen wurde NotebookLM von Google verwendet.&#xA;&#xA;Topic&#xA;#Selbstbetrachtungen | #Erwachsenenbildung&#xA;&#xA;div class=&#34;signature&#34;&#xD;&#xA;    &lt;img&#xD;&#xA;        src=&#34;https://www.gisiger.biz/assets/storage/epicmind/michael-gisiger-round-2.png&#34;&#xD;&#xA;        alt=&#34;Michael Gisiger&#34;&#xD;&#xA;        class=&#34;profile-pic u-photo&#34;&#xD;&#xA;      div class=&#34;signature-content&#34;&#xD;&#xA;        h2 class=&#34;p-author p-name&#34; rel=&#34;author&#34;Michael Gisiger/h2&#xD;&#xA;&#xD;&#xA;        p class=&#34;p-note&#34;&#xD;&#xA;            Erwachsenenbildner und Coach mit 20+ Jahren Erfahrung.&#xD;&#xA;            Aus philosophischer Perspektive schreibe ich über Produktivität,&#xD;&#xA;            PKM und Coaching – fundiert und praxisnah.&#xD;&#xA;        /p&#xD;&#xA;&#xD;&#xA;p class=&#34;signature-links&#34;a href=&#34;https://www.michaelgisiger.ch/&#34; target=&#34;blank&#34;Website/a · a href=&#34;https://nerdculture.de/@gisiger&#34; target=&#34;blank&#34; rel=&#34;me&#34;Mastodon/a · a href=&#34;https://nolto.social/profile/michaelgisiger&#34; target=&#34;blank&#34;Nolto/a · a href=&#34;https://bsky.app/profile/gisiger.bsky.social&#34; target=&#34;blank&#34;Bluesky/a · a href=&#34;https://www.linkedin.com/comm/mynetwork/discovery-see-all?usecase=PEOPLEFOLLOWS&amp;amp;followMember=michaelgisiger&#34; target=&#34;_blank&#34;LinkedIn/a/p&#xD;&#xA;    /div&#xD;&#xA;/div]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><img src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/a/ad/Karl_Javurek_%28attr%29_after_Batoni_Magdalena.jpg/1280px-Karl_Javurek_%28attr%29_after_Batoni_Magdalena.jpg" alt="Batoni: Die büßende Magdalena"/></p>

<p>Mit zwanzig lernte ich, um voranzukommen. Mit dreissig lernte ich, um beruflich relevant zu bleiben. Mit fünfzig stelle ich mir eine andere Frage: Hat Lernen vielleicht weniger mit Karriere zu tun als mit der Art, wie wir altern? Diese Frage drängte sich mir bei der Lektüre verschiedener Texte zur Altersforschung auf. Überraschend war dabei nicht die Erkenntnis, dass ältere Menschen noch lernen können. Das dürfte heute kaum jemanden erstaunen. Überraschend war vielmehr die Vermutung, dass der Zusammenhang möglicherweise umgekehrt verläuft: Vielleicht lernen wir nicht weiter, weil wir geistig fit geblieben sind. Vielleicht bleiben wir geistig fit, weil wir weiterlernen.</p>



<p>Lange Zeit betrachtete die Wissenschaft das Altern vor allem <a href="https://www.nzz.ch/article7E386-ld.173162">als Geschichte des Verlusts</a>. Die körperliche Leistungsfähigkeit nimmt ab, die Reaktionsgeschwindigkeit sinkt, das Gedächtnis wird weniger zuverlässig. Auch das Gehirn schien diesem Muster zu folgen. Wer älter wurde, so die verbreitete Annahme, musste sich mit einem schrittweisen geistigen Rückzug abfinden.</p>

<p>Heute zeichnet sich <a href="https://news.harvard.edu/gazette/story/2015/03/smarter-by-the-minute-sort-of/">ein differenzierteres Bild</a> ab. Zwar nehmen bestimmte Fähigkeiten tatsächlich ab. Gleichzeitig bleiben Wissen, Erfahrung, Sprachvermögen und Urteilskraft oft erstaunlich lange erhalten. Der ältere Mensch mag langsamer sein als der jüngere, aber nicht zwingend weniger klug. Häufig verfügt er über einen grösseren Vorrat an Erfahrungen und Zusammenhängen, auf die er zurückgreifen kann.</p>

<p>Noch wichtiger ist eine andere Erkenntnis: Das Gehirn ist kein starres Organ, das nach der Jugend fertig entwickelt ist. Es bleibt lebenslang veränderbar – <a href="https://www.spektrum.de/news/hirnabbau-im-alter-neuronale-kompensation-bewahrt-klares-denken/2208423">Neurowissenschaftler sprechen von <em>Neuroplastizität</em></a>. Was mich daran fasziniert, ist weniger der Fachbegriff als das Bild dahinter. Das Gehirn legt nicht einfach Wissen auf Vorrat an. Es baut ein dichtes Netz von Verbindungen. Fällt ein Weg aus, stehen andere zur Verfügung.</p>

<p>Daraus ergibt sich das <a href="https://www.spektrum.de/news/kognitive-reserve-ein-puffer-gegen-alzheimer/2203538">Konzept der <em>kognitiven Reserve</em></a>. Menschen altern kognitiv sehr unterschiedlich, und eine Erklärung lautet, dass manche im Laufe ihres Lebens eine Art innere Widerstandsfähigkeit aufgebaut haben – durch Lesen, <a href="https://epicmind.ch/tag:Lernen" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Lernen</span></a>, Schreiben, Gespräche, Musik, soziale Beziehungen, geistige Herausforderungen. Nicht als bewusste Vorsorge, sondern als Haltung: neugierig geblieben zu sein.</p>

<p>Diese Sichtweise verändert den Blick auf das Lernen grundlegend. Lernen dient nicht nur dazu, Wissen zu erwerben oder beruflich Schritt zu halten. Es ist zugleich eine Investition in die eigene geistige Beweglichkeit.</p>

<p>Vielleicht liegt hier sogar ein tieferer Irrtum unserer Bildungskultur. Wir betrachten Lernen oft als Vorbereitung auf das Leben. Schule bereitet auf den Beruf vor, Weiterbildung auf die nächste Karrierestufe. Lernen erscheint als Mittel zum Zweck.</p>

<p><em>Was aber, wenn Lernen nicht die Vorbereitung auf das Leben ist, sondern ein Teil des guten Lebens selbst?</em></p>

<p><a href="https://psyche.co/guides/how-to-cultivate-shoshin-or-a-beginners-mind">In der japanischen Zen-Tradition spricht man von <em>Shoshin</em></a>, dem „Geist des Anfängers“. Gemeint ist die Fähigkeit, einer Sache so zu begegnen, als sähe man sie zum ersten Mal. Der Anfänger verfügt über wenig Wissen, aber über viele Möglichkeiten. Der Experte besitzt viel Wissen, läuft jedoch Gefahr, sich in Gewohnheiten und Gewissheiten einzurichten.</p>

<p>Je älter ich werde, desto häufiger beobachte ich diesen Mechanismus auch bei mir selbst. Die Versuchung ist real: sich auf das zurückzuziehen, was man bereits weiss. Es fühlt sich nicht nach Rückzug an – es fühlt sich nach Kompetenz an. Aber es ist nicht dasselbe.</p>

<p>Vielleicht liegt darin die grösste Herausforderung des Alterns: nicht die nachlassende Fähigkeit zu lernen, sondern der schleichende Verlust der Bereitschaft dazu. Seneca, der stoische Philosoph, <a href="./besser-lernen-mit-seneca">hätte das wohl verstanden</a>. Für die Stoiker war <a href="https://epicmind.ch/tag:Bildung" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Bildung</span></a> keine Lebensphase, sondern eine Haltung. Man lernte nicht, um irgendwann fertig zu sein, sondern um aufmerksam, urteilsfähig und wach zu bleiben. Das klingt nach einem alten Gedanken – und ist vielleicht deshalb so beständig, weil er stimmt.</p>

<p>Was mich geistig wach hält, sind meistens nicht die grossen Projekte. Es sind die kleinen Momente, in denen man wieder Anfänger wird. Ein Buch, das die eigene Sicht auf die Welt verschiebt. Ein Gedanke, den man so noch nie gedacht hat. Eine Frage, auf die man keine fertige Antwort besitzt.</p>

<p>Die moderne Forschung bestätigt genau diese Haltung. Wer geistig beweglich bleiben möchte, sollte sich nicht nur mit Vertrautem umgeben. Das Gehirn reagiert besonders stark auf Neuheit, Herausforderung und Anpassung. Eine Fremdsprache lernen. Ein Instrument beginnen. Reisen. Schreiben. Neue Menschen kennenlernen. Die einzelnen Tätigkeiten sind austauschbar. Entscheidend ist etwas anderes: die Bereitschaft, wieder Anfänger zu werden.</p>

<p>Freilich wäre es ein Fehler, Lernen zum Wundermittel zu erklären. <a href="https://www.washingtonpost.com/health/2026/06/11/midlife-habits-that-could-make-or-break-your-brain-health-long-term/">Das Gehirn arbeitet nicht isoliert. Bewegung, Schlaf, Ernährung, soziale Beziehungen – all das spielt ebenso hinein.</a> Ein gesundes <a href="https://epicmind.ch/tag:Alter" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Alter</span></a> ist kein Soloprojekt.</p>

<p>Aber darüber, wie wir geistig altern, haben wir mehr Einfluss, als lange angenommen wurde. Das Gegenteil des geistigen Alterns ist nicht Jugendlichkeit. Es ist Neugier. Wer aufhört zu lernen, wird nicht alt. Er beginnt lediglich, sich zu wiederholen.</p>

<hr/>

<h4 id="kommentieren-nur-für-write-as-accounts" id="kommentieren-nur-für-write-as-accounts">💬 Kommentieren (nur für write.as-Accounts)</h4>

<p><a href="https://remark.as/p/epicmind.ch/lernen-haelt-nicht-jung-aber-es-veraendert-wie-wir-altern">Discuss...</a></p>

<hr/>

<p><strong>Bildquelle</strong>
<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pompeo_Batoni">Pompeo Batoni</a> (1708–1787): <em>Die büßende Magdalena</em> (Kopie aus dem 19. Jahrhundert, das Original wurde im Zweiten Weltkrieg in Dresden vernichtet), Dorotheum, Wien, <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Karl_Javurek_(attr)_after_Batoni_Magdalena.jpg">Public Domain</a>.</p>

<p><strong>Disclaimer</strong>
Teile dieses Texts wurden mit Deepl Write (Korrektorat und Lektorat) überarbeitet. Für die Recherche in den erwähnten Werken/Quellen und in meinen Notizen wurde NotebookLM von Google verwendet.</p>

<p><strong>Topic</strong>
<a href="https://epicmind.ch/tag:Selbstbetrachtungen" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Selbstbetrachtungen</span></a> | <a href="https://epicmind.ch/tag:Erwachsenenbildung" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Erwachsenenbildung</span></a></p>

<div class="signature">
    <img src="https://www.gisiger.biz/assets/storage/epicmind/michael-gisiger-round-2.png" alt="Michael Gisiger" class="profile-pic u-photo">
    <div class="signature-content">
        <h2 class="p-author p-name">Michael Gisiger</h2>

        <p class="p-note">
            Erwachsenenbildner und Coach mit 20+ Jahren Erfahrung.
            Aus philosophischer Perspektive schreibe ich über Produktivität,
            PKM und Coaching – fundiert und praxisnah.
        </p>

