EpicMonday 32: Drei Arten der Neugier – und warum sie wichtig sind

Illustration eines antiken Philosophen in Toga, der erschöpft an einem modernen Büroarbeitsplatz vor einem Computer sitzt, umgeben von leeren Bürostühlen und urbaner Architektur.

Freundinnen & Freunde der Weisheit! Neugier ist nicht gleich Neugier. Die Forschung unterscheidet mindestens drei verschiedene Varianten. Welche das sind und wie diese unser Lernen und uns alle beeinflussen, lest ihr in der heutigen Ausgabe.

Laut dem Forscher Perry Zurn gibt es mindestens drei verschiedene Stile der Neugier, die unser Lernen und unsere gesellschaftliche Entwicklung beeinflussen. Diese Einteilung basiert auf einer philosophischen Analyse: 2019 untersuchte Zurn klassische Texte von Denkern wie Augustinus, Nietzsche und Derrida und identifizierte drei Modelle der Neugier. Erstens gibt es die „Geschäftigen“ (busybody), die sich für eine breite Palette von Themen interessieren und wahllos Informationen aufschnappen. Zweitens die „Jäger“ (hunter), die gezielt nach spezifischen Antworten suchen und Ablenkungen vermeiden. Drittens die „Tänzer“ (dancer), die kreativ neue Verbindungen zwischen Ideen herstellen und unkonventionelle Wege gehen. Diese Stile sind nicht strikt getrennt – viele Menschen vereinen mehrere dieser Ansätze.

Eine aktuelle Studie zeigt nun, dass sich diese Neugier-Stile auch im Internet widerspiegeln. „Geschäftige“ erkunden eine breite Themenpalette und vertiefen sich vor allem in kulturelle Inhalte wie Sport oder Kunst. „Jäger“ verfolgen eine gezielte Recherche, insbesondere zu wissenschaftlichen und technischen Themen. „Tänzer“ hingegen springen kreativ zwischen unterschiedlichen Wissensgebieten, verknüpfen Ideen neu und entdecken unerwartete Zusammenhänge. Die Art des Stöberns beeinflusst auch das Wohlbefinden: Während ein eng fokussiertes, zielgerichtetes Suchverhalten mit negativen Gefühlen wie Angst und Stress verbunden sein kann, sind offene, explorative Leserinnen und Leser tendenziell positiver gestimmt.

Auf gesellschaftlicher Ebene zeigt sich, dass in Ländern mit einer breiteren, vielfältigeren Neugier auch Bildung und Gleichstellung besser ausgeprägt sind. Die Freiheit, sich in verschiedene Richtungen weiterzubilden, fördert eine gerechtere Gesellschaft – und umgekehrt schafft Gleichheit die Voraussetzungen für eine offene, vielseitige Wissenssuche. Die gute Nachricht: Neugier ist nicht festgelegt. Wir können unsere Art des Fragens und Entdeckens weiterentwickeln – und so neue Perspektiven auf die Welt gewinnen. Und welcher Stil entspricht dir? Bist du eher geschäftig, ein Jäger oder doch eher ein Tänzer?

Denkanstoss zum Wochenbeginn

„Geschichte ist Ironie in Bewegung.“ – Emil Cioran (1911–1995)

ProductivityPorn-Tipp der Woche: Delegieren lernen

Du musst nicht alles selbst machen. Delegiere Aufgaben an andere, wenn es möglich ist, um Dich auf Deine Kernkompetenzen zu konzentrieren.

Aus dem Archiv: Warum Geistesblitze nicht aus dem Nichts kommen

Ich habe lange geglaubt, dass gute Ideen aus dem Nichts auftauchen. Beim Zähneputzen, auf einem Spaziergang, in der Dusche. Dieses magische „Heureka!“ – und plötzlich ist die Lösung da. Aber irgendwann merkte ich: So einfach ist es nicht. Der Geistesblitz ist nur der sichtbare Höhepunkt eines unsichtbaren Prozesses. Und je komplexer das Problem, desto weniger reicht er allein. Wer Lösungen für anspruchsvolle Fragen finden will – ob im Beruf, im Studium oder im Alltag –, muss wissen, wie dieser Denkprozess funktioniert. Dabei geholfen hat mir ein Denker, der schon vor fast hundert Jahren genau das beschrieben hat: Graham Wallas. Sein Modell der kreativen Problemlösung hat mich beeindruckt.

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EpicMind – Weisheiten für das digitale Leben „EpicMind“ (kurz für „Epicurean Mindset“) ist mein Blog und Newsletter, der sich den Themen Lernen, Produktivität, Selbstmanagement und Technologie widmet – alles gewürzt mit einer Prise Philosophie.


Disclaimer Teile dieses Texts wurden mit Deepl Write (Korrektorat und Lektorat) überarbeitet. Für die Recherche in den erwähnten Werken/Quellen und in meinen Notizen wurde NotebookLM von Google verwendet. Das Artikel-Bild wurde mit ChatGPT erstellt und anschliessend nachbearbeitet.

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Michael Gisiger

Michael Gisiger

Erwachsenenbildner und Coach mit 20+ Jahren Erfahrung. Aus philosophischer Perspektive schreibe ich über Produktivität, PKM und Coaching – fundiert und praxisnah.