<p class="signature-links"><a href="https://www.michaelgisiger.ch/" target="_blank">Website</a> · <a href="https://nerdculture.de/@gisiger" target="_blank">Mastodon</a> · <a href="https://nolto.social/profile/michael_gisiger" target="_blank">Nolto</a> · <a href="https://bsky.app/profile/gisiger.bsky.social" target="_blank">Bluesky</a> · <a href="https://www.linkedin.com/comm/mynetwork/discovery-see-all?usecase=PEOPLE_FOLLOWS&amp;followMember=michaelgisiger" target="_blank">LinkedIn</a></p>
    </div>
</div>
]]></content:encoded>
      <guid>https://epicmind.ch/lernen-haelt-nicht-jung-aber-es-veraendert-wie-wir-altern</guid>
      <pubDate>Fri, 12 Jun 2026 15:15:29 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>EpicMonday 23: Mini-Workouts gegen das lange Sitzen</title>
      <link>https://epicmind.ch/epicmonday-23-mini-workouts-gegen-das-lange-sitzen?pk_campaign=rss-feed</link>
      <description>&lt;![CDATA[Illustration eines antiken Philosophen in Toga, der erschöpft an einem modernen Büroarbeitsplatz vor einem Computer sitzt, umgeben von leeren Bürostühlen und urbaner Architektur.&#xA;&#xA;Freundinnen &amp; Freunde der Weisheit! Langes Sitzen gilt heute als eigenständiger Risikofaktor für ernsthafte Gesundheitsprobleme – auch bei Menschen, die täglich Sport treiben.&#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Wer über acht Stunden sitzt, schadet langfristig Herz, Kreislauf und Stoffwechsel. Die gute Nachricht: Bereits kurze, regelmässige Bewegungspausen können diesen negativen Effekten entgegenwirken. Studien zeigen, dass sogenannte „Active Breaks“ oder „Exercise Snacks“ eine einfache und wirkungsvolle Strategie darstellen, um den Körper auch während langer Sitzphasen aktiv zu halten.&#xA;&#xA;Doch was genau wirkt am besten? Forschende verglichen verschiedene Formen von Bewegung und fanden heraus: Wer alle 45 Minuten drei Minuten spazieren geht oder zehn Kniebeugen macht, verbessert seine Blutzuckerwerte deutlich – und wirksamer als mit einer einzigen halbstündigen Gehpause pro Tag. Entscheidend ist also nicht die Dauer, sondern die Regelmässigkeit der Unterbrechungen. Bewegung in kleinen Dosen, aber in hoher Frequenz, entfaltet eine überraschend grosse Wirkung.&#xA;&#xA;Für den Alltag bedeutet das: Wer im Büro arbeitet oder zu Hause viel sitzt, sollte sich alle 45 bis 60 Minuten bewusst kurz bewegen. Möglich sind Kniebeugen, Treppensteigen, zügiges Gehen auf der Stelle, Ausfallschritte oder ein schneller Gang durch den Flur. Diese Mini-Workouts dauern nur ein bis drei Minuten, lassen sich fast überall umsetzen und benötigen keine Hilfsmittel. Wer solche Pausen konsequent einplant, verbessert nicht nur seine körperliche Verfassung, sondern auch Konzentration und Wohlbefinden – mit minimalem Aufwand, aber maximalem Nutzen.&#xA;&#xA;Denkanstoss zum Wochenbeginn&#xA;&#xA;  „Die Kunst des Umgangs mit Menschen besteht darin, sich geltend zu machen, ohne andere unerlaubt zurückzudrängen.“ – Adolph Freiherr von Knigge (1752–1796)&#xA;&#xA;ProductivityPorn-Tipp der Woche: Flow-Zustand nutzen&#xA;&#xA;Maximiere Deine Produktivität, indem Du in einen Flow-Zustand kommst. Reduziere Ablenkungen, stelle sicher, dass die Aufgabe herausfordernd, aber machbar ist, und vertiefe Dich vollständig in die Arbeit.&#xA;&#xA;Aus dem Archiv: Wie Du erfolgreich Deep Reading als Habit etablieren kannst&#xA;&#xA;Vor einigen Wochen habe ich in einem Beitrag die kognitiven Vorteile des Lesens beschrieben und davon erzählt, wie ich es geschafft habe, mir einen täglichen Lese-Habit aufzubauen: mindestens 30 Minuten pro Tag, seit Anfang 2023. Seither habe ich über 60 Bücher gelesen. Mich erreichen seither immer wieder Fragen: Wie gelingt es, diese Art des intensiven Lesens im Alltag zu verankern? Wie kann man fokussierter, tiefer lesen, statt Texte nur zu überfliegen? In diesem Beitrag möchte ich Dir eine Antwort geben. Ich nenne diesen Ansatz „Deep Reading“ – ein Zustand des vertieften, konzentrierten Lesens, der weit über das schnelle Erfassen von Informationen hinausgeht.&#xA;&#xA;weiterlesen …&#xA;&#xA;Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast, diesen Newsletter zu lesen. Ich hoffe, die Inhalte konnten Dich inspirieren und Dir wertvolle Impulse für Dein (digitales) Leben geben. Bleib neugierig und hinterfrage, was Dir begegnet!&#xA;&#xA;---&#xA;EpicMind – Weisheiten für das digitale Leben&#xA;„EpicMind“ (kurz für „Epicurean Mindset“) ist mein Blog und Newsletter, der sich den Themen Lernen, Produktivität, Selbstmanagement und Technologie widmet – alles gewürzt mit einer Prise Philosophie.&#xA;&#xA;!--emailsub--&#xA;&#xA;---&#xA;Disclaimer&#xA;Teile dieses Texts wurden mit Deepl Write (Korrektorat und Lektorat) überarbeitet. Für die Recherche in den erwähnten Werken/Quellen und in meinen Notizen wurde NotebookLM von Google verwendet. Das Artikel-Bild wurde mit ChatGPT erstellt und anschliessend nachbearbeitet.&#xA;&#xA;Topic&#xA;Newsletter&#xA;&#xA;div class=&#34;signature&#34;&#xD;&#xA;    &lt;img&#xD;&#xA;        src=&#34;https://www.gisiger.biz/assets/storage/epicmind/michael-gisiger-round-2.png&#34;&#xD;&#xA;        alt=&#34;Michael Gisiger&#34;&#xD;&#xA;        class=&#34;profile-pic u-photo&#34;&#xD;&#xA;      div class=&#34;signature-content&#34;&#xD;&#xA;        h2 class=&#34;p-author p-name&#34; rel=&#34;author&#34;Michael Gisiger/h2&#xD;&#xA;&#xD;&#xA;        p class=&#34;p-note&#34;&#xD;&#xA;            Erwachsenenbildner und Coach mit 20+ Jahren Erfahrung.&#xD;&#xA;            Aus philosophischer Perspektive schreibe ich über Produktivität,&#xD;&#xA;            PKM und Coaching – fundiert und praxisnah.&#xD;&#xA;        /p&#xD;&#xA;&#xD;&#xA;p class=&#34;signature-links&#34;a href=&#34;https://www.michaelgisiger.ch/&#34; target=&#34;blank&#34;Website/a · a href=&#34;https://nerdculture.de/@gisiger&#34; target=&#34;blank&#34; rel=&#34;me&#34;Mastodon/a · a href=&#34;https://nolto.social/profile/michaelgisiger&#34; target=&#34;blank&#34;Nolto/a · a href=&#34;https://bsky.app/profile/gisiger.bsky.social&#34; target=&#34;blank&#34;Bluesky/a · a href=&#34;https://www.linkedin.com/comm/mynetwork/discovery-see-all?usecase=PEOPLEFOLLOWS&amp;amp;followMember=michaelgisiger&#34; target=&#34;_blank&#34;LinkedIn/a/p&#xD;&#xA;    /div&#xD;&#xA;/div]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><img src="https://gisiger.biz/assets/storage/epicmind/epicmonday-cover.png" alt="Illustration eines antiken Philosophen in Toga, der erschöpft an einem modernen Büroarbeitsplatz vor einem Computer sitzt, umgeben von leeren Bürostühlen und urbaner Architektur."/></p>

<p>Freundinnen &amp; Freunde der Weisheit! Langes Sitzen gilt heute als eigenständiger Risikofaktor für ernsthafte Gesundheitsprobleme – auch bei Menschen, die täglich Sport treiben.</p>



<p><a href="https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0735109724099200">Wer über acht Stunden sitzt, schadet langfristig Herz, Kreislauf und Stoffwechsel.</a> Die gute Nachricht: Bereits kurze, regelmässige Bewegungspausen können diesen negativen Effekten entgegenwirken. Studien zeigen, dass sogenannte <a href="https://theconversation.com/active-breaks-can-combat-the-health-risks-of-a-sedentary-lifestyle-but-what-kind-of-exercise-is-best-258881"><strong>„Active Breaks“</strong></a> oder „Exercise Snacks“ eine einfache und wirkungsvolle Strategie darstellen, um den Körper auch während langer Sitzphasen aktiv zu halten.</p>

<p>Doch was genau wirkt am besten? <a href="https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38190022/">Forschende verglichen verschiedene Formen von Bewegung</a> und fanden heraus: Wer alle 45 Minuten drei Minuten spazieren geht oder zehn Kniebeugen macht, verbessert seine Blutzuckerwerte deutlich – und wirksamer als mit einer einzigen halbstündigen Gehpause pro Tag. Entscheidend ist also nicht die Dauer, sondern die Regelmässigkeit der Unterbrechungen. Bewegung in kleinen Dosen, aber in hoher Frequenz, entfaltet eine überraschend grosse Wirkung.</p>

<p>Für den Alltag bedeutet das: Wer im Büro arbeitet oder zu Hause viel sitzt, sollte sich alle 45 bis 60 Minuten bewusst kurz bewegen. Möglich sind Kniebeugen, Treppensteigen, zügiges Gehen auf der Stelle, Ausfallschritte oder ein schneller Gang durch den Flur. Diese Mini-Workouts dauern nur ein bis drei Minuten, lassen sich fast überall umsetzen und benötigen keine Hilfsmittel. Wer solche Pausen konsequent einplant, verbessert nicht nur seine körperliche Verfassung, sondern auch Konzentration und Wohlbefinden – mit minimalem Aufwand, aber maximalem Nutzen.</p>

<h2 id="denkanstoss-zum-wochenbeginn" id="denkanstoss-zum-wochenbeginn">Denkanstoss zum Wochenbeginn</h2>

<blockquote><p><strong><em>„Die Kunst des Umgangs mit Menschen besteht darin, sich geltend zu machen, ohne andere unerlaubt zurückzudrängen.“</em></strong> – Adolph Freiherr von Knigge (1752–1796)</p></blockquote>

<h2 id="productivityporn-tipp-der-woche-flow-zustand-nutzen" id="productivityporn-tipp-der-woche-flow-zustand-nutzen">ProductivityPorn-Tipp der Woche: Flow-Zustand nutzen</h2>

<p>Maximiere Deine Produktivität, indem Du in einen Flow-Zustand kommst. Reduziere Ablenkungen, stelle sicher, dass die Aufgabe herausfordernd, aber machbar ist, und vertiefe Dich vollständig in die Arbeit.</p>

<h2 id="aus-dem-archiv-wie-du-erfolgreich-deep-reading-als-habit-etablieren-kannst" id="aus-dem-archiv-wie-du-erfolgreich-deep-reading-als-habit-etablieren-kannst">Aus dem Archiv: Wie Du erfolgreich Deep Reading als Habit etablieren kannst</h2>

<p>Vor einigen Wochen habe ich in einem Beitrag die kognitiven Vorteile des Lesens beschrieben und davon erzählt, wie ich es geschafft habe, mir einen täglichen Lese-Habit aufzubauen: mindestens 30 Minuten pro Tag, seit Anfang 2023. Seither habe ich über 60 Bücher gelesen. Mich erreichen seither immer wieder Fragen: Wie gelingt es, diese Art des intensiven Lesens im Alltag zu verankern? Wie kann man fokussierter, tiefer lesen, statt Texte nur zu überfliegen? In diesem Beitrag möchte ich Dir eine Antwort geben. Ich nenne diesen Ansatz „Deep Reading“ – ein Zustand des vertieften, konzentrierten Lesens, der weit über das schnelle Erfassen von Informationen hinausgeht.</p>

<p><a href="https://epicmind.ch/wie-du-erfolgreich-deep-reading-als-habit-etablieren-kannst">weiterlesen …</a></p>

<p>Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast, diesen Newsletter zu lesen. Ich hoffe, die Inhalte konnten Dich inspirieren und Dir wertvolle Impulse für Dein (digitales) Leben geben. Bleib neugierig und hinterfrage, was Dir begegnet!</p>

<hr/>

<p><a href="https://epicmind.ch/"><strong>EpicMind – Weisheiten für das digitale Leben</strong></a>
„EpicMind“ (kurz für „Epicurean Mindset“) ist mein Blog und Newsletter, der sich den Themen Lernen, Produktivität, Selbstmanagement und Technologie widmet – alles gewürzt mit einer Prise Philosophie.</p>



<hr/>

<p><strong>Disclaimer</strong>
Teile dieses Texts wurden mit Deepl Write (Korrektorat und Lektorat) überarbeitet. Für die Recherche in den erwähnten Werken/Quellen und in meinen Notizen wurde NotebookLM von Google verwendet. Das Artikel-Bild wurde mit ChatGPT erstellt und anschliessend nachbearbeitet.</p>

<p><strong>Topic</strong>
<a href="https://epicmind.ch/tag:Newsletter" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Newsletter</span></a></p>

<div class="signature">
    <img src="https://www.gisiger.biz/assets/storage/epicmind/michael-gisiger-round-2.png" alt="Michael Gisiger" class="profile-pic u-photo">
    <div class="signature-content">
        <h2 class="p-author p-name">Michael Gisiger</h2>

        <p class="p-note">
            Erwachsenenbildner und Coach mit 20+ Jahren Erfahrung.
            Aus philosophischer Perspektive schreibe ich über Produktivität,
            PKM und Coaching – fundiert und praxisnah.
        </p>

<p class="signature-links"><a href="https://www.michaelgisiger.ch/" target="_blank">Website</a> · <a href="https://nerdculture.de/@gisiger" target="_blank">Mastodon</a> · <a href="https://nolto.social/profile/michael_gisiger" target="_blank">Nolto</a> · <a href="https://bsky.app/profile/gisiger.bsky.social" target="_blank">Bluesky</a> · <a href="https://www.linkedin.com/comm/mynetwork/discovery-see-all?usecase=PEOPLE_FOLLOWS&amp;followMember=michaelgisiger" target="_blank">LinkedIn</a></p>
    </div>
</div>
]]></content:encoded>
      <guid>https://epicmind.ch/epicmonday-23-mini-workouts-gegen-das-lange-sitzen</guid>
      <pubDate>Mon, 08 Jun 2026 06:30:20 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Die verlorenen Werkzeuge des Lernens</title>
      <link>https://epicmind.ch/die-verlorenen-werkzeuge-des-lernens?pk_campaign=rss-feed</link>
      <description>&lt;![CDATA[Mosaik: Platons Akademie&#xA;&#xA;Im Jahr 1947 hielt Dorothy L. Sayers vor der Oxford University Society einen Vortrag, der unter dem Titel The Lost Tools of Learning in die Bildungsgeschichte eingegangen ist. Auf den ersten Blick wirkt er wie ein gelehrtes Relikt: Die Autorin, bekannt vor allem als Schöpferin des Detektivs Lord Peter Wimsey, plädiert für eine Wiederbelebung des mittelalterlichen Triviums – jener Trias aus Grammatik, Dialektik und Rhetorik, die im Mittelalter die Grundlage jeder höheren Bildung bildete. Bildungskonservative Nostalgie, könnte man meinen, und zur Tagesordnung übergehen.&#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Doch dann stösst man auf einen Satz, der beinahe prophetisch wirkt: „They learn everything, except the art of learning.“ Sie lernen alles, ausser der Kunst des Lernens. Sayers schrieb diese Worte zu einer Zeit, in der Radio und Zeitungen die Öffentlichkeit prägten. Ihre Sorge galt der Anfälligkeit einer formal alphabetisierten, aber intellektuell ungeschulten Bevölkerung für Propaganda und Manipulation. Was sie beschrieb, war kein Mangel an Wissen, sondern ein Defizit an geistigen Werkzeugen: an der Fähigkeit, Argumente zu prüfen, Begriffe zu definieren, Schlüsse zu ziehen.&#xA;&#xA;Diese Diagnose ist heute aktueller denn je.&#xA;&#xA;Sayers&#39; Kerngedanke ist leicht misszuverstehen. Sie lehnte neue Wissensinhalte nicht ab. Was sie kritisierte, war die Verwechslung von Wissen und Können: Schülerinnen und Schüler akkumulierten Fakten, ohne je gelernt zu haben, wie man mit Fakten umgeht. Das Trivium, das sie als Gegenmittel vorschlug, war deshalb kein Lehrplan für bestimmte Inhalte, sondern eine Schulung in Methode. Grammatik lehrte, Sprache präzise zu verstehen; Dialektik schulte das logische Argumentieren; #Rhetorik lehrte, Gedanken überzeugend zu formulieren. Die drei Stufen bauten aufeinander auf – und ihr Ziel war, wie Sayers am Ende ihres Essays formuliert, ein einziges: „to teach men how to learn for themselves“.&#xA;&#xA;Selbstständigkeit als Ergebnis von #Bildung, nicht als ihr Ausgangspunkt. Diese Unterscheidung, die in vielen aktuellen Debatten über selbstorganisiertes #Lernen erstaunlich selten gemacht wird, ist der eigentliche Kern ihres Arguments.&#xA;&#xA;Das Neue an der künstlichen Intelligenz&#xA;&#xA;Was hätte Sayers wohl gesagt, wäre sie heute Zeugin der Debatte über künstliche Intelligenz in Schulen? Vermutlich hätte sie die Frage nach dem Ob wenig interessiert. Sie hätte nach dem Wie und dem Wozu gefragt. Und vor allem hätte sie eine Frage gestellt, die in den meisten bildungspolitischen Diskussionen heute kaum aufkommt: Sind die Lernenden überhaupt in der Lage zu beurteilen, was KI-Systeme produzieren?&#xA;&#xA;Denn hier liegt der entscheidende qualitative Unterschied zu früheren technologischen Umbrüchen. Ein Taschenrechner automatisiert eine Rechenoperation. Eine Suchmaschine liefert Informationen. Beides erfordert vom Nutzer noch eine eigenständige Leistung: das Verstehen des Rechenwegs, das Bewerten und Einordnen des Gefundenen. Ein grosses Sprachmodell wie ChatGPT hingegen übernimmt etwas anderes: Es simuliert Denkprozesse. Es formuliert Argumente, strukturiert Texte, zieht Schlussfolgerungen, nimmt Positionen ein. Es ahmt nach, was bisher als sichtbares Zeichen geistiger Arbeit galt.&#xA;&#xA;Das ist neu. Und es verändert die Bedingungen des Lernens auf eine Weise, für die wir noch keine verlässlichen Antworten haben.&#xA;&#xA;Werkzeuge beherrschen oder beherrscht werden&#xA;&#xA;Die naheliegende Reaktion, KI-Werkzeuge und Bildschirme aus dem Unterricht fernzuhalten, verkennt das Problem. Sayers selbst war keine Technikfeindin, und ihr Anliegen war auch kein nostalgisches. Sie fragte nicht nach den Werkzeugen, sondern nach dem Verhältnis des Menschen zu ihnen: Beherrscht er sie, oder wird er von ihnen beherrscht? Diese Frage stellt sich heute mit neuer Dringlichkeit.&#xA;&#xA;Wer schreiben kann, wird mit KI-Unterstützung oft klarer schreiben. Wer argumentieren kann, wird Gegenargumente schneller prüfen. Wer dialektisch geschult ist, wird die Grenzen eines KI-generierten Texts erkennen – seine blinden Flecken, seine Scheinlogiken, seine Glätte, hinter der zuweilen Ungenauigkeit oder gar Halbwahrheit steckt. Diese Fähigkeiten sind kein Selbstzweck. Sie sind Voraussetzungen dafür, dass technische Hilfsmittel tatsächlich nützen, statt bloss zu entlasten.&#xA;&#xA;Wer sie nie erworben hat, erhält durch #KI keine Verstärkung seiner Kompetenz, sondern die Illusion davon.&#xA;&#xA;Sayers beschrieb das Bildungsproblem ihrer Zeit mit dem Bild des verlorenen Handwerkszeugs: „We have lost the tools of learning – the axe and the wedge, the hammer and the saw, the chisel and the plane.“ Stattdessen, so ihre Diagnose, besässen die Menschen bloss spezialisierte Schablonen, mit denen je eine einzige Aufgabe erledigt werden könne, ohne dass Hand und Auge dabei trainierten und ohne dass je das Ganze in den Blick käme.&#xA;&#xA;Das Bild ist präzise auch auf unsere Gegenwart anwendbar. Die Fähigkeit, einen langen argumentativen Text aufmerksam zu lesen – nicht zu überfliegen, nicht zusammenzufassen, sondern ihm Schritt für Schritt zu folgen –, ist eine solche Grundfertigkeit, die durch KI nicht ersetzt, wohl aber verdrängt werden kann. Dasselbe gilt für das Verfassen eines kohärenten Texts aus dem eigenen Denken heraus, der länger ist als ein Post auf Social Media, und für das Erkennen von Widersprüchen, für das geduldige Durcharbeiten eines schwierigen Arguments.&#xA;&#xA;Diese Fähigkeiten sind keine Relikte humanistischer Bildung. Sie sind die Voraussetzungen dafür, dass Dialektik – also kritisches Denken in Sayers&#39; Sinn – überhaupt stattfinden kann.&#xA;&#xA;Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht, ob Schülerinnen und Schüler KI verwenden dürfen. Sie lautet, ob sie gelernt haben, Argumente zu prüfen, Texte zu bewerten und Schlussfolgerungen nachzuvollziehen – bevor sie ein Werkzeug nutzen, das dies für sie zu tun scheint.&#xA;&#xA;Sayers&#39; Befund aus dem Jahr 1947 bleibt in seiner Nüchternheit unübertroffen: „To learn six subjects without remembering how they were learnt does nothing to ease the approach to a seventh; to have learnt and remembered the art of learning makes the approach to every subject an open door.“&#xA;&#xA;Die Werkzeuge des Lernens gehen nicht verloren, weil wir aufhören, sie zu kennen. Sie gehen verloren, weil wir aufhören, sie zu nutzen. Und wenn das geschieht, werden die Werkzeuge nicht zu Hilfsmitteln des Denkens – sondern zu seinem Ersatz.&#xA;&#xA;---&#xA;💬 Kommentieren (nur für write.as-Accounts)&#xA;a href=&#34;https://remark.as/p/epicmind.ch/die-verlorenen-werkzeuge-des-lernens&#34;Discuss.../a&#xA;&#xA;---&#xA;Bildquelle&#xA;Mosaik aus der Villa des T. Siminius Stephanus: Platons Akademie, Pompeji, Public Domain.&#xA;&#xA;Disclaimer&#xA;Teile dieses Texts wurden mit Deepl Write (Korrektorat und Lektorat) überarbeitet. Für die Recherche in den erwähnten Werken/Quellen und in meinen Notizen wurde NotebookLM von Google verwendet.&#xA;&#xA;Topic&#xA;#Maschinenwelten | #Philosophie&#xA;&#xA;div class=&#34;signature&#34;&#xD;&#xA;    &lt;img&#xD;&#xA;        src=&#34;https://www.gisiger.biz/assets/storage/epicmind/michael-gisiger-round-2.png&#34;&#xD;&#xA;        alt=&#34;Michael Gisiger&#34;&#xD;&#xA;        class=&#34;profile-pic u-photo&#34;&#xD;&#xA;      div class=&#34;signature-content&#34;&#xD;&#xA;        h2 class=&#34;p-author p-name&#34; rel=&#34;author&#34;Michael Gisiger/h2&#xD;&#xA;&#xD;&#xA;        p class=&#34;p-note&#34;&#xD;&#xA;            Erwachsenenbildner und Coach mit 20+ Jahren Erfahrung.&#xD;&#xA;            Aus philosophischer Perspektive schreibe ich über Produktivität,&#xD;&#xA;            PKM und Coaching – fundiert und praxisnah.&#xD;&#xA;        /p&#xD;&#xA;&#xD;&#xA;p class=&#34;signature-links&#34;a href=&#34;https://www.michaelgisiger.ch/&#34; target=&#34;blank&#34;Website/a · a href=&#34;https://nerdculture.de/@gisiger&#34; target=&#34;blank&#34; rel=&#34;me&#34;Mastodon/a · a href=&#34;https://nolto.social/profile/michaelgisiger&#34; target=&#34;blank&#34;Nolto/a · a href=&#34;https://bsky.app/profile/gisiger.bsky.social&#34; target=&#34;blank&#34;Bluesky/a · a href=&#34;https://www.linkedin.com/comm/mynetwork/discovery-see-all?usecase=PEOPLEFOLLOWS&amp;amp;followMember=michaelgisiger&#34; target=&#34;_blank&#34;LinkedIn/a/p&#xD;&#xA;    /div&#xD;&#xA;/div]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><img src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/4/48/Plato%27s_Academy_mosaic_from_Pompeii.jpg/960px-Plato%27s_Academy_mosaic_from_Pompeii.jpg" alt="Mosaik: Platons Akademie"/></p>

<p>Im Jahr 1947 hielt Dorothy L. Sayers vor der Oxford University Society einen Vortrag, der unter dem Titel <em>The Lost Tools of Learning</em> in die Bildungsgeschichte eingegangen ist. Auf den ersten Blick wirkt er wie ein gelehrtes Relikt: Die Autorin, bekannt vor allem als Schöpferin des Detektivs Lord Peter Wimsey, plädiert für eine Wiederbelebung des mittelalterlichen Triviums – jener Trias aus Grammatik, Dialektik und Rhetorik, die im Mittelalter die Grundlage jeder höheren Bildung bildete. Bildungskonservative Nostalgie, könnte man meinen, und zur Tagesordnung übergehen.</p>



<p>Doch dann stösst man auf einen Satz, der beinahe prophetisch wirkt: <em>„They learn everything, except the art of learning.“</em> Sie lernen alles, ausser der Kunst des Lernens. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dorothy_L._Sayers">Sayers</a> schrieb <a href="https://www.gbt.org/text/sayers.html">diese Worte</a> zu einer Zeit, in der Radio und Zeitungen die Öffentlichkeit prägten. Ihre Sorge galt der Anfälligkeit einer <a href="./orientierung-statt-effizienz">formal alphabetisierten, aber intellektuell ungeschulten Bevölkerung</a> für Propaganda und Manipulation. Was sie beschrieb, war kein Mangel an Wissen, sondern ein Defizit an geistigen Werkzeugen: an der Fähigkeit, Argumente zu prüfen, Begriffe zu definieren, Schlüsse zu ziehen.</p>

<p>Diese Diagnose ist heute aktueller denn je.</p>

<p>Sayers&#39; Kerngedanke ist leicht misszuverstehen. Sie lehnte neue Wissensinhalte nicht ab. Was sie kritisierte, war die Verwechslung von Wissen und Können: Schülerinnen und Schüler akkumulierten Fakten, ohne je gelernt zu haben, wie man mit Fakten umgeht. Das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Trivium">Trivium</a>, das sie als Gegenmittel vorschlug, war deshalb kein Lehrplan für bestimmte Inhalte, sondern eine Schulung in Methode. Grammatik lehrte, Sprache präzise zu verstehen; Dialektik schulte das logische Argumentieren; <a href="https://epicmind.ch/tag:Rhetorik" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Rhetorik</span></a> lehrte, <a href="./uberzeugend-argumentieren-mit-aristoteles">Gedanken überzeugend zu formulieren</a>. Die drei Stufen bauten aufeinander auf – und ihr Ziel war, wie Sayers am Ende ihres Essays formuliert, ein einziges: <em>„to teach men how to learn for themselves“</em>.</p>

<p>Selbstständigkeit als Ergebnis von <a href="https://epicmind.ch/tag:Bildung" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Bildung</span></a>, nicht als ihr Ausgangspunkt. Diese Unterscheidung, die in vielen aktuellen Debatten über selbstorganisiertes <a href="https://epicmind.ch/tag:Lernen" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Lernen</span></a> erstaunlich selten gemacht wird, ist der eigentliche Kern ihres Arguments.</p>

<h2 id="das-neue-an-der-künstlichen-intelligenz" id="das-neue-an-der-künstlichen-intelligenz">Das Neue an der künstlichen Intelligenz</h2>

<p>Was hätte Sayers wohl gesagt, wäre sie heute Zeugin der Debatte über künstliche Intelligenz in Schulen? Vermutlich hätte sie die Frage nach dem Ob wenig interessiert. Sie hätte nach dem Wie und dem Wozu gefragt. Und vor allem hätte sie eine Frage gestellt, die in den meisten bildungspolitischen Diskussionen heute kaum aufkommt: <a href="./macht-ki-schulerinnen-und-schuler-wirklich-dummer">Sind die Lernenden überhaupt in der Lage zu beurteilen, was KI-Systeme produzieren?</a></p>

<p>Denn hier liegt der entscheidende qualitative Unterschied zu früheren technologischen Umbrüchen. Ein Taschenrechner automatisiert eine Rechenoperation. Eine Suchmaschine liefert Informationen. Beides erfordert vom Nutzer noch eine eigenständige Leistung: das Verstehen des Rechenwegs, das Bewerten und Einordnen des Gefundenen. Ein grosses Sprachmodell wie ChatGPT hingegen übernimmt etwas anderes: Es simuliert Denkprozesse. Es formuliert Argumente, strukturiert Texte, zieht Schlussfolgerungen, nimmt Positionen ein. <a href="./cognitive-offloading-und-ki-warum-wir-unser-denken-schutzen-mussen">Es ahmt nach, was bisher als sichtbares Zeichen geistiger Arbeit galt.</a></p>

<p>Das ist neu. Und es verändert die Bedingungen des Lernens auf eine Weise, für die wir noch keine verlässlichen Antworten haben.</p>

<h2 id="werkzeuge-beherrschen-oder-beherrscht-werden" id="werkzeuge-beherrschen-oder-beherrscht-werden">Werkzeuge beherrschen oder beherrscht werden</h2>

<p>Die naheliegende Reaktion, KI-Werkzeuge und Bildschirme aus dem Unterricht fernzuhalten, verkennt das Problem. Sayers selbst war keine Technikfeindin, und ihr Anliegen war auch kein nostalgisches. Sie fragte nicht nach den Werkzeugen, sondern nach dem Verhältnis des Menschen zu ihnen: Beherrscht er sie, oder wird er von ihnen beherrscht? Diese Frage stellt sich heute mit neuer Dringlichkeit.</p>

<p>Wer schreiben kann, wird mit KI-Unterstützung oft klarer schreiben. Wer argumentieren kann, wird Gegenargumente schneller prüfen. Wer dialektisch geschult ist, wird die Grenzen eines KI-generierten Texts erkennen – seine blinden Flecken, seine Scheinlogiken, seine Glätte, hinter der zuweilen Ungenauigkeit oder gar Halbwahrheit steckt. Diese Fähigkeiten sind kein Selbstzweck. Sie sind Voraussetzungen dafür, dass technische Hilfsmittel tatsächlich nützen, statt bloss zu entlasten.</p>

<p>Wer sie nie erworben hat, erhält durch <a href="https://epicmind.ch/tag:KI" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">KI</span></a> keine Verstärkung seiner Kompetenz, sondern die Illusion davon.</p>

<p>Sayers beschrieb das Bildungsproblem ihrer Zeit mit dem Bild des verlorenen Handwerkszeugs: <em>„We have lost the tools of learning – the axe and the wedge, the hammer and the saw, the chisel and the plane.“</em> Stattdessen, so ihre Diagnose, besässen die Menschen bloss spezialisierte Schablonen, mit denen je eine einzige Aufgabe erledigt werden könne, ohne dass Hand und Auge dabei trainierten und ohne dass je das Ganze in den Blick käme.</p>

<p>Das Bild ist präzise auch auf unsere Gegenwart anwendbar. Die Fähigkeit, einen langen argumentativen <a href="./wie-du-erfolgreich-deep-reading-als-habit-etablieren-kannst">Text aufmerksam zu lesen</a> – nicht zu überfliegen, nicht zusammenzufassen, sondern ihm Schritt für Schritt zu folgen –, ist eine solche Grundfertigkeit, die durch KI nicht ersetzt, wohl aber verdrängt werden kann. Dasselbe gilt für das Verfassen eines kohärenten Texts aus dem eigenen Denken heraus, der länger ist als ein Post auf Social Media, und für das Erkennen von Widersprüchen, für das geduldige Durcharbeiten eines schwierigen Arguments.</p>

<p>Diese Fähigkeiten sind <a href="./orientierung-im-denken-funf-prinzipien-aus-der-sokratischen-philosophie">keine Relikte humanistischer Bildung</a>. Sie sind die Voraussetzungen dafür, dass Dialektik – also kritisches Denken in Sayers&#39; Sinn – überhaupt stattfinden kann.</p>

<p>Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht, ob Schülerinnen und Schüler KI verwenden dürfen. Sie lautet, <a href="./bildungsfahigkeit-statt-intelligenz-was-es-wirklich-bedeutet-zu-lernen">ob sie gelernt haben</a>, Argumente zu prüfen, Texte zu bewerten und Schlussfolgerungen nachzuvollziehen – bevor sie ein Werkzeug nutzen, das dies für sie zu tun scheint.</p>

<p>Sayers&#39; Befund aus dem Jahr 1947 bleibt in seiner Nüchternheit unübertroffen: <em>„To learn six subjects without remembering how they were learnt does nothing to ease the approach to a seventh; to have learnt and remembered the art of learning makes the approach to every subject an open door.“</em></p>

<p>Die Werkzeuge des Lernens gehen nicht verloren, weil wir aufhören, sie zu kennen. Sie gehen verloren, weil wir aufhören, sie zu nutzen. Und wenn das geschieht, werden die Werkzeuge nicht zu Hilfsmitteln des Denkens – sondern zu seinem Ersatz.</p>

<hr/>

<h4 id="kommentieren-nur-für-write-as-accounts" id="kommentieren-nur-für-write-as-accounts">💬 Kommentieren (nur für write.as-Accounts)</h4>

<p><a href="https://remark.as/p/epicmind.ch/die-verlorenen-werkzeuge-des-lernens">Discuss...</a></p>

<hr/>

<p><strong>Bildquelle</strong>
Mosaik aus der Villa des T. Siminius Stephanus: <em>Platons Akademie</em>, Pompeji, <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Plato&#39;s_Academy_mosaic_from_Pompeii.jpg">Public Domain</a>.</p>

<p><strong>Disclaimer</strong>
Teile dieses Texts wurden mit Deepl Write (Korrektorat und Lektorat) überarbeitet. Für die Recherche in den erwähnten Werken/Quellen und in meinen Notizen wurde NotebookLM von Google verwendet.</p>

<p><strong>Topic</strong>
<a href="https://epicmind.ch/tag:Maschinenwelten" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Maschinenwelten</span></a> | <a href="https://epicmind.ch/tag:Philosophie" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Philosophie</span></a></p>

<div class="signature">
    <img src="https://www.gisiger.biz/assets/storage/epicmind/michael-gisiger-round-2.png" alt="Michael Gisiger" class="profile-pic u-photo">
    <div class="signature-content">
        <h2 class="p-author p-name">Michael Gisiger</h2>

        <p class="p-note">
            Erwachsenenbildner und Coach mit 20+ Jahren Erfahrung.
            Aus philosophischer Perspektive schreibe ich über Produktivität,
            PKM und Coaching – fundiert und praxisnah.
        </p>

<p class="signature-links"><a href="https://www.michaelgisiger.ch/" target="_blank">Website</a> · <a href="https://nerdculture.de/@gisiger" target="_blank">Mastodon</a> · <a href="https://nolto.social/profile/michael_gisiger" target="_blank">Nolto</a> · <a href="https://bsky.app/profile/gisiger.bsky.social" target="_blank">Bluesky</a> · <a href="https://www.linkedin.com/comm/mynetwork/discovery-see-all?usecase=PEOPLE_FOLLOWS&amp;followMember=michaelgisiger" target="_blank">LinkedIn</a></p>
    </div>
</div>
]]></content:encoded>
      <guid>https://epicmind.ch/die-verlorenen-werkzeuge-des-lernens</guid>
      <pubDate>Fri, 05 Jun 2026 12:22:43 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>EpicMonday 22: Wenn Abschweifen hilft – warum Tagträumen unbewusstes Lernen fördern kann</title>
      <link>https://epicmind.ch/epicmonday-22-wenn-abschweifen-hilft-warum-tagtraeumen-unbewusstes-lernen?pk_campaign=rss-feed</link>
      <description>&lt;![CDATA[Illustration eines antiken Philosophen in Toga, der erschöpft an einem modernen Büroarbeitsplatz vor einem Computer sitzt, umgeben von leeren Bürostühlen und urbaner Architektur.&#xA;&#xA;Freundinnen &amp; Freunde der Weisheit! Gedankliches Abschweifen gilt oft als Zeichen mangelnder Konzentration, allerdings scheint Tagträumen beim Lernen hilfreich zu sein.&#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Eine Studie aus dem Journal of Neuroscience zeigt, dass spontanes Tagträumen beim impliziten Lernen sogar hilfreich sein kann. In einem Experiment mit einfachen Aufgaben, die auf unbewusster Mustererkennung basierten, schnitten Teilnehmende, deren Gedanken abschweiften, genauso gut oder sogar besser ab als jene mit voller Aufmerksamkeit. Besonders wirkungsvoll war das unbeabsichtigte, spontane Tagträumen – nicht das absichtliche Abschweifen.&#xA;&#xA;Die Forschenden um Péter Simor von der Eötvös-Loránd-Universität stellten fest, dass das Gehirn während dieser Phasen typische niedrigfrequente Hirnwellenmuster zeigt, die an Schlaf oder schlafähnliche Zustände erinnern. Diese sogenannten „wakeful rest“-Zustände scheinen es dem Gehirn zu ermöglichen, verborgene Wahrscheinlichkeitsmuster im Hintergrund zu verarbeiten – ohne bewusstes Zutun. Das Ergebnis: Lernen kann auch im Leerlauf stattfinden, wenn das kognitive System gerade nicht gezielt gesteuert wird.&#xA;&#xA;Die Studie stellt damit die gängige Vorstellung infrage, dass effektives Lernen immer mit voller Konzentration einhergehen muss. Stattdessen zeigt sich: Gerade bei niederkomplexen Aufgaben mit geringen Aufmerksamkeitsanforderungen kann unser Gehirn im Hintergrund weiterarbeiten – vergleichbar mit der Konsolidierung von Gedächtnisinhalten im Schlaf. Tagträumen wird damit nicht zur Ablenkung, sondern zur ergänzenden Lernstrategie, die das Potenzial hat, unbewusste Muster besser zu erschliessen.&#xA;&#xA;Denkanstoss zum Wochenbeginn&#xA;&#xA;  „Gut zu kochen ist ein schöpferischer Akt. Wer die Küche liebt, der liebt es auch, zu erfinden.“ – Maria Callas (1923–1977)&#xA;&#xA;ProductivityPorn-Tipp der Woche: Langfristige und kurzfristige Ziele setzen&#xA;&#xA;Kombiniere grosse, langfristige Ziele mit kleinen, erreichbaren Zwischenzielen. Das hilft Dir, motiviert zu bleiben und Fortschritte sichtbar zu machen.&#xA;&#xA;Aus dem Archiv: Fünf Prinzipien aus der sokratischen Philosophie&#xA;&#xA;Sokrates begegnet uns oft als historische Figur – als unbequemer Fragesteller, der in den Gassen Athens über Tugend, Wissen und das gute Leben diskutierte. Doch jenseits seiner biografischen Umrisse und der dramatischen Erzählung seines Prozesses liegt ein philosophisches Denken, das bis heute als Impulsgeber dienen kann: nicht als fertiges System, sondern als Einladung zur Selbstprüfung, zur Klärung von Begriffen – und zur verantwortungsvollen Führung des eigenen Lebens.&#xA;&#xA;weiterlesen …&#xA;&#xA;Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast, diesen Newsletter zu lesen. Ich hoffe, die Inhalte konnten Dich inspirieren und Dir wertvolle Impulse für Dein (digitales) Leben geben. Bleib neugierig und hinterfrage, was Dir begegnet!&#xA;&#xA;---&#xA;EpicMind – Weisheiten für das digitale Leben&#xA;„EpicMind“ (kurz für „Epicurean Mindset“) ist mein Blog und Newsletter, der sich den Themen Lernen, Produktivität, Selbstmanagement und Technologie widmet – alles gewürzt mit einer Prise Philosophie.&#xA;&#xA;!--emailsub--&#xA;&#xA;---&#xA;Disclaimer&#xA;Teile dieses Texts wurden mit Deepl Write (Korrektorat und Lektorat) überarbeitet. Für die Recherche in den erwähnten Werken/Quellen und in meinen Notizen wurde NotebookLM von Google verwendet. Das Artikel-Bild wurde mit ChatGPT erstellt und anschliessend nachbearbeitet.&#xA;&#xA;Topic&#xA;Newsletter&#xA;&#xA;div class=&#34;signature&#34;&#xD;&#xA;    &lt;img&#xD;&#xA;        src=&#34;https://www.gisiger.biz/assets/storage/epicmind/michael-gisiger-round-2.png&#34;&#xD;&#xA;        alt=&#34;Michael Gisiger&#34;&#xD;&#xA;        class=&#34;profile-pic u-photo&#34;&#xD;&#xA;      div class=&#34;signature-content&#34;&#xD;&#xA;        h2 class=&#34;p-author p-name&#34; rel=&#34;author&#34;Michael Gisiger/h2&#xD;&#xA;&#xD;&#xA;        p class=&#34;p-note&#34;&#xD;&#xA;            Erwachsenenbildner und Coach mit 20+ Jahren Erfahrung.&#xD;&#xA;            Aus philosophischer Perspektive schreibe ich über Produktivität,&#xD;&#xA;            PKM und Coaching – fundiert und praxisnah.&#xD;&#xA;        /p&#xD;&#xA;&#xD;&#xA;p class=&#34;signature-links&#34;a href=&#34;https://www.michaelgisiger.ch/&#34; target=&#34;blank&#34;Website/a · a href=&#34;https://nerdculture.de/@gisiger&#34; target=&#34;blank&#34; rel=&#34;me&#34;Mastodon/a · a href=&#34;https://nolto.social/profile/michaelgisiger&#34; target=&#34;blank&#34;Nolto/a · a href=&#34;https://bsky.app/profile/gisiger.bsky.social&#34; target=&#34;blank&#34;Bluesky/a · a href=&#34;https://www.linkedin.com/comm/mynetwork/discovery-see-all?usecase=PEOPLEFOLLOWS&amp;amp;followMember=michaelgisiger&#34; target=&#34;_blank&#34;LinkedIn/a/p&#xD;&#xA;    /div&#xD;&#xA;/div]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><img src="https://gisiger.biz/assets/storage/epicmind/epicmonday-cover.png" alt="Illustration eines antiken Philosophen in Toga, der erschöpft an einem modernen Büroarbeitsplatz vor einem Computer sitzt, umgeben von leeren Bürostühlen und urbaner Architektur."/></p>

<p>Freundinnen &amp; Freunde der Weisheit! Gedankliches Abschweifen gilt oft als Zeichen mangelnder Konzentration, allerdings scheint Tagträumen beim Lernen hilfreich zu sein.</p>



<p><a href="https://dx.doi.org/10.1523/JNEUROSCI.1421-24.2025">Eine Studie aus dem <em>Journal of Neuroscience</em> zeigt</a>, dass <strong>spontanes Tagträumen</strong> beim <strong>impliziten Lernen</strong> sogar hilfreich sein kann. In einem Experiment mit einfachen Aufgaben, die auf unbewusster Mustererkennung basierten, schnitten Teilnehmende, deren Gedanken abschweiften, <strong>genauso gut oder sogar besser</strong> ab als jene mit voller Aufmerksamkeit. Besonders wirkungsvoll war das unbeabsichtigte, spontane Tagträumen – nicht das absichtliche Abschweifen.</p>

<p>Die Forschenden um Péter Simor von der Eötvös-Loránd-Universität stellten fest, dass das Gehirn während dieser Phasen typische <strong>niedrigfrequente Hirnwellenmuster</strong> zeigt, die an <strong>Schlaf oder schlafähnliche Zustände</strong> erinnern. Diese sogenannten „wakeful rest“-Zustände scheinen es dem Gehirn zu ermöglichen, <strong>verborgene Wahrscheinlichkeitsmuster</strong> im Hintergrund zu verarbeiten – ohne bewusstes Zutun. Das Ergebnis: Lernen kann auch im Leerlauf stattfinden, wenn das kognitive System gerade nicht gezielt gesteuert wird.</p>

<p>Die Studie stellt damit die gängige Vorstellung infrage, dass effektives Lernen immer mit voller Konzentration einhergehen muss. Stattdessen zeigt sich: Gerade bei <strong>niederkomplexen Aufgaben mit geringen Aufmerksamkeitsanforderungen</strong> kann unser Gehirn <strong>im Hintergrund weiterarbeiten</strong> – vergleichbar mit der Konsolidierung von Gedächtnisinhalten im Schlaf. Tagträumen wird damit nicht zur Ablenkung, sondern zur <strong>ergänzenden Lernstrategie</strong>, die das Potenzial hat, unbewusste Muster besser zu erschliessen.</p>

<h2 id="denkanstoss-zum-wochenbeginn" id="denkanstoss-zum-wochenbeginn">Denkanstoss zum Wochenbeginn</h2>

<blockquote><p><strong><em>„Gut zu kochen ist ein schöpferischer Akt. Wer die Küche liebt, der liebt es auch, zu erfinden.“</em></strong> – Maria Callas (1923–1977)</p></blockquote>

<h2 id="productivityporn-tipp-der-woche-langfristige-und-kurzfristige-ziele-setzen" id="productivityporn-tipp-der-woche-langfristige-und-kurzfristige-ziele-setzen">ProductivityPorn-Tipp der Woche: Langfristige und kurzfristige Ziele setzen</h2>

<p>Kombiniere grosse, langfristige Ziele mit kleinen, erreichbaren Zwischenzielen. Das hilft Dir, motiviert zu bleiben und Fortschritte sichtbar zu machen.</p>

<h2 id="aus-dem-archiv-fünf-prinzipien-aus-der-sokratischen-philosophie" id="aus-dem-archiv-fünf-prinzipien-aus-der-sokratischen-philosophie">Aus dem Archiv: Fünf Prinzipien aus der sokratischen Philosophie</h2>

<p>Sokrates begegnet uns oft als historische Figur – als unbequemer Fragesteller, der in den Gassen Athens über Tugend, Wissen und das gute Leben diskutierte. Doch jenseits seiner biografischen Umrisse und der dramatischen Erzählung seines Prozesses liegt ein philosophisches Denken, das bis heute als Impulsgeber dienen kann: nicht als fertiges System, sondern als Einladung zur Selbstprüfung, zur Klärung von Begriffen – und zur verantwortungsvollen Führung des eigenen Lebens.</p>

<p><a href="https://epicmind.ch/orientierung-im-denken-funf-prinzipien-aus-der-sokratischen-philosophie">weiterlesen …</a></p>

<p>Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast, diesen Newsletter zu lesen. Ich hoffe, die Inhalte konnten Dich inspirieren und Dir wertvolle Impulse für Dein (digitales) Leben geben. Bleib neugierig und hinterfrage, was Dir begegnet!</p>

<hr/>

<p><a href="https://epicmind.ch/"><strong>EpicMind – Weisheiten für das digitale Leben</strong></a>
„EpicMind“ (kurz für „Epicurean Mindset“) ist mein Blog und Newsletter, der sich den Themen Lernen, Produktivität, Selbstmanagement und Technologie widmet – alles gewürzt mit einer Prise Philosophie.</p>



<hr/>

<p><strong>Disclaimer</strong>
Teile dieses Texts wurden mit Deepl Write (Korrektorat und Lektorat) überarbeitet. Für die Recherche in den erwähnten Werken/Quellen und in meinen Notizen wurde NotebookLM von Google verwendet. Das Artikel-Bild wurde mit ChatGPT erstellt und anschliessend nachbearbeitet.</p>

<p><strong>Topic</strong>
<a href="https://epicmind.ch/tag:Newsletter" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Newsletter</span></a></p>

<div class="signature">
    <img src="https://www.gisiger.biz/assets/storage/epicmind/michael-gisiger-round-2.png" alt="Michael Gisiger" class="profile-pic u-photo">
    <div class="signature-content">
        <h2 class="p-author p-name">Michael Gisiger</h2>

        <p class="p-note">
            Erwachsenenbildner und Coach mit 20+ Jahren Erfahrung.
            Aus philosophischer Perspektive schreibe ich über Produktivität,
            PKM und Coaching – fundiert und praxisnah.
        </p>

<p class="signature-links"><a href="https://www.michaelgisiger.ch/" target="_blank">Website</a> · <a href="https://nerdculture.de/@gisiger" target="_blank">Mastodon</a> · <a href="https://nolto.social/profile/michael_gisiger" target="_blank">Nolto</a> · <a href="https://bsky.app/profile/gisiger.bsky.social" target="_blank">Bluesky</a> · <a href="https://www.linkedin.com/comm/mynetwork/discovery-see-all?usecase=PEOPLE_FOLLOWS&amp;followMember=michaelgisiger" target="_blank">LinkedIn</a></p>
    </div>
</div>
]]></content:encoded>
      <guid>https://epicmind.ch/epicmonday-22-wenn-abschweifen-hilft-warum-tagtraeumen-unbewusstes-lernen</guid>
      <pubDate>Mon, 01 Jun 2026 06:30:07 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Die erschöpfte Moderne und ihre Liebe zur Antike</title>
      <link>https://epicmind.ch/die-erschoepfte-moderne-und-ihre-liebe-zur-antike?pk_campaign=rss-feed</link>
      <description>&lt;![CDATA[Salvator Rosa: Pythagoras Emerging from the Underworld&#xA;&#xA;  Denn wo Gespenster Platz genommen, // Ist auch der Philosoph willkommen. // Damit man seiner Kunst und Gunst sich freue, // Erschafft er gleich ein Dutzend neue.&#xA;  – Johann Wolfgang von Goethe, Faust II, Vers 7843 ff. / Mephistopheles&#xA;&#xA;Wer heute durch Buchhandlungen, Podcasts oder soziale Medien streift, begegnet der Antike beinahe überall. Marcus Aurelius zirkuliert als Kalenderweisheit auf Instagram, Seneca taucht in Unternehmer-Newslettern auf, und stoische Gelassenheit gilt im Tech-Milieu inzwischen fast als obligatorische mentale Grundausstattung. Besonders Autoren wie Ryan Holiday haben aus der antiken Philosophie eine global vermarktbare Orientierungstechnik gemacht: Philosophie als Instrument zur Selbstdisziplinierung in einer beschleunigten Welt.&#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Diese Renaissance wirkt auf den ersten Blick überraschend. Schliesslich leben wir in einer Kultur, die sich selbst gern als maximal gegenwartsorientiert und technologisch fortschrittlich versteht. Umso auffälliger ist die Sehnsucht nach Denkern, die mehr als zweitausend Jahre alt sind. Doch liegt gerade darin ein Symptom der Gegenwart verborgen. Vielleicht suchen moderne Gesellschaften nicht deshalb so intensiv in der Vergangenheit nach Orientierung, weil antike Philosophie plötzlich wieder aktuell geworden wäre, sondern weil die Gegenwart selbst an Zukunftsmangel leidet.&#xA;&#xA;Eine Gegenwart ohne Zukunft&#xA;&#xA;Der britische Kulturtheoretiker Mark Fisher) beschrieb diesen Zustand mit dem Begriff der „Hauntology“. Gemeint ist eine Kultur, die von den Geistern verlorener Zukunftsmöglichkeiten verfolgt wird. Die Moderne, so Fishers Diagnose, habe über lange Zeit an Fortschritt, Aufbruch und radikale Veränderbarkeit geglaubt. Heute hingegen dominierten Wiederholung, Nostalgie und Recycling. Die Zukunft erscheine nicht mehr als offener Möglichkeitsraum, sondern häufig nur noch als leicht aktualisierte Version der Gegenwart.&#xA;&#xA;Man spürt diese kulturelle Erschöpfung an vielen Stellen. Popkultur lebt von Remakes und Retro-Ästhetik. Politik verwaltet Krisen, ohne überzeugende Zukunftsbilder zu entwickeln. Unternehmen sprechen permanent von Innovation, produzieren jedoch oft nur effizientere Varianten bestehender Systeme. Selbst digitale Technologien wirken trotz ihrer Geschwindigkeit merkwürdig fantasielos. Die grossen gesellschaftlichen Visionen des 20. Jahrhunderts, in denen meine Generation noch sozialisiert wurden, sind verschwunden oder unglaubwürdig geworden.&#xA;&#xA;Gerade deshalb wird die Vergangenheit wieder attraktiv. Sie liefert nicht nur nostalgische Bilder, sondern auch alternative Denkformen. Antike Philosophie erscheint in diesem Kontext wie ein Echo aus einer anderen historischen Wirklichkeit – fremd genug, um Distanz zur Gegenwart zu schaffen, und zugleich vertraut genug, um noch verständlich zu bleiben.&#xA;&#xA;Die Antike als Gegenwelt&#xA;&#xA;Entscheidend dabei ist, dass antike Philosophie ursprünglich keineswegs als individuelle Wellness-Lehre gedacht war. Die grossen philosophischen Schulen entstanden in Zeiten politischer Krisen, gesellschaftlicher Unsicherheit und kultureller Umbrüche. Nach dem Zerfall der klassischen Polis suchten Stoiker, Epikureer und Kyniker nach neuen Formen menschlicher Orientierung.&#xA;&#xA;Gerade darin unterscheiden sie sich fundamental von vielen heutigen Rezeptionen. Die antiken Schulen wollten nicht einfach effizientere Individuen hervorbringen. Sie stellten vielmehr die Frage, wie ein gutes Leben überhaupt aussehen könnte – und zwar oft in deutlichem Gegensatz zu den herrschenden gesellschaftlichen Werten.&#xA;&#xA;Die Kyniker etwa übten eine radikale Kritik an Besitz, sozialem Prestige und gesellschaftlichen Konventionen. Diogenes lebte demonstrativ arm und verspottete politische Macht ebenso wie kulturelle Eitelkeit. Auch Epikur wurde später häufig missverstanden. Sein Denken zielte nicht auf hemmungslosen Genuss, sondern auf ein einfaches, angstfreies Leben fern permanenter Begierden und öffentlicher Konkurrenz.&#xA;&#xA;Selbst die Stoa, die heute meist als Philosophie professioneller Selbstkontrolle verstanden wird, war ursprünglich weit mehr als ein Resilienztraining für gestresste Wissensarbeiter. Sie entwickelte eine umfassende Ethik der Weltbeziehung, der Vergänglichkeit und der inneren Freiheit. Dass sie heute häufig auf Produktivitätstipps reduziert wird, sagt vermutlich mehr über die Gegenwart aus als über die Stoa selbst.&#xA;&#xA;Die domestizierte Stoa&#xA;&#xA;Gerade hier wird die heutige Popularisierung der Antike besonders interessant. Die moderne Stoa-Rezeption passt erstaunlich gut in eine Gesellschaft permanenter Selbstoptimierung. Gelassen bleiben. Fokus bewahren. Emotionen kontrollieren. Rückschläge akzeptieren. Möglichst effizient funktionieren.&#xA;&#xA;Im Silicon Valley oder in Managementkreisen erscheint Marcus Aurelius dadurch fast wie ein mentaler Coach für Hochleistungsbiografien. Antike Philosophie wird zum Instrument, um den Druck moderner Arbeitswelten besser auszuhalten. Nicht zufällig stehen stoische Begriffe heute oft neben Themen wie Produktivität, Biohacking oder Selbstmanagement.&#xA;&#xA;Hierin liegt allerdings eine eigentümliche Ironie verborgen. Denn ursprünglich entstanden viele philosophische Schulen gerade als Reaktion auf gesellschaftliche Krisenerfahrungen und Entfremdung. Heute werden dieselben Ideen genutzt, um Menschen stabiler in genau jene Verhältnisse einzupassen, die sie erschöpfen.&#xA;&#xA;Die Philosophie verliert dadurch ihre verstörende Kraft. Sie wird domestiziert. Seneca erscheint dann nicht mehr als unbequemer Denker über Macht, Vergänglichkeit und moralische Ambivalenz, sondern als Lieferant zitierbarer Kalendersätze. Die Vergangenheit wird konsumierbar gemacht.&#xA;&#xA;Dies erklärt genau einen Teil des gegenwärtigen Stoizismus-Booms: Nicht weil die Moderne plötzlich philosophischer geworden wäre, sondern weil sie nach Techniken sucht, ihre eigene Überforderung besser verwalten zu können.&#xA;&#xA;Stirners Gespenster&#xA;&#xA;An diesem Punkt kommt ein anderer Denker überraschend ins Spiel: Max Stirner. Mit seinen berühmten „Gespenstern“ meinte Stirner keine übernatürlichen Wesen, sondern abstrakte Ideen, die Menschen beherrschen, obwohl sie letztlich nur gedankliche Konstruktionen sind. Nation, Moral, Pflicht, Menschheit oder Staat erscheinen bei ihm als geistige Mächte, denen Individuen sich freiwillig unterwerfen.&#xA;&#xA;Interessant daran ist weniger Stirners Individualismus als seine grundsätzliche Skepsis gegenüber ideologischen Selbstverständlichkeiten. Denn aus seiner Perspektive könnten auch philosophische Traditionen selbst zu Gespenstern werden. Immer dann nämlich, wenn Menschen beginnen, sich abstrakten Idealen zu unterwerfen, statt eigenständig zu denken.&#xA;&#xA;Gerade die gegenwärtige Antike-Rezeption enthält eine solche Gefahr. Antike Philosophie wird oft ästhetisiert oder moralisch aufgeladen. Bücherregale voller Stoizismus-Literatur, Zitate von Marcus Aurelius als digitale Motivationssprüche oder Epikur als minimalistisches Lifestyle-Symbol erzeugen eine eigentümliche Mischung aus Orientierungssuche und kulturellem Konsum.&#xA;&#xA;Die Vergangenheit erscheint dann nicht mehr als Herausforderung, sondern als beruhigende Kulisse.&#xA;&#xA;Warum uns alte Philosophie noch irritieren kann&#xA;&#xA;Der eigentliche Wert antiker Philosophie liegt gerade nicht darin, dass sie „zeitlose Weisheiten“ liefert. Interessant wird sie vielmehr dort, wo sie fremd bleibt. Wo sie zeigt, dass viele heutige Selbstverständlichkeiten historisch keineswegs alternativlos sind.&#xA;&#xA;Die Antike erinnert daran, dass Menschen Glück nicht zwangsläufig mit Karriere verbinden müssen. Dass Besitz nicht automatisch Freiheit bedeutet. Dass politische Gemeinschaft anders gedacht werden kann. Dass permanente Selbstoptimierung nicht die einzige Antwort auf Unsicherheit sein muss.&#xA;&#xA;Genau darin besitzt die Beschäftigung mit antiker Philosophie eine eigentümlich hauntologische Qualität. Alte Texte wirken wie Stimmen aus anderen historischen Möglichkeitsräumen. Sie treten nicht einfach als Vergangenheit auf, sondern als etwas, das in die Gegenwart hineinragt und ihre vermeintliche Selbstverständlichkeit irritiert. Jacques Derrida beschrieb das Gespenst einmal als etwas, das weder ganz anwesend noch ganz verschwunden ist. Vergangenheit bleibt wirksam, selbst dort, wo eine Kultur glaubt, sie längst überwunden zu haben.&#xA;&#xA;Vielleicht erklärt das auch die gegenwärtige Rückkehr zur Antike besser als jede romantische Vorstellung zeitloser Weisheit. Eine erschöpfte Kultur beginnt wieder in der Vergangenheit zu suchen, weil ihre eigenen Zukunftsentwürfe brüchig geworden sind. Sie greift auf alte Denkformen zurück, weil die Zukunft selbst merkwürdig leer erscheint.&#xA;&#xA;Hier bleibt eine offene Spannung bestehen. Antike Philosophie kann zur beruhigenden Kulisse werden, zu einer weiteren Technik der Selbststabilisierung in einer nervösen Gegenwart. Sie kann – und sollte – aber auch etwas anderes sein: ein Störsignal. Eine Erinnerung daran, dass unsere Gegenwart weder naturgegeben noch alternativlos ist.&#xA;&#xA;Genau darin liegt die eigentliche Unruhe solcher Texte. Sie konfrontieren uns nicht bloss mit vergangenen Gedanken, sondern mit der Möglichkeit, dass unsere eigene Zeit eines Tages ebenso fremd und fragwürdig erscheinen könnte wie jene Welten, auf die wir heute zurückblicken. Und vielleicht ist es genau dieses Gespenst der historischen Kontingenz, das in der gegenwärtigen Rückkehr zur Antike weiterwirkt.&#xA;&#xA;---&#xA;💬 Kommentieren (nur für write.as-Accounts)&#xA;a href=&#34;https://remark.as/p/epicmind.ch/die-erschoepfte-moderne-und-ihre-liebe-zur-antike&#34;Discuss.../a&#xA;&#xA;---&#xA;Bildquelle&#xA;Salvator Rosa (1615–1673): Pythagoras Emerging from the Underworld, Kimbell Art Museum, Forth Worth, Public Domain.&#xA;&#xA;Disclaimer&#xA;Teile dieses Texts wurden mit Deepl Write (Korrektorat und Lektorat) überarbeitet. Für die Recherche in den erwähnten Werken/Quellen und in meinen Notizen wurde NotebookLM von Google verwendet.&#xA;&#xA;Topic&#xA;#Selbstbetrachtungen | #Philosophie&#xA;&#xA;div class=&#34;signature&#34;&#xD;&#xA;    &lt;img&#xD;&#xA;        src=&#34;https://www.gisiger.biz/assets/storage/epicmind/michael-gisiger-round-2.png&#34;&#xD;&#xA;        alt=&#34;Michael Gisiger&#34;&#xD;&#xA;        class=&#34;profile-pic u-photo&#34;&#xD;&#xA;      div class=&#34;signature-content&#34;&#xD;&#xA;        h2 class=&#34;p-author p-name&#34; rel=&#34;author&#34;Michael Gisiger/h2&#xD;&#xA;&#xD;&#xA;        p class=&#34;p-note&#34;&#xD;&#xA;            Erwachsenenbildner und Coach mit 20+ Jahren Erfahrung.&#xD;&#xA;            Aus philosophischer Perspektive schreibe ich über Produktivität,&#xD;&#xA;            PKM und Coaching – fundiert und praxisnah.&#xD;&#xA;        /p&#xD;&#xA;&#xD;&#xA;p class=&#34;signature-links&#34;a href=&#34;https://www.michaelgisiger.ch/&#34; target=&#34;blank&#34;Website/a · a href=&#34;https://nerdculture.de/@gisiger&#34; target=&#34;blank&#34; rel=&#34;me&#34;Mastodon/a · a href=&#34;https://nolto.social/profile/michaelgisiger&#34; target=&#34;blank&#34;Nolto/a · a href=&#34;https://bsky.app/profile/gisiger.bsky.social&#34; target=&#34;blank&#34;Bluesky/a · a href=&#34;https://www.linkedin.com/comm/mynetwork/discovery-see-all?usecase=PEOPLEFOLLOWS&amp;amp;followMember=michaelgisiger&#34; target=&#34;_blank&#34;LinkedIn/a/p&#xD;&#xA;    /div&#xD;&#xA;/div]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><img src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/6/6e/Salvator_Rosa_-_Pythagoras_Emerging_from_the_Underworld_-_Google_Art_Project.jpg/960px-Salvator_Rosa_-_Pythagoras_Emerging_from_the_Underworld_-_Google_Art_Project.jpg" alt="Salvator Rosa: Pythagoras Emerging from the Underworld"/></p>

<blockquote><p><strong><em>Denn wo Gespenster Platz genommen, // Ist auch der Philosoph willkommen. // Damit man seiner Kunst und Gunst sich freue, // Erschafft er gleich ein Dutzend neue.</em></strong>
– Johann Wolfgang von Goethe, Faust II, Vers 7843 ff. / Mephistopheles</p></blockquote>

<p>Wer heute durch Buchhandlungen, Podcasts oder soziale Medien streift, begegnet der Antike beinahe überall. Marcus Aurelius zirkuliert als Kalenderweisheit auf Instagram, Seneca taucht in Unternehmer-Newslettern auf, und stoische Gelassenheit gilt im Tech-Milieu inzwischen fast als obligatorische mentale Grundausstattung. Besonders Autoren wie Ryan Holiday haben aus der antiken Philosophie eine global vermarktbare Orientierungstechnik gemacht: Philosophie als Instrument zur Selbstdisziplinierung in einer beschleunigten Welt.</p>



<p>Diese Renaissance wirkt auf den ersten Blick überraschend. Schliesslich leben wir in einer Kultur, die sich selbst gern als maximal gegenwartsorientiert und technologisch fortschrittlich versteht. Umso auffälliger ist die Sehnsucht nach Denkern, die mehr als zweitausend Jahre alt sind. Doch liegt gerade darin ein Symptom der Gegenwart verborgen. Vielleicht suchen moderne Gesellschaften nicht deshalb so intensiv in der Vergangenheit nach Orientierung, weil antike Philosophie plötzlich wieder aktuell geworden wäre, sondern weil die Gegenwart selbst an Zukunftsmangel leidet.</p>

<h2 id="eine-gegenwart-ohne-zukunft" id="eine-gegenwart-ohne-zukunft">Eine Gegenwart ohne Zukunft</h2>

<p>Der britische Kulturtheoretiker <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mark_Fisher_(Kulturwissenschaftler)">Mark Fisher</a> beschrieb diesen Zustand mit dem Begriff der <a href="https://doi.org/10.1525/fq.2012.66.1.16">„Hauntology“</a>. Gemeint ist eine Kultur, die von den Geistern verlorener Zukunftsmöglichkeiten verfolgt wird. Die Moderne, so Fishers Diagnose, habe über lange Zeit an Fortschritt, Aufbruch und radikale Veränderbarkeit geglaubt. Heute hingegen dominierten Wiederholung, Nostalgie und Recycling. Die Zukunft erscheine nicht mehr als offener Möglichkeitsraum, sondern häufig nur noch als leicht aktualisierte Version der Gegenwart.</p>

<p>Man spürt diese kulturelle Erschöpfung an vielen Stellen. Popkultur lebt von Remakes und Retro-Ästhetik. Politik verwaltet Krisen, ohne überzeugende Zukunftsbilder zu entwickeln. Unternehmen sprechen permanent von Innovation, produzieren jedoch oft nur effizientere Varianten bestehender Systeme. Selbst digitale Technologien wirken trotz ihrer Geschwindigkeit merkwürdig fantasielos. Die grossen gesellschaftlichen Visionen des 20. Jahrhunderts, in denen meine Generation noch sozialisiert wurden, sind verschwunden oder unglaubwürdig geworden.</p>

<p>Gerade deshalb wird die Vergangenheit wieder attraktiv. Sie liefert nicht nur nostalgische Bilder, sondern auch alternative Denkformen. Antike Philosophie erscheint in diesem Kontext wie ein Echo aus einer anderen historischen Wirklichkeit – fremd genug, um Distanz zur Gegenwart zu schaffen, und zugleich vertraut genug, um noch verständlich zu bleiben.</p>

<h2 id="die-antike-als-gegenwelt" id="die-antike-als-gegenwelt">Die Antike als Gegenwelt</h2>

<p>Entscheidend dabei ist, dass antike Philosophie ursprünglich keineswegs als individuelle Wellness-Lehre gedacht war. Die grossen philosophischen Schulen entstanden in Zeiten politischer Krisen, gesellschaftlicher Unsicherheit und kultureller Umbrüche. Nach dem Zerfall der klassischen Polis suchten Stoiker, Epikureer und Kyniker nach neuen Formen menschlicher Orientierung.</p>

<p>Gerade darin unterscheiden sie sich fundamental von vielen heutigen Rezeptionen. Die antiken Schulen wollten nicht einfach effizientere Individuen hervorbringen. Sie stellten vielmehr die Frage, wie ein gutes Leben überhaupt aussehen könnte – und zwar oft in deutlichem Gegensatz zu den herrschenden gesellschaftlichen Werten.</p>

<p>Die Kyniker etwa <a href="./die-kyniker-und-das-gluck-im-gemusegarten">übten eine radikale Kritik</a> an Besitz, sozialem Prestige und gesellschaftlichen Konventionen. Diogenes lebte demonstrativ arm und verspottete politische Macht ebenso wie kulturelle Eitelkeit. Auch Epikur wurde später häufig missverstanden. Sein Denken zielte <a href="./die-radikale-tugend-der-gelassenheit">nicht auf hemmungslosen Genuss</a>, sondern auf ein einfaches, angstfreies Leben fern permanenter Begierden und öffentlicher Konkurrenz.</p>

<p>Selbst die Stoa, die heute meist als Philosophie professioneller Selbstkontrolle verstanden wird, war ursprünglich weit <a href="./ein-etwas-anderer-blick-auf-resilienz-philosophische-lebenspraxis">mehr als ein Resilienztraining</a> für gestresste Wissensarbeiter. Sie entwickelte eine umfassende Ethik der Weltbeziehung, der Vergänglichkeit und der inneren Freiheit. Dass sie heute häufig auf Produktivitätstipps reduziert wird, sagt vermutlich mehr über die Gegenwart aus als über die Stoa selbst.</p>

<h2 id="die-domestizierte-stoa" id="die-domestizierte-stoa">Die domestizierte Stoa</h2>

<p>Gerade hier wird die heutige Popularisierung der Antike besonders interessant. Die moderne Stoa-Rezeption passt erstaunlich gut in eine Gesellschaft permanenter Selbstoptimierung. Gelassen bleiben. Fokus bewahren. Emotionen kontrollieren. Rückschläge akzeptieren. Möglichst effizient funktionieren.</p>

<p>Im Silicon Valley oder in Managementkreisen erscheint Marcus Aurelius dadurch fast wie ein mentaler Coach für Hochleistungsbiografien. Antike Philosophie wird zum Instrument, um den Druck moderner Arbeitswelten besser auszuhalten. Nicht zufällig stehen stoische Begriffe heute oft neben Themen wie Produktivität, Biohacking oder Selbstmanagement.</p>

<p>Hierin liegt allerdings eine eigentümliche Ironie verborgen. Denn ursprünglich entstanden viele philosophische Schulen gerade als Reaktion auf gesellschaftliche Krisenerfahrungen und Entfremdung. Heute werden dieselben Ideen genutzt, um Menschen stabiler in genau jene Verhältnisse einzupassen, die sie erschöpfen.</p>

<p>Die Philosophie verliert dadurch ihre verstörende Kraft. Sie wird domestiziert. <a href="./besser-leben-mit-seneca">Seneca erscheint dann nicht mehr als unbequemer Denker</a> über Macht, Vergänglichkeit und moralische Ambivalenz, sondern als Lieferant zitierbarer Kalendersätze. Die Vergangenheit wird konsumierbar gemacht.</p>

<p>Dies erklärt genau einen Teil des gegenwärtigen Stoizismus-Booms: Nicht weil die Moderne plötzlich philosophischer geworden wäre, sondern weil sie nach Techniken sucht, ihre eigene Überforderung besser verwalten zu können.</p>

<h2 id="stirners-gespenster" id="stirners-gespenster">Stirners Gespenster</h2>

<p>An diesem Punkt kommt ein anderer Denker überraschend ins Spiel: <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Max_Stirner">Max Stirner</a>. Mit seinen berühmten „Gespenstern“ meinte Stirner keine übernatürlichen Wesen, sondern <a href="https://www.lsr-projekt.de/msee.html">abstrakte Ideen, die Menschen beherrschen</a>, obwohl sie letztlich nur gedankliche Konstruktionen sind. Nation, Moral, Pflicht, Menschheit oder Staat erscheinen bei ihm als geistige Mächte, denen Individuen sich freiwillig unterwerfen.</p>

<p>Interessant daran ist weniger Stirners Individualismus als seine grundsätzliche Skepsis gegenüber ideologischen Selbstverständlichkeiten. Denn aus seiner Perspektive könnten auch philosophische Traditionen selbst zu Gespenstern werden. Immer dann nämlich, wenn Menschen beginnen, sich abstrakten Idealen zu unterwerfen, statt eigenständig zu denken.</p>

<p>Gerade die gegenwärtige Antike-Rezeption enthält eine solche Gefahr. Antike Philosophie wird oft ästhetisiert oder moralisch aufgeladen. Bücherregale voller Stoizismus-Literatur, Zitate von Marcus Aurelius als digitale Motivationssprüche oder Epikur als minimalistisches Lifestyle-Symbol erzeugen eine eigentümliche Mischung aus Orientierungssuche und kulturellem Konsum.</p>

<p>Die Vergangenheit erscheint dann nicht mehr als Herausforderung, sondern als beruhigende Kulisse.</p>

<h2 id="warum-uns-alte-philosophie-noch-irritieren-kann" id="warum-uns-alte-philosophie-noch-irritieren-kann">Warum uns alte Philosophie noch irritieren kann</h2>

<p>Der eigentliche Wert antiker Philosophie liegt gerade nicht darin, dass sie „zeitlose Weisheiten“ liefert. Interessant wird sie vielmehr dort, wo sie fremd bleibt. Wo sie zeigt, dass viele heutige Selbstverständlichkeiten historisch keineswegs alternativlos sind.</p>

<p>Die Antike erinnert daran, dass Menschen Glück nicht zwangsläufig mit Karriere verbinden müssen. <a href="./jenseits-der-mitte-uber-das-alterwerden-die-gelassenheit-und-den-luxus">Dass Besitz nicht automatisch Freiheit bedeutet.</a> Dass politische Gemeinschaft anders gedacht werden kann. Dass permanente Selbstoptimierung nicht die einzige Antwort auf Unsicherheit sein muss.</p>

<p>Genau darin besitzt <a href="./pierre-hadot-philosophie-als-uebung">die Beschäftigung mit antiker Philosophie</a> eine eigentümlich hauntologische Qualität. Alte Texte wirken wie Stimmen aus anderen historischen Möglichkeitsräumen. Sie treten nicht einfach als Vergangenheit auf, sondern als etwas, das in die Gegenwart hineinragt und ihre vermeintliche Selbstverständlichkeit irritiert. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Jacques_Derrida">Jacques Derrida</a> beschrieb das Gespenst einmal als etwas, das weder ganz anwesend noch ganz verschwunden ist. Vergangenheit bleibt wirksam, selbst dort, wo eine Kultur glaubt, sie längst überwunden zu haben.</p>

<p>Vielleicht erklärt das auch die gegenwärtige Rückkehr zur Antike besser als jede romantische Vorstellung zeitloser Weisheit. Eine erschöpfte Kultur beginnt wieder in der Vergangenheit zu suchen, weil ihre eigenen Zukunftsentwürfe brüchig geworden sind. Sie greift auf alte Denkformen zurück, weil die Zukunft selbst merkwürdig leer erscheint.</p>

<p>Hier bleibt eine offene Spannung bestehen. Antike Philosophie kann zur beruhigenden Kulisse werden, zu einer weiteren Technik der Selbststabilisierung in einer nervösen Gegenwart. Sie kann – und sollte – aber auch etwas anderes sein: ein Störsignal. Eine Erinnerung daran, dass unsere Gegenwart weder naturgegeben noch alternativlos ist.</p>

<p>Genau darin liegt die eigentliche Unruhe solcher Texte. Sie konfrontieren uns nicht bloss mit vergangenen Gedanken, sondern mit der Möglichkeit, dass unsere eigene Zeit eines Tages ebenso fremd und fragwürdig erscheinen könnte wie jene Welten, auf die wir heute zurückblicken. Und vielleicht ist es genau dieses Gespenst der historischen Kontingenz, das in der gegenwärtigen Rückkehr zur Antike weiterwirkt.</p>

<hr/>

<h4 id="kommentieren-nur-für-write-as-accounts" id="kommentieren-nur-für-write-as-accounts">💬 Kommentieren (nur für write.as-Accounts)</h4>

<p><a href="https://remark.as/p/epicmind.ch/die-erschoepfte-moderne-und-ihre-liebe-zur-antike">Discuss...</a></p>

<hr/>

<p><strong>Bildquelle</strong>
<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Salvator_Rosa">Salvator Rosa</a> (1615–1673): <em>Pythagoras Emerging from the Underworld</em>, Kimbell Art Museum, Forth Worth, <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Salvator_Rosa_-_Pythagoras_Emerging_from_the_Underworld_-_Google_Art_Project.jpg">Public Domain</a>.</p>

<p><strong>Disclaimer</strong>
Teile dieses Texts wurden mit Deepl Write (Korrektorat und Lektorat) überarbeitet. Für die Recherche in den erwähnten Werken/Quellen und in meinen Notizen wurde NotebookLM von Google verwendet.</p>

<p><strong>Topic</strong>
<a href="https://epicmind.ch/tag:Selbstbetrachtungen" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Selbstbetrachtungen</span></a> | <a href="https://epicmind.ch/tag:Philosophie" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Philosophie</span></a></p>

<div class="signature">
    <img src="https://www.gisiger.biz/assets/storage/epicmind/michael-gisiger-round-2.png" alt="Michael Gisiger" class="profile-pic u-photo">
    <div class="signature-content">
        <h2 class="p-author p-name">Michael Gisiger</h2>

        <p class="p-note">
            Erwachsenenbildner und Coach mit 20+ Jahren Erfahrung.
            Aus philosophischer Perspektive schreibe ich über Produktivität,
            PKM und Coaching – fundiert und praxisnah.
        </p>

<p class="signature-links"><a href="https://www.michaelgisiger.ch/" target="_blank">Website</a> · <a href="https://nerdculture.de/@gisiger" target="_blank">Mastodon</a> · <a href="https://nolto.social/profile/michael_gisiger" target="_blank">Nolto</a> · <a href="https://bsky.app/profile/gisiger.bsky.social" target="_blank">Bluesky</a> · <a href="https://www.linkedin.com/comm/mynetwork/discovery-see-all?usecase=PEOPLE_FOLLOWS&amp;followMember=michaelgisiger" target="_blank">LinkedIn</a></p>
    </div>
</div>
]]></content:encoded>
      <guid>https://epicmind.ch/die-erschoepfte-moderne-und-ihre-liebe-zur-antike</guid>
      <pubDate>Thu, 28 May 2026 08:43:56 +0000</pubDate>
    </item>
  </channel>
</rss